Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 15 (17.7.1892)
- Date
- 1892-07-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I Ab°„»ei„kt,tspreis: (Dl\jait ZUV bo mit Post;ustndun., . fl. 2.ü«». ^icncljädr.fl —.5». Mil Post;«scnd. st — CiniCj 'Jiimimnu I fr. Erschallt «II jfbflU liuiiimkr l.'>. Wir», 17. )»li Licüaction und VlDiuiiiritrntiD:i IDmi oniiiagr. i. g.oirovrtättc io. IWi. I. v\nl)riiaun. JVanten. rev Peoeef; in ei lene uu'ijen beo Xanlencr Mnnbeu . morbco ist;» Chibe, bie Geschwar»e» 1)aL>c 11 iljren L-Tal>r jprnch über de» jiibifd)Cii Schächter ^ujililuiff flefäüi, u ii b er lautete: »i ch l schnldig. . ES ift ein erloienbeb iiHUl, dieses „nicht schuldig", erlösend von ber bangen Besorgnis; uni die Ehre beö beutiche» PvlkeS, bessen Ruf-als -O'trHvtruaiion burch , die blasse Möglichkeit eines solchen Praeesses schau betroffen wab. -'licht alb ob wir gefürchtet hätten, die Porgünge amRiederrhein Ivnnten wirklich bie Berechtigung ber antisemitischen Blut beschnlbigmchen erweisen. .^Das eine stand schon noch ben eilten -.l'iomenten des BiivUsveisahrenS fest: für die Thalsache eines rjinellen' LRardeS felitien alle Anhaltspunkte. Ei» ritueller Mord, so rollte man wenigstens meinen, .müßte bach auch in ritueller Xarui, alfa nach der Art bes äaschersehächlens ansgeführl sein. .Dag dies >je dem vorliegenden Xalle nicht ritttraf., habe» alle wirklich Lachverstänbigen. zu welchen ein Hepeapla» nnb ei» anlisemilischer Fleischer allerdings nicht ge livren, eanslatirl Ei» ritueller Mord soll weiters, »ach der '/ehre der Antisemiten, die Gewinnung van Ehris'.-.-.blm be;weeken. > Es in nun gleichfalls/durch sämmlliekie Erperle» sestgesiellt warben, baß die bei der "eiche Vorgefundene Blutlache dem ganzen Blut -iiianlui» gleichkam/welches der imglückliehe kleine Unabe verloren haben kann. Und endlich, was halten bje gilben van Xanten beim mit bei» Blute anfange» wallen? Um es;n Passah in bie un gesäuerten Brate zu geben? Run, bann - muß wohl .mel, eine lalmnbische Parschrist über Blnleonservinmg bestehen, den» baS indische Cfterfeft war;nr >Zeu, wo das Perbrechen gesehah, erst seil Unrein vorüber, und bis;n>» nächste» Osterfeste war denn dach nach eine all;» lange mift. Li-ir wallen liier ga»; van ber -Aussage eines gelehrten Drieiitalistenl absehen, der vor dem 0'e richlshase aufs enlschiebensle verneinte, baß sich int Talmud irgend eine Hinbentnng ans ben sogenannten „Ritnalmvrb" beunbe. darüber ist man sich ja heute vollstänbig klar, und eben, deshalb suchen die Anliseniilen ihre hinfälligen Beschulbignngen. durch den -praktischen RachweiS über bas Porkommen rilueller Morde;u fiühen. Allein AlleS, was in dieser Hinsicht in Eleve .von einzelnen Zeugen vargebracht wurde, war einfach^ läppische 'Alfanzerei und albemes shranbasengewäsche, einer -einslen Urilik ganz unwerlh. Daß der Mord - in .Xanten;» jüdisch rituellen Zwecken geschehen sei. tonnte schon nach den erneu Ergebnissen der Perhandlnng --kein hirlbwegö znrechiitiiigSfähiger Mensch mehr behaupten. Die Rieberlage der antisemitischen -vaiseure warPamit besiegelt : ihre Lchanbblätter konnten barangnäteln, wie sie wollten, sie kvnnlen die Berichte auS dem Gerichtssaale;u Eleve in einer noch so plumpen Weise entstellen, sie konnten noch hundert notorische Trnntenbalbe und erwiesene Geisteskranke, Minber nnb Greise vor bie Lchranten der Reechtsslülte führen, sie konnten die Geschwornen in einep van diesen selbst mit Entrüstung znrückgewiesene» Weise beeinflussen wvllin, Entlastimgsze.ikgen, Perlheibiger, Untersuchnngsrichler und ^laatsanwälte verdächtigen und de» Präsidenten;» lerrorisiren Der suche». Mitlelchen, bie vor zehn Jahre» im tiefen Ungar» versagt halten, konnten vor einem benlschei: Gerichtshöfe mich weniger reusfiren. . Unurrenb und »iprrenb zogen fiel, die Aiiliseinilen auf ihr lepteS Reduit zurück und suchten sich, da ihnen der ,'jüdische Ritual I morb »ichl vergvnnl war, wenigstens de» jüdischen Marder;n retten. Dstentativ sprach man, va» dem Praeeß des indische» Lchlachters ' Buschhaff. und stellte an de» Präsidenten^ VeS Elever E'erichishafes - bas bodenlos freche Ansinnen, die Perhanblüng abznkiu zen und mit dem ^»ben dach nicht viel Geschichte» zu machen, -.'talürlich, in dem Mamenle, wa bei bei» Geschäfte nichls herausschaiil, machen wir kurzen Proees: und hangen de» ,Ulbe» ans. Eine schöne Mm-ch bas, welcher der Präsident in gebührender Weise.enlgegenlra: durch Die Erklärung, 'er 'sehe in jedem Aligeklaglen mir ben Mensche» nnb nnrbe Linsctihasf gegenüber keine Ausnahme mache». >Ui der Thal sollte dem gewissenlose^ Gelichter, welches die, menschliche L-hsvachheit, Dummh.il und' Lchlechtigleik zur Lchäbi gung von Milmensche'n ansgebolen Halle, auch der. eine Triumph nicht bleiben, nnb Buschhoss wurde -selbst aus Antrag deS Ulage vertrelers freiges^rochen. De» Antisemiten wurde dadnveb eine Beule entrissen, die sie schau fest in ihren hängen Zj, Haben/gwr »leinten, nnb es. bleibt ihnen mm nichts übrig, als an' bnn Unochen ber lichlschenen Perbächligmig zu nagen! / Mil de..» Tchmsblicke, -welchen bas -duster -vor der Tugend voraus hat, faßten sie eine unllare Lache ans, tu» sie gegen bie verhaßten gilben ausznbenle»: in Persanimli^ngen, in Z itnngeii, selbst im Parlamente riefen me mit erheuchelter Emphase »ach Reehl! und Liecht! — Und Recht ist ihnen geworden, mehr als bvrmi sie begehrte». In bei» Gerichlssaal zu Eleve lag -faule, -verpestete . Körper bi>e. Antisemitismus auf dein Leeirlisihe. -Ta kannte man die Werkzeuge feilen, mit bene» er arbeitet, bie Perlvgenfieit-,. bie . Terronsirn ig, ben Bkißbranch halb oder ganz imznrechmmgssähigcr Xnbividnen, die lapenarlige Be schleichung jener---Menschen, . die sie siir ihre Zwecke gewinnen walle», die Perleumbung und Perbächligmig aller jener,' die sich ihnen »ichl willfährig erweisen, die beständige! Perwirnmg des wahren Thalbestchibes, 'die bi recte Perlengimng 'feslgestelller Wahr heile» n. s. iv. Ga»; Eurozut kam le in Eleve ersehen, wie diese den Rainen einer politischen Partei mißbrauchende Eliaae arbeitet: denn diejenigen, welche willkiirlich znsamniengernsene Poltsoer sammlmigenzu Tribunalen nnb den Gerichlssaal zur Llaue wilder Parleihezzen zu maetie» den Math habe», werben laum in anderen Dingen, sernpnlöser vhrgelie», und.diejenige», iveläi^sich nieht scheupii, bas'Rechlsgefühl ganz-r Bevölkirnngsschichletl zu untergraben .und deüi Maloeh ihrer Veidenschasl selbst einen am .schuldigen Menschen zu opfern, diese Pente sind -bveh gewiß die bcriifeneii /vaetoren, gegen .Eorrnplion nnb Unmoral zu weitern. Unznmeden mit bei» Unheil gelehrter Leichter, riesen sie immer nach dem Wahrsvrnch ve>» Polksrichter» i» einem ähnlichen Xalle. 'Run habe» sie eiij Unheil van e^ejchworenen, nnb sie werben es vielleicht nicht fa bald' wieder versuche»,- einen, zweiten Richlerspruch zu provaeiren. Allerdings, die Widerstandssähigkeil "eines anli semitischen Gewissens und Eharaklers ist nnbere'chenbar, und wir glauben mcht irrezugehen, wenn wir behaupten, die antiienutmlie Presse wirb ben Xantcner hall auch weiters zu il^ren M-ecten ansbentc». Aber, vitlleiehl Hat. d>rleyle Rest van gesimbem. Linn in beui armen, irregeführlen Polke bnreii diesen Praeeß dach wieder einige hestignng erfahre», vielleicht wirb eS dach wieder licht in di» Hopfen, nnb vielleicht bleibt Deutschland nicht hinter Ungarn zurüek, wa der Praeeß van. TiSza Eßl.er die leple Groß!Ipit des AnlisemilismnS war. Des walle Gau! \ (■ i