Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 10 (15.10.1937)
- Date
- 1937-10-15
- Page
- Seite 8 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Jüdisches Gemeindeblatt Nummer 10 ' Prüfung von Kandidaten des höheren Lehramts In einem Erlaß vom 2. 7. 1937 hat dgr Herr Reichs- und Preußische Minister für Wissenschaft. Erziehung und Volksbildung angeordnet, daß einzelne jüdische Studierende, die das vcn geschriebene Hochschulstudium abgeleistet haben, zur Ablesung der wissenschaftlichen Prüfung für das höhere Lehramt. zur Prüfung für das Handelslehramt sowie zur Prüfung I für das künstlerische Lehramt auf besonderen Antrag, und ebenso von Fall zu Fall jüdische Kandidaten und Kandidatinnen, die die wissenschaftliche oder künstlerische Prüfung für das höhere Lehramt abgelegt haben, zur Ablegung der pädagogi- , sehen Prüfung zugelassen werden können. — Meldungen zu;[ diesen Prüfungen sind unter Beifügung ejer notwendigen ' Unterlagen an die Schulabteilung der Reichsvertretung einzureichen. die sie ihrerseits vveitergeben wird. ★ Der Leiter der Jugendgruppe im- Verein selbständiger jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender bittet die Haushaltungsvorstärvde. und Arbeitgeber, auf Ansuchen den Hausangestellten und Arbeitnehmern die i Einteilung der Freizeit so zu gestalten, daß ihnen eine Teilnahme an kulturell oder beruflich wichtigen Veranstaltungen I (Kulturbund. Organisationen. Umschulungs- und Sprachkurse u. ä.) möglich wird Eine solche Regelung wird sich besonders ' dann ermöglichen lassen, wenn die entsprechenden'Zeiten rechtzeitig festgelegt werden. * Jahresbericht des Bet Hachasanim Das an die Jüdische private Musik-Schule Hollaender, Berlin-Charlottenburg. Sybelstr. 9, angeschlossene Bet Hachasanim (Schule für jüdische Vorbeter) hat die Aufgabe, einen durchgebildeten Nachwuchs hauptamtlicher Chasanim heranzubilden. Es legt nicht nur auf gründliches Studium des Chasanut und des allgemeinen jüdischen Wissens Wert, sondern zugleich auch auf eine allgemeine musikalische Schulung. Das Bet Hachasanim besteht jetzt'ein Jahr. Es wurde in dem abgelaufenen Schuljahre von dreizehn Herren besucht. Von diesen waren sechs zu den Hohen Feiertagen als Vorbeter bei der Jüdischen Gemeinde in Berlin in Haupt- und Nebengottesdiensten und bei der Gemeinde Ahawas Scholäum mit. Erfolg tätig. Das neue Schuljahr begann am 1. d. M. Wegen zahlreicher / Anmeldungen mußten die Kurse geteilt werden. Als Lehrer sind an der Schule tätig: der bekannte jüdische Komponist Jakob D y m o n t, Oberkantor Leo A 1 b e c k , Rabbiner Dr. Aron Ohrenstein und ihr Leiter Dr. Oskar Guttmann. ★ * Eine religiöse Jugend-Alija-Gruppe nach Mikwe Jisrael Mikwe Jisrael. Unweit von Tel Aviv, auf dem Wege nach Jerusalem gelegen, stellt einen der ältesten landwirtschaftlichen Punkte in Erez Israel dar. Seit fast 70 Jahren empfingen hier zahllose Schüler aus allen Ländern ihre Ausbildung in allen Zweigen der palästinensischen Landwirtschaft, hier wurden sie an landwirtschaftliche Arbeiten gewöhnt, um später die für den Aufbau und die Entwicklung der Landwirtschaft notwendigen Fachkräfte im Lande abzugeben. Der landwirtschaftliche Unterricht, für den 22 Lehrkräfte zur Verfügung stehen, umfaßt außer den naturwissenschaftlichen Fächern im engeren Sinne: Allgemeine Landwirtschaftskunde, Blumenzucht, Zftrus- und Weinbau. Gemüsebau, Getreidebau. Viehzucht, Hühnerzucht, Molkerei. Imkerei, Bodenkunde. Bewässerungswesen, landwirtschaftliche Maschinen. Der landwirtschaftliche Betrieb der Schule erstreckt sich auf 2600 Dunam! Die Schule besitzt große Pardesanlagen, Obst- und Weingärten, Baumschulen. Versuchsfelder, Kuh- und Hühnerställe, ein chemisches Laboratorium, eine Tischlerei, ein landwirtschaftliches Museum. Bücherei. Die Unterricht von Fachkräften ergänzt und vertieft. Besondere . praktische halbtägige Arbeit wird durch den theoretischen Unterricht von Fachkräften ergänzt und vertieft. Besondere -• Anregungen erhält der Unterricht durch den Betrieb einer landwirtschaftlichen Versuchsstation. Die Jüdische Jugendhilfe. die in letzter Zeit dazu überging, Gruppen der Jugendalija auch in bestimmten ausgewählten Anstalten ausbilden zu lassen, hat sich nunmehr entschlossen, eine religiöse Gruppe nach Mikwe Jisrael zu senden. Die Alija ist für den Monat November geplant.. Anmeldungen von einigen Jugendlichen können noch erfolgen bei dem Ausschuß für religiöse Jugendalija, Berlin-Charlottertburg 2, Kantstraße 158. BesoUaftiqt jüdiscltc Uaudwukec mucL (fcwecbeicci&cude! t/ofe* ^iidticUeu Spoct Xu Uau&ütfy i Im vergangenen Monat war zwar der jjüdische Sport durch die Feiertage sehr eingeschränkt; trotzdem fanden sich zahlreiche Gelegenheiten für sportliche Treffen. Die Wintersplelzeit tritt langsam in Erscheinung. aus Tenniswerden Tischtennis- und Hockeyspieler, und die Fußballspieler kommen wieder zu ihrem Rieht.I Auswärtigen Besuch hatte der Schilid durch die Sportgruppe Leipzig, weiche mit drei Mannschaften {hier antrat. Im Handballspiel siegte Schild mit 18:2. das Fußballspiel der ersten Mannschaften ging unentschieden 4:4 aus, während im Spiel .deij zweiten Mannschaften Schild Hamburg mit 13:0 die Oberhand behielt. Die jungen Mannschaften der Leipziger rijachten einen vorzüglichen Eindruck. In einem Jugendfußballspiel siegte Schild gegen Makkpbi Altona 6:0. Die Handballspielzeit begann mit einerh Treffen Schild gegen Bar Koc.hba, der mit 7:5 Sieger blietj. Ifn , übrigen haben Bar Kochba. Blau-Weiß. Schild und Makkabi Altoha eine Handballspielrunde vereinbart, um hier mehr Spielgelegenheiten zu bieten. In den ersten beiden Spielen siegten Bar Kochba gegen, Blau-Weiß und Schild •gegen Makkabi Altona, beide mit recht hohpn Ergebnissen. Die Hockeyspiele wurden mit einigen Trainingstreffen in Bramf e 1 d zwischen Bar Kochba und S c h i lid eingeleitet, welche zeigten. daß beide Vereine gutes Material zur Verfügung haben. Die Kegler aller Vereine trafen sich zu einem Pokalkegeln über 100 Wurf, das Gut Holz (Bar Kochba) mit einem vorzüglichen Resultat (100 über dem Durchschnitt) gewann. Zweiter wurde «.Wohin rollst Du?“ (Schild) vor Schild I und acht weiteren Vereinen. Bei B 1 a u - W e i ß wurde die Schachmeisterschaft entschieden, die in der ersten Klasse von Grünewald vor Lehmann und Perlmann gewonnen wurde. In der zweiten Klasse siegte B t e i n vor Gelbart, in der dritten v. Halle vor B. Meyer», in Idör yierten Londner vor Horwitz und Wolff, in der fünften Maschke vor Freschl. Auch die ersten gesellschaftlichen Veranstaltungen der Sportvereine fanden bereits statt, deren Erträgnisse der ^Tugundertüchtigung dienen werden. Blau-Weiß hatte einen Gesellschaftsab »nd im Caf6 Prediger, der ansprechend verlief, in größerem Stil hatte Schild zu einem Gesellschaftsabend im Palasthotel eingeladen, der eine erfolgreiche Eröffnung der Saison bedeutete. J. L. Aus deu* JudiscUcu lluttuc&uud Orchesterkonzert des Berliner fcCuUurbundes Der Kulturbund hatte am 28. v. M. für das erste Orchesterkonzert der neuen Spielzeit das Orchester des Kulturbundes Berlin hierher berufen — für viele ein schöner Ausklang urjserdr Festtage. Nicht nur als Berichterstatter, auch als Kritiker kann man hier kaum Worte des Tadels, sondern durchaus nur Worte der Arierkennung und des Lobes finden. Unsere Gemeinschaft muß dankbai? und zufrieden sein, daß sich fähige Musiker unter sachkundiger Ljeitung nach eingehendem Studium mit Darbietungen an die Oeffentlichköit wagen können, die uns für einige Stunden den Sorgen des Al tags entheben und in die reinen Sphären des Kunstgenießens versetzen, unaufdringlich uhd mit würdiger Zurückhaltung leitet der junge Rudolf Schwarz seine Musiker. Dem Kundigen wird ohne weiteres ^lar: hier hat ein geschickter Dirigent, ein Kenner seiner Partitaren, schon in den vorangegangenen Proben ganze Arbeit geleistet, Find auf einander eingespielt; und das Kräfteverhältnis der Instrtumentengruppen erscheint vollkommen ausgeglichen. Schwarz ist keih Pultvirtuose“, wie. wifr deren in vergangenen Jahren gelegentlich zu ,,sepen“ bekamen, sondern ein dirigierender Künstler, der den Taktstock: vornehm, aber ziefbewußt, fast unauffällig, aber, eindringlich zi schwingen versteht. Bei ihm empfinden wir es nicht als anmaßende Geste, wenn er sich ohne Pult und Partitur vor seine Musiker stellt, obvoh sich eigentlich keiner bei so ausgedehnten symphonischen Werl:en wie der Dvorak- Symphonie lediglich auf sein Gedächtnis vei lassen sollte. Und es war bei ihm gewiß .mehr als hergebrachte äußere För nlichkeit, wenn er am Schluß des Abends den ihm gezollten Beifall nit seinen Musikern teilte. Denn .das Orchester hatte wundervoll gespielt! Des ungarischen Juden Karl G o 1 d m a r k mel^dienreiche Sakuntala- Ouvertüre (1865). sein Erstlingswerk, einstm« Is Wel gespielt, verfehlte auch dieses Mal nicht’den Eindruck. Gleich ::u Feginn die tiefschattige Einleitung der Bratschen. Fagotte und Celli, socann die kriegerischen Marschrhythmen im Mittelteil, gestützt vor} Pc saunen, Tuba, Trompeten und vier rein spielenden Hörnern, tind dann die prunkvolle Apothese des Werke weisen auf eine programmatische Deutung hin: das Sakuntala-Thema in seiner idyllischen Waldeinsamkeit, die Jagdhörner des Königs mit ihrem weltlichen Ei ibrilch in die Stille, und schließlich, nach Irrwegen der Leidenschaft und des Ehrgeizes, der Triumph Sakuntalas. — Und doch: wenn Beethoven von seiner Pastoralsymphonie sagen konnte ..Mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei“, so könnte man auf Goldmarks Sakuntala-Ouvertüre abgewandelt sagen: ..Mehr Malerei als Ausdruck der Empfindung“. Den Schluß des Abends bildete die e-moll-Symp^onie op. 95 (Aus der neuen Welt) des Böhmen Anton Dvorak, ein Gfuß des Komponisten an die Freunde in Europa, als er 1894 in Amerika weilte. Durch die Aufnahme und Durcharbeitung böhmischer Rhythmen und Klanggruppierungen verlieh Dvorak seiner Sehnsucht nach der Heimat Ausdruck, verwoben mit musikalischen .Eindrücken aus der „Neuen Welt“. Stürmischen Erfolg erspielte* sich Erich* L a n d e r e r durch den Vortrag des pompösen b-moll-Klavierkonzerts von. Peter Tschaikowsky. das die Widmung an Hans von B ü 1 o w trägt und durch Bülows und R u b inst e i n s Interpretation seit der Mitte der siebziger Jahre einen dauernden Platz im Konzertsaal behauptet. Länderer griff mit temperamentvoller Wucht die gewaltigen Akkord- und Oktavengänge und wurde, besonders in virtuoser Hinsicht, den großen Anforderungen gerecht, die dieses technisch schwierige Werk an den Pianisten stellt. Dr. Joseph Jacobsen. ★ Vortragsabend Otto Bernstein Der. Kulturbund vermittelte in der ersten Veranstaltung seiner neuen Spielzeit die Bekanntschaft mit einem interessanten Künstler, j Otto Bernstein sprach Szenen aus dem „Grafen von Charolais“ und ■" kleinere Prosastücke von Hesse. Giono. Bang und Percz. Das : Kennzeichen von Bernsteins Kunst ist zuchtvolte, vornehme, jeder billigen Wirkung abholde Sprachkultur. Das zeigte .sich auch in der Zusammenstellung seines Programms, in welchem manches Abseitige stand, das nur spröder Stoff für die Kunst des Sprechers ist. Hoffentlich bietet sich ein anderes Mal» einem größeren Teil des Publikums Gelegenheit zu dem seltenen Genuß solcher Sprachmeisterschaft; denn infolge der Verdunkelungswoche war der Besuch der Abende nur schwach. Der Beifall war an jedem der drei Abende gleichermaßen sehr herzlich. h. G.