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Freies Blatt · 1892-12-18 · 37 (18.12.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
37 (18.12.1892)
Date
1892-12-18
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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£eitc 7. Nr. 37. Freies Blatt. (Der LiigtNMtislrr.) 3» Lkeidling sagte Schneider in einer Antisemiienversammliing, er habe im er in den Reihe» der „Jndenpress^ de« Binders diese» Mörder» mit übertrifst »och Ahlwardt, der sich Abgeordnetenhause den Raltbinördcr, welchen ' entdeckt haben will, aus „kniesältigeS Bitten" einem falschen Rainen bezeichnet. Schneider ans ein Gespräch mit dem Vater deS BüchfenmachciS Borclla berief, woraus >or Gericht coustatirt wurde, daß Borclla seit Fahren keine» Vater mehr habe. >(N»ali1iskMikischks Skubrnttnmkkkilig.) Al»!». Teeember fand i» .HernalS -fi„f Versamntlung dentschnational-antisemitischer Hörer der Wiener Universität statt, die de» Zweck hatte, Stellin g zu »ehine» gegentiber den i» letzter Zeit ro» bcrvvrragendeil Personen w ederholt geäußerte» scharfe» Verdammung» niihciten über den studentische» Antisemitismus und den moralischen Versa» der akademischen 3»ge»d. Ter Vlrlauf der Vcrsannnliing bestätigte vollauf die ivider die Sludente» erhabene» V »würfe, den» was Andere.» als einpöreiidsle Rabheil ist cs, wen» ei» Stndent die Alm» malor 'einen „internationaken Misthaufen" nennt? Tic Versa»,» lnng nahm eine sehr »msangreiche Resolniion, die StNlarbeit eines gen'issen Flip F rä n> in l, an, i» der unter Anderem die Uebcrreichniig einer Mißbilligt ng» .Kundgebung an daS Rector.'l. der Uni versiiäi gegen die Aenßerung nanientlich angesnhrler Persönlichkeiten gefordert wild. Ter Vorsitzende der Versammlung. besürivorlete auch die Verfassung einer alle .»lagen der „deutsch chiisilichen" Studenten c>lil,altenen Flugschrift, die s.inninlichen RcichsrathSabgeoldneic» und Gemeinde» zu überinittcln wäre. tWnlde einsliniinig a»gc»oi»»ienl) Zum S^blusse wulde „Tie Wacht am Rlieiir" gesnnge» und die Versammlung aintcr -Hochrlise» aus Schönerer geschlossen. , k Ter Parteitag ber C'onfcrlmtiUCH in Bcrli».) Wir habe» in der vorigen ans dem conseirativen Parteitage in Berlin liitzc» von Thron und Altar" zuni Radaii und ivollen nur »och an» dem Verlaufe der :» Parteiprogrannns einige beinerlendwerihe er heiligen Rede eine» Herrn Ulrich an» Ni Beisall den Wunsch anS'prach, die con nur etwas demagogischer. sein, und sagte,>i» seiiieu'Xreiien erwarte man bestiinnil, daß der Parteitag zins „3»dcn nage'' ganz scharf und klar Stellung nehme, stellte Rechtsanwalt Xlasing aus Bieteield, der lurzlich den ehenuligen Wiener Geichäsissoeialislcn und jetzigen Berliner GescksiistSanlisemiteu Tbrwindcr verilieidigte, den Antrag, de» be laiiilen Programmeiilwnrs 'mit Sireichuug des Satzes: „Wir velwerfeii die Antifeinitisn ns" anzuiichinrn. Tie Hauptaufgabe der zur „Jndensragc". lLeb^astcr Beifall.) Tas >ei der Xernpintst de» xanzen politischen Leben». TaS F'udenihun, sei der »n t^isolnlichste Todseiiid der conservl live» Partei und des eonseivaiivcn Princips, und der .stampf zwischen beiden wilde nicht anders enden alS mit der polili ä,en Vernichtiiiig des Einen oder des Anderen. (Skutmicher Beisall.» Tic conservative Partei labe die Aufgabe, die antisemitische Beivegung in die richtige» Bahnen zu lenken. Scho» taktisch sei eS.-unrichtig, den Satz von den AuSschreiliilige» de» Aniis'iniiisnniS in das Programm anfzunehiiicii. Tic conservative Partei bekämpfe eile AnSschreitungcn, aber im Programm sei doch mich nicht dieMcdc von der Ziirmliveiuing der AnSsel»-eitizngen deSFudenthiims^ obivohl dieses so oft das neue Testament angreisc >vie der Antisemitismus da» alle. > Sehr richtig!» Rnr. Herr v. Bluiüc nthal sprach sich gegen diesen Antrag aus. Tie coniervative Partei habe die Ausgabe, den Radau AnliseiniliSnniS zn veredeln. Tie .Haltung der Antisemireii bei. di n Wahlen beweise, daß sie den Conservative» cnlgegentreis» wollten, ihre Gegner f io» imb sein wollte». (Zulus: Schluß!) Ter AniisktniiiSmiiS habe schon, Verwirrung angerichtet. (Zuruf: Bei Fhucn viel leicht! Rur nicht so ängstlich!» GS sei auch nicht genügend, immer sich nur gegen die AuSschreiliilige» der antisemitischen Agitation zu wenden und nicht - Mich gegen die Eirene der inaßlpscn antisemitischen Fordernngen. «Zurus: Welche denn? Schluß!» Man tönne nicht zugleich conservativ sein und Ahl »rardl ivählc». (Stürmischer Widerspruch.» Fin. weiteren Veilanfe der Tebaue sprach auch der durchgesalleue oonserrative Gegcncandidat Ahlivardt», Ritter gutebisitzer v. Waldow, »iib erklnrle ebenso wie ein anderer Redner aus Atnswaldc, sie seien gut conservativ^ habe» aber doch Ahlivardt gewählt. 3h>n Riiiniiier unseres Blattes voit der vollzögeucn Schwenkung der ,,-i Aililsemitisinns Notiz gcnoiiimen Belathiing über die Revision d Moinenie hervorhcben. Rach ei» Ehemnitz, welcher unter stiirmi'ch iervaiivcn Abgeordneten möchten AnSschreitlingeil deS >Sege»wart seidie Slelluitgnaluue seien zehn Alllwardt lieber als ei» Freisinniger. ' (Stürmischer Beisall > - Ter Vorsitzende Freiherr v. Manleussel verlas hierans eine Erklärung von l!> conservaliven RcichStagSinitglieder», die demBParteitage sernblieben, daß sie am conservaliven Programm von t$7t> sesihaltcn. Niilcrzcichnct war die i%i-= lläruiig unter Andel» von Ackermjann (Trcsdcn), Flügge, v. Helldorsf- Gras Saldern-Ahlimb, Graf Fstleist-Schtnenzin, Graf TonglaS, Gras Schli essen, Uhdr», Graf Holstein und Hartmann.' Bei der^lbslinnnung wurde der Pkogran»nc>tl>unrf genehmigt »nd der Antrag .Pasing auf. Streichung deS Pasius: -.Wir verwevsen die Ausschreitungen deS AnlisemiliSnnls" mit ailrn gegen sieben Stimmen angeiioninieil.. — TaS Sega» Helldorfi s, das „Conservative Wochenblatt", schreibt: „Dieser sogenannte conservative Parteitag, desien Art der Zusammeiisetzung für uns ein Räthsel ist und pan; ohne Zweifel sehr kritikfällige Stellen von dem Typus der Berliner Antisciitit^nversaininlungen.'Tiefe Anfänge eines gehabt haben muß, >var ei» treuer Abzug LslraciSmuS, der gegen Parteigenosse» geübt wurde sind denen massivste Rede bliilhen selbst die „.streuzzeiiung" sich »viederzugebe» scheut, diese Art, mehr mit lärmendein Geräusch alS mit Gründen Beweist jii rühren, diese. subeliiden Beisallsknndgcbnngeil für die Herren,, die» sich alS Wähler von Ahlivardt vor - stellten, die -Hochrufe, die ans Ahlivardt selbst angestimmt wurde», da» Alles sind Züge, die dem Prodiiclc dieser Bersaininlung, dem neucti Programin, welche» die conservative Partei accepliren soll, seinen eigenartigen Charakter ausiriicken. Wir fürchte», daß dieser' Tag alS ein dies iipfastus schwärzester Art in den Annalen der Partei dastehcn »vird. Er ist der Endpunkt einer Entwicklung, di« »vir mit banger Sorge durch die letzten Jahre versqlgt und mit immer lauterem WarnungSrnse begleitet habe», die die Partei unter den maß gebenden Einilnß der „-strenzzeitnng" gebracht und die jetzt ihren CulminationS Punkt in der unleugbaren Thalsache gefunden hak, daß daS „Volk" als daS leitende Trgan der conservaiiveip Partei betrachtet werden muß." — Tie . „Magdcburgischc Zeitung" sagt: „Wir halten eS für einen großen Segen, - daß an Stelle deS henchlcrischen -stokellirciiS mit dem AntiseiniliSmuS offene nild scharfe Parteinahme für denselben getreten ist; einmal weil ein offener Gegner stelS einem heimlichen und versteckten vorznziehcn ist, dann aber weil dadurch der unzweifelhaft rcactionäre Eharalicr deS Anlistmilisnius. in unzweir deuligcr Weise zu Tage getreten ist. Auch da» »vird wie. die Wahl Ahlwardt's zur -stlärung mifcfrv Parteiverhältuisse ein Erhebliche-; beitragen. Durch die offene Verschmelznng de» Antisemitismus mit der coi.scrvativen Partei »vird die wahre Rainr des elfteren auch dem blödesten Auge fiar. .stlarcr, als »vic wir c»' bisher unseren Lesern zu machen vermochten, haben. eS ihnen die conservaliven Teiegirlc» gezeigt, daß inan durch den AnristinitiSmus'nicht dH» Iiideiilhilni, sonder» vor Allem den Liberalisuius zu bekäinpfen hofft." (Böckcl in-Hmnbiirg.» 3» einer von dem ,.A»>i>eniilischc» Wahlverein von ' l»'i " in Hamburg veranstaltete» Versannnlniig, die vo>> etwa 20X) Personen besucht ivar, hietz Tr. Bocket einen Licnrag über'die Erhalinng deS MitteU slantcS. Es ivar eine 'rnifiiüitc -Hetzrede, »vclchc der neueste MitielstandSrettcr znnc Besten gab; sie schloß mit dem christlichen Wunsche, daß ciu ncner Bismarck bald konimcn möge, der die Sciiiilei» zerschmettere. Ter als Rämpscr für Recht und Menschlichkeit riihinlichstchgkannle Tr. Georg Waltcinath trat mit jcneiil Rrulhe, de» die.Uebcrzcuguilg, für eine gute Sache zu streite», cinslößt,. den Aiitiseniite» entgegen. Unbeirrt durch de» wiilhenden Lärm, mit »vclchem die Radau Brüder ihn am. Spreche» z»i verhindern suchten, legte er dar,' daß Bocket'» Aiisichteii stgahngebildc seien, nnd ivie» auch ans die Aiigehörigen de» nsi'tclstaildcS. höchst veideiblichc Thätigkeil^der Böckel'schen Cvnsiimgesettichasten in Hessen hin 'Tie Veisaniinlnng schloß mit der Amialnnc einer Resoiiiiion, »velche die „allli-cinilische. Paltei" als die ^einzige Vertreterin de» Mittel - siandeS" erlläit. 2\us antisemitycht.'n blättern. (Vier Zahrc des RampscS.) Unter dieser Ueberschrist feierte daS^ „Tentsche VolkSblati" ^inw1'>. Tcceniber seinen GebnrtSlag und rühmte sich seiner Verdienste im Xawvse um die „Wahrheit". Echt antisemitische» Eigenlob! Was lat daS ,,VolkSb!ait"^i» diesen vier Fahren nicht Alle-Z durch gemacht'? ES lag im Slaiib vor Schönerer, knurrlc de» stct-Z „wechselsähige»" viiegcr an; trat für Fraßt gegeir den kalkSbnrgarlig schillernden Prinzen ein hielt Pattai seine mangelhasicn Spiachkenntnijse vor lind behandelte Schneider^ ivie so ein Patron behandelt weiden soll. Heute-aber findet e» nicht genug Xosettaincii und Schmeichcleieu siir die vueger »nd Schneider; Sckiöucrcr abe'' ivird als rin maßlos eitler Frondeur hiiigeftellt, mit welchem zil beschäftigen sich nicht der Mühe vertolnie. Fn deil^ vicr Fiihrcn deS xanipfeS, an welche die ehemaligen -Haupikänivfer Woli. Hion :e. lhoitSmit Grauen, iheil» mit Entrüstiing. zurückdenlen iiiögcn, har daS „Vollsblatt" gar ver'chiedene Falsisicatc-alS „echte Münzen" anSgegeb.'»: >riilcm Piiblitnm gegenüber tonnie r» dies niigenilt lhnn. TaS „Vo!tsbia:l" verMert, eS stehe nun lest auf den Fußen. Ist die» wahr, so ivird hvifenilt h d^S widerwärtige Anbclteli'. der Leier ansliörcn niid der »och wideitvärl.igere ')!eid, den daS antisemitische Blatt bisher belmidet hatte, -wenn Svendeil wurdigereil Annen,""z B. iliiverlchnldeten Arbeitslosen: znslossen. '. «Gelindes Gntsetzc».) Fit einer Wiener Versammlung von Fort'chriit»- niäniieln wurde die Grllcndmachiiiig de» Grundsätze» der Gleichheit in Juni; »nd Pcrwaltung gefordert. . Tiefe Folderung einpört das „Linzer' Vol lS^. bl alt", und eS schreibt zur Beläinpfnng derselben: „Man braucht ivahrlich Irin Antisemit zil sei», um bei dein Gedanken an eine jütische Fnvasiön aiif nnsere Gerichte und Aemter ein gelinde» Entsetzen zu empfinden." Ter Mangel an GerechljgkeilSsinn, welchen diese Aeußernng belnndet, tvird bei jedem billig deiikenden Meilschen nicht bloß gelinde» Entsetze», sondern geradezu Abscheu und Entrüstliilg erregen. ' ' (Cifitiöfer Antiscmitismiis.t AiiS Prag ivird uns geschrieben: Tic „Politik" hat, lrotzdcm in ihrer Redaction Leute semitischer Abstaminung daS große Ltzort sühren, häufig genug antisemitische Amvaudllingcu, und die erfolgverheißende Action des Vereines zur Abwehr deS AiitiiemitiSmuS in Wien hat die asie Tanle ivieder einmal aus dem -HäuSche» gebracht ii»b zu Auslassungen

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