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Die Gegenwart · 1870-10-04 · 45 (4.10.1870) · p. Seite 402

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
45 (4.10.1870)
Date
1870-10-04
Page
Seite 402 (sequence 6)
Language
German
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402 Wurde kürzlich zu 6 Monvten Gefängniß verurtheilt, weil er Hei Beginn de- Kriegein einer Rede an das Volk erklärt chatte, daß ohne Bertheilung von Waffen an da- Volk eine «vergische Bekämpfung de- Feindeunmöglich sei. Gestern wurde er freigelassen und ihm vom Volke auf dem „Place de la Prtfecture“ eine Ovation bereitet. Seine dabei ge» chaltene Rede wurde sehr günstig ausgenommen. Bei der Neuwahl von Stadträthen wurden zwei Israeliten, Adolph Earassone und Abram, gewählt. Die Stelle de- Rabbiner- Eahn ist noch nicht wieder besetzt, da die bisherigen Bewerber keinen Beifall gefunden haben. (Jew. Mesiag.) London. Auden Specialberichtrn des Jcw. Chron. Über die Feier de- Neujalsrfeste« ersehen wir, daß in Lon. bon in 14 Synagogen Gottesdienst abgehalten wurde. Florenz. 15». Okt. Die „Amt-zeitung" enthält ein De» cret, welche« in den römischen Provinzen alle Rechtsungleichheit der Bürger wegen des Religionsbekenntnisseaufhebt. Nom. Die Bevölkerung hat ein hocherfreuliches Zeichen ihrer brüderlichen Gesinnung gegen die Juden gegeben. Die beiden vereinten Stadtviertel, zu denen der Ghetto gehört, chatten nach Befreiung der Stadt acht Räthe zu wählen. Unter Vorsitz de- Grafen Pinciani wurde in der Versammlung vorgeschlagen und mit Acclamation angenommen, daß zwei Israeliten gewählt werden sollten. Baltimore. (Enweihung der neuen Synagoge.) HerrDr. S. Deutsch Rabbiner der „Har Sinai" Gemeinde, hielt die Einweihung-rcde am Freitag Abend, worauf ein Gebet von Dr. Hochheimer, Rabbiner der Edenftr. Gemeinde, folgte. Borbeter M. Brettenhcimrr trug da« Abendgebet vor. Am Samstag Morgen predigte Herr Dr. Szold von der Ohcb Scholom Gemeinde und trug Herr Kaiser Kantor derselben Gemeinde, die Gebete vor. New York. (Synagoge de« Mount Sinai-HospitalS.) Rev. Dr. Bondi legte seinem Bortrag am Renjahrstag den Text Ps, 100, 2, ll nach eigener llcbersetzung unter: „Wo taffen sich die großen Thaten de- Herrn ausfprechcn, wo läßt sich sein i'ob wahrhaft vernehmen, da wo daS Recht treu bewahrt wird und zu jeder Zeit Wohlthat geübt wird." Er wendete diese Worte auf die Kranken und Besucher dieser Synagoge an, welche auf dem heiligen Boden de- Rechts und der Wohlthat stehend, die großen Thaten GotteS und sein Lob, wie an keinem andern Orte ausfprechcn können. Am Abend de« Jom Kippur sprach er über die treuen Empfindungen des menschlichen Herzens, die heute wahrhaft zurSühne führen und wie das Herz hier an den leidender Kranken die rechten Studien machen könne. Cinrinati. Ein Mitglied der hiesigen Gemeinde beabsichtigt im Vereine mit einigen Gesinnungsgcnostcn 10.000 Dollar zur Errichtung eines Seminar« für Heranbildung von Rabbinern. Predigern und Lehrern in den vereinigten Staaten zu deponiren Australien. Herr Julian E. SalomonS wurde zum Mitglied des Legislature Rathes von Reu-Süd Wales ernannt. Herr S. Samuel (ebenfalls Israelit) ist Finanzminister dieser E.olonie.-—-(Jcw. Chron.-)—- Leopold Feldmann, der bekannte Lustspieldichter, seinen 70. Geburtstag.! — x Im Verlage der G. I. Man'zschen Buchhandlung j ift so eben erschienen: „Oesterreich äußere Politik in und nach dem Kriege" von Dr. Heinrich JaqueS. In dieser politischen Studie die zum größten Theile bereitin politischen Blättern abgedruckt war. wird die Genesis des deutsch-französischen Kriegeentwickelt, Napoleon als der gefährlichste Geg- , ner Oesterreichhingestellt, vor einer Allianz desselben mit Frankreich gewarnt und schließlich eine Allianz mit Preußen angerathen. In Anbetracht dessen, daß sich zur Zeit der Herausgabe dieses WerkchenS die Verhältnisse in Frankreich und Deutschland wesentlich verändert haben, (der Verfasser schrieb nänilich das Vorwort Anfang- Oktober 1870) verliert die Studie viel an Interesse und wenn auch einige in derselben ausgesprochenen Gedanken recht zutreffend sind, so können wir uns dennoch nicht mit allem einver standen erklären. Nachdem jedoch mit der Herausgabe de- WerkchenS ein wohlthätiger Zweck verbunden ist, so ist es an und für sich schon zu empfehlen.' — Im Verlage von Paul Kormann in Leipzig sind erschienen: „Oesterreichische Flugblätter" von Ignatz Schick. Der bekannte Feuilletonist der „Politik" hat seine portofreien Briefe, in denen abwechselnd Humor und ernste Satyre die Zustände in Oesterreich geißeln, zu einem Ganzen geformt und so ein Genre auf dem seuilletonistischen Felde geschaffen wie eeben nur neu genannt zu werden verdient. Ignaz Schick besitzt eine Gewandtheit in der zutreffenden Schilderung der Verhältnisse, in der Zeichnung der Charaktere; gleich dem Mimiker Schulz gibt er in einem Momente seinem Feuiletton eine andere Physiognomie, der Verfasser lacht, der Leser lacht mit, er weint und seine Thräneu fallen in das Herz de- Leser-. So gestalten sich seine Flugblätter zu einem Quell der verschiedensten Empfindungen, zu einer Gallerie der interessantesten Bilder. Ohne Pinsel, Palette und Staffelei sind sie gezeichnet die kleinen und großen Größen, die sich in Oesterreich herumtummeln und sich auf Staatsmänner spielen, auf den ersten Blick sind sie zu erkennen. Obwol sich der Verfasser auf dem nationalen Standpunkte gestellt hat,, hat eein ausländischer, ja ein deutscher Verleger für werth gefunden, die „portofreien Briefe" in Verlag zu nehmen. Dieser Umstand spricht deutlich genug für die Trefflichkeit des Werkes. 'r. Kriegs-Skizzen. * ) Der Füsilier Oscar M a r c u s e au« Landsbcrg OS. im Grenadier-Regiment 9fr. 6, der Kürassier Schlesinger, sowie der Unteroffizier im 1. Garde-Regiment z. F. Alexander H i r s ch m a n n aus Breslau haben, der letztere von Sr. Majestät dem Könige persönlich, das eiserne Kreuz erhalten. Kunst, Theater und Literatur — Herrn F. I. Singer in Wien ist es gelungen, für die diesjährige von ihm veranstaltete Vorstellung znm Besten der Holzvertheilung an Arme Wiens die Mitwirkung der Hof schauspieler in einem Stiicke ,;» gewinnen, welches sich nicht in dem Repertoire des BurgthcaterS befindet. Herr S o nnenthal hat sich mit liebenswürdigem Entgegenkommen bereit erklärt, die Rolle des „Kcan" in dem gleichnamigen Schauspiele von Dumas, mit welchem er ausGastreisen glänzende Erfolge gehabt, zu übernehmen. — A:n 14. Jüncr begeht Moscnth al seinen 50. Geburt« tag und sein 2!> jährige« Dichterjubiläum. Im März hat *) Im gegenwärtigem Kriege mit Frankreich dienen bei der deutschen Armee, wie man statistisch ausgerechnet hat, etwa lfj.OOO Israeliten. Viele von ihnen, darunter ein Königsbcrger Kaufmann, sind schon auf offenem Schlachtselbe für bewiesene Bravour zu Offizieren befördert worden, während sogar mindestens 2 jüdische Militärärzte jetzt da« eiserne Kreuz erhalten haben. Einen ehrwürdigen alten Israeliten geschmückt mit dem eiserne» Kreuze audem ersten Befreiungskriege, birgt Königsberg nach der „K. H. Z." schon lang in seinen Mauern. (V. Z.) *) Unter den in Folge jüngst erschienenen Armeebefehls Decorirtcn befindet sich auch der Korvoral im 14. baierifchen Infanterieregiment Raphael Fried aus Nürnberg. Der« selbe ein Sohn deS verstorbenen hochverdienten Lehrer- Fried dahier, erhielt obige Auszeichnung wegen seiner hervorragenden Leistungen in der Schlacht bei Sedan.

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