Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 1 (15.1.1937)
- Date
- 1937-01-15
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit. 8 Grmrinilohlall der Do^uNoh -Israelitischen Gemeinde Nummer 1 AUS ID JUDISCHEN KULTURBUND MENSCHEN IN WEISS Mit der Aufführung von S. Ktng4leys „Menschen in Weih"" hat der Kulturbiiiid, w iel allenthalben anerkannt wird, »eine Bisher reifste Lei-tumr iWgeboteii. Keine seiner Auff üb Hungen hat die Zuschauer, die an 'den drei Abenden den TbeilteEsaal des Gonventgarteis bis üi»f den letzten Platz füllten, so angeregt, so gefesselt, so Erörterungen und Aussprachen herbeigeführt, wie elh'ses Stück! aus dein Lehen des Allings. Sei es nun die Tragödie des jungen unerfahreneil MeHNcnenkiiides. das an seiner ersten Liebesaiifwaltung zerschellt und zugrunde geht — sei es die [Tragödie des Arztes überhaupt, der mehr «leim ein Mctischenalter in heil'eiu , Bemühen auf Hilfe und ■ Kettling sinnt, und <ler dann einem un-iheinbaren Ltwns ohnmächtig gegenübersteht, mit dessen Auftreten ei rechnen muH und dein er doch nicht vorbeugen kann — ~ei es endlich der Widerstreitzwischen Pflicht un<l Beruf auf der einen und der Neigung und dem Kigenleben auf dei .indem Seite... die Aufführung des Stückes ergriff einen jeden, gab einem jeden zu denken, rüttelte ihn auf und erschütterte ihn und lieK ihn so balcDnithl wieder los. Denn was brachte dieses eine Stück nicht alles? Eine grolle Zahl \«>li Menschen. last idle des gleichen Berufs, stellt kiligsley auf die Bühne. \<m denen doch keiner! dem aiplern gleicht. Aeizte, die lmii/ ihrem Berufe hingegeben, ihm wie einer heiligem K. 11n-t ergelien sjnd und ihm dieiien und solcher Auff:i»»ung des ärztlichen Berufs wenigstens!durch ihr Wort noch Geltung zu versebaffen suche«, wcmm sjie dem Alter ihren liilnit, /ii zollen: sich genötigt sehen, andere, die zu hohem können und Leisten befähigt. Armut und Namenlosigkeit auf sich nehmen, um l«s Weih ihrer Liebe; zu gewinnen, daneben wieder an lere, deren Jugend vielleicht dfe innere Kiiistellung zu dem erwählten Berufenoch nicht.klar erkennen läl't... Da hli<4efl wir hinein in den täglichen Betrieb eines grollen kiankeiih.MiM's mit «lern tätlich sich" erneuernden k.nn|»fe des Arzte? um die* ihm anvertrauten Menschenleben. höri-ti den ei-ihüUenide-n Schrei <lcr um ihr Liebstes kämpfenden Muller, sehen bewegt, wie- Irre-n und I rkennen gierade im Berufe iles Arztes einander l)egegnen, ur.el wievon solchem Irren und l.r kennen des Arztes oft... wie oft?... [Tod und Leben dos krupkt-n bestimmt weiden... Dali am Schlüsse ele-s Stückes die verwöhnte junge Dame der Gesellschaft ihre Ansprüche an de-n Verlobten den Erfordernisse*, ja der Heiligkeit seines Berufes unterordnet, besiegelt <üe Apotheose des -ärztlichen \\ irkens, für ilas Dr. Perrins List prophetisch aiimutende Worte höchster Weisheit rindet. Uli*, die- .in der Aufführung dieses Stückes mitgewirkt haben, hätten \ erdient. d dl wir -je an «lieser Stelle mit Namen nennen; denn sie- .diehallen an diesen Aliendcn ihr Bestes ^egrben. Doch wir besdiräukeii uns auf die Erwähnung einiger Auln.: Kastan. Hamburg. Spitzenleistungen und nennen, wie selbstverständlich, zuerst eleu Dr. Pe-u ins Julius .k o b I e r*s-. Kr War in jedem Augenblick der überlegene Ar/t. dem die ärztliche l'flicht. das Hellen und Unten in vorderster LiniestehL der in den für ele-n Arzt entscheidende'.'! Yiigcnblickcii keine Rücksicht auf die eigene Person kennt und gleiches von jedem Arzt verlangt, aber doch auch defr.durch die Jahre <h-r \rbe-it und eler Erfahrung gereifte, das.. Lehen meisternde Manu. <h-r, weil er so vieles versle-ht. mich so vieles zu verziehen we-ill. und in <h-iii sich kühle; I elierlpgll ng, klarer Blick und die" Abgekjärtheil und Weisheit des Alters zub-tzt harmonisch e|neiii. Auch kurt Appel bot Vorzügliches in seinen beide-n Hollen: w ieer /abliebt und natürlich seinen Wunsch äußerte, dalfr Dr. Ker-ruson in einem besonderen lalle eingreifen/Sülle und sonst keiner, das war eine kle ine, von vielen vielleicht gar nicht bemerkte oder beachtete Leistung für sich. Fritz. Melchior Zeigte sich seine r grollen Aufgabe gewachsen. Den werdenden, zu Großem befähigten und berufenen Menschen in seinem innern kample, seiner Gewissensnot und in seinem endlichen Siege vermochte er glaubhaft tteezustcUen. Seine Partnerin Marie-Luise B r u e h war eine zarte, unmutige Schwester, deren Bewunderung und Aufti.: Kaslan, Hamburg. Liebe für eleu jungen Dr. Ferguson die Zuschauer milempfanden und teilten. -Wie Evelyn, dievon Lotte Oppenheimer dargestellt ■ wurde, unwillkürlich vor Dr. Pe-rrins, \un seiner Persönlichkeil bezwungen. Haltung annimmt, zeigt (las hier wiedergegebeile Bild. Neunen wir endlieh noch II.ins ßitxhuums meisterhafte Regie »ml Alfred M ü,l I e r s bühnenbiblnerisehes können und fassen wir .zusammen: I'iir die-se Leistung schulden wir dein K n It ii r Ii ii nde reichen Dunk. iVi M. Am/mu. * Chanukka im Kulturbund Auf e-ini-m von dem kultiirhunc] und eler IIZV gemeinsam veranstalteten (Jianukkaabeml gelangte nach einer Ansprache des Herrn Rahh. Dr. N u ß h a u m - Berlin ein!-11 hnri-i he Tan/fcier \on Krika Miebelson zur I rauffuhrung. Di« Idee des Spiel- -tamiiit von Mi-ir lf rrlnei : -ie Wurde von Krrka Mirhelson ausgebaut.; eheiiiu-ikali-<lic Begleitung sehrieb Oswald Behrens. Das Tanz-piel bringt teils paiiiiiiiiinii-rli. teils tän/i-risi-h in Verschiedenen Szenen die Mallubiergesrhtcbte. Zwei Welten stehen einander gegenüber, die iler Syrer und die der Inden. Diese (re^enülier-lellun^ gelang in jeiier Beziehung vortrelTliebdie- Wirkung wurde im besonderen dureli ilie werh-rlvolle S/enenfol^e er/iell. Dein Einzüge de* Köiii|is Kpiplianefiü^t die >/ene im Lebrhause: dort eine Darstellung von Kultur und \nlk der Serer. von l ehernrul und Siegesitininiung^ die sieh im Täu/eri-ehe'ii lie-miderarirkungsvoll gestalten läl.'u: ltaeeliauliiineii mit ihren \ erfidiri-eilen Reiten, amiiut\<dl«' * Priesierinneii mit der weirhen Grazie ihrer Bewegüngen zeigten eine sehr gute Einzel- und (>rupuen1eistung — hier in den jüdisehen Szenen daern-ti- Sueben und t.rülieln. da- Wesenhafte de- Judentumin deutlicher Kennzeichnung und Charakterisierung von Volk und Kultur. Dem Götzendienste im Tempel fol^'t die .(■r-ehüllernih- Szene der Fraafenklage. Mil die-em Bilde, in welrhem llämia um ihre Sf»hne kla^t und die Frauen /u ihr koiiinien. mit ihr zu trauern, erri iehte ilas Spiel -einen Höaepunkt. Dagegen konnten de r Kampf und da- I e-t iler Makkaliäei. die beiden SrhhißbildeT, nur noch geringe \\ irkung erzielen, obgleich -ie den Aufstieg, den Sieg versinnbildlichen. Dieser besondere Erfolg der großen f'rauenszene big'vor allem an Lrika Micbelson« rigener ausgezeiehneter Leistung. Sie- Behuf dureli beseelten Aii-drin-k um: meisterhafte Bewegung eine firolh* und eehtä HannageSlalt. Aber auch die mil ihr klagenden Krauen hatten die (iriitSe iler Szene -<i voll eriaUl. paßten sieh ihr mil solchem Rhythmus im Schreiten und Schweigen, mil soJrfa sprechendem Mimik- und <.ehärilen-piel all. ilat! ila- Bifd zu einem harmonischen <-aiiz< n wurde und die Zuschauer liel er^rifT... Die Bühnenbilder und die Ko-iiimtrrung waren eine Mrölep-Ieistung von Anny Go«( Zu dem Krfalgr truji auch die Musik, die von Oswald Behrenselbst ausgezeichnet dirigiert wurde, -ehr wesentlich hei. Jedoch e\ar eli<- ehe Syrischen Szenen begleitende Mu-ik mil ihrem lebhaften Temperament, ihrer schwunghaften Stii.....ung wirknngsvollet aldie für die jüdischen Szenen geschriebene. Diesen halle man ein stärkeres jüdisches Kolorit jsewün-ehi und dem Schlüsse des Spiels eine hes-ere Kenntlichmachung iler jüdischen Siejie—limmun«. ein stärkeres Jubeln und Jauchzen im Moauzur. ' S. W.