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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1936-12-18 · 12 (18.12.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
12 (1936)
Issue
12 (18.12.1936)
Date
1936-12-18
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Sn. 8 i Gemeindeblatt derDeutseh-Israelitiscken Gemein de Neumne-r 12 AUS DEM JUDISCHEN KULTURBUND Professor F. Lanelsbcrger-Bcrliii über moderne jüdische Kunst Im Jüdischen kulturbund sprach um 14. \. M. I'err '>r,d- F. Lamkiberger älter moilerne jücjische Kunst. Der- Redner begründete in eiher kur/cn Linle-itung 11 i*r Teilnahme der Juden an den Schäften sowohl'der impressionistischen als au cd der expresswaistisdien Malerei. Die Zeit des-19.. Jahrhunderts sei pB/ allgemein eine Zeit <les Realismus gewesen. In sie sei der Jude!'des Ghettos eingetreten,, kein W uader, duB qr sie staunend angeschaut, sah in sie versenkt und sie so wiedergegeben habe, wie sie sich ihm zeigte, offenbarte und nuf ihn einwirkte. Ebenso verständlich aber sei auch, ilafl er alsbald darauf auth begönnen habe, diese Well selbsttätig zif gestalten, nicht so darzustellen, wie Sie sieh ihm bot, sondern so, wie er sie sah, Ibegriff u|i<l empfand. Der Redner zeigte dann an einer grollen Anzahl von Bildern jüdischer Künstler ihre Wandlung vom Impressionismus, zu tu Expressionismus u ml verweilte sehr ausführlich bei.der Hamburger Künstlerin Anita Ree: er schilderte ih'rcu Werdegang, der -ie von Hamburg iiber Paris und Italien wieder ül>:-r I Limburg zurück naih -s> It lührte. wo sie einen (ruhen Tod fand. Herr Pr»>f. Lamlsln-rger charakterisierte all eiuL-en ihrer Bilder, besonders an ihrem Selbstbildnis, die helft}-, männliche, ptwas'schwermütigc. aber immer ernste und disziplinierte \rt ihres Schaffens, die er noch durch Gegenüberstellt! llg einer von ilir geschaffenen Landschaft iiml der Lundsthuft eines Französischen Künstlers verdeutlichte, hr bezeichnete Vivita See als die vielleicht beste Zeichneriii im Deutschland de* JO. Jahrhunderts uml erbrachte den Reweis lür dieses sein l rteil durch Vorführung einiger Bildnisse. — |)er Rediier gingdann über auf das Wiederaufleben religiöser Tendenzen im Impressionismus, die auf jüdischem Gebiete Kunstwerke entstellen lieHen. von denen er eine Anzahl der bedeutenderen — biblische Motive. I'rophetengestalten, Juden mit der I ura rolle-. (iottesdieiistliihe Bräuche im Hausfe u. ä. — im Bilde Vorführte. I>ul! an diesen Schöpfungeii ans dem Osten stamniendfc Judea wie Meidner. Menkes. Steinhardt und. Btlclko besonders beteiligt sind/' habe seinen Grund darin, dali diese, noch Mark mit der jüdisdieii Tradition verbunden sind, feiner sprach Professur Landsberger von den Schöpf ungell jüdischer Plastik, und hob.hier besonders die Namen l.psteiu im I Kogan hervor, Von Werken der Architektur zeigteer zuletzt einige prägnante Schöpfungen Hamburger Architekten: das Rallinlia'us und die Au Ben- und Innenansicht des lempejs in <ler Oberst rulic. zwei Bilder, wedehe mit ihrer majestätischen Ruhe einen liefen Kindrucii auf die Beschauer machten und den schönsten Sil In Ii ijis \ ortr.ig-sibends bildeten. —n. Dr. \. Bernev-Berlin über den antiken jüdischen Staat und Jehuda .Makkabi In einem Vortr.ige. den dief raiiz-RoseMizwcig-Ccdäditni.s- Stift'uqg und der Jüdische Kulturbund gemeinsam am 7. d. VI. veranstalteten, sprach der Dozent der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Herr Dr. Arnold Bernev. über «las Thema: Der antike jüdische Staat und Jchuelu . Mak kahi. Der Redner hatte, .wie er einleitend 1h;- met kte. es sieh /ur Aufgabe gemacht, abseits von der religiösen Bedeutung des Makkahücrkainpfes und elieuso al>seits von jeder politischen 'Auswertung des Begriffs der Makkahäer. die in den letzten Jahrzehnten mit dem- Erstajrken des jüdischen Nationalbewußtseins üblich war. die Dinge ganz objektiv und wissenschaftlich zu sehen und darzustellen. Lr zeichnete dann kurz d«-n Verlauf der Geschichte <le-r Reiche Juda und Israel iiu l ilie eigentümliche F.ntwicklung der Auffassung von der Vulgabe des Königtums, die für die, ganze Geschichte des biblischen Vedkes Isr.iel und darülfcr hin,ms für die Kntwiekföng des Vbendlan'des bedeutsam geworden sei. Vuf dem enge-u palästinensischen Raum /.wischen Meer und Wüste einerseits und den beherrschenden Mächten, die im Zweistromlande und im Nilgebiet regierten, anderseits hätten politische Gebilde von Bedeutung niemals entstehen können. Das sei der äußere Grund, we-wegen insbesondere nach der Rückkehr aus dein bnl.vIonischen L\il die Geschichte des jüdischen Volkes weniger eine politische als eine'Geschichte des GlanlM-ns geworden sei, und eben deswegen habe der Staat des Juda Makkabi von keinem längeren Bestände sein können. Zum Schiuli kam der Redner auf die Bemühungen unserer Zeit zu sprechen, im Lande der Vuter ein neues Gemeinwesen zu errichten, und sprach als seine ( eberzeugurig aus. dufl die.geographische Lage des Heiligen Landes auch in Zukunft wie in der V crgangciihcit seine Geschicke wesentlich bestimmen werde, und dall daher — bei aller BedeiitsLmkeit des Palästinaaufbaucs — die Diaspora und damit das Wirken des jüdischen Volkes im Reiche des Geistes wohl für ewig seine geschichtliche Mission bleiben würde. Der Vertrag fesselte sowohl durch die geschickte Darstellung wie durch die oft Bbernwchendn und interessante Formulierung, dije der Redner seinen Gedanken zu geben w ufite. Abschiedsabend Beatrice Frcudenthal-Waghalter Frau Beatrice!Freiidenthal-W aghalter vciuhschicelcte sich am 2~i. v VI. vor ihrejr I ebersiedliing nach Amerika von dem kreise ihrer Hamburger Freunde und Verehrer, deren Herzen sie bei ihrem Auftreten am vergangenen Jahre wie im ringe gewonnen halte. In einem reichhaltigen Programm, an dem selbst und an dessen Durchführung einer Abschiednehmei)den gegenüber je<le Kritik unterbleibt, zeigte Frau Wäghalter erneut ihr vielseitiges können Jund ihre reiche Kunst. Sie spielte; auf allen Saiten des menschlichen Herzehs, und willig ging ihre Hörerschaft mit. Man weilt nicht, was mau an dieser Frau am meisten bewundern soll, ihre vielseitigen Kenntnisse, ihr l'.inlühliingsverinögctn. die Grazie und Anmut ihrer •Darstelliiiigskunst oder die Lebhaftigkeit ihres Mienenspiels. Der Beifall der Zuhörerschaft erreichte seinen Höhepunkt. als die Künstlerin mit dem Liede ..Fin neuer lag bricht an" endete, einem Liede. daIso ganz der Stimmung und der Situation des Abends angepaßt war. * Die jüngsten Konzerte des Kulturbundes In einem woblgelungeneti Owhesterkonzert am IG. v. M. machten wir Bekanntschaft mit Professor Julius P r ü w e r, einem erfahrenen und umsichtigen Dirigenten, der das Orchester der jüdischen Kulturbünde (Sitz Frankfurt a. M.) seit wenigen Mon iten leitet und — das bew ies das ernste, z.ielbewüBte Musizieren dieses ersten Abends! — auf den von Stt-inberg eingeschlagenen Pfaden gewiB zu weiteren Frfolgen führen wird. Das Hauptstüik des Abends. Beethovens /weite Symphonie in D-Dur. fand wegen der sauberen und sicheren Ausführung, die besonders den beiden letzten Sätzen ';in i t den schwierigen Iausätzen zugutekam. verdienten Beifall. Gerade die ses Werk. Vorläufer der Kroica. ist in allen seinen Themen durcfiaiisorchestr.il gedacht und erfunden und überaus farbenprächtig instrumentiert; es ze-igt schon an manchen Stellen jenes eigentümliche Pathos, das den Komponisten aus <ler Reihe zeitgenössischer Meister heraushebt, aber noch nicht de-ii von einer musikalischen Klee gleichsam besessene« Beethoven der späteren Jahre, vielmehr den vielseitigen, oft' liebenswürdigen Künstler, der über alle- Mittel seiner Kunst souverän verfügt. Daher ist e-s in. F. schwerer, die zweite Symphonie zu dirigieren als etwa che fünfte-, siebente cxler aihte;~denn sieerfordert auch vom Dirigenten bewußte Zurückhaltung und klare I e-bersielit über all die „Cenieblitze". die besonders hervorzuheben, abe-r nicht zu stark zu l>etoucii sind. Das ist Prüwer gelungen.. Behilflich ware-n ihm dalwi auch die Itamburgischen Mitwirkenden, die in fleißigen Prolten unter Leitung von Kapellmeister Cerini mit dem Werk vertraut gemacht worden waren und sieh dem Orchester trefflich einfügten. — Als Solist des Abends spie lte Meister Sakom das Kanzerl für Violoncello i>p. 33 von Camille S a i n t - S a f* n s. Wer unter unseren jüdischen Cellisten tut's ihm gleidi? Sein hohen Können ist die Summe reifsten Künstler- und Menschen« tuins. Man be-w nndert immer w iede-r von neuem se-ine technische Sicfierhe-it. de-n Adel se-ine-r Tongebung und die gepflegte Kunst seines durchdachten und klare-n Vortrags. hin Konzertallend mit solchem Geh all — eingeleitet übrigens durch Mendelssohns Ouvertüre: «-Meeresstille und glückliche fahrt— hatte wirklich einen- Ursseren Besuch verdient Freunde eines gut geschulten und gedrillten Mäniierchors konnten an ele-n technisch meisterhaften Darbietungen (he m j a W i n a w e r s und seiner >() Sänger (am 3t). v. M. im großen Saale-des ( onvcnlgnrtcnsi ihre Freude finden. Meisterliehe Stimmen gehorchten willig eler gebieterischen Hand ihres I Gedenket der Jüdischen Bank: M. M.Warburg Sl Co.; Simon Hirschland. Postscheck: Hamburg 150 54. Hamburg Winterhilfe! I mburger Sparcasse von 1S27: 80 1441

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