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Die Gegenwart · 1870-04-01 · 14 (1.4.1870) · p. Seite 133

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
14 (1.4.1870)
Date
1870-04-01
Page
Seite 133 (sequence 1)
Language
German
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Mi» «§v«mrtfür «uiiülrig P. 5.—1 Halbjährig „ 2.50 Bierteljährig,, I SO «U Postzuseuduiz: ««,-jährig fl. 5.50 Halbjährig „ 2.75 Bierteljährig,, 1.50 FürS Ausland: «„zjährig 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Jaferate werde» billigst berechnet. Die Hrgan für die Interessen des Zudenlhums. Gegenwart Erscheint allwöchentlich am Freitag. Nebakti«, Ab»k aiflrati«, Prag, Mit« tuiffftttn. 408—1 »ahi» alle Briese ». i8rldse»bu»gea ,» richte, fi»b. Luschristr« werbe fronro erdete«. SR«* „flripte werde, bei Nichtvrr»e,b„g «ist Berlaage, jedoch „sraakirt zariickerstattet. »r. 14. Prag 1. Äpril 187V. /«.Jahrgang. EiZlA-NNS zur Erneuerung des Abonnement auf Die Gegenwart" i Abonnements-Greise: Für Prag. Mit Pofljusrnbuug. Ganzjähriges Abonnement fl.5 .fl. 5.50 Halbjähriges bto. „ 2.50.. L.75 Vierteljähriges dto. , „ 1.30.. ,1.50 Für btt# Aurland: Ganzjähriges Abonnement 4 Thlr., Halbjähriges 2 Thaler. Die Einladung bezieht sich auf neue Abonnenten und auf jene, welche mit der 1. Nummer dieses Jahrganges vierteljährig abonnirt haben. Ist die Synagoge eine Gemeinde, eine Gesellschaft, ein Verein, oder eine Anstalt? Zu diesen Fragen veranlaßt uns die in der letzte» Sitzung der Prager EultuS-Gemeindc-Rcpräsentauz entschieden negative Beantwortung deS Herrn LaudeSadvokaten Dr. Friedrich Wiener, daß die Synagoge eine Gesellschaft oder ein Verein sei, und seine Definition, daß „die Synagoge eine Anstalt sei, welche religiöse Tendenzen verfolgt." Wenn Zerade in dieser Angelegenheit Herr Dr. Wiener das Wort zu führen glaubte, dem der praktische Begriff der Synagoge .fehlt nach Art eines Arztes, der sich Zeit seines Lebens mit der Theorie in Büchern oder an Eadavern geplagt, ohne je 1 1 Fruittrton. Ein Sabbath-Abend bei Mendelssohn. AuS „Lorbeer und Cy presse" von Ma; Ring. Es war am Freitag zur Abenstunde; der jüdische Gottesdienst ging zu Ende. Der Vorbcter hatte schon daS Cchlußgebet gesprochrn oder vielmehr in fliegenden Tone vorgetragen,, wobei er eS nicht an den üblen Bewegungen und Schütteln, Beugen und Brrneigen deS Oberkörpers sehlrn ließ. Die Gemeinde verließ die in einen Fall in der Praxis gesehen zu haben, weil fidf dieselbe nie darbot, so wirft diese Vertheidigung, sei eigene oder die einer Eommission ein rigenthttmlicheS^jcht'!^^. auf die ganze jüdische Vertretung, der es bester wäre, wenn ein Mitglied derselben von jüdischem Wissen da« Referat gehabt hätte. 9hm daran ist man allerdings gewöhnt, daß rin Jurist, dem jede pädagogische Bildung fehlt, LandeSschulrath, BezirkSfchulrath wird, daß ein anderer Jurist, der sich förmlich aus der Tradition ein Gespötte macht, über die Gründung eines jüdisch-theologischen Seminarreferirt, warum sollte man sich nicht daran gewöhnen, einen Mann über Synagoge sprechen und berichten zu hören, der vielleicht kaum einmal im Jahre eine Synagoge besucht? Sollte sich die Repräsentanz bei der Behandlung diese- Gegenstandes jenen Irrenarzt zum Vorbilde genommen haben, der seinem Geisteskranken keine passendere Aufgabe zu geben verstand, als über die Unsterblichkeit der Seele eine Definition zu bieten'? Wir glauben enicht. Doch dürfte e- Jedem nicht unbekannt sein, daß vier oder fünf Jsiaeliteu, die sich an einem Orte ansiedeln, noch immer keine Israeliten - Gemeinde bilden können und daß zur Erreichung derselben zehn Personen erforderlich sind. Zehn Juden also können eine EultuS- Gcmcinde bilden, eine Gemeinde, welche ihren EultuS versieht. Der EultuS schließt aber in sich vor Allem die S y« n a g o g e als den Hauptsitz de» EultuS. Sie bildet sonach Mittel zum Zweck, denn ohne Synagoge d. h. ohne EultuS ist keine Judengemcindc und die Juden hätten eo ipso nicht nothwendig, dem SrparationSgclüstc zu huldigen, eine Gemeinde in der großen Gemeinde zu bilden. Also die Synagoge rcpräsentirt wenn gerade nicht dem Herrn Rcfcreptcn, so doch einer Judengcmeindc das Fundament. Daraus, bildeten sich die Begriffe Synagogcn-Tempcl-Gcmcinde, ähnlich dem Begriffe einer jrirchengemeinde. Greifen wir ins praktische Leben zurück, besehen wir uns das Assrkuranzwesen, Fabrik-Unternehmen u. s. w. erstcreS von ganzen Gesellschaften, letzteres von solchen oder auch von einem Einzelnen begründet und geleitet, haben oft ihre Filialen in den verschieder Hcidcrcitcrgasse gelegene große Siinagoge und strömte in ziemlichcr Unordnung und mit orientalischer Lebhaftigkeit zu dem geüstnctcn Portale hinaus, um sich in den benachbarten Straßen und Winkclgasscn zu verlieren, wo die meisten Juden in Berlin damalzu wohnen pstcgten. — Mitten in dem summenden Schwarme befand sich ei» Mann, der unter seinen beweglichen Glaubeuogruossen eine hervorragende Stelle einznnehmen schien, denn, wo er sich zeigte, machte man »hm ehrerbietig Plast und begrüßte ihn mit den» üblichen Zuruse: Gut SchabbeS, Reb Mose» I Diesen Vorzug harte er sidoch keineswegs sein» körperlichen Gestalt, noch weniger seinen Reichthümrrn zu verdanke». Er war klein und verwachsen, rin« merkliche Lrhöhui^, die man fast einet, Buckel nennen konnte, verunstaltete seinen Nücke,; sein HalS war

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