Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 6 (15.3.1869)
- Date
- 1869-03-15
- Page
- Seite 51 (sequence 1)
- Language
- German
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! i Halbjährige« «boi» imcit für Prag und - Re Provinz inklusive - Zustellung ins HauS oder Postverlrudni'^ ii. W.. . Ist-40 für's Ausland 17 fiirAmrrila 2 3V Inserate wrrdeu ligst dercchnc Die Gegenwart. Hrgan für die Interessen des Iudenthums. RedaNion und Ad» »iuistratio» Ritter» gaffe Rro. 408 — l wohin alle Briefe u. Grldseuduugeu ,n richten sind. Dir „Gegenwart" er» scheint am 1. und 15. eines jeden Monates. Prag 15. März 1869. II. Iahrg. Uro. 6. Inhalt: Leitartikel: Ein gerechtes Verlangen. — Der Schluß des ersten ungarisch isr. Landeskongresse«.— Apologie für,Herrn Pater W.Fastrn» Prediger in Wien. — Eongresi-Briese — Correipoudeuz: Pardubitz, Reichenau, EreSlau. Lokale«. — Bomvüchertifche. Feuilleton.— Inserate. Ein gerechtes Verlangen. Die große Bewegung, die allenthalben in Europa durch das Triebrad der Eivtlifalion entstanden und Regierungen und Böller durch die Aproximativmittel freier Institutionen und liberaler Verfassungen, in ihrer sonst schroffen Gegenüberstellung aufgeklärt haben, wie die einen von den andern abhängen und in ihren Wechselwirkungen nur gekrästigt, Lebenofähigkeit besitzen können, hat in jedem einzelnen Menschen da« edlere Streben Freiheit zu geben, sie zu erkennen, wach gerufen. So wie jedoch die Böller sich in ihrem Ringen nach Freiheit, in ihrem Streben nach einer gewissen Selbstständigkeit in ihrem WMMfk nicht aufhallen ließen, so trat überall, ja im kleinsten Eomplex und selbst in den Gemeinden eine ungewöhnliche Rührigkeit ein, um nicht im Stillstände zu Grunde zu gehen. Wer die .Zustände in unserer Israeliten Gemeinde kennt, wie sie fett einer Reihe von Jahren in ihrer Zerrissenhett und Zerfahrenheit nur zur ttaurigen Vegetation eines jüdischen Gcmcindelcbens beitrugen, der wird sich gewiß nicht der Rothwendigkeit verschließen, au« dem Winterjchlafe des Indifferentisuius sich aufzuraffen, um noch bei Zeiten daS wankende und baufällige Gebäude zu stutzen. Es liegt Ehe^e^Nich^^unscre^ldsichtde^Gmielnde^hrer^Jndolenz Feuilleton. Im Schlosse Rothschild'- „kerrlvrv " Rehmen wir die Straßburger Bahn, — steigen wir auS, wenn die Eonducteure den Zug entlang „LagnyI Lagny I rufen, und nach einer kurze» halben Stunde Weges sind wir zu Ferriere, dem Schlaffe Rothschitd s. der starb, mit Rossini und Bcrryer l I Das jetzige Schloß Ferriere auf dem Platze de» ehemaligen Schlaffes des Polizei-Mi,Öfters Fouche Herzogs von Dtranto. gelcgen, »st das Werk de« berühmten englischen Architekten Paxton, de« Erbauers des Londoner LristaU.Palastc». Das Gebäude selbst ist vielleicht weniger gelungen, als der eS umgebende prächtige Park. ES ist etwas schwerfällig mit feinen Thürmchcn, ohne ausgeprägten Styl mit seinen vier verschiedenartigen Facaden .... Eine breite sieben Fuß hohe Terrasse, mit Basen und Statuen geschmückt, umgibt da« Schloß: Löwen mit Gesichtern, die zu sagen scheinen: „Fürchte Nicht«" schäum den Besucher an und eine wundervolle wegen Borwürfe oder die jüdische Gemeindevertretung für die derouten Verhältnisse in der Gemeinde verantwortlich zu machen, diese wie jene werden ihr Bewußtsein finden, allein das dürfte wohl jeder nnö zugestehen, der Wagen kann nicht mehr fort, er droht völlig stehen zu bleiben, wenn sich nicht die Kräfte erholen, Run wir müssen eS der Präger Israeliten- Gemeinde zu ihrer Ehre zuerkennen, daß sie bei Zeiten noch aus ihrer Lethargie ausgemacht, um thatkräftig zu wirken, den fast erloschenen Ruhm dieser altchrwürdigcn Gemeinde zu neuem Leben zu bringen. Der Anfang ist gemacht, und wenn der Muth nicht sinkt, werden gewiß die edlen Früchte der Rührigkeit nicht auSbleiben. Der Wendepunkt ist somit eingetteten und wurde er durch ein von einer großen Anzahl Eulsteuer zahlender Mitglieder der isr. Gemeinde unterfertigtes, an die prager israelit. Eultusgemeindc.Repräsentanz gerichtetes Gesuch inaugurirt. Wir lassen den Wortlaut des Gesuches folgen, damit jeder sich fragen kann, ob die Anforderungen billig und gerecht sind, oder nicht'? Der E. G. Repräsentanz hingegen sei eS anheim gestellt, diese Eingabe zu erledigen, deren angesuchten Punkte zu bewilligen. Es handelt sich hiebei nicht um die Personen, eS fällt was Anderes in die Wagschale, — der Wunsch der Gemeinde. E« ist zu erwarten, daß die Männer, die in der jüdischen Vertretung gewöhnlich daS Wort führen, dem liberalen Fortschritte huldigend, die Rothwendigkeit eines neuen freisii»nigen W a h lmoduS erkennend, warm für die Wünsche einer 15.000 jüd. Seelen zählende Gemeinde eintreten werden, deren Dolmetsch 180 geachtete Äemeiiidcmitgliedcr sind, die gleichfalls zur Erhaltung der Gemeinde beitragen. Eö ist notorisch, daß die Vertretung in der wiener Israeliten-Gemeinde bei einer Population von 30,000 Seelen ein höchst freisinniges Gemeindestatut geschaffen, in welchem der Wahlmodus auf liberalster Basis beruht, demzufolge trotz der unterschiedlichen Cultuösteuer-Bkrhältnisse nur Ein Wahlkörper besteht, nur einder Gastfreundschaft wahrscheinlich, scheint anzudcuten : „Tretet ein I" Treten wir also ein. Eine Doppelftiege fuhrt nach einem großcn Salon: „Teppich-Salon" genaniit wegen der herrlichen Teppiche, den Sieg Davids über Goliath in natürlicher Große — den David wenigsten« — darstellend, welche die Wände bedecken. Diese Teppiche gehörten, versichert man, einst der Republik Venedig und sollen 500,000 Franc« gekostet haben. Die beiden monuinentalen EhenüneeS sind von Fraurn-Büsten gekrönt; keine Königinnen, keine Pcinzrffinnen, auch keine Copien au« irgend einem Museum — et sind Familien-PortraitS und daruin nicht weniger reizend. — 2n der Mitte deS SalonS steht ein Thron aus Ebenhol» mit brochirter Seide bedeckt, hoch, hart, »inbequem zu besteigen, wie, sagt man. Throne im Allgemeinen. Dieser Thron gehörte dem Kaiser von China und komint, wie da« fainose Perlen-Collier der Kaiserin auS dem^Eommerpallaste. Der Baron jedoch hat den Thron redlich erworben, waS sich nicht von allen Thronen sagen läßt, er ist ein Beutestück de- ... Doch laffen wir China und die chinesische Expedition und bleiben wir in Ferriere.