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Die Gemeinschaft · 1933-01-01 · 1933 · p. Seite 37

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Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1933
Issue
1933
Article
Beilage zu Heft Nr. 21/22 Jahrg. 1933
Date
1933-01-01
Page
Seite 37 (sequence 35)
Language
German
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III. Entwicklung. Am Sabbat Wajeze 1933 werden es zehn Jahre, seit die Liberale Synagoge Norden ins Leben trat. Ein kleines Häuflein Laien, ganz auf sich gestellt, skeptisch begrüßt oder ignoriert von vielen Gesinnungsgenossen, angefeindet von Gegnern, begannen das Werk in einem Bezirk, wo bisher nur konservative Bedürfnisse vorausgesetzt und befriedigt wurden, wo es für Liberale keine Möglichkeit regelmäßiger Betreuung gab. Den Anfang bildete der Freitagabendgottesdienst, weil dieser von Gewerbetreibenden am Leichtesten besucht werden konnte. Die kleine, aber stimmungsvolle Synagoge des Baruch-Aucrbachschen Waisenhauses, ein junger kantoral geschulter Kaufmann, ein kleiner Kinderchor, geleitet von einem musikkundigen Mitarbeiter gewährleisteten die ästhetische Ausgestaltung. Interessierte Laien — Ärzte, Juristen, Lehrer, Studenten — waren bereit, Ansprache und Liturgie zu halten. Am 30. November 1923 würde der erste Gottesdienst durch Rabbiner Dr. Gottschalk geweiht. Die Schwierigkeiten, die Aufgabe dauernd und mit Erfolg Durchzuführen, waren nicht gering. Aber, obwohl zuerst mancher über die neue Art stutzte, dauerte es nicht lange, bis die Vorurteile überwunden waren, bis das Ungewohnte zum Selbstverständlichen wurde. Die Freitagabende bürgerten sich bald ein. Zu den Freitagabenden kamen die Gottesdienste an den Wallfahrtsfcsten, und an den Hohen Feiertagen. Und schließlich Ostern 1925 der volle Sabbat und Festtagsgottesdienst. Nebenher gingen Chanuka, Purim, Selichottag, Rosch chodesch Nissan, für die besondere Liturgien geschaffen wurden. Neu geformt wurden auch der Jugendgottesdienst an den Hohen Feiertagen, die Feier in der Sukka. - Das Interesse für die Arbeit der Liberalen Synagoge Norden gewann allmählich weitere Kreise Berlins. Vier Jahre später 1927 wurde Wilmersdorf mit einem Freitagabendgottesdienste eröffnet. Dieser Gottesdienst, der später von der Synagoge Prinzregenten- Straße abgelöst wurde, hat die neuen Gedanken in weite Kreise des Westens getragen. Schon ein Jahr später wurde Westend und wiederum ein Jahr später Osten eröffnet. Im Osten übertraf der Erfolg alle Erwartungen. Alle Befürchtungen, daß das Publikum dieses als konservativ geltenden Stadtteils sich dem Neuen nicht erschließen würde, hatten sich als falsch erwiesen. Trotz der schwieriger werdenden Wirtschaftslage machten auch andere Stadtteile solche Versuche (Tcmpelhof-Obcrsprec). In Nordosten sowie in Reinickendorf-Wedding gelang es, regelmäßige Freitagabend-Gottesdienste einzurichten. Durch die Entwicklung der politischen Verhältnisse wurde die Arbeit jäh unterbrochen. Da die städtischen Aulen nicht mehr zur Verfügung standen, mußten die meisten Liberalen Synagogen ihre Gottesdienste einstweilen einstellen. Nordosten versucht jetzt, durch intime Freitagabend-Gottesdienste in Privatwohnungen das geweckte In- J7

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