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Die Gegenwart · 1867-04-26 · 17 (26.4.1867) · p. Seite 133

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
17 (26.4.1867)
Date
1867-04-26
Page
Seite 133 (sequence 5)
Language
German
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8afincx Wochenschrift fftr Attisch« «ngelegacheit«. ISS Gesellschafter» und große, Welt wohl nicht da», was ihm am mehr» sten gefiel, und . er vergnügte ßch weit mehr in einer gang kleinen Gesellschaft auserwählter, Freunde — an Zöllnern und Sülldem — denn ai der übertriebenster» Bewunderung der seinen, großen wrd artigen Well." — lind Kant schrieb an Marcus Herz^) ״Heute reiset Ihr und, wie ich mir schmeichle, auch mein würdiger Freund Herr Mendelssohn von hier ab. Linen solchen Mann, von so sanfter Gemüth-art, guter Laune und Hel« lem Kopfe in Königsberg zum beständigen und inniglichen Um« gange zu haben, würdet diejenige Nahrung der Seele sein, deren ich hier so gänzllch entbehren muß, und die ich mit der Zunahme der Jahre vornämllch vermisse; denn was die deS Körpers detrifft, so werden Sie mich deshalb schon kennen, daß ich daran nur zuletzt und ohne Sorge oder Bekümmerniß denke und mit meinem Autheil an den Glücksgütern völlig zufrieden bin. Ich habe rS indeffm nicht so einzurichteu gewußt, daß ich von dieser einzigen Gelegenheit, einen so seltenm Mann zu genießen, recht hätte Gebrauch machen können, zum Theil aus Besorgniß, ihm etwa in seinen hiesigen Geschäften hinderlich zu werden. Er chat mir vorgestem die Ehre, zweien meiner Vorlesungen beizuwohnen, » I» fortune du pot, wie man sagen könnte, indem der Tisch auf 'einen so ansehnlichen Gast nicht eingerichtet war. Etwas tumultuarisch muß ihm der Bortrag diesmal vorgekommen sein; indem die durch die Ferien abgebrochene Prälection zum Theil summarisch wiederholt werden mußte und dieses auch den größten Theil der Stunde» wegnahm; wobei DeMlichkeit und Ordnung des ersten Vortrages größtentheil vermißt wird. Ich bitte Sie, mir die Freundschaft diesewürdigen Mannes ferner zu erhallen." Der Vollständigkeit halber mag hier die Schilderung Platz finden, welche August Lewald von der Anwesenheit Mendelssohns bei der Vorlesung Kants in: ״Ein Menschenleben," Theil I. (1844) S. 99 giebt. ״Ein kleiner verwachsener Jude mit Spitzbart und starkem Höcker trat, ohne viel sich uni die Anwesenden zu bekümmern, doch mit ängstlich leisen Schritten in den Hörsaal und blieb unfern der EingangSthüre stehen. Wie gewöhnlich begannen Hohn und Spott, die zuletzt in Schnalzen, Pfeifen und Stampfen übergingen; aber zum allgemeinen Erstaunen blieb der Fremde auf seinem Platze wie festgebaunt, mit einer eisigen Ruhe und hatte sich sogar, nm seinen Willen, den Professor zu erwarten, deutlich an den Tag zu legen, eines leerstehenden Stuhles bedient und darauf Platz genommen. Man näherte sich ihm, man ftagte, er antwortete kurz und artig; er wolle dableiben, um Kants Bekanntschaft zu machen. Nur sein Erscheinen konnte endlich den Lärm beschwichtigen. Sein Vortrag lenkte die allgemeine Auf« merksamkeit auf andere Dinge, und man ward so hingerissen, so versenkt in das Meer von neuen Ideen, daß man der Erscheinung deS Juden schon längst nicht mehr gedachte, als dieser nach been« digtem Collegium sich mit einer Heftigkeit, die mit seinem früheren Gleichmuthe seltsam contraststte, durch die Menge drängte, um zum Katheder zu gelangen. (Hie Studirenden bemerkten ihn kaum, als wieder das höhnische Gelächter erschallte, was aber sogleich einer stummen Bewunderung wich, da Kant, nachdem er einen Augenblick den Fremden bedeutend betrachtet, und dieser einige Worte gesagt hatte, ihn» mit Herzlichkeit die Hand drückte und dann in seine Ar»ne 'schloß. Wie ein Lauffeuer ging cS durch die Menge: ״MoseS Mendelssohn!, es ist der jüdssche Philosoph aus Berlin!" und ehrerbietig bildeten die Schüler •) ftaitf« Werte a. a. O. G. »7, SS, Vnrs vom SO. Aug. eint Gasse, als die beiden Weltweiseu Hand in Hand de» Hör« saal verließe»." ג Hamamr schreibt an Lavater, daß Mendelssohns Besuch die eiuzige Freude diese» -letzten Sommerfür ihn gewesen sei. ,Lch hatte mir ein Gesetz gemacht," fügt er hinzu, ״ihn alle Tage zu besuchen und habe mehr als eine süß« Stunde bei ihm zugebracht." - Prof. Ehrist. Jacob Krauschreibt am 29. Juli an Herr» von AuerSwald: Sonntag Nachmittags ging ich zu Hamann und fand auf dem Wege nahe an dem rothen Krahn einen Mensche« stehen, der durch seine Gestalt und sein Gesicht da» roheste Herz zum Milleid erweichen konnte. Ich gehe zu ihm und sage: Ich habe gewiß die Freude, Herrn Mendelssohn zu sprechen. Sind Sie nicht Herr Krau»? antwortete er, wir gehen wohl einen Weg. Die Juden, die mit ihm waren, müssen ihm vorher gesagt haben, daß ich'» sei. So gingen wir zu Hamann, wo eine Stube voll Bekannter und Unbekannter unserer warteten, namentlich Herr Hinz rc. Mendelssohn setzte sich in den Winkel und ich mich neben ihn, denn Hamann glaubte, wir gehörten so am mei« sten zusammen; wir sprachen von diesem und jenem mll einer Sorglosigkeit, als wären wir miteinander erzogen worden. Er Nagte auch, wie ich immer gern Nage. Gute Laune, Herr Krau», da» ist besser als t alle Medici», antwortete er mir. Er hat wirklich viel Laune und einen schneidenden talmudischen Witz, der unter der Direction seines scharfsinnigen Verstandes durch und durch fährt, wo er ihn anbringt. Man muß mit ihm etwa» vorsichtig sprechen, wie ich jetzt erst zu meiner Lehre und Reue erfahren." Kraus' Leben von Joh. Voigt. Königöb. 1819, S. 69—71. So geringfügig diese Anerkennungen heute erscheinen, waj ren sie doch in Wahrheit zu jener Zeit von großer Wichtigkeit, den» sie spornten die Juden zu rüstigem Fortgang ans der Bahn der Selbstbildung, um so die Schranke zu beseitigen, welche ihrer Aufnahme in den allgemeinen Gesellschaftsverband hindernd im Wege stand. Und hier war es wieder die Familie Friedländer und ihr geistiger Mentor, Isaak Abraham Euchel, welche den ersten erfolgreichen Schritt thaten. In Gemeinschaft mit einigen Freunden in Berlin und BrcSlau wurde in Königsberg Ende 1782 ein ״Verein hebräischer Literaturfreunde" י(חבורה דורשי לשון עבר) gegründet, um vermittelst einer herauszugebenden hebräische» Zeitschrift, Bildung, Aufklärung und Belehrung unter den Juden zu verbreiten. Unter der Redaktion EuchelS erschien hier von 1784.-1788 ״der Sammler" (המאסף) in monatlichen Heften mit deutschen Beilagen mit dem unumwunden auSgespro« cheiren Zweck, den sittlichen und politischen Zustand der Juden zu heben, den einseitige» RabbiniSmuS und die ResigionSvorurthcile zu beseitigen und eine wissenschaftlich begründete Bibelerklärung in Schule und Hau» einzuführen. Diese mit vielem Geschick ge« leitete Monatsschrift fand allgemeinen Anklang, wurde später in Berlin und BreSlau fortgesetzt, und der Verein erweiterte sich zur ״Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Edlen" (חבורה שוחרי הטיב וההושיח בקינינסבערג וברלין). Hand in Hand mit diesen Bestrebungen ging die znr Hebung und Besserung de» Unterrichts der jüdischen Jugend. Der Thatkraft David Friedländcr» gelang es 1778, eine jüdische Frei« schule in Berlin zu gründe», für welche er, mit literarischen Beiträgen Mendelssohn«, 1780 ein ״deutsches Lesebuch fift jüdische Kinder" herausgab, und ihm nacheifernd, forderte Euchel die Iuden Königsberg» in einem 1782 gedruckte» hebräischen Send« schreiben (שפה אטה) auf, eine» gleichen Schritt für ihre Ge« mrinde zu thun. Doch seine Stimme ward durch den harten

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