Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 8 (20.8.1937)
- Date
- 1937-08-20
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 udisches Gemeindeblait Nummer 8 Erikit / I c f : Die Aussichten einer diplomierten Gymnastiklehrerin . s* Der Beruf der Gymnastiklehrerin ist heute einer der angesehensten Frauenberufe. Jeder hat den Zweck und den ideellen Wert der m-y deuten Körperschulung erkannt. Daher bietet gerade dieser Beruf im In- und Auslande die beste Gewähr für eine gute .Existenz. Das Betatigungsgebiet der Gymnastikerin ist sehr weitläufig: sie kann als Assistentin beschäftigt oder an einer Schule -angestellt werden oder auch eine eigene Schule eröffnen. Besonders aussichtsreich ist es. Massage und Heilgymnastik hinzuzunehmen, weil sich dann noch die Möglichkeit einer günstigen Zusammenarbeit mit Aerzten und meö - zmiüchen -Instituten ergibt. Nicht zuletzt: die^Gymnastikerin ist Herrin >hrer Zeit» Sie kann die Stunden nach eigenem Ermessen legen. Die Ausübung ihres Berufes würde nicht einmal einer Ehe hinderlich setn können, und wenn es ihr im Getrie'be der Großstadt zu eng wird, kann sie ihre Zelte an irgendeinem Kurort aufschlagen. um Sommerkurse zu erteilen. Denn Gymnastikstunden Verden überall gern genommen und [gut bezahlt, und so manche Frau trennt sich während der Ferien- .zeitj nur ungern von ihrem regelmäßigen Körpertraining, j tDie Sprache der .Bewegung ist international. Es ist leicht, sich im 'AuSlande ohne viel Worte zu verständigen, und gerade im Auslande 1 ist heute das Diplom einer deutschen Gymnastikschule besonders anerkannt. Fast alle Systeme der modernen Körperbildung haben in Deutschland ihren Ursprung. ’W’as ehemals schwedische Gymnastik besagte. bedeutet beute deutsche Gymnastik. Das bezieht sich auch auf -der! Tanz. Man denke nur an Namen wie Laban, Wigman, Palucca. Im Auslande wirkt sich die Reform der Bewegung, die hier entstand, erst heute aus. ' Anderseits werden innerhalb Deutschlands in den verschiedensten Städten noch gute Fachkräfte für gymnastische und auch tänzerische Körtferbildung gesucht und gern unterstützt. In den meisten' Städten ist es ausgeschlossen, andere als nur jüdische .Gymnastikschulen zu I best chen. , 1 f|üi*';die jüdische Gymnastiklehrerin sollte es eine besondere ideelle ' sowie Vor allem kulturelle Aufgabe »ein. an der körperlichen und seelischen Gesundung unserer Generation zu arbeiten und mitzuhelfen. Alle jüdischen Gemeinden müßten als erstes den Unterricht für Körpererziehung fördern. Jede Mutter müßte vor allem ihrem Kinde ein i regelmäßiges Korpertraming ermöglichen. Zweck und Wert der Bei ’vegung: gesteigerte Leistungsfähigkeit. Veredlung und Gesundung des i Körpers. Erhaltung und Wiederherstellung des seelischen Gleichlg«'U»chts. Erleben von Raum- und Gruppengefühl. Erfassen vom i Rhythmus.’ Du.* gesteigerte Form der Gymnastik — Bewegung als Ausdruck — fuhr, rum Tanz. Tanz ist- Rhvthmuc und Rhythmus ist Bewegung, d:o das ganze. Leben erfüllt. * uj.e M i 1 e e - S c h u 1 e Hamburg <ist berechtigt, für Gymnastik und ■ Tanz nach einer zweijährigen Ausbildung und Abschlußprüfung ein staatlich anerkanntes Diplom, das zur* Lehrbetatigung berechtigt, r.u erteilen. Die Milee-Schule ist bekannt; außer der Leiterin und Inhaberin der Schule. Erika Michelson-Milee. sind noch folgende Mitarbeiter beschäftigt: Anatomie: Dr. med. H. Band mann vom Krankenhaus der Ge« melpde. Massage: Lisa Philip, staatlich geprüfte Masseurin, yV.-f*1 Photo; Knt«o, Hamburg - TV >« Musiktheorie: Oswald Behrens, ehemals am Brahms-Konservatorium. « Schnfttanz und Choreologie: Herbert Vogel, Labanschulc, Ballett: Rosa Cerini-Robitschek, ehemals Ballettmeisterin. Die Ausbildungsschülerinnen werden nicht nur praktisch, sondern auca theoretisch aufs vielseitigste gebildet. Tanz und Gymnastik werden gleich stark berücksichtigt. Der Lehrplan umfaßt folgende Fächer: * Gymnastik obligatorisch : Gymnastische Körperbildung — Heilgymnastik, Atemlehre — Pädagogik — Anatomie, Physiologie — Geschichte der Leibesübungen — Choreologie (Raumlehre) — Rhythmik — Bewegungschor — Lehrproben. Wahlfächer: MassageSäuglingsgymnastik — Leichtathletik — Sprechen —• Bewegungszeichnen. _ ~ Tanz obligatorisch : Tänzerische Körperbildung — Ballettexercises, Akrobatik — Bühnentanz — Einzeltanz — Improvisation — chorischer Tänz — Pantomimik, Ausdruck — Tanzregie — Tanzpädagogik, Choreographie — Tanz- und Geräuschrhythmik — Raum- und Harmonielehre — Kinetographie (Schrifttanz) — Geschichte des Tanzes. , Wahlfächer; Spitzentanz — Step — Bewegungs-Zeichnen — Sprechen. Die Ausbildungsklasse hat 'Gelegenheit, bei öffentlichen Veranstaltungen der Schule mitzuwirken und so einen größeren Kreis am Erlebnis von Tanz und Bewegung teilnehmen zu lassen. Bereits entlassene Ausbildungsschülerinnen mit Abschlußprüfung: Frau Annie Rau- Bamberg. Frau Dr. Olga Buxbaum - Leipzig. Fiau Inge-Beate L e d a - Harpburg, Frau Lisel W e_y 1 - Essen. Alle mit Abschlußprüfung bisher entlassenen Schülerinnen verfügen schon über einen größeren Wirkungskreis und finden ihre Existenz in dem-Beruf als Lehrerin für gymnastische oder für tänzerische Körperbiliung. Literarische Mitteilungen Kalender der Jüdischen Künstlerhilfe 1937 38 — 5698 99, herausgegeben von der Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Leitung: Dr.. H. Schildberger. Verlag: Joseph J a s t r o w , Verlagsbuchhandlung. Berlin W 15. Kaiseraliee 21. Als erster der Kalender auf das Jahr 5698 erscheint wiederum der Kalender der Jüdischeti Künstlerhilfe mit einer Reihe vortrefflicher Illustrationen und mehreren Proben ncujüdischer Lyrik. Auffallend groß ist die Zahl der in diesem Kalender wiedergegebenen Porträts; es scheint, als ob der jüdische Künstler für die Wiedergabe des menschlichen Antlitzes eine besondere Vorliebe hätte. Es ist schwer, einzelne Künstlerpersönlichkeiten und ihre Werke aus der Reichhaltigkeit des Kalenders hervorzuheben. Immerhin nennen wir die Reisigsammlerin von Max Stern, ein sehr naturalistisches Stilleben von Anneliese Ratkowski-Braun, die Blumen in Taormina von Emme Frankenberg, ein wunderbares Frauenbildnis von Julius Moser (1808—1879). die Straße im Schnee von Minna Lewi, das junge Mädchen (Radierung) von Alfred. Lob — Wenn wir von Max Liebermanns Mutter und Kind absehen, wohl das feinste und beste Bild des ganzen Kalenders — und den feinen Judenkopf von Geskel Salom a n (1821—1903). Den begleitenden Text haben die Herren Prof. F. Landsberger. Dr. M.-Osborn unter Mitarbeit der Damen Dr. Lydia 'Baruchson-Aschheim und Dr. Ir.mgard Schüler verfaßt. * Ganz kurz weiten wir im IcUL-n Augenblick hm auf den »ubm unter der Redaktion von Dr. Walter Groß htraii»ßckommen*.n Palästina-Kalender für da-, Jahr 5698. Semem Text, für den Auibau des Heiligen Landes in Wort und Bild 2u werben, wird er in ausgezeichneter Weise gerecht.;Man staunt einfach über den Reichtum an schönen Bildern, die man hier vereint findet., und zwar -gilt das I.ob uneingeschränkt den Landschaftsbildern. den Bil'dern von der Arbeit \und den Bildern von de«n Leben im Heiligen Lande. Allen, die zu diesem schönen 'Xcrke lutgetragen haben, kann itaan nur aufrichtig danken. Kinc dem Kalender hcigegebonc Holle ermöglicht cs. die einzelnen Blätter. deren Kalendcrzyit *hgclaufi-n i-t. zu sammeln und'für beschauliche Stund«.m auf/ubew ahren. —n. ★ im Schocken-Verlag erschieß soeben eine deutsche UebcrSetzung des Berichtes der Britischen Königlichen Palästina-Kommission. Da der Bericht sehr eingehende Schilderungen des palästinensischen Aufbauwerkes enthalt und eine eingehende Kenntnis aller mit dem Palästina-Aufbau zusammenhängenden Fragen vermittelt, sei auf ihn auch an dieser Stelle hingewiesen. 4 ★ Dr. E. L. Ehrmann. Sukkot und Simchat Tora. Hin Quellenheft. Jüdisch« Lcschcftc hrsg. von A- Lcschnitzer. Nr. 16. Im Schocken-V erlag Berlin 1937. 8". 64 Seiten. F ‘ 0 ■ Dasvorliegende Heft, das sich auch äußerlich durch ein handlicheres Format von. seinen V oryangcrrj unterscheidet, empfiehlt sich durch sciqcn reichen Inhalt von selbst. Dieser behandelt in 5 Abschnitten das Sukkotfcst in der Bibel und im nachbiblischen Schrifttum. Regen und Wasser (Aus dem Schrifttum — Zur Palästinakunde), Fcstschildcrungcn aus neuerer Zeit, das Fest in der jiddischen und hebräischen Literatur der Neuzeit und dtc Tora-Vorlesung am Simchat Tora. ' ★ Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums.., hrsg. von J. Heinemann, 1937, Heft 3. Die vorliegende Nummer der von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums herausgegebenen Zeitschrift ist dem Andenken Isaak Abravanels zu einem erheblichen Teile gewidmet. Der erste Aufsatz behandelt die Staatsauffassung Abravanels; in ihm zeigt £. Urbach, in welchem M?ße der Staatsmann und Bibelerklärer in Abravanel zusammengewirkt haben. In seiner Stellung zu den Fragen' der Staatsverfassung, insbesondere zum Königtum, steht nach der Darlegung Urbachs Abravanel.offenkundig unter dem .Einfluß der Erfahrungen, die er mit der Monarchie gemacht hatte, und versteht von hier aus die durch die Renaissance wiederbelebte Kritik des .klassischen Altertums an der Monarchie. Der frühere Berliner Rabbiner J. Bergmann zeigt Abravanel im apologetischen Kampf: er versucht, aggadistische Aussprüche, die man christlicherseits den Juden vorhielt, ganz im Sinne der Zeit und zumal der christlichen Exegese umzudeuten, während er es ablehnt, kabbalistische Ideen in sie hineinzuinterpretieren. Auch sonst enthält das Heft vieles Anregende, und zwar auch für den wissenschaftlich gebildeten Juden der heutigen Zeit. — Man abonniert die Monatsschrift, indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin wird und den Jahresbeitrag von 10 JVH ihrem .Postscheckkonto Berlin 7030 sendet.