Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 2 (9.2.1937)
- Date
- 1937-02-09
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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s. Ii, 1/1 Gemeindeblatt der D e u t s c h - I s r a e I i t i s c h e b Gemeinde Nummer 2 AUS DEN JÜDISCHEM KULTURBUND Orchester- und Liederabend im Kulturbund Das J. Orch^slerk'onzert unter Leitung'von Richarel Ka rp .1111 l+. v. iL hatte, »volil durch >eiir buntes, viel»ersprethendes Programm, erfreulicherweise recht viel Besucher herbeigel«Äkt. I inI es bestätigte sich wieele-r einmal die Wahrheit des Gttetjpesciien Worte*: ..Wer viele« bringt, wird m.inchem etwas bringen, und jeder geht befriedigt aus dem Hau*." Ohne \ergletchp mit anderen (>r»he*ter»ereinigungen aufzustellen, kann in.in jretrost mit Stolz auf die Leistungsfähigkeit <les nunmehr gut eingespielten und trefflich besetzjen" Orchesters der Jüdischem Kulturbünde (Krankfurt a. M.l hinweisen. Die Musiker, verstSrkl durch einheimische kiinktler. gingen willig <len Intentionen ihres temperamentvollen Dirigenten nach, dessen lebhafte, jngentHich-schwuTievolle Zeichengebung auch für die sinnen Bewegungen interessiert folgenden Hörer gleichsam StttndftlttrnK war: Diese waren begeistert um! dankbar: denn «er i-t nicht beglückt, wenn er Sclulierts „Lnvol leiHlet e". vernünftig, sauber und übersichtlich] gespielt, genießen darf:"! Wi r läßt «ich nicht mitreißen von $i/ets anfeuernden, melodisch schmiegsamen Klängen der Tarandole aus Trlesii iine-Siiiie'. I nd wer bleibt! kühl und kalt bei schmissigen Weisen Johann Strauß?! IU' l r i ,i « aU Solistin getiel Um Mahler-I.iedern, obwohl ihre sympathische gepflegte Sopratinimn*e den großen ( iinventgartensaal nicht restlos füllt und gclegeiitlieh mehr als not»»endii durch das begleitende Orchester zugedeckt wurde-. In dejr Arie, der Susanne aus Mozart* Figaro —die mit Absicht wohl, aber ohne größere Wirkung durch die Ouvertüre zur gleidinamigen Oper eingeleitet Wurde — bewunderte man ihre durchgebildete Ansat/.- tind Atemtechnik, die lür sie die Grundlage zu ihrem vornehmen Heb i Mio bietet. _ Dr. Itneph ] a c » h s e n. «ler < )iiverture ef.el der; den zum Zigennerbaren von besten in den beiden I). ()ssip D» ntow: rjkoRtcidie de Der Sänger seiner Trauer Dichters 0>>ip D » m n w , deren Aufführung dem iy in.....Olm ,i. s' riissisdicn .Der S a 'n z <• i s e i ji er Trauer. Kulturbünde einen neuen i rfolg hraihte, liegt keinerlei Problematik, sou.lein lediglich eine -ehliehte und -«zat meli*dilicli unwirkliche Lieliesf r-igexlic zugrunde*. Leberhaupt alles in diesem Stücke ist unwirklich. Die S/erie i-t »oller Symbole, die Personen sind Karikaturen im! Marchenfiguren und die Handlung Lntstel hl Ilgen, die nach -1 < - r tragischen und komischen Seite hin in einem unnatürlichen t|erhaltr.is zur Wirklichkeit sli-hen. Dadurch »»irki die >zene Injflg «l.archi■ m11,i 11. Die letztere ist überhaupt nur ■gründe" stehen die seelischen Erschütterungen, diq' entstehen, \wnn unendliche Liebe und seelische Hingabe bis zur-Selbstentäunrnng mit »r.i-i-Mom Kgoit-mus. Herzensroheit und Intrigen auI< in.iuderpralleii. IJie hierdurdi entstehenden herzzerreißenden Spannungen werden noch durth die lebendige Musik, die sich allen Stimmungen anpaßt, und selbst durch die | er/aiiberf und die ll.unl- Pü'beiLsäche. Im Vorder- FURDIE JÜDISCHE WINTERHILFE EINTOPF SAMMLUNG AM 1<r. FEBRUAR 193? tote Wrand. deren Herz blutige Tränen weint, gebqben. Das Stuik will also nicht mehr und niclit weniger, als die Zuschauer in Stimmungen versetzen, in die nur Poesie und Musik mit ungeheurer Zartheit den Meiisihen bringen können, und deshalb kann es nur auf diejenigen zur W irkung gelangen, welche In-reit sind. Dichter und Darstellen willig in die Welt der Stimmungen z.u folgen. Es ist W'interiiadit, und gespensterhaft heult der W ind. Doch es ist nar nicht der Wind, es ist der tote usik. der immer noch weint, »»eil eine grolle Liebe sein grolles Herz, verbrannte. Sein Herz war größer als die Herzen anderer Menschen, es hatte nicht Platz, in seiner Brust. Kr rill es heraus und warf es einem schönen' und jungen Mädchen »or die Füße, Doch das Mädchen sah sein Herz nicht und zertrat es. Das alles erzählt die Großmutter ihrer Enkelin vor dem Schlafen, und schon erscheint der tote usik dem Kinde: die. Szene verwandelt sidi in eine Küche; in der die tragische Geschichte des Yusik nun abrollt. Die Briefszene bildet den I löhcpunkt aller Tragik und Komik des Stückes. Da» Mäddien. selbst »on seiner großen Liebe erfüllt und durch ungestillte Sehnsucht innerlich aufge-»» iihlt, nicht imstande, das Leid und die Trauer des armen lMisik mitzufühlen, kränkt und verletzt ihn in so herzzerreißender Weise, daß s,-||,st das Herz der toten Wand erglüht und blutige Tränen weint. Wenn dieses Verhalten auch ohnedies menschlich nicht zu überzeugen verm ig. so hätte doch Marie-Louise Bruch durch ihr Spiel es menschlich verständlicher machen können. Allerdings — das .>ei zu ihrer Entschuldigung betont — gehört zu dieser Lösung schon eine überragende schauspielerische Befähigung, und man muß zugehen, daß Fräulein Bruch ihre schwierige Bolle im übrigen mit großem Geschick spielte. Das gilt auch von Heinz Friedeberg-, der den usik gab. Der Dichter stellt ihm eine besonders schwere Aufgabe, und es ist entschuldbar, wenn er trotz seiner lobenswerten Leistung die letzten seelischen Feinheiten,] weiche die Darstellung <le< i usik ollensichtlich »erlangt, nicht herausholen konnte-. Wenn die anderen Schadspieler vornehmlich in der Aufmachung als MäTchenfiguren mehr befriedigten, so lag das nicht .in ihrem besseren Können, sondern au ihren wesentlich leichteren vüfgaben. Elitz V e I C h io r gefiel sehr in der Bolle des gespensterhaften -Schornsteinfegers.-1 Kurt Appel spielte äußerst gc-chickt den übertrieben geschäftigen und hastenden Hausierer, Willi Kruszynski stellte ,als knctht-ltupprccht- Figur den arten W .is-erträger dar, und Krna Cnbn-Lorenz hatte als 11ühnerfran. die durch die ständige Re-rührung mit den Hühnern in ihrem Gange und ihrer gackernden Stimme selbst f.ist /um Huhn geworden ist. den wohlverdienten grüßt.•« -Erfolg. Kdith II er ßl ick g.ib als Gnädige eine vorzügliche . Karikatur und ein he-r» orr.iircinle« Spiel. I ritz Ben scher spielte iilieizeugend die nrfsympajfbische Rolle des Bräutigams ohne Herz und Gewissen, und Kita Nae liu-m stellte die Bolle des kleinen Mädchens dar.'wobei eine gewisse Lnbeholfenheit durch den Charakter der von ihr zur Darstellung gebrachten Figur verborgen wnrde£ Ganz hervorragend erwies sich wieder, angesichts der unzulänglichen Räume und Mittel. Hans B u x - bau ms Regie, und das Gesamturteil fassen »vir am besten dadurch zusammen-, daß »vir das jüdische Publikum auf seine" ernstliche- Verpflichtung, hinweisen.. Jen Kulturbund durch den Besuch solcher Darbietungen existenzfähig zu erfüllen. * Ossip Dfii«, 1878 in btialystock geboren, lebt Kit 1913 in Amerika. F.r hat da« Stück für ein jiddisches Theater in New York in jiddischer Sprache geschrieben. Für die einzelnen Figuren des Stückes dienten ihm offensichtlich jüdische Vulkstvpcn als Vdrsveirf, io insbesondere der Wasserträger und der Hausierer. ,_. __ " . Hesse. * 1 Aus eler Tätigkeit de-s Reidisverbandes der Jüdischen Kulturbünde "Das Präsidiura des Reichsverbindes «ler Jüdistheu Kulturbünde ist intensiv mit dem weiterei Ausbau <h-r Tätigkeit iles Reichs»c rbamles In-sthäftigt. Insbesondere geht es den Notwendigkeiten ejner ventarkteti Rtogrammlieratung der einzelnen Kulturbünde nach utul hat auf e|en Gebieten eler Dramaturgie-. <le-r Konz^ertprogramrae und de-s Vortragiwesens Ar- , bette« in die'Wege geleitet, die defl Kulturbünden in Form von Programiiiemplehlunge-ii zugäu^ig gemacht werden. Auch die Bearbeitung von Ruliue-mvei keu. dje besonders gut in den Rahmen der jüdischen Kulturbundsarbeit hineinpassen, hat das Präsidium eitrreleitet. I m kleinsten C>emeiiidv-n und Kidhirbündcndie Mdglichkcil liodnvertiger Darbietungen zu geben, hat es die Errichtung eines Sdiallplatte:iardii»s uiit- Aufttuhmen jüdischer Künstler' ■nd.TonWerke in Angriff genommen.Uiegc-nwärtig lindel eine Bestanclsanfnahme dc-r vorhandenen «nnstleriscn wert»ollen Schallplatten statt. Der Reichs»erbaneT wird iu aller Kürze