Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 1 (15.1.1937)
- Date
- 1937-01-15
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Gemeindeblatt der Deutseh-Israelitischen Gemeinde Nummer 1 Ottilie Schönewald, Vorsitzende des Jüdischen Frauenbundes in Deutschland: — Die Gemeinde und die Frauen In der JüdisAen Presse nehmen die, Mitteilungen über Neuwahlen (Irr Gemeindekörperschaften einen immer breiteren- Raum ein Man erfährt \mi den Bemühungen. Finhcitslisten zu-stande/.uhriiigen. um Wahlkampfv zu vcfrmeiden. In den Kr- «nterungen über «In- Verteiluüg der Sitze Werden die Ansprüche <ter ver-chiedea/en weltanschaulichen Richtungen gegeneinander abut-wogen. Die Krage der-Beteiligung de« Kranen ist nirgends aufgetaüdit 'Das könnte ein erfreuliebes /eichen sein, wenn man Benehmen <liirfte. man wolle Selbste erständliches nicht wiederholen. Dem i-t alier leider nicht-o.| Die Krfahrung zeigt f.i-i überall eilte Zurückdrängiingdcr Fratjenkrüfte. Ks i-t deshalb notwendig, d.iH wir diesen \orgiingejn unsere; ganze Anfm«Mksamkeh zuwenden. , Die jüdische (Gemeinde hat in die-cr Zeit für unsere Gemeinschaft iiii.I unser KinVcllebcn erhöhte Bedc'ntiing gewonnen. Aueiner Verwaltungskörperschaft und Kultusgenieinde i-t «ie wie Irr /nr RehiIIa — zur Let>cn-gcmein-chaft,geworden. Die'-.Siiinerf üllunz dieser Wandjung wird sich al>er, wie es yi jeder echten Familie der Kalb ist. nur in der Zu- .sämmena rheil von Mann mi/iI I ran offenbaren. Die Aufgaben, die die Gemeinde zu erfiilll i! hat. sind religiöser, sozialer und kultureller Natur, liefen Jl-n auf dem, ureigenen Gebiet <ler f rau. \\ ir «»«»Heil deshalb.) um unseren \n«|>ru<b auf Mitarbeit niifit auf Reihte, sandeln auf I'f I i t e n zu begrün len. hin vvei-eil Ks i-t eine beglückende Tatsache, »Jalf tlie Not der Zeit uns Juden zu -Ich Quellen unserer Kralt. zu unserer Religion zurückgeführt hat. I).:- äußert -ich in dem Willen zum Lernen, zum Sich versenk en in die Sdiütze un-erer Heiligen Schriften, äußert sj.-f) auch i'i ler Rückkehr1 /n den überlieferten Können unseres Rchgioiisgesetze«. Bei «lern Wert, der hierbei gerade den .häuslichen leiern innewohnt, lallt «len Krauen erhöhte Verantwortung zu. \ uu ihnen wird es abhängen, ob au- \\ ks-en — Glauben und l eben uird. \l>er .ill diesedient in erster Linie dem einzelnen, der einzelnen Farn die. Ks muß zuiiniiien-t röinen zu einem Geineinichaftseriehnis Kdigiö-er Krhebur.g. «Limit: aus den vielen eine (lemeinde werde. Deshalb muß auch in Zukunft unser Genieiadegött<-sdiriir-t nieht nur deriMittcdpüiikt unseres religiösen I riebenbleiben., -undern er muß /in« Ausdruck im-eie- \\:'lenzur (.eineiii-ihaft werden. Diesels verpflichtende Bewußtsein muH in unseren Krajien vor allem lebendig werden. Dann v\ird der Besuch des Gotteshauses niifit mehr von der Predig! abhängig -i in. eine Kr-cftcinung. die angesichts der I münderung viele» Rubbiiiergcmeindeii in B|czirksgeiuciiiden vnn niiht zu unterschätzender Bedeutung für die Auf rechterhalt iiiig des rel.igiii-en Oiinein-ihal t-lebeni-1. Aber a'ütlv eine Reihe von Rinzelaufguheii können gerade auf, gpttesdienstlicheiu Gebiet dimh die Mitarbeit der Fraik'n eine bessere l.ö-ung finden. Ich nenn-.' al- Beispiel die Linftihtimg de- Cieineindege-anges, durch den niiht nur die in \ ielen Milielgemeindeii schwierige Chorfrage gelöst würde, sondern der auch ein Gefühl der Linheit wuihruli: leriier die Abhaltung und Au-ge-taltnng be-ondere> Jugendgoltesdienste. die Iii-schiiiüfkung der Synagogen an den Jfesltageiir und die Vuffechterhultuug von Ruhe und Ordnung. ■- In immer grcHierenl I miange werden die Schagogen fiir uns vom Kühr.nun /um Wr-amiiilunir-raiiiii schlechthin. Das kann gewiß \u-druik einer ge-teigerten religiösen Grundhaltung sein. wei-t aber i nfi deutlich auf einen gew i--e« Notstand hin. Die Gemeinden-werden trotz aller Schwierigkeiten fiir die Bereitstellung amh profaner Yer-laimluiigsrüume sorgen "mii-sen. Gesflligkeitsbednrftlis der Mitglieder — I -glied der! Gemci n-chaft — befriedigt I ikenntnl- und dir^-ich daraus ergebendi - wenn' dabetetlttigte «in wertvolles B werden soll, f ür d den Aufgaben werde besond«*rs geeigneten •rmittler Können hier ihre haii-fraulic|ien l.rL hrungeii nutzbar ge m uht weiden, -u -inrl -ie klaft! ihrer mkitterlicheil Gabi-n die nBlifrlichen Sachwalter der Jugend. ~<ollei! aber «Ire Müttez ihre Kinder znJ Ciemei lisch alt — zur (.eiueinde führen, so darf ihnen -elb-t der Zugang /n ihr mcht verscfi!o.--en sein. Nur aueigenem T.rb ben wa«fi-t die. Kraft zur I eber/eiii'ung. Auf »oz i nie m Gebiet Ii it man \on Jeher <lem \\ irken der FriMncyi diu w. i-i -ii n S|»ielr uni gewahrt, liier konnten sie iimh ilirch deutliih sichtbare Kigi-iib-i-luiigeu ihren BefähiguiHCsnachweis»rbrrngen. \ber immer mehr zeigt -iih die Notwendigkeit alle llilf-kralte /usuuinn a/ ifa—en. Die Not i-t zum Ceiiieiii-ihafls-ehieksal geworden, dem nur durch einheitliche Planung und .Leistung begegnet werden kann.. Führend wird hierbei die Gemeinde sein. Hat man das auf seine Auswirkungen hin einmal dunhdacht, so erübrigt es sich, Kinzelaufgüben zu nennen, um ein Mitbe-tinimtiiigsrecht der Frauen al- Notwendigkeit erscheinen zu lassen. In Groß- und Mittelfencinden wird man versuchen müssen, dem Notstand durili vermehrte Kiiistelbing von sozialen Beruf.-kraften c-nlgegenzawirken. Um so nötiger i-t es, daß Frauen daneben durcfi ehreiMmtlkhe Mitarlieil das GeJiihl dafür wacjibaltenl daß Dienst am Nädi-ten eine sittliche Verpflichtung aller bedeuten und eine' Bürokrati-ierutig der Sozialarbiit vermieden w c-rden muß. ' Man wir<l einwenden können, daß man zur Krfillung dieser Pflichten nicfit Mitglied -der (iemeindekorper-chaftc-n zu sein brauche. Aber wenn man eine bestimmte Gruppe ausschlieftt Min einem Pflichtenkreis, so enthebt man sie uueh der Verantwortung dafür — und \ era«itwortuiig ist die stark-te Triebt kralt für jede Lei-tung. Daneben muß jede votlgiiltige Arbeit sidi auf der Kenntnis der Verhältnisse aufbauen: Nur wc-nii ..die I rau"". die Gemein'.lex ei treterin. Linblick in die Zu-aminen-. bänge gewinnt, können „die brauen" durch ihre VermitthlBC ihre Kräfte in der richtigen Weise einsetzen. Da- Rii-tzeug hierzu liefert ihnen unser Jüdischer Frauenbund durch seine Aussprachen dlicl knr-e. seine ..Blätter'" und das Anschauungsmaterial seiner Heime und sozialen Kinrichtungen. All seine Aibeit ist ja nur Dienst an der Gemeinschaft, ein Rädchen, das sich in das Getriebe lebendigen Zusammenwirkens einfügen will. Kr ist sich immer bewußt, daß seine Eigenleistungen hur Teile eines großen Ganzen sind. Alier er*ist auch von der ueberzeurung durchdrungen, daß die unwägbaren Einflüsse der Krau als kulturelles und soziales Element in jedem Gemeinwesen unentbehrlich sind. Deshalb empfinden wir es als sinnlos und müssen es zurückweisen, wenn immer wieder die Krage auftaucht, welche besonderen Leistungen die Kriaeii. die bisher schojj in den Gemeindekörpers«haften tätig waren, aufzuweisen hätten. Ks ließe sidi darüber vielleicht manche- Material zu-aniineii- 1 tragen. Aber -<: wenig die Verdienste des cin/elnen Repräsentanten aufgezeigt und gewogen werden, ehen-o wenig sollen [und wollen die Frauen sich in ihrem Wirken von den Männern absondern. Sie wollen neben das männliche — das weibliche fühlen und Denken stillen. Wollen die ihnen als Frauen innewohnenden Kräfte ergänzend in die Gesamtarbeit einfügen. Als [besondere Aufgabe.dürftet'ihnen dabei der Ausgleich vorhandener Ciegen-ätze zufallen, tlie l ebertragung des mütterlichen Geistes der Friedfertigkeit in un-ere Gemeinde-tuben. Ks kann deshalb auch keine Rede davon sein, daß von Fraueiiseite beute ein Wahlkanipf entfacht oder auch nur unterstützt Werden soll. Aiufi wo die (iemeiii leit/ungeu die Wählbarkeit der flauen noifi au--ehließen, soll nur dann auf eine Aenderiing hingewirkt werden, wenn diese aus anderen Gründen den Behörden vorgelegt werden. Al>er überall da. wo solche Ilinderungsgründe nicht bestehen, sollen und müssen Frauen den Anspruch darauf erheben, bei der Zusammensetzung der'Ger meiiidekörper-chaftcii berücksichtigt zu werden. Ks handelt sidi für uns nicht um die Krriagüng von Sitzen, sondern um den Finsatz von Kräften. ''• >■ Deshalb muß auch größter Wert darauf gelegt werben, daß nur geeignete Frauen zur Wahl vorgeschlagen werden. Wer i-t geeignet!' Man macht immer wieder die Krfuhriung, daß gerade diejenigen .Männer, die -ich der gleichberechtigten Mitarbeit der Klanen am schärfsten 'widersetzt haben, hinterher ilie höchsten Forderungen an ihre I ei-tungen -teilen. I u-ere flauen dürfen Überzeugt -ein. daß keine überragende,!! Fähigkeiten Botwendig sind, um die Pflichten eines Gemeinde Vertreters zu erfüllen Die notwendigen Fachkenntnisse,erwirbt man skh durch die Mitarbeit. Auch die zeitliche Belastung durch «fieses Amt i-t selbst von der heute vielgeplagten Hausfrau tragbar. Wir müssen in dieser Beziehung dieselbe Opfer4 bereit-dialt zeigen, wie der beruf-tälige Manu. Liebe /um Judentum. ^Aufgeschlossenheit für alle BedinguiiL'eir und Krfordernisso des Gemeinschaftslebens, Wirtschaftlichkeit und Tatkraft. Güte und Mütterlichkeit, und vor« allem ein nie versagender W die. dai-t. was die Gemeinschaft von uns fordert. , > Kgibt nur einen Menschen, der von der Gemeindecertrelerin Boich mehr fordern darf: das ist sie selbst? Besdiäfflg. Jüdische Handwerher und Gewer beireibende!