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Freies Blatt · 1892-11-13 · 32 (13.11.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
32 (13.11.1892)
Date
1892-11-13
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Seite 8 Freies Blatt.;cid)iu't werde» muß — behaupten :e " Herr Bergani, allerdings noch kein Greis, sondern »ach seinem eigenen Unheil eine „zaubergewaltige Erscheinung", jedenfalls ein Mann in den beste» Jahren, ist unfeieS Wissens bisher ebensalls gerilliitilli unbescholten. Wenn er also ein hohes Älter erreichen und die Prophezeiung Jro'S, du st eS a»S der finke» Bahngaffe noch fürchterlich zuin Hiininel stinken weide, sich iiilltt inzwischen strafrechtlich bewahrheiten wird, dann wird er eiiinial auch stch selbst als elwaS Lettenes bezeichnen können, lind so ein Manu hat eö »i Niedetösterieilli nicht znni fandeSane-chnß gebracht, ist bei den letzten ReichSrathSwahlen schmählich durch,zefallen und vom hochherzigen Schloßherrn non Roienan angewiesen worden, zu einem „festen, »nzerreistbaren Strick" Zuflucht zu nehmen! P-m! Ter in SAiilderiingnt des Orients »ach berühmten Mustern fleistige Pergani Halle doch npmigstens eine seidene Schnur verdient. i Streber unb Wci4(ifteontiitmiten.) Tie „Judenfrage" schreibt ..Wenn die fente nur etwa» die Äugen aunnache» oder nur ein iveuig logisch denken könnten, so -hätte» sie ja bei der letzten ReichrathSwahl in Wien sehen »innen, dast der Kandidat der Eleriealen ein unverfälschter, mit keinem antisemitische» Hauch berührter Cleriealer war. Tie Hauptagitatorerr für denselben waren aber wieder unverfälschte Clericale, unter Änderen die Herren Lchneider und fneger, gegen d^ren Treiben die kaiserlichen Worte lau die Telegiricn S ueß und Richter) sich richteten. Und eines d»rf man versichert ~*eiu, daß. rvenir der Candidat der Clerieale» gewählt worden wäre, so würde dp,selbe die elerieale Politik verfolgt^haben. Tie unter antisemitischer MaSke versteMen eleriealen Werkzeuge bringen der antisemitischen Bewegung den größten Nachtheil. dazu tragen aber auch jene bei, die sich von diesen ferne» gebrauchen oder übertölpeln ließe». Deutsche schade» aber doppelt, weil die Werkzeuge der Cleriealer, dem Teul'chthiii» schaden und eS diSerediiiren. ES ist ja geradezu eine Schande für die Deutschen, rvenn sie in der Residenzstadt Bbrli» Herrn Schneider als Retter des TerrischthnmS feiern. TaS kommt AUeS daber, iveit sich bei der antisemitischen Bewegung viel zu viel Streb er u n d isse'chästSantiseniiteii einzudrängen wußten: diese sinden nun ihre Rech , ring bei den Werkzeugen einer über viel (''eternittet verfügenden Partei, und um daS Geichäst zu batte», unterstüven sich diele Geschäftsantisemiten gegen 'eilig. -Herr Wilbeln, Marr nannte die>'e ganz richtig eine Erzschelmen banke. den schwärzesten eleriealen Blättern in Testerreich, die nicht einnral emti'etnm'ii und, obwohl kent'llrgediuekt, doch dentschseindlich gesinnt waren, »sie der -.Ina i »rer °Pol k Sboi e-, machte Herr Theodor Fritich Reelame für '>ein Blatt und seine.Schritte»; andererseits mußte man als Gegendienst die tüischa'te der Uttrainontanen bewrgeu. Heute, wo die Ultramontanen kühn ans . frete». tainmer» jene Protestanten, die ihnen emporgeholfe» haben, weil sie eben nicht logisch denke» können. JJ'-eihbeTT sie daS können, >'o hätten sie längst ein’rbeit iiuiffeu, daß von dem Augenblicke angefaugeir, als sie die antisemitische Bewegung ans religiöse Grundlage stellten, um sich die Unterstnvullg der/ Pastoren und der katholischen tRistlichkeit zu sichern, die katholische Geistlichkeit oder dar UttiainontaniSmiiS als Sieger herro gehen iniisfe, weil diese viel mehr 'zu eutoiit 'esten Xörper zusainmengeichlosien, über einen viel mächtigereu Ävvarat verfugt a.4 die protestantische Gerstlichkiit. Und heute, wo sie so lainmern wegen dem UltraniontanismnS, »iiuin, ,„an Kch »och für die elerieale» Werkzeuge tut niedere sie, reichlichen fandtage an " Logisches T Silke» verräth die „Judentrage". deren Stnl-ein sehr cnrioier ist, ebe„soivenig alS die von ihr geladelten Schwachköpie. itz'bristlich-socialr Einschuchlkrungsmittcl., Ter vom Tbinann des christ tich foeialen Bereines herausgegebene „Bolksfre»nd" bringt in Rr. t'> an innerst nngervöhnliei-er Stelle, nämlich an der Spwe deS Blattes, folgende Bli.fkastennotiz: ,,Ä» die betreffende Persönlichkeit. — Sollten wir weiter in irgend einer Weile behelligt oder, geschädigt werden, >'o werden wir eine» p i kan ran R o »t aai veröst'entlichen: .Präsident und B a i l et m ä dche >,' mit recht iiiterefsanten Scene,i, insbesondere eine aus der Tranisohngasse." ,Tcr .stampf um das gräflich Waldstria schc Erbe.) TaS Psenuer'sche Blättchen widinete dem Procene, der sich wochenlang vor den Prager Geschworenen abspielte, und in welchem um daS giäflich Waldstein'sche Erbe gekampit avnrde, eine wehmnthige Betrachtung, an deren Schlüsse eS hieß: „ES tt.t.e irobl für alle Betheiligten bester gewesen, wenn dieser traurige Proceß, der. aus daS feben nnd Treiben in den obersten GefellschaftSschichten ein so ettet.llaranliches ficht geworfen, nnterbliebeik wäre,. Tenn insbesondere die uiueren Nr. 32. BolkSschichlen sind nur zu sehr geneigt, Schlüffe aus den bei diesem Proeeffe zn Tage gekrelenen Erscheinungen zu ziehen, welche absolut nicht zrtr Festigung unserer heutigen Gesellschafksordnung beiznlragen vermögen." Wer hat denn die „nnleren Volksschichten" daran gewöhnt, aus einzelne» Fällen Schlüffe zu ziehe», welche aus Panschälbeschuldigungen hinauslausen? Die antisemitische Hetzpreffe »nd die antisemitische» Hetzredner sind jederzeit bereit, auS einem Crida oder Betrugsfalle eine Anklage gegen die Jude» und „Jndenliberalen" z» bilde», »nd sie sträuben sich gegen ein ungerechtes, der Gesellschaftsordnung abträgliches Generalisiren nur dann, wenn es sich um ihre eigene Sache, beziehungsweise die ihrer Gönner handelt. Tie Früchte der Erziehungskunst, die sie den „untere» Volksschichten" gegenüber angewendet habe», dürsten aber ihnen nnd ihren Proteetoren oder Auftraggebern aus weltlichem und geistlichem Stande noch oft genug sehr bitter schmecken. (Tic Bcrusuug auf ein Bekriintuiß Felix Dahns.) Tie „strenzzeitnng" hat am 4. November in einem Artikel Diest-Daber'S behauptet, Profeffor Felix Dahn habe kürzlich in einem Vorträge über deutsches Volksleben gesagt: „Ter Schritt »ruß einmal gemacht werden, der deutsches von jüdischem Wesen trennt; das würde nicht ohne viel Lärm und Geschrei vor sich gehen, die Genesung aber würde dann fchon kommen. Vorher kommt sie nicht." Tas „VolkSblalt" rexroducirte ohne Luellenangabe diese Felix Dahn zugeschriebene Aenßerung und fragte die Philosemiten, waS sie kenn sagen „zu dem Bekenntniffe deS in seiner zweifachen Eigenschaft als Gelehrter nnd Dichter für unsere Ration hochbedeutenderen Mannes, als ein Schock freiwilliger n»d - unfreiwilliger Talinudgelehtler"? Auf diese übrigens wn-nderschöi.i sthlisirte An i frage kann sich das „VolkSblalt" die Antwort dort holen, wo es die Tahn-Notiz j gesunden bat. Tie „streuzzeitnng" mußte am 8. November eine Berichtigung! Tal»,'S bringen, welcher mit Bezug ans die angebliche Stelle in seinem Vortrage über deutscher Volksleben erklärt, daß er weder bei jenem Aulasse noch irgendwann sonst dies oder dem Sinne »ach AehnlicheS gesagt habe. Tem „VolkSblalt" hat Felix Dahn keine Berichtigung zugesendet; er hat entweder von der Existenz dieses AntiseinitenblatleS keine stenntniß, oder eS verlohnt ihyt nicht der Mühe, dasselbe füge» zu strafen. (Ilm Eonsequcn; wird gebeten.) Tie „Teutsch-soeialen . Blätter" schreiben: „Vernünftige Tinge, die in anderen Eulturstaaten noch vergeblich auf ,die Einsicht und den guten Willen der Regierungen warten, werden in Rußland kurzer und sicherer Hand zur Tnrchsührung gebracht. Die völkerseindlichen und sittlichkeitswidrigen fehren, die bisher ungestört in jüdischen Schulen gepflegt iverde» konnten, hat man in Rußland wenigstens zum Theil »nterbnnde». Die jüdischen Elementarschule» sind der Aussicht der Shnagoge» entzogen und dem Ministeritlin der PolkSansklärnng unterstellt worden/ DaS Leipziger Anlt sezfiitenblättchen nennt eS also ein veinünftige« Ding, wenn die Schule der Aufsicht der religiösen Behörde entzogen nnd deuf Ministerium der^BolkSaufktäruiig unterstell^ wird. In der That, wir sind auSuahmSiveise einmal der Meinung deS Antisemitenblattes. Aber das ist ja eine leibhaftig liberale Anivandlnng, mit der es vor seinen eleriealen BundeSgenoffeu in Deutschland und Testerreich ivenig paradiren wird. Tiese belieben in der Schulfrage etwas anderes für „vernünftige Tinge" zu halten. Tder rührt die Bewunderung der straminen „Deutsch-foeialen Blätter" für Rußland etwa daher, daß eS sich bloß um die jüdischen Schulen handelt? Im Uehrigen ist eS seit vielen Jahreit wieder daS erstemal, daß man etwas von der Thätigkeit -des russische» BolkSausklarungSmiiitfkeriums vernimmt. Briefkasten. S. R. in Wien, Mariahilf. Ihre Mittheilung, daß das „Volksblatt" in Folge der Wahl des Tr, stöhn;»m Fürsterzbischos von Tlmütz seine Parole: ..'tauft nur bei Christen!" in die der Racenhetze entsprechendere: „.staust nur bei Antiseuiiten!" ändern werde, halten wir für einen schlechten Spaß. Eine solche Aenderung wirk nmsoweniger erfolge», als die Dogmatik des Radau- und GeschästSantiseinitiSmuS bekanntlich jeden Nichtmitisemiten unter die Juden einreiht. W. M. in Mödling.- Wir habe» den voll Ihnen eingesendete» ZeitungsanSsllniitt uuserein .'tremser p Correspondenten übermittelt. ’ R. & l>. W—r. in Reichknbcrg. Ihr Abonnenient reicht natürlich bis 31 Tetober ld'.i'j. A. Z. in strnkirnile. Sie. würden am .besten lhun, sich iu dieser An gel'genheit selbst an-.tzie betreuende Behörde zu wende». -.-1- Beitritlserklärilllffkil;i»n „herein;nr Abwehr dcs Alitiskiititismus" werden entgegellgenoiilliien im Sekretariate des Bereines, Wien. PariserM'l'c 4. Abonnrmrntsaninrldungr» auf das „Freie Blatt" nimmt die Administration, Wien, I., »cilerstälte 10, jederzeit entgegen. Ebendaselbst werden auch dir,eine Nummern abgegeben. Probtnummern zur weiteren Verbreitung des „Freien Blattes" werden Gesinnungsgenossen auf Berlangen bereitwilligst zur Berfiigung gestellt. Herauog-ber und veraiitivortlicher Redaeteur: Ernst Victor Zenker. — Truck von CH. Reißer L M. Werthner, Wien.

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