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Freies Blatt · 1892-10-09 · 27 (9.10.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
27 (9.10.1892)
Date
1892-10-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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AdonnsinentspreiS: ««auziahrig mit ^ofl!»frnduni, . . fl. •-•.50 Haldjährig fl. l.*5. Bicrtcljiidrig fl — .«S Linzclnc Nummern 4 kr. Organ zur Abwehr des 2lntifemitismus. Erscheint au jedem Sonntage. Ncdactio» und Administration v Vien I. Seikerstätte 10. Nummer 21. Wirn, (Ortuber - IlWÜ. I. Jahrgang. Dom Kaifcr verurtheilt. i 2e. Majestät bcr fiaijer hat am d. 'f. bei Empsaiig daösterreichischen Delegation in bev Hofburg z» Cfen über das pöbelhafte Treibe» der aiitisemitischeii Wortführer im nieder österreichischen Landtage ein nicbci jdjimltcinbfö Per , aiumniigöiirlheik gesprochen, lieber d-e, Ansprache», mit beuc» der tt aiser einzelne Delegirle beehrte, wirb äns Budapest milgelheil'.: Großes Aufsehen riesen die Bciiicrkuiigcn hcivor,- welche der Monarch gegenüber den Delegirle» Professor Fra»; Nichlcr und Professor Dr. Eduard 2 neß, machte, die bekanntlich beide Mitglieder des iiiedcrösterreichisch.-ii Laudttiges sind. Zu dem Delegirle» Richter sagte der Kaiser, das; die Ausschrci l u ng e», wie sic in letzter Zeit i m luebcvv st e rreichi s ch c» 8 a » b t a g e w i e b e fl) o 11 vorgck o m in c»: ' feie n, eine erfolgreiche Thä 1 igkeit dieser K örp e rs.chafl nahezu unmöglich mache». Solche Borg äuge seien ein wahrer S c a n d a l und t ö n n e n z u k e i n c m guten Ende führen. ES sei eine Schande vor der W c.lt. Den letzten Satz sprach der Kaiser mit starker Bclonuiig, so daß seine Worte auch von ben entfernter stehende» Delegirtcii vernommen werdensonnte». Der Delegirle Richter, welcher der Fraction Steiiiweuder angehörl, schien wie ristaril von dieser Ansprache und blieb jede Antwort schuldig. Der Kaiser wendete sich sodann zu dem Delegirtcii Dr. Stieß mit den. Worte»: „Sic haben jetzt schwere Tage im nieder österreichische» Landtage dnrchgemachl. Eo ist eine Schande und ei» Scan dal, wie cS dort zu geht. Mau weif; gar nicht, waö man dazu sage» soll." Delegirler Dr.-Sueß erwiderte: „Dem Gebildeten sind Grenzen in der parlamciitarische» Bcrthcidigung gezogen, über die er nicht hinansgehe» kann. Wir können uusercr Entrüstung Ausdruck gebe», aber wir können nicht Scandale^mil Seandalen lvant Worten." Der Kaiser sagte darauf: „Da. ha den Sie -liecht. ES gehen in Folge dessen die Geschäfte deS ii i cd erö sterre i ch i sch e» Landtages auch nicht vorwärts, es wird nichts gearbeitet." Sc. Majestät hat schon bei einem früheren Anlasse seine Meinung über die schmachvolle antisemitische Bewegung kundgegebe». AlS der Kaiser diesen Sommer in Brün» weilte, empfing r auch eine Adelodcpiilatio», welcher der schlesische Ncichöralt)Sibgeordnete Karl Freiherr v. Rvlsberg angehörtc. Dieser wurde di'irch eine kaiserliche Ansprache ausgezeichnet, und eö entspann sich, . wie damals auch im „Freien Blatte" berichtet wurde, folgendes Zwiegespräch: Kaiser: „Wo Halle» Sie sich auf?" — Not Sberg: „In der mährischen Enclavc." — Kais e r: „Immer im Lande'?" — NolSberg: „Nein, Majestät, ich habe ein NeichSrathömandat inne." — Kaiser: „Seit Kurzem?" - Nolöbcrg: „Ja, Majestät, ich habe daö Türk'sche Mandat." — JU i f e v : „E! II erfreulicher Wechsel." -e-'Die Atitisemileu christlich socialer Färbung, lyelche stetS versichern, daß sie nicht so feie» wie der Anhang Schönerer'S, .sondern loyal und kaisertreu, thalc» so, als ob sic den-Sinn der in der LandcShanplstadl! Mährens gesprochenen kaiserliche» Worte nicht erfaßt hätte». Nun liegt aber eine Meinungsäußerung 2r.. Majestät vor, , welche selbst Leute von noch so geringer Intelligenz »»möglich mißverstchc» könne». Die Berlogcnhclt und Schamlosigkeit eines antifcniilifdictx Scribcute» bringl allerdings-die Fälschung zustechd.-, die laiserlichen Worte, welche nichts au Dcullichkeil zu ibüns.hen i übrig lassen, als gegen die freisinnigen BolkSpertretcr gerichtet' hiuzustelleii. Wir wollen aber abwarte», wie sich die ihre Loyalität bithciierndcii christlich socialen Wähler, »ach .der so scharfen Ber; iiriheiliing des jcandalöseu GcbaljrcnS ihrer bisherigen Berlrauens mäuner durch 2c. Majestät deu^ Kaiser verhalle» werde». Haben; wir eS nicht mit abgefeimten Heuchlern,, sondern bloß mit irre- ' ^;ährteu kaiser und reichStreiien Staatsbürgern zu thnu/'so - müsse» die am ',. d. M. in der Bfcner Hofburg gesprochenen i Tadelsworle das Signal zur Ein- und Umkehr bilden. Aiitiseimtische ^elbsttünscliunaen. _ - (Licai einem Freunde der Abwehibestrebniigen.) Die Aiiliseniilcnführer täuschen gemeiniglich die von ihnen Geführte»; es fehlt aber auch nicht au anliscinilischeU Selbst länichiinge». Der Mechaniker Schneider bildet sich, wie es scheint, wirklich ei», durch feine Beiedsainkeit die polnische Bevölkerung GalizieuS gegen ihre Abgeordneten anfreizcu zu können, und kündigt zu diesem Zwecke eine galizischc Agilauoiisreise au. . Wer Land und Leute kennt, der weifte' daß ein Fremder in Galizien nichts auszurichleu vermöchte. Man ist dort, namentlich' in den einfttrß reiche» polnische» Kreisen, gegen jede» Agitator ans der Frcnide sehr mißtrauisch, und Mechkiniker Schneider fände auch bei jene», galizischcn Ncichsrathseollcgcii keine Unterstützung, von denen er. aniiiiiiint, daß feine jndenfeiiidlichc» Auslassungen im Wiener Parlamciilc sie sympathisch berühren. UeberticS ist der jetzige Statthalter von Galizien, Graf Badcni, ein Mann von großer Entschiedenheit, welcher ' sich durch das Fünfhanser Abgeordiiclcii maiidat Schneidcr's keinen Moment abhalten ließe, dessen Auf wicgclungSplä'ie zu durchkreuzen. : Im Bergaiii'schcn Blalke würde mau freilich lrotzde'm die Bolschaft lese», Schneider habe große Erfolge in Galizien cr rnngcii. Dieses Blatt brachte ja auch, als Schneider in Dalmatien weilte, die Nachricht von einem siegreichen Einzüge des Anti scinilisinnS in diese Provinz. Wir,l)abcii tinSj kürzlich an Crt und Stelle überzeugt, daß zu einer solche» Freiidcnkniide gar kein Grund vorlag Schneider, den sei» parlameularischer Eollege Bianchini als Frennd der croatischen SeparalioiiSlendenzeii vorstellte, wurde voir croatischen Wählern »ül Coniionen bedacht, welche in solchen Fällen landesüblich find, nno die auch den Ab geordnete» Zucker und Pollak i» Dalmatien znthcil geworden wäre», wen» sie sich in der G>sellschaft eines vor seinen Wählern erscheinenden croatischen Abgeordneten befunden hätte». Für den AiitiseiiiiliSmiiS hat man in Dalmatien, wie iinö ein angesehener z

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