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Freies Blatt · 1892-08-28 · 21 (28.8.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
21 (28.8.1892)
Date
1892-08-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Abonnementspreis: Ganjiahrig mit i<o[tju(cn»unfl . fl. 2.50. rUerteljLhr.sl—5». Mil Poftzusend. f! . Qiii((Iitc Nummer» 1 kr. (Drgcm jur 2lbwehr des Antisemitismus. Erscheint an jebem «omiliipc. Nummer 21. Wien, n. i«92. Redaktion und Hbminiitration: wie» I. Keitersi kitte 10. . I. Jahrgang. Erweiterung der poetischen Liee'nz. <Originali»itllieil»»z deS „freien BlaiteS" > Vciisifl. -\- Angiiü Auch unjeve Anlisemile» loben sich iljv Veip^ifl. '.Hlfei bingo untcrlnffcu fie .es, bacfelbc t)in klein Paris zu nennen, 'denn der dcnlschnalivnalc (inltuo, welche» sie äußerlich pflegen, wiewohl sie innige Beziehungen z» Drumonl in Paris, Meschlscherski in Pelersburg :c. habe», verbielel eine solche Bciiennniig als eine ,für das reine Germaiuiithni» verletzende. Dagegen verachte» unsere Anlisemile» dnrchanS nicht darauf, für Veip^iq •■weiter den Rnhi» in Anspruch. zu »ehiucn, daß es seine Veute. bilde. Die a»Ii ,'eniilische Presse trägt;n dieser Bildung viel bei. liin hier er scheinendes Tagblait hatte a»ö Anlaß dör jüngste» Begegnung des tentsche» Kaisers mit dem Beherrscher aller Reusse» es sich a» gelegen sei» lassen, die Antisemitenwelt über die politische Vage aiif^nflären, und brachte folgende, selbstverständlich ans znvcr lässigster Quelle geschöpfte Enthüllung: Deutschland und Rußland, dnrch mancherlei Mißverständnisse getrennt, fanden einander in Miel im Antisemitismus, woraus sich, wie in dem bekannte» Heine'jchen Gedichte, sofort gegenseitiges Bzrslündniß einstellte. Die Freudenkunde von einem gegen die Fndeii zustande gekommene» deutsch-russischen „Einvernehmen" machte die Runde durch die gesa'mmte antisemitische Presse und erweckte die schönste» Hoffnungen auf eine Eooperatio» beider Reiche gegen den „gemeinsamen Feind Lei»". Bald darauf erblickte aber in demselben Veipzigcr Qrgano eine Trauernachricht daS Tageslicht Man erfuhr, ebenfalls ans bester Quelle, daß am Berliner Hofe jüdische Einflüsse die edelste» Fiilentione» der rechtmäßige» Machthaber'paralysire». Allein nicht bloß über die politischen Berhältnisse, auch über de» Werth ge richilicher Urtheile wird das antisemitische Publicum sorgfältig unterrichtet. Es erfährt, daß der Richierstand in Deutschland zurückgeblieben sei, in die neue und so vielseitige Materie des Antisemitismus sich nicht vertieft habe, und daß »nr in Folge desseir-gerichtliche Berhandlungen, wie jene in Eleve, nicht eine» solchen Abschluß finden, der das antisemitische Rechtsbewußtsein zu befriedige» geeignet wäre. Insbesondere ist die Presse der Aniisemiten daraus bedacht, die GeschichtSkeniitniß;u verbreiten, und veröffentlicht eine stattliche Reihe historiftl)er Zeugnisse „zur Frage des jüdischen Blnlaber glanbeiiS und der Blulmorde". Eine Ifrrvorragende Veistmig in dieser Beziehung weist die letzte Rümmer der „D e» t s ch socialen Bl älter"'(VII. Jahrgangs Rr. 210» auf. R'achdei» daS Wochen blatt deS Herrn Th. Fritsch Beiträge zu dieser Frage aus der „Kreuzzeitung" und der „Gartenlaube" angeführt hatte, -"fährt es fort: ' - Ferner finde» wir in der liiSi »i Eßlingen aidiicncnen Ilebenevung der ageiibach'ichen „Miraenla" an» ^ene des '.weitest Bankecsotgeude Erzählung: „Fu deinielben Torfe '“ionteehio aber le» in der Cri bei Bieenza, nicht der gleichnamige Marktflecken am Mardasee gemeiiii, der selbe, i» dem der .Kirchenvater OeigineS eine» Theil feiner Fugend verbiachiet in das fünfjährige Kind-einer TöpferS. im Fahre lJ-'o am Abende vor dem sanct Barbara-Tag a»f /rfchröcklulie »ich grausame Art von einem Fiide» ermordet worden l5S war aber ei» Mägtztein mit Rainen Maria iViiuenntii. das einzige Kind armer, gotiesfnrchliger feine, sintemalen jedoch der graiiiam Mörder von keinem Menschen gesehen worden, da jegliches Bolj selbigen Ortes in Wald gangen war zm» andern Tag r'anb. und allerhand Blumen zur 'pro icffion zu holen, so mochte mau ihm keinerlei anhaben. Aber die Wahrheil t oüeubarele sich, indem etliche Bauer» den Fiiden oisen vor aller Welt a>S Mörder sigirireten Mau hielt ei» Eierichl über ihn, dem etliche Toliore-S beider Rechte der hohen Lchnl z» Padua beiwohieeien. aber der' Frite, wurde aus dem Kerker e»ll,>ssen Ta_bie Richter nud ToetoreS feinen eitel Triigworie» lAaube» beimasieii Als aber eilich Fabr danach dev Jude zinii leiben t,i|n und rpel Todesvein ansüand. lies; er e.itig den I'. Fosevdnm vom' Orhen der Kapu;i»er zu fidv'rufen'nnb ifeftanb dem'etbigen. dag er das Mtigdlei» erutordel habe. -Todair» aber vrrfchied er. Ta aber das Boll davon1 vernahm, fiöcn sie de» Velrtnnun des Fäden aus dem Hchue und ilochie» ihn anf'S Rad am Schindanger,"' Bei diese»! historisch,» Zeugnisse dränge» sich-wohl eine»! Rieht nnliseiiiilen, der Univsrsilälöbilduiig genossen und in der Prüfung solcher Zeugnisse auf ihren WahrheitSgehrilt einigermaßen Uebung hat, nachstehende. Bedenken auf: I. Ein^Wos'k von Hagenbach, belilelt „Miraenta" und erschienen ui Eßlingen im Fahre 10s:>, gibt eS nicht. Der Antoriiame kommt erst im vorige» /Fahrhundert vor. 2. Ei» Qrt „Monlechio" iMoiitecchio) am Gardasee ist nicht vorhanden. 3. Der Kirchenvater Cvigenes ist nie nach Qberitalien gekommen,, sondern sein ganzes feben über in A f v i f a lAIeraüdria^nnd TtiruS r gewesen, kann also seine Fugend nicht in „MoiNechiv" iMontecchio) zugebracht haben. .4. Der „Lauct Barbara Tag" ist der 4. December; um diese Zeit kann män auch in Dberitasien. iiii Walde keine Blume» pflücken. Zndei» wird der Tag nirgends durch eine Procesfio» gefeiert. '>. Die höhe Lchule zu Padua wurde erst 12i>y mach weniger glaubwürdigen Quellen .1222 \ gegründet, mit bin konnten der Gerichtsverhandlung keine D o c t o r e S beider R echte der h o h e-n L ch u l z u P a d u a^ beiwohne». «>. Der Qrden der nach ihrer Kopfbedeckung benannten Kap» zitier ist ein erst 102-'» entstandener Zweig deS 1223 von Honorius bestätigten Franeiseanerordens^ welcher ui» 122«> in Q b e r i t a l i e u ü berhaupI keine 2, i'e der! a>j s» n g e n besaß Richlamisemilen werden im Hinblicke auf diese^ Bedenken von einer schamlosen Erfindung spl^echen. Allein die Erfinder dürften erklären Es fei ziur ei» Beweis anlisemilischer GerechligMts liebe, wenn die „Deulsch sociale» Blä'lter" die poellsche Vieen;' trweilern und das allgemein anerkannte Borreäil des Dichters, sich die Thaliacheil nach seinen Bedürfnissen 'zizlechlzulegeu. auch dem die Berbreilniig der Bolksansklürnng bezweckende» antisemitischeii Publieisie» einrüliniendidaktische Zwecke seien doch wichtiger als asthelische. DaS antisemitische i'eipzig will nicht mehr ein klein Paris sein,, aber es bildet auch feine' Vente. ' Der ^lus.sua aus Ku^Iai^j iie russische Gesetzsammlung ' vom 21. Fnli 2 Ängnü bringl' eüieu a l>. Befehl und ein Regleineiit, betresseud die in England gegriindele „Fü d ische Eol on isa ri o »sgese l lschast",, die füi die D rgaiiisaiion der 'Answandernug von Friden anS Rußland von größter Bedentung sind und dste» Wortlaut wir »achstebend folgen, lassen: Allerböch't,' r Beseht, beiressenö die del AelieiilteieUich.s't „Füdische vsolouisaiiorea'soeiatleu" eubeille Erlinibnis;, ihre Thon,geit in :lfutjUiitö zu eiijn'ncn, iowie V.u1 Reglement, ihre ' - '' 'Böirliainkkil '.h'ach Berlesnug einer Tenlichror des Ministers des .lnnern vom -- Mar', >aus dem Polizeidepanemruli, betresseud die Auswauderuiig russischer Fisdeu »ach Amerila, beschloß das Minisiereomii,-: l i

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