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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1930-02-10 · 2 (10.2.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
6 (1930)
Issue
2 (10.2.1930)
Date
1930-02-10
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Gemeindeblatt der Deutsch Kleine Mitteiluitgen. Der Volkstrauertag wird in diesem Jahre Sonntag, den 16. März, begangen. In den hiesigen Snnagogen wird des Tages am Sabbath vorher in ver üblichen Weise gedacht werden. Ergebnis des Tempelbau-Wettbewerbs. Der Israelitische Tempel Verband hatte Ende vorigen Jahres einen Wettbewerb zur Erlangung von Plänen für den Tempelneubau unter einer Anzahl jüdischer Architekten ausgeschrieben. Ein Preisgericht, das aus Sachverständigen und Mitgliedern der Verwaltung des Tempel-Verbandes zusammengesetzt war, hat vor kurzem unter Vorsitz des Ersten Daudirektors Dr. CH. R a n d. entschieden und den ersten bis dritten Preis den Architekten?t. Ascher- Hamburg, F. Landauer -München und 4k. F r i ed m a nn - Hamburg zuerkannt, ferner je einen Entwurf der vorgenannten drei Herren sowie der Herren E. Behrendt-Hamburg und Dipk.-Zng. Dr. Block und H o ch f e l d - Hamburg zum Ankauf empfohlen und erwähnt außerdem in seiner Entscheidung lobend andere Entwürfe der vorgenannten Herren Friedmann und Landauer, sowie der Herren L. 4k a ch t l i cht - Berlin und W. Haller-Leipzig. Die Religionssckuile der Neuen Dammtor-Synaqoge vera>rslastetc am 29. Dezember v 2. eine Chanukkah-Feier. zu der auch die Eltern der Kinder, sowie die Freunde der Schule erschienen waren. Die Feier wurde mit dem Anziiuden der Chanukkahlichter durch einen Schüler eröffnet. Der Bcgrühungsansprache des Schulleiters Rabbiner Dr. Holzer folgten die Bewirtung der Kinder sowie verschiedene künstlerische Darbietungen, u. a. eine von Frau Alice Coden verfaszte und einftudierte . Aufführung. Die Darbietungen wurden umrahmt von hebräischen Gesängen des Knabenchores der Neuen Dammtor-Snnagoge, die von Oberkantor lieber am Klavier begleitet wurden. 75 jähriges Jubiläum. Am 3. Dezember feierte die Verwaltung des Hertz Joseph Leon-Stifts am Grofz-Neumarkt das 75 jährige Bestehen der Stiftung. Die Stiftung ist hervorgcgangen aus dem Nachlas; des ' im Jahre ,1855 verstorbenen und auf dem Begräbinisplatz der Gemeinde in Ottensen beerdigten Mannes, dessen Namen sie trägt. Sie hat die Aufgabe, streng religiösen jüdischen Hilfsbedürftigen und auch im bürgerlichen Leben rechtschaffenen Angehörigen der Gemeinde Freiwohnungcn darzubieten. Ein Teil der Wohnungen des Stiftsgxundstücks ist Tiadjj den Bestimmungen des Stifters zu vermieten. Aus den Einnahmen ist das Grundstück zu erhalten, etwaige Ueberschükse sind anzusammeln und der genügendem Kapital zur-Errichtung weiterer Stiftswohnungen zu verwenden. In den 75 Jahren seines Bestehens hat das Stift unendlich vielen Angehörigen der Gemeinde reichen Segen gebracht. Die Beilimmung des Stifters, dah in die Verwaltung möglichst Angehörige seiner Familie berufen werden sollen, hat zudem den Zusammenhalt zwischen diesen bis auf den heutigen Tag in schöner Weise gefördert. Die derzeitigen Verwaltungsmitglieder. die Herren Jacobe Rosenbacher-Lev y. Paul Bauer. Adolf W a r i s ch und Jacob M afthias.on haben aus Anlatz des Jubiläums die Stifts- -bewohner beschenkt und selbst das Jubiläum durch ein geselliges Beisammensein, gefeiert. AIs> Vertreter des Vorstandes der Gemeinde nahm daran Herr Jacob H.e ck sch e r teil. Als Ehrenvorsitzender gehört der Verwaltung heute noch der jetzt im 95. Lebensjahre itehends Herr Joseph M a - th i a s o n an. Die Cbewra Kadischa Beerdigunqsbrüderschast der Gemeinde hielt am 29. Dezember v. Js. ihre satzungsgemähe ordentliche Mitgliederversammlung ab. An Stelle des von Hatyburg abwesenden Vorsitzenden. Herrn Michel David, amtierte Herr Jsaac Moses, der darüber berichtete, in welcher Weise die Brüderschaft im abgelaufenen Jahre ihres heiligen Amtes gewaltet bat. Das Andenken der in der Berichtszeit abberufenen Mi'glieder, der Herren Joseph Lichten it ein. E manuel Magnus, Kurt Mendel, Moses Sel.igmann. David Steinhäuser und Louis Tannenwald, sowie dasjenige der Mitglieder der Frauxn-Chewra Henriette Oppenheim - K a y se r, Fried chcn Seligmann und Rosa von San wurde in der üblichen Weise geehft. Franz RosenMeig, um den die Judenheit der ganzen Welt trauert, einer grotzen Gemeinde -nahegebracht zu haben. -Israelitischen Gemeinde. ' Nummer 2 ist das Verdienst unserer Nachbargemeinde Altona, die dem grotzen Toten Sonnabend, den 18. v. M.. eine würdige Gedächtnisfeier zusammen mit mehreren Vereinen bereitet hat. Lange vor Beginn war die Aula des Oberlyzeums überfüllt — und noch viele mehr hätten sich gern der Kundgebung angeschlossen. Herr Tr. S. Franck hob mit wundervollem einleitenden Worten die.Versammelten auf die Höhe, welch? dieser Stunde des Gedenkens zukam: dann vernahm man das uralte Wort der Schrift in der Verdeutschung Franz Ros^nzweigs, vorgetragen von Arnold Marle. Uns packte hier am meisten die dramatisch vorgetragene Szene der Berufung Moses, die gar vielen — der Redner des Abends sprach es auch später aus.—; in völlig neuem Lichte, ja wie eine Offenbarung erschien. Und dann entwarf Oberrabbiner Dr. C a r l e b a ch, der Franz Rosenzweig persönlich gekannt, den Menschen, sein Denken und sein Wollen, sein Schaffen und sein Leiden beobachtet hat, ein Bild von dem Heimgegangenen. der. einem Kometen gleich, der in den Bereich einer Sonne gerät, dem Judentum, dem er' vom Elternhause her fremd war. nahe kam, um sich ihm für sein Leben zu ergeben. Der Redner schilderte seinen wissenschaftlichen Werdegang, wie er über die Medizin zur Philosophie kam. die er' um ein Werk über Hegel, bereicherte, das Ehrenberg. der Philosoph der Universität Heidelberg, als das (philosophische Werk unserer Zeit bezeichnet hat: wie er dann Hermann Cohen kennen lernte, der eben seinen Marburger Lehrstuhl aufgegebcn hatte und nach Berlin übergesiedelt war. weil er sein Bekenntnis zu den Propheten des alten Israel nicht batte preisgeben wollen. Wie nun Rosenzweig der Schüler Cohens, der Fortsetzer und Vollender seines Werkes wurde, wie er seine Erkenntnis des Judentums in seinem Lebenswerk „Der Stern der Erlösung" niedergelegt hat» darin gipfelten Carlebachs Ausführungen — aber gerade diese Darlegungen des Redners über das Gedankensystem Rosenzweigs, in welchem er die Begriffe Gott, Schöpfung und Offenbarung. Welt und Mensch und Erlösung eint 'und, vereint, entziehen sich der Wiedergabe in einem kurzen Referat. Wohl aber darf gesagt-werden, datz wohl einen jeden Hörer eine Ahnung dessen erfüllte, was Rosenzweig dem Judentum, das ihm erst sein wahres Leben geschenkt hat. vielfältig wiedergegeben hat, und auch das darf gesagt werden, datz eine tiefe Ergriffenheit die Versammlung beherrschte, die der Redner am Schlüsse keiner Gedentworte aufforderte, stehend ein' ei molc racbamim zum Gedächtnis Franz Rosenzweigs. zu hören. \ Der Vaterländische Bund jüdischer Frontsoldaten feierte vor kurzem sein lOjähriges Bestehen. Ueber die Kundgebung, die der Bund aus diesem Anlatz im grotzen Saale des Eonventgartens im Beisein von Vertretern der hamburgischen Behörden veranstaltete, haben die Tageszeitungen bereits ausführlich berichtet. Wir lenken daher an dieser Stelle die Aufmerksamkeit nochmals auf die kleine von dem Bunde herausgegebene F e st s ch r i f t, in welcher Dr. S. 1l r i a s die Anzahl der Hamburger Juden zu ermitteln sucht, die an dem Weltkriege 1914 1918 teilgenommen haben. Die Feststellung dieser Zahl ist auch von dem Vorstände der Gemeinde seinerzeit ver ucht worden: dieser Versuch muhte aber scheitern an dem Umstände, dah der Gemeinde die zahlreichen alleinstehenden Juden in Hamburg, die zudem grötztenteils zum Heeresdienste eingezogen waren, unbekannt waren, und ferner daran, datz die Gemeinde keine Möglichkeit hatte, die Gemeindeangehörigen restlos zur Ausfüllung und Rückgabe der ihnen übersandten Fragebogen zu veranlassen. Die hierdurch entstandene Lücke sucht nun Dr. Urias in seiner statistischen Abhandlung auszufüllen. Seine Berechnungen ergeben, datz die Zahl der jüdischen Kriegsteilnehmer zwischen 2500 und 3100 betragen haben mutz: die Zahl der jüdischen Kriegsgefallenen oder an der Front Verstorbenen beträgt mindestens 457. Eingehende Vergleiche mit den für das gesanite Reich, für Hamburg, sowie die Hansestädte Bremen und Lübeck uni^ endlich die süddeutschen Staaten Württemberg und Bayern ermittelten Zahlen geben den von Urias für die Juden Hamburgs ermittelten Zahlen den Charakter zuverlässiger Ergebnisse. — Der Untersuchung beigefügt sind Listen ber Kriegsgefallenen der Gemeinde Hamburg, Curhaven. Altona, Wandsbek, Lübeck, Bremen. Bremerhaven und Kiel. — Gleichzeitig mit der Uriasschen Schrift - widmete der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten die Nummer 46 47 seiner Zeitschrift „Ter Schild" dem Zehnjahrestage des Bundes: die Nummer enthüllt fast nur Beiträge Hamburger Herren, u. a. von Dr. S. Urias über die im Vorstehenden besprochene Schrift, Rabb. Tr. B. Italiener (Auszug aus seiner Rede bei der Gedächtnisfeier des Bundes zu

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