Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 148 (3.2.1895)
- Date
- 1895-02-03
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Nr. 148. feite * ' ' .freies AlMrsVorf unter nntifcmitifdicr Berwaltuug.) In Atzgcrs dort bestand teil dem Jahre Ib>7t> eine fr iwitligc »Feuerwehr, der als Mitglieder sori'dwitilich gesinnte Männer angchörtcn. In einer neulich abgebaltencn Lid»».» der (Gemeindevertretung, in welcher feil de» lebten L>al,icn die Christlich Socialen die Majorität haben, erklärte Bürgermeiner Batzga, daß er lcschlo'icn habe, die freiwillige Fc..cr webr-auszulöseu. Tic liberale Minorität protcstirtc entschiede» gegen die>c Maßregel als iiugefetzlich, woüei auf die besondere» Berdicnile des Eorps dingewiefcn wurde. Als dieser Antrag zur Abstiuiniung gelangte, stnnintcn aber die 1* christlich socialen Gcmeiudcocrirrier tiii die Auslosung (^'emciilderatb Earl Edcliuoscr wurde beaur tragt, für nächsten Abend eine Bersamiulniig zur Eonstituiruug einer neuen Feuerwehr einzuberusen. Den bisherigen Mitgliedern der Feuer webr wurde die schriftliche PIcisuug zutheil, daß sic sofort abzuristtcli li.nteii, und zwar in einem Gaübausc, dessen Besitzer ein Agitator der Christlich socialen ist. Tcr frühere Hauptmann, sowie säiumtliche Mitglieder, die der Genieindevertretung als der Vorgesetzte» Behörde den ('vl)oiüiiii nicht verweigern wollte», nisteten ab, jedoch nicht in den: bezeichnet»,! (^astkanie, sondern in dem ZengSdepoi Eine neue freiwillige Feuerwehr, bestehend ans (Gesinnungsgenossen der Christlich Socialen, war rasch ziisirmmeiigesteUt, und jener Beirth wurde zum Hanptmanil gewählt, ferner erschienen Montag den -l. Jänner in der Bohnung -des Lchuhiuachermeisters Josef H ö l b b einige Mitglieder'der neuen Feuerwehr nnd denwntirtc» 'ohne behördlichen Aus trag die fc.ue'bu befindlichen Tclephonapparatc des Bczirksverbandcs Hi.hing und des (s'auverbandes Liesing, welche anderswo angebracht wurden aics war jedoch sowohl der .Minorität der (Gemeinde Vertretung als' auch de» anderen dadurch, betroffenen' Feuerwehren doch zu viel, wesbalo sie durch ihren Bortrcter, Hof nnd Gcrichtsadvocateü Tr. Akolk heikler in Hietzing, beim dortiges Bezirksgerichte die Besiv'wruugsklageeinreichen ließen, worüber am -4. Jänner eine Berhandlnng siatisand. Tiei'e batte den Erfolg, daß Bürgermeincr Batzga erklärte, er wolle die Apparate aus eigene Konen dahin bringen lassen, wo man ne haben wolle. Tie Bczirkshanptinannichat-k Hietzing f> nirte ferner den Beschluß der O'eiiieiudevcrtrctiing von Atzgersdort nud überantwortete, den Act der Ltakihaltcrei. Atzgersdorf iü iiiili sacinäi ohne Feuerwehr, was bei Ausbruch eines Brandes von uicherecheiibareii Folgen kein könnte. Das Feueiwehrtcleplion ist * EigentbiiN! des Bezirks nnd Ganverbalides sowie der alten heiler wehr, und -ede Berändernng muß der Behörde angezeigt werden. iiMc man Den Aniiirniilisinns großzichk. B.-,r erhalte» von -ein.'Ni Frenndc unseres Blattes t'olgende Zuschrisf Es ist eine nn ' leugbare Lbattache, dgß der AnlisemitiSinns seine (Geltung in erster Viiiie ieineni banansi'etien (''eMucii und sodann der heklagensivcrthen -Eonnivenp Einflußreicher >ireise rurdankt Ter Goelhe'sdie AnSivriiät, daß auf 'einen groben mit unter statt eines groben Teiles „anderthalb.''' geboien, wird ganz außer Acht gelassen, und man wett ei'ert förmlich, durch Eoneessjonen nnd Eoneessiönchen unterschiedlicher Art die brutal, aiamvseswei'e der Äniiiemiten einzukchränken. Mit welchem Errotg . dl.s ge'eltieht, das beweist die von Lag zu Lag an ' »'achtende Schamlosigkeit nnd srrechheit der ai.tisemitischeii Kampshäline. Es mag weht hie und da angezcigt sein, spectakelsüchtigen Gauen jungen ausznioeichen und io ihnen die Bkittel zur Befriedigung ihres "'.lüiies z:i entziel.e'n, aber ein üetes '.'lachgeben wäre nicht nnr unvernünftig, sondern sogar 'ehr gefährlich Tcr zügellosen Bubeni'chaar gehört zur .ichtigen stunde eine ausgiebige Trächt' Prügel, ein Heitniittlt, zu keni l.der P-etiersabiciie .in l'i'>4>ntni» »>l' obneweiiers tagen durtte A-olan die schwächliche Turdit vor aniiscniiiitei)er Balgerei führen liui -, dareu ein celatanteS Beispiel Si.iti dem antitcmititcljcii Anfinrm gegen fe» Teut'chen Sdmtreieiii mit aller der guten Sache würdigen Energie e.itgeg.iiziltreien nnd altem aniisenlititcheil Gejoble und l^ezerier zu Trotz dem idealen Ziele d.s Bereincs sichere» Sd,rittes zuzu'chieiien, verlegte man 'ich auf - - gelinde gesagt —- Laviren und glaubt der wie teil sich gcberdcnden ' antisemitischen Mente dadurch 0S zu werden. Saß man mit einer' anttäUigen Acngftlichkeit jeglicher rlntttzt.itzuug eiuer von deutschen Juden besuchten schule siel, abhold .!.. uft Tw von den Aiuiseuliten höhnisch als Juden"-Schulen be z.'>.l:ul..i Aifta.ten müssen. der erhonken lluientützung beraubt, ein t'.agliches Lasiin 'einen .oder schließlich eiiigehen. Im letzteren Falle 'ine :;e u'.tisemuischeii (Großmäuler die erneu, welche iu die Belt lu-'gusp. '.tunen: „La ieh'r, wie verläßlich diese Juden . i» ihrem Tentzchthu.u ii:i;! ließen üe eine .deutsche 2d)iite eiiigeheni" i :e L hatiadie Sieter iid) leider nur zu häutig wiederholenden Erscheinnug üeh: nun euittia. t.n, und es liegt die Frage ganz nahe, wohin eine . ’cld)e Aeugttl'.chkett ’.tteiif des Xeutidtcii Schulvcrcincs schließlich ie... 'i T g' „ .>ndeil"-Guldeu fließen, pereentualilcr genommen, :u S o Ton'-s dcd Teutschen SchulvereineS viel reichlicher ein als die . S l a t t. „Arier"-Gulden. Tic natürliche Folge einer offenkundigen Befangenheit ' der Leitung des Deutschen Schulvereines gegenüber den and) von Judeiikindcrn besuchten Schulen wäre ein gänzliches Aufhören des Zufließens von „Inden".Gutdcn. T!b dies znm tlkutzen und znm Frommen des .Teutschen Schulvcreincs sein würde, bleibe uncrörterr. Zweifelsohne ist es hod, an der Zeit, daß dem „Bangen nnd Hangen in scj>webeudcr Pein" seitens der Leitung des Tcut'sd>en Schulvcrunes ein Ende gemacht würde. (.'Inrn >>iiokir. I»m,i;imi<-i! (>« rmn„,i> lZnr '>{otl)lagc Der Zndrii iu (iializicn.) ^Tic jüdifd,cn 'Reichs raths und LaiidtagSabgcordnctcn Galiziens haben sid> ans Anregung > des Abgeordneten Tr. v. Rapoport iu einer vor Kurzem in Lemberg ahgehalteneii Berfammlung, in der die nberhanduchiuende tle'othlage der jüdischen» Bevölkerung Galiziens eingehend bcfprodjou wurde, als HilfSeo»iit>' constiluirt, dessen Ausgabe eS fein wird, der »othleidendeif jüdisdicn Bevölkerung Arbeit zu verschaffen und nenc ErwerbSgliekleu;n erösfueii, ferner der jüdisd>cn Jugend die Mögkid> keil zur praktischen Ausbildung als Landwirthe. Handwerker und iu verschiedenen Gewerben zu bieten. Es wurden zum Tibmaniie des Eomit-'-S Tr. v. Rapoport, zu desseü Stellvertreter Tr. Byk und znni Eassier Tr. Gotdmann gewählt. TaS (Somit«’*, versendet nu,: an viele einflußrcid>e und hervorragende Persönlichkeiten tssaliziens ein L-uestionnairc über die ErwerbSverhültnifse der dortigen Inden. (Zur kirchciipolikischcit jlicsornt in Ungarn., Bei der Beta»,ung des U»terrid,lSetatS im ungarischen Abgeordnetenhanse gab der Ministet für Eiiltns und Unterricht Tr. Julius Classic» folgende Er klärungen ab: '.>kad,dc»i nichrcre Mitglieder des Hanfes mid, bczüglid, der nod, »id,t erledjgteu kirchenpolitischen Borlagen befragt haben lind nadchcnl mir trotz meiner eiltschiedcncn Aenßernngen von* mehreren Seiten die Prcisgebiing der Principicn iinpniin worden ist, will ich mich bereitsjetzt über diese Frage cingchcnd auSsprechen. Ein.voreiliges Urthcil ist umsoweniger am Platze, alS das HanS ja (Belegen heit haben wird, fid, mit den Modisicalioncn, wenn sold,e staltliabeit werden, zu befassen t and, ist meine Erttärung bcznglid, der Integrität der Prineiplen eine vollständig klare. Ter kssesetzentwurs über die freie RcligionSübung hat zwei k^rundpriucipien: Erstens die indivl ductlc Religionssrcibeit und zweitens die corpvrative ReligionSsreih'ii Beide <>'l'iindpriiicipien werden unverändert ausrcchterhalte» werden. Tic individuette ReligionSsreibeit umfaßt die Freiheit des lieberlriti.e nnd die Freiheit des Austrittes, ohne daß der Staat die aus eine*. R'etigionSgeseUid,ast Ansgetretcuen nöthigt, fid, irgend einer Eonfeiston anz«sd>ließcn. A di daran hatte id, aus das Entidstedcuste fest, Aeciin jcdod, rou irgend einer Seite gewüusdst wird, daß der Ausdruck „außerhalb der Eonsesstoueu stehend" durd, den.Ausdruck „aus einer Eonfeisio» Ausgetretene" ersetzt werde, so wird die Regierung. dagegen tciue Eiliwcndllug erheben. TaS hat auch feine praitische Bedentiiiig denn einzctne Mitglieder des Maguateuhaufes, weld,e die gesammie >iird,e»potitll der Regierung unterstützten, stießen iid, daran, daß die Eonfeisionstosigkeit \ . im (besetze selbst ansgesprod,en werde. Ü?cmi min die weitere Regelung der gesetzlidien Bcrbältiii'se der außerhalb der Eonfesiionen Stehende» ans den Bcrordnnngsweg gewiesen wird, so ist die Integrität der Principicn vollständig gewählt nachdem, die gesetzliche t!Lirknng die gteid,c ist, während an» der anderen Seile and,' der pratiischeu Rothwciidigteit (Genüge geleistet wird. 2fas den Gesetzentwurf über die Reception der isractiiiidien Religion betrifft, >o ist cs selbstverständlich, das; alle Rechtsfolgen fei Reeevtion ansrediterhalien bleiben müssen, denn wäre dieS nid,t de: Fall, so könnte man von einer Reception nidst spredien, da die nrae tltlid)e Retzgion sonst ihre Inferiorität gegenüber' de» übrigen reci virtcii Religionen behalten würde. Id, glaube also, daß meine Be baiiptiing bezügtid, der Integrität der Principicn vottständig der Beahrbeit entspricht, und daß alle Prophezeinngeu und Eombiiiationen vollständig grundlos find. Tic AnSsührungen. des Ministers winden von den liberalen Abgeordneten mit lebhaftem Beifall aufgeiiöinmen' Rilljcjallcil. i Das Berliner SberverwattiillgSgeridit batte sich am >'.( Jänner mit (ineiii böd,st seltsamen Fall von praktisd,e!» AntiscinilisniiiS zn befdjästigen. In.Massow Pommern) haben std, die antiseinitisdieii Eleniente ziisainmengeschlossen und bctrad)ten den Gasnvirll, PIalter, in dessen Local, sie ihre Bersaininliingcn ab halten, als ihren Führer. Durch eine wilde Agitation war cs ihnen’ gelungen, Tfaltec's Pfahl znm Stadtverordneten durchzusetzcn. Am i>. Iaiiiicr v. I. sollte nun der Erkorene der Antisemiten als Stadt verordneter cingesührt iverdc», blieb aber ohne Entschuldigung der Stadtvcrol'ducteiivcrsaiiiiiilung fern. Durch Beschluß des Magistrates ivurde sodaiiii der Sladtverordnetenvorstchcr Hirsch in gesetzmäßiger Preise dcanftragk, am ~J0. Jänner v. I die Einführung und Per'« cidigung des AntisemitcuführerS in Mastow vorzunchmcii, und Letzterer, war hievon am 17. Jänner v. I in Skenntniß gesetzt worden. Am