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Freies Blatt · 1892-07-03 · 13 (3.7.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
13 (3.7.1892)
Date
1892-07-03
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Srrflr - Freies Blatt. Nr. l:r. Renan über den 2lntijemitisnms. Ter „Eclair" befragte hervorragende' Männer um ihre Ansicht, über den Antisemitismus. Ritter den Befragten waren Renan, RuleS ^iman, Fern,, Bartlplemy Taiitt-Hilairc, Tirard, Tony Rcvillon und Pelleran. Alle sprachen sich in entschiedenster Weife abfällig über die antifemirifche Bewegung, aus. Renan wurde auch von einem Pariser Eorre'voiidentcu der „frankfurter Zeitung" über die Teclenpesi befragt, welcher nun folgenden vom 27. Rum darirren Bericht veröffentlicht: „Erneu elkena« isi leidend und schwach. Teil sechs Monaten krankt er an einer katarrbalischcu Assertion: das lästige Hebel will nicht weichen, und von übermorgen an soll die Seeluft der Bretagne versuchen, ob es ibr nicht gelingt, den ungeladenen Gatt ans Zungen und Viirt- ' röhren des' Patienten fortznfchcuchen. v . Ta:- Tvrechen fällt mir schwer,' sagt '«et-nan mit leiser Stimme, indem er mir 'reundlichem 'Riebeln dem Besuchet die Hand entgegen streckt, .Tn mnsieil mich entschuldigen, ich sann Rbnen nur Weniges und Oberflächliches.sagen.' Und wir tonimen alliogleich aus das verabredete Thema: .Es itt eine Tchande für nufer-Rind,' dieser Antisemitismus,' äußer: der Berfa'''er des .'.'eben Reu:, .und ich schäme mich denen, das man daran denkt, diei'e Bewegung auch in Frankreich heimisch :n inachen. Aber feien Tie ruhig, das wird nicht Inehr weil gehe-.:, das nun; bald;um Ttillttande kämmen. Bei uns in absolut kein Baden fiir di. auiiiemikische Taar. o)i Frankreich in crnciis die Za>s. der fnden eine verschwilidend geringe, und zweitens find sie durchaus assimilirr. Tie haben mit uns gctämpfl, sie haben mit uns eine gemeinsame lR'schichte, gemeinsame Erinnerungen Tic sind'darum Burger frankreichs wie alle Anderen, rind es war eine ausgezeichnete Tlial des Kaiserreiches, sie da;u anelr ausdrücklich;n machen. Tenn auf der gemeinsamen «''e'chichle allein baittt unsere Rationalität. Tie französisch: 'Ration itt nicht aus elhnogR'.vhi'chen «''rundlagen aufqcbaur. Rehi'ncn Tiz die erttbetten beiden Franzosen, die da unten ans der Ttrage vorubergchen, und Tie werden in ethnographischer Be tt.ehniig keinerlei't^'hticharligkeir zwischen ihnen sindcn. Tie Geschichte von den "'alliern n. >' w. ist doch nicht aufrechtzuerhallen. Also was wiu man eigentlich von den Rüden? Was wirft -man ihnen vor? T:nt >ie nicht ebenso gute T'sieiere, ebenso gute Beamte wie alte Anderen? Haben sie nicht ebenso ihr Blut.für das Baierland vergotten wie die -anderen Franzoien? Man wirst ihnen vor, daß sic reich sind, das; ne mit ihrem Reichthnrn prob-en. Erstens sindc ich nicht. Laß sie gar io ostentativ antireren. 'Und was den Reichlhnm anlangl, so Kal man ne" ia gerade;» da;n gezwungen, reich zu werden, indem man ihnen jalirlnindertelaiig nichts Anderes gestaltete als' die Hand häbnn.z des 'Geldes. 'Man darf ilnieik doch nun kein' Bcrbrcchen daraus inachen, daß ne ans die'er Roihwendigkcir Ruyen gezogen haben, so viel als sie konnten, 'Rbl aber rroydem ihr Reichlhum zu Aus stellt!!',eg-.n Anlaß, >o richten sich diele doch nicht gegen die Rüden, sonder:: eben gegen die Reichen, und man kann das nicht Aniiscmilismus neune:: Al'e weiter: man i'vrichr davon, der jüdische «'«ein sei verschieden von dem kleine des übrigen Bolkcs. Er mag so verschieden i sein, als er will. Aber in Frankreich haben wir doch die und k:eic gibt Redem das Recht, vom Ankern verschieden Und darüber soll man sich freuen und sich nicht beklagen., sväre so 'chlimm, als eine allgemeine «''Icichheil des «'»'eines. Und wenn, etwas die «'«reße des.französisches l^eisies gemacht hat, so waren cs nicht am avenig'len all die Berschiedenheiten. aus denen er sich zusamiucn fevle und unter denen eine -stetige Reibung ttatlfand. T as jüdische Elemcitt 'mag ein Element für sich fein — zugegeben! 'Aber es ist ein. Elcuieni ivie :edes andere, es-thnt gut in der Mischung, cö kocht mit' im Tupveniovte U.-berall itt das -Aufwerfen der . Rndcnsragc von ■ Hebel. Ader in 'Rindern, wo eich die Assimilation der Rüden noch nicht von zogen bar, wie znm Beisrnet in elrußland, liegen die Tinge in d.eier niig ziemlich öomplieirk. Bei uns jedoch entbehrt der Anli'eni,:,-inus :eder Berechtigung. Tic Rüden gehen sin Balte ayf. Telbtt e B'.'chievenheir des Eultns wird bei der Hinneigung der Rüden zn-.u freideitt.rthnme a'.lmälig verschwinden. Alle historischen und eklyio.'!'. rvhi'cheu «'«rüikde. - welche der . Aittiscunlismus für sich j geltend mach:, und hinsiillig T:in wahrer «''rund itt nur ein einziger: der Eleri ali-nn.'s T:-n'er bat ibn bei uns 'geschaffen, und dieser gebraucht ihn a.s. ein neues Werkzeug der Polemik. Und wenn die Elenealen den Rüden vo:".v:!fe>l. daß sie gute Geschäfte inachen, so steck: dar:n d>'.' Ae.g-r, daß sie das «''.'schärt bester verstehen als die. Eleriealen: nun Herr ZR'nt nr >'ein-rzeir nicht verkracht 'v ä r e, a .!e - s r : c:.. eicht I: ■ :i t; k t II e II A t! I is c in i t i SIN ll s." Das jüdische Rußland. Unter diesem Titel veröffentlicht Fcdor de Rovikosf soeben ein Bändchen „Enthüllungen und Aufklärungen über die russische Iudcnsrage, nach eigenen Wahrnehmungen und auf Grundlage amtlicher T.uellen". Tic kleine Tchrift ist für die russischen Juden nichts weniger als freundlich, sie soll gewisiermaßen eine Antwort auf die verschiedenen Enthüllungen über die i'agc der russischen Juden sein, welche jüngster Zeit Europa in das peinlichste Staunen versetzten, und 'für Fcdor de 'Rovikosf lösen sich die rnssischcn Judciiversolgungen ganz versöhnlich aus „in eine Reihe weiser Anordnungen einer um das Wohl ihres Bolkcs besorgten Regierung, die sich voll und ganz ihrer Aufgabe bewußt ist, den ivirthschaftlich Tchwachcn im Kampfe gegen die Ausbentnng durch übermächtige Gegner ein starker ' Schirm zu sein, ein fester Hort". . Wir können uns natürlich nicht mit jedem antisemitischen Schriftsteller in eine Polemik, cinlaffcn und würden auch F. de Rovikoff'ö Büchlein ruhig zu den übrigen gelegt haben, wenn cs nicht einige ganz merkwürdige Tchildcrnngcn von der Vage, der Juden enthielte, die uns geradezu als dankcuswcrthe Ergänzungen der Berichte Whitc's, Kcmpstcr's, Wcbcr's n. A. dienen können. Wenn diese Aufklärungen wirklich aus amtlicher 'T.ucllc geschöpft sind, so geben sic ein ganz sonderbares Bild von der Rtgc dieses ivirthschaftlich „übermächtigen Gegners", vor dem sich die arme russische Ration so fürchten;n müffcn glaubt, lieber die Wohlhabenheit der russischen Juden hat der Autor immer nur sehr unbestimmte oder geschraubte Bchauptnngcn. To z. B. erzählt er, daß die Juden von Sdcffa 1878 erst 3-1 von 117 Fabriken hatte», während sic zehn Jahre später bereits 110 von 209 oder 40 vom Hundert! besaßen. Todann scheidet er die FabrikSbesipcr noch nach ihrer.Al>- j stammung in Rlitten und Ausländer, wobei sich.das begreiflicherweise sehr ungünstige, aber stalisiiich auch sehr erschlichene Bcrhältniß ergibt, daß nur 04 russische 95 russisch jüdischen Fabriksbcsipcrn gcgenübcrttehen. lieber galiz genaue Angaben verfügt der Antor jedoch, wo er nicht den Reichlhum, sondern die Armitth des „übermächtigen Gegners" zu schildern beginnt. In Tdctta findet maik, so erzählt er, die Juden nicht nur als Fabriksbesitzer, sondern auch in beträchtlicher Anzahl als .Arbeiter in den Fabriken. Etiva 19 vom Hunden der Fabriksarbeilcr lind Juden, in den Tabakfabrikcn bilden sie 90 vom Hundert der Arbeiter. Achnlichc Berhültnine gelten im'Handwerk. „Im Allgemeinen sind jedoch die jüdischen Handwerker ärmer als die christlichen.. Mag ibncn nun das Geschick fehlen, durch Handarbeit siel, eine bessere Ttellung zu erwerben, oder wirken noch andere Ein : fl litte mit, genug, die jüdischen Wcrkstättcu bleiben an Größe und i Bcdeulnng weil hinter den christlichen zurück. In den meisten arbeitet!.der Meister ohne Gesellen, nur unterstützt von seinen Kindern und! Hausangchörigcu. Trolzdem ist die Zahl der Juden, die in Odessa ihren I Lebensunterhalt durch körperliche Arbeit erwerben, eine nicht geringe. Etwa 1700 Inden find am Hafen und in den t^cireidclagern als '.'asilräger, OR'trcivcichaiiflcr u. s. w. lhäki'g, Lind man trifft unter ihnen häufig kräftiges abgehärtete Gestalten. Außerdem mögen in Odcffa noch etwa!'OoO Rndcii als Arbeiter thätig fein die Fabriksarbeilcr nicht eingerechnet). Tazu kqmmcn noch etwa 400 jüdische Troschkcnknischer, etwa ein Fünftel der -t'R'iaiiliiitzeihl der >intschcr, und die nach Tausenden zählenden jüdischen Frauen und Mädchen, die als j äiöchinnc» in «'Riskhänscrn, als Tiencriuiicii und als Bcrkänfcrinnen in Vädcn ihren Unterhalt.verdienen. Man kann demiiach, wen» man noch Frauen und Kinder der Arbeiter in Betracht zieht, immcrhi» annchiiicil, daß von den 75.000 Rüden TdefiaS reichlich 30.000 dem Ar de i t c rsta ndc a n g c hö r en." Rn-Odessa bilden die Rüden etwa den vierten Thcil der Bevölkerung. -Ter Berfaffer'führt uns hierauf nach Kowno, wo von 5>0.000 Einwohnern etwa 37.000 Rudtn sind. „Trov seiner großen Zahl macht sich jedoch das Judenthum hier auf der Slrerße weniger bcrmcrklich, als man vcrmnthcn möchte. Die nmhcrlungcrndcn 'Richtsthucr sind hier selten. Man sicht zwar, auch hier die bekannten «'Rstaltcn, die auf eine (Gelegenheit lauern, ohne viel Anstrengung, durch einen Botengang oder Ausführung eines sonnigen Auftrages einige Kopeken zu verdienen, aber sic erscheinen hier nur vereinzelt, nicht ichaarciiweisc. Tic große Mehrzahl der jüdischen Bevölkerung ist bei der Arbeit, in den Bertaufslüdcn, den Werkstätten und'. Fabriken. Trci Biertel der Handwerker sind Rüden. In ihren Hände» bcsindcn sich vollständig die Gewerbe der Hntmachcr, Maler. .O'lascr, Buchbinder, Blech- und .(iupferschmiedc, Owldarbcitcr und Uhrmacher: im Schncidcrgcwerbe bilden sic 88 vom Hundert, und ihre «''csanimtbetheiligung 'an allen Handwerken erreicht 74 vom Hundert. Tchr groß ist unter den hiesigen Rüden die ■ Zahl der eigentliche!» Arbeiter; 7>i vom Hundert der Taglöhner sind Rüden. Biele siudci» Freiheit, j zu fein. Richts i '

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