Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 15 (17.7.1892)
- Date
- 1892-07-17
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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freies Blatt. Nr. 15. Blattes berichtete». Dort gab cS — Schläge; wer die Geber und wer die Einpsängcr waren, werden wir erst aus dein gerichllichen Nachspiel zn diescin „christlich-socialen" Drainolct ersehen Allein die physische» Schläge, die dort ansgelheilt. wurden, sind nicht da« einzige und durchaus nicht das am incistc» interessante Moment dieser Persaininlmig. Auch moralische Schläge setzte es dort, »nd in dieser Hinsicht waren bestiinint die Antisemiten die Einpsängcr, sic verticsien daS Walseld mit einer Ri'csenschlappe, »nd zwar Nicht bloss den Social demokralcn, sondcr» vielleicht auch noch anderen deutet! gegenüber. Mit seiner nur ilnn zur Verfügung stehe!,den Unverfrorenheit konnte es ein Lueger wagen, ein paar Tage nach jener denkwürdigen Schlacht beim „goldeneir Luchsen" im Parlamciste den liberalen Abgeordneten die übertriebene Phrase an den ilops zu ,verseil: „.Ich habe es .Ihnen schon einmal gesagt, incine Herren, Sie sind Ungar nicht so überleg,», Sie sind sogar tief unter n»S. Denn keiner von.Ihne» würde eS init mir ansnehilicn, vor irgend einer Bcrsammlung in de» Wett lanips der Rede zu treten, weil Sic meinen Gründen keine Gegengründc entgegensetzen könne», die das Poll halbwegs versteht." Lueger scheint in diesem Moment die Niederlage in jener Pcrsammlnng ganz vergessen zn haben. ist wahrhaft kläglich anzuschauen, wie erbärmlich kort die Herren aus ihre» „Argumente»" rückwärts ritten. man spielt nicht.»ngcstvasl mit Probleme»,, die den schwierigsten der Neuzeit gehören, und welche von einer immensen Zalst von Mensche» furchtbar, Herr Tr. .'iarl Lueger, suichtbar ernst genommen ,verteil, lim gegen d,rS indische Eigenlhnin Hetzen zu lönncn, habe» die Anti -elnilen kasür die iociale .'lampseSsormel gewählt n»d sich ans die überzenglen Anlicapilatisle» hinauSgespielt. ES konnte nidit anSbleibcn, das; sie ans diciem Boden mit kciz Socialdempkraien würden zu>an»nensiotzen müsskn. Wiederholt iiekcn letztere den Anliscinilcu zn, sie sollten mit ihnen einmal offen die ,'llinge treiizeii, »nd nun,' da eS kein AuSkneisen inelir gibt, ivaS ist der Erfolg!' Bei der inelirfach erwähnten Bcrsannnlurg erklärte sich Tr. Gest mann mit tenr ■•i’tcn Pniilte der Forderungen der österreichischen Secialdeinolraiie einverstanden, der da lautet: „Tie socialteniokratischc Arbeiterpartei in Oesterreich erstrebt die Befreiung aus den Festes»' der ökonomischen Abhängigkeit, die Beseitigung der politischen Nechtlosigkcit ü»d die Erhebung der Arbeiter anS der physischen wie geistigen Verkümmerung^" Auch die „Ehristlich Socialen", sagte Nedner, wolle» ebenst' wie die Socialtemokraicn die Beseitigung der nngercchie» Ausbeulung der Arbeit durch daS Eapital »»d^'ollen eS dahin bringen, hast die Arbeit dem Eavilal als gleichberechtigter sfaelor gegenübcrstehl. Ans die srlieb»seauen; des a»lisei»i»sche» .'lampseS,- der sich bloß' aus daS jüdi'che Eapiial beschränkt, ans merliani gemachl, konnlen die amisemilischen Sprechivartc njchl anders, als daS Zngesländniß machen, daß ste daS Eapilal belänipscn, wo. sie cs Irenen.' Na» sieht c» also, Abgeordneter Tr. Malaryk bal de».Nagel ans den .'tovt gelroneu, wenn er im Parlamente bchanvieie, der Pegriis „.lüde" eriveilerc sich in der Partei de» Abgeordneten Tr. Geßmann schon allmälig. 'Heule ist nach der Bebauplung Lneger'K bereits jeder" Großcapilalist ein „Großtude"; man 'eiiiue den gcsiiiimngSstarlen Mann da mit Fug und'Recht fragen, ivozu er dann überhaupt Antisemit sei? Die Lciborgane. dieser Herren löuuen die Tinge drehen, wie sie wollen, wir haben eS hier mit einer vollen Eaviinlaiio» der „Ehristlich Socialen" vor den Socialdemokraien zu ihlm, wenn Tr Gcßmaiiu '..ich behauptet; bloß mit kein erste» Pnntle de-S ParieivrogrammS einverstanden;» still. WerA sagt, nmß auch >! sagen, unk diese» I! heißt in dem vorliegenden Falle, daß die Uriache der mißliche» sociale» Zustande nicht in einzelne» polm scheu Einrichtungen liegt, sondern'„in der daS We>e„ dcS ganze» GeseUichasis ziistaudes bedingenden Thaisache, daß dic.ArbeilSmiltcl in den Hände» cii'tzelycr Besitzende», moiiovbtiiirt sind". Die Beschränkung und Ayshebnng dcS periön lichen Eigenlh'nmsrechleS ist dadurch bereits gegeben, »nd >vio schwer sich die Antisemiten bereits jetzt dieser furchtbaren Eonstanenz ihrer ersten Eavilnlaiio» zu entziehe» versuchen, gehl anS den gewüudenc» Erilärungen Dr. t'st-ßmann'S bervor, die er »her das Programin der „Ehristlich Socialen" zur Nemednr der ivirthschastlichen Verhältnisse abgab. Wir lönncn dein aiit-semilihcheu Redner — ressen Tugend Alatheit der Gedanken »nd Worte »a nichi ist auf diesem Gebiete iveiier nicht folgen. So viel tönnen wir aber constaliren, daß die Besitzer großer Lalisundien, die im Genüsse weiter Gniercomplere stehende tycisttichkezl kowic eine große Anzahl mittlerer »nd kleinerer Rentner, Hausbesitzer n. >'. w., die.alle hemc der Partei Geßmann s sehr nahe stehen, bei der „chrislüch^ocialen" Gesell-. stkiastSordnnng mit dem obligaten GenoncnschafkSzivang sehr schlecht ivegkominen und davon kaum sonderlich erbaut sei» werden. .',» tiefem Umstande liegt die zweite Mißlichleit der anlisemitisch sociatzstischen Spielerei, die beim „goldenen Luchicu" zu Tage trat. Sie haben mit dem Feuer gespielt, und min will sie dar Feuer ver-, zebrcu; sie habe» sich zwischen ztvei — aus sehr verschiedenem Hol; geschnitzte — Ti tilge gesetzt und werden dabei ohne Zweifel ans den Boden falle». Wir aber haben sie gewarnt als gute Freunde. — Während die;,Ehristlich Socialen" >'o iiuermüdlich den Sociald'ciuolralcu den Hof niachcu und sich sogar zur facnl taiiven Soeialdeiiiolralik bekennen, .sprechen sich die ivirklicheu Arbeiter in ihre» Beriamimamzeii immer schrdsser gegen die anliseuiitische Hetze anS. .kn einer a.m N l. .'iili in HcrnalS abgehaltcnen Banarbeitcrversanilnlung sprach der Gehilfe Nlekorser über „freie und ZivangSorganiiatio»". Er sagte n. A.: Wird der Beriuch' geniachl, den Arbeitern die ZwangSorganHalio» als die S-nelle älleS Heils Kinzustclle», so lann jeder einfache Arbeiter den „christlich >'ocialen" Nalional, Seile ökonomen sagen, daß die ehemaligen Ziuangsorgaili'alioneii, die Zümie, v»,' . . Eiilwicklniig der Production gesprengt 'wurden, daß deren Wi.'dcuem'.uh,..,,! widersinnig, dem Principe der Winlüchaslsemwictlmig widersprechend und », durchführbar sei. Mil der^ gewünschte» socialdcntvkraliich christlich so ialen B> brüdcrnng wird eS daher »ichlS. - Ailt^gleiche» Tage fand iyi Treber Ta»: ans dpr Landstraße eine stark besuchte Beriannnlimg von Avheileciniieii stau, in welchem verschiedene Rcdneiinncn in kräftigster Weie gegen die . „Elgisttnk'' Socialen" sprachen. Fräulein Grä iser wendete sich nach einer Ecörienmg de-- Franensrage gegen die Herren Tr. Lueger »nd i'>eßma,»i, denen zwar i.lion die Männer die richtige Antwort enheilt haben. Sie tagte: Tie „christlich socialen" BolkSretter scheinen ans »NS Arbeiterfrauen ihre Hostuungen geletzi zuhaben Die Elericalen scheine» aus iiykerc Flvininigleil zu rechnen, die sie dazu miß. brauchen wollen, nuS toilhin zurüeizinührcn, wo die Frauen früherer Fahr Hunderte gestanden. ,>» unseren Periannvlungcn erscheinen „christlich iociale" Bezirksausschüsse.und Geineinderäthe, da? sind die Vorpoften,l Unter uns Arbeitern, ob. Fra» oder Mann, wird Herr Tr. Lueger teil. Glück haben. Tic'se nnsinmg,-' Berauiclung von ElericaliSinuS und Sociajreform, die sich unter K>'in Rainen des ,,christlichen Socialism»»" brcilinachr, wird von »»S verlacht iBeißitl.» Anlli-die zivcile Rednerin, Fra» Golleiii, wendcte .sich-gegen die A»zi'en>i'e», n»d ein Fräulein .gohlcr bezeickmele den anliseinitiilkte» Svnl als lilvi.iii-? albern. Ter hiesige Aniiseinrkeimiouitciir stellt sich diciciii Fiasco gegenüber ganz ans den Siandpnult de» F»chieS in der Fabel, indem er behauptet, nie um .» Gunst der Arbeiter gebuhlt zu habe». 'Wir leimen daS. k„EliristIich-socia>cr" P^arlcilag.i ^n St. Pölicu ''and am l". Fun ei» „chtistlich socialer" Parteitag statt, nämlich eine unter .diesem Titel ivt. austalteie Pcrsaninilung deS „christlich socialen" BSieine», i» we'kchcr Scheichcr und Bcs>tli .über ihre Abgeordiietemhätigleit sprachen und al-- Anivm.' auch Reden von Geßm aiu, und Lueger zn»i Besten 'gegeben wutken. TaS Andilorini» bestand zumeist >ms Bauern der Umgebung,- Geistliche» und — Wiener Gästen. .>ar .sprach kehr viel über kaS tste'etz zur Regelmig der' Baugewerbe, Scheichcr über seinen regen Sinn' für Freiheit und t'Ürechtiglett und der Weinichanker Mmh über die Weinzollclausel. Tic Versammlniig tut hielt sich tiefen sogenannie» RechemchaslSberichie» gegenüber sehr lühl, und das „Arrangement-war ein -so verfehltes, daß den Abgeordmueir nicht einmal das übliche Berlranensovilim eriheilt wurde. Geßman» laiizene'da'nr die Amve''e»den gehörig ab. Tic Wiener, iie> er, würden-stir >o einen Perireier wie Tr. Scheichcr ganz Änsers dankbar fein Geßmann erging sich dann in einer Schildern»,;. d.u Rolhlagc.der kleine» Beamten, die i» iilancher«Be;iel»zi>g 'äile-kiler daran üien alS der leine Holzknechi in eines» Tor'e,- besprach den Fall Svincie und e, zäbne, in der Umgebnng von Znai^n hatten böte Liberale aiiegest'iengl, er :vaer— feilt Ehriil. Endlich sprach Lueger über daS Ef'prießliche 'einer, rn'emlictien Wirl'ainleii. Lueger gebrauchte Ausdrücke, wie „a Ge'erres", die er V.i 'einem Umgänge mit umerschiedlichen-Heichelcs sich emgeeignei chaben mochte,-'»nd >ie' dadurch schaltende Heiierkeil "hervor, ivie ja. atiä, Bvlts'äuger, ivem, ste „inauicheln", einen gleichen Ec'olg;» erzielen pstegen Tie Bernmiminng 'Uilost olme irgendeine .'lniidgebnieg. Tie Wiener Agitatoren, welche miigeloinmen waren, slimmleii Hochrnre ans Tr. L»eger-an. die Bauernaber verlneue» fieli ganz full. Tie -letzteren zeigte» in St. Polten viel mehr Fnietene.für eine n.' . dem Hanpivlatze abgehaikene 'FenerwehlÜbung als >nr die ibetcifiüen | ft liefe der „christlich iocialen" Parlamentarier. - Bon-einem Freunde mivu-:-' BlaucS e:ballen nur folgende, Zuschriu: „Herr.Tr. Lueger nilmirr st-b m St Pökle», daß lim, ii'fmi er im Partameme 'vrichi, liberale Ahgecudliete nachdem sie iich Überzeugt habe», taf;_fein Fvilrnali'i m Vr Lcabe >ei, witnschen n»k zn weiteren Reden ausuinmery- Es il:At uns >>li,er bed-aMen,. daß diese Prahlerei auf Tichlllüg beruht. Herr Tr Lueger >rud zm Zeic, ei. er »och ''einer iuiinien Beziehungen ziim .Anli'cnziliS'.yus sich >ii>a:n:e orienilich alS Teniolral, alt'lrar, aniisemiti'chen Rednern gegeiinber b,-.:.;h- -v >'ein, aber es gibt nicht viele Ebaraliere nuc der Tr Lnegec's, lmc >e .-in-'.- ker-vHerr Tocior diScrel ist und die mit ilnn stiinvaihistrenden Libez-ne». ::: nennt, in fiiv uns dcien Eristen; mindestens feliv zwei'elha'i." "1 (lyiii »kiikS (ftoflfliitl.i Prinz Akvi» L recht «»ste in hat stch du,>k> *'et:;. Erlebnine in Linz nacht eiii'chüchlcrn laue» mit;tragt es nueecr, ioui Glück in der Provinz, und zwar tu Temich Böhmen z>> versuchen. Am 17 c ->>> in Warnsdor'' eine von einem Eom'il», d>m der lümangitch beiaunie lich sociale" Räiiivser 'T p i tz, angehöri, veranstaltete »Bolksver>ainmi»!:.'.'' . Männer stall, in welcher der Prinz, mir Herr Ci'it> in 'einem Blültchui - kündigt,, die ivirthschatliiche R'vlbslandSlage teS atdeilcndeii Boilcs behandeln spccicU die „christlich iocialen" Rcsormvvrichlägc zur Befforung. der Lac... Gewerbe, Bauer»- und AtbeiterstandeS, des Handel? :c vrogrammgcirk.i'' wicfcln gvill. Fm Gefolge des Prinzen wird sich Hetr ">cf;i»ann bc-uä,n, welcher über die Haltung der volilüäien Parteien zn denbrenntudsten - schasllichen Fragen, über die Ballilaänderung und die GvlLifälirnng ivcechen ■»!!. Herr Spitz macht alle seine tR-si„»i,>,gSg>uic"'sci> in Noidböbnien ans.die'e >clie c Gelegenheit, „zivei anSgezcichnetc Wiener BolkSrckner" anziilivreit, au'iivc't'anr und begründet den Ausschluß vc-n Frauen anS der Ber'ainmlimg nichienra mir dem Grundsätze: .„»ulior tac-o-ar in .<vk-Ma", sondern mit dem zn gwärtigenden. starken Andrange 'von' männliche» Berrrekern der vet'chiedenüen .' r