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Die Gegenwart · 1870-05-27 · 22 (27.5.1870) · p. Seite 214

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
22 (27.5.1870)
Date
1870-05-27
Page
Seite 214 (sequence 6)
Language
German
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1 214! -yrim Kereck. Eine christliche Frau ließ neulich ihren Sohn beschneiden; sie gab vor, eine Vision und den Befehl vom Himmel gehabt zu haben, ezu thun. Da- Kind blieb bei der Gemeinde; der Ort-geistliche reklamirte deßhalb bei den Behörden; die Gemeinde entschloß sich aber da» Kind zurückzugeben. — A«ost, Theaterun- Literatur. L. Herr Tr. Rabbinowicz in Pari-, bereitschon lange wegen seiner wisienschaftlichcn Arbeiten über die heb-, rüische Sprache und jüdische Geschichte bekannt, wird eine französische Uebersetzung der „talmudischen Abhandlungen über die Eherechte" und über da- Erbe vcr öffentlichen. Sollte der erste Versuch gut ausgenommen werden, so wird er eine vollständige Uebersetzung aller talmudifchen Abhandlungen in Betreff de- „Reckte-" erscheinen lassen. — Ta- Journal officiel vom 2. Mai enthält einen sehr intereffanten Artikel über ein neue- Werk von Herrn A. Widal, betitelt: Juvrnal und seine Satiren. Hr. Gaston Boissier hat auch über diese- Werk in der Bevue des __ Deux-Mondcs rom 1. Mai gesprochen — >N Behemoth, Versuch eener biblischen Polentologic " von Tr. G. Barzitai ist der Name einer eben in Triest erschienenen Broschüre, welche auf scharfsinnige Weise und wissenschaftlich,m Wege zu beweisen bemüht ist, daß daim Buche Hiob vorlemmrnde Wort „Behemoth daberühmte Mammouththier. der primitive Elefant, ein antidiluvianische- Ungehrurr ist, dessen Knochen man aufgrsunden hat, und ein Gegenstand der Naturforschnng geworden ist. Tie Gelehrten werden gewiß mit givß,m Interesse diesem braven Philo» " logeu in seinen Forschungen folgen. — Andere neue Erscheinungen auf dem Gebiete der italienischen Literatur und deren Verfasser Israeliten sind, verdienen erwähnt zu werden: „Tragödie und Poesie de- Angelo Namiavon Carlo Vincenzi." Der Stoff ist auder Geschichte Thrazienentnommen, und schildert unter antiken Schleier die gegenwärtigen Zustände — „Schauspiele für Kinder" von Karolino C. Viij* goto, Mailand 1H70 rin Büchlein, welcheden gewünschten Eindruck auf da- Grmiith der Jugend gewiß nicht verfehlen wird, und sich durch dir Eifindung neuer Situazioneu au-zcichuet. — Gedichte von Philipp Malfatte und Vinzenz Forti. A n k o n a dic^ sich durch ihre poetische, kräftige und fautasiereicke Diktion auSreichnen. und den Beweis der gegenseitigen Achtung und Neigung dieser beiden jungen Männer geben. — Mechiltjih de Halhi Jtinael. neu edirt mit kritischen Noten in.d mit einer ouesiihrlichrn Einleitung versehe von M. Frirdmann Bil'Iiothckar und Vcctor am Beth- Ilamidrasch in Wien. Der geschätzte Autor hat sich bereitrühmliche Verdienste um die hebe. Vilcratiir durch Herausgabe de- Sifrd debc Hol» «worben. H. Friedmann bewährt stch olklarer Denker, scharfsinniger Eritikrr, dock beobachtet H. Friedmann eine pietät-volle Achtung vor dem Alten, dem er die schuldige Anerkennung bezüglich der Erhaltung und Förderung der traditionelle Lehre de- JudenthumS in würdiger Weise zollt M i S c e! l e o. X I». Historische Remini-cenzen. Die Ber bindungrn der christlichen Familien mit den getauften Juden werden so vorwiegend, daß sie Aufsehen erregen, und e» -ibt ln unserer Zeit beinahe keine Adel-familie, die nicht ir» gevd eine Spur von dem, waman malgra sangua, nennt. habe. Pre-cott erwähnt ein durch Unterdrückung selten gewordene- Buch, worin behauptet wird, daß jüdische» Blut in jeder vornehmen spanischen Familie fließt. Wenn die Juden Spaniennicht drücken, bemerkt Milmann, so fließt doch ihr sogenannteangesteckte- Blut in den Adern der Großen und Edelsten und ist unauslöschlich. ES ist ein bitterer Vorwurf in unserer Zeit, diesezu beweisen. Die venetianischen Gesandten am Hofe Philipps H. und feine Nachfolger bemerkten, daß sowohl im Klerus, als in der weltlichen Bevölkerung jüdische- Blut wäre. Am Ende des veistoffenen Jahrhundertwird von Pombal erzählt, daß Josef, König von Portugal ihm vorschlug, ein Edikt bekannt zu geben, daß alle von Juden Abstammenden durch einen gelben Hut sich auszcichnrn sollen. Bei der ersten Rathsversammlvng erschien Pombal mit drei gelben Hüten. Der König fragte ihn, warum er sie gebracht habe. — Einen für Ihre Majestät, einen für den Groß-Jnquisitor. und einen — für mich," antwortete Pombal. (dev. 6hron.) X Ein Brudermörder und ein vortrefflicher Priester. AuS einem Prozesse, welcher neulich sich vor den Geschworenen in Pesa ro zutrug, entnehmen wir drm „Edüc. Jsr." Folgende-: Herr Bolaffi, ein Israelit, wurde vor wenigen Jahren auf eine barbarische Weise ermordet. Da- Gericht hatte Argwohn gegen drffen Bruder, ließ ihn veyffaflen, muffte ihn aber auS Mangel an Beweis frei laffe'n'.^Run geschah eS nach einiger Zeit, daß die wahr Haft Schuldigen so in Zank und Streit gegen einander geriethen, daß einer von ihnen todt blieb, und ein anderer schwer verwundet wurde. Der Letztere, als er sein Ende herannahen fühlte, ließ den Geistlichen holen, machte ein umfassende- Grftändniß über sein Verbrechen, und daß er Mitschuldige in dem Bruder des Boloffi, so wie in drm SindikuS eines nahen Dorfes habe. Der ehrbare Priester versicherte dem Sterbenden, daß eö nicht genüge, ein solches Geständnis ihm gemocht zu haben, er müffe es auch dem königlichen Anwalt oblegen. Der Verbrecher willigte ein, und entdeckte drm Gerichte den ganzen Vorfall. Vorigen Monat wurden die Geschworenen in Pesaro über dieses Faktum zu urtheilrn zusanimcngerufen und die Schuldigen wurden zu lebenslänglichen schweren Arbeiten verurtheilt. BeMerkenswcrth ist eS aber, daß der elende Brudermörder schon vor vielen Jahren zum Christenthume übertreten war, und es verdient der chrenwerthe Priester alle Achtung und Anerkennung, daß er seinen religiösen Dienst als ehrenvolles Werkzeug verwendete, um der Gerechtigkeit ihren vollen Lauf zu lassen. X D er Rabbiner MeisclS. Bon diesem unlängst verstorbenen und so sehr bcdauernSwerthen Rabbiner erzählt man nachstehende Anekdote: Bei der letzten polnischen Revolution im Jahre 1Kf>2 waren auch viele Israeliten mit den Insurgenten in Verbindung und starben mit ihnen. Der Großfürst Konstantin, damals Gouverneur in Pohlen, fragte den Oberrabbiner, warum die Juden sich gegen den Kaiser von Russland, dessen Kinder sie sind, mit den Rebellen verbinden — Meise ls antwortete: „Gnädigster Herr! Gewiß ist der Kaiser unser Vater, Pohlen ist aber unsere Mutter, und cs dürste Ihnen, gnädigster Herr, nicht unbekannt sein, daß wenn in einer Familie Vater und Mutter in Streit gerathen, die .Kinder immer die Partei der Mutter nehmen."— Der Großfürst lächelte, und eiuließ den Oberrabbiner, ,ohne ihm weiter Vorwürfe zu machen. (Jew. Chron.) X Eine Börsen Idylle. Die heurige Sommersaison in Baden wurde vor einigen Tagen durch eine Hochzeit-feier inaugurirt. die in ihrer einfachen idyllischen Weise eine wahrhaft erhebende ^Wirkung machte. Der Bräutigam ist der bekannte Börsenmatador Herr Freireich, ein Mann, der vor einigen Jahren bettelarm nach Wien kam und heute durch glückliche Spekulationen an der Börse allgemein al» halber Miüicnär gilt. Doch da» wäre gerade nicht, wa» ihn besonder» auSzeichnet, und wa» un» veranlassen würde, gegenwärtig seiner zu gedenken. Freireich gilt bei ollen Bekannten und Freunden al» ein herzensguter Mann, ol» ein

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