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Freies Blatt · 1892-05-22 · 7 (22.5.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
7 (22.5.1892)
Date
1892-05-22
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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*'ß ist er. i'eibft bt-ndie fleißig dir antiirmiti’dicii Versammlungen und fei geradezu friipbv» über di^ haarsträubenden Verdäcktigungeu der „Volkseedner", nainenilich a.-er — und das ift das Jdilimmüf — jener Pridiier, welche sich nichl scheuen, eiilgegen den Ladungen idier Religion gegen Andersgläubige Hetzen. „Haben Sie sibon." sragle der Redner, „so einen Eaplan gehört'/" Daraufhin erhob f dr eilt aller Herr mit weißen Haaren und rief mit^vor Elregung bebender Eriinnie: „Pa, ich habe es geböil! Meine Herren, es isi eine Schmach und <chande. daß etwas in Wien gelchickl! Echmach und. Echaude!" (Be .'.regung.i Herr Reinhardt er;ählie hierauf, Eooperalor l'. Scherzet habe in einer anti'emiiisibeii Berlammlnng einen. Pre^won l»»t) Tnealein demjenigen nigesicheik, ivelcher bachwein, daß er ein unwürdiger Priesier sei. Als sich Redner' inilielsi cnles recoiiiinaiidirteii Schreibens dazu crbölig gemacht babe, erllarle der Eocpelaior bei der nächsien .Nneiperei, daß er über (eine solche nimm’ verfuge und sich mit il»ii (Redner« nickt einlalsi-n könne. «Heiterkeit.» er Redner erkläne, es 'ei uolbivendig, ersi diese Hktzcaplänc aus der Bc- ^vegnug zu euifernen. denn <c lange der „kleine Mann" feinen Beichtvater in der Pec-anunlnng über die Enden schimv'en höre. schimpfe er auch. Er lhcilie daß er bei dem Eartiiial Erzl'i'cho' l^ru'cha Be'chwerde geführt habe .'.be: das Treilen der Heecapläne in den Sirlhshaiisven'aininlungkii, und .’.eisi, .:e das B r. alieu jener Siaaisbeamtk». welche' im Wideiwruch mit de» r:aa:sgr::«dg,'t>eü. sich de» auii>'emilifchen Bestrebungen aii'chließen. , Lebhafter Be:-a:! ■ ' ■ f . t v.r. W aldsie in. re'ürwerkere den Antrag KürKeiubat mit dem Zukave,. a die :’.ngereii ’Bcitläae aber eine freie T iSculiion anzukcbtieße». H.-.c Virer’.asidenl Tr Ed UKl führte aus, die Frage Lnemlicher Vor- ' b:r. :t:ra der Beieinsideeu -ei -chrn wiederholt von ^eni Vorsiande u: Er .den lt erde»: die größte Schwiengkeir liege aber in tUit nnr . .kennen ’>.-.irellc''e» Ägiiglioiiskniifleli der Rttii-eiiiiken. - D - An;: ag a::r>':en:ba: * wird hieran* mit dem AIIIendememl \ * v.:v e.> si-.ininnng aelerach: l:::a ein si iin m i g a ngenoin in cn. . a - ,r:-.d;;;•:« : men im:-Tage.'ordmtiig*.„Ne»wähl des 2; -ch-.n: i-, He. i r :. et aniragle d n bisherigeir Versiand l e : . .' an E'.äc der e-ideu ,e:ch Beru'sge'chafie an der ■ •: >* r Wie:.a!: irr: mdeeeei: .Herren Z anella und Roste die v n e. B r kr. Rrdaerear 'es .freien Blatkes", und E ehrisisieller —rT: : v -. e : : : n S;--a iN.a! wurde Ui.ier Bei-'all eiiisiimmig ■- :r... :t :n *j. ’B . e e ins! e i: ung: R. U r-:. und >'>er»chls . . :,:-d a.e H.\u R-iche-rilter r. xißling. l. k a^e B ra:.« Be:lill. . E^eei .e der E:a.rksba!l:i, als ■■■'•er -".dee.i '»isinsic und Eei-si Vidäer ^jeitkvr, -Redaeieur des B ail . -, .ns- Lchrisi'.rbree: f.-.nae also i sia ::d s m iig(. icder: ':na. eral flidn. :e Magisirarsr?«■ a.-rdurand .vtor.afi« etter, v..- Ed.. i'i I tt ga t.;: d'' i‘L : ' liano, die R-sichsraibs :: i'V De Eduard 1.1:' .vn: W'.'.abel.' ’oirre D . ef«::: ure rl».an::, ’.i.» c red srt chtea Reichsrathse »er Dr Wilreln: Eitle., dre «'simeinderälbe grants au an: Er..:: enbe / er liu' : eov.-ld 2 ,’r;(:c Echrl'isieller labe.-: :: a ls.ul’llsiNlis :e:i -e l Mlll ü ■i »chai.'-. -k. e.er r,.;r crau» .illllu.uila Br-siu ee .lnfinnniig ihren Dank voiin '.e::rräsiden: .nie:eich ' a-r.il -er :>. -(eil. :iberger das .">-V.e Änregung >-.,.-':er Be.-'nnd br''e. daß .rüti-tige -,Re>'ü»:a:d ' erreichen ne.e.. allein auch die rer Äuen: aber .-nes Blaiies. ir-eiches sich kein Vereine dsi-em Vcribei! >M-'vreche::d:- und aedeiukies Work müffen. -e Vesibeii.e an E^e-elEelnh:;u rriisigen. En der :.ii Vriesier und. Elarisbeauilen als eie Träger des i-eeeden. derer aneie -eaurilragsr habe inan vergeffen: eib-iik-i!. 'ie ain -chwe.sien;n überzeugen -eieu. -Tie .--.ir-daliua ---i rerwieaeu.: eine ra.kstvirtk'chaftkiche, ein i:a. und — inair ldnue es kiiä-: leugucu — auch gegen d.ii alerß- und die Elnsdau.-i teiieliigeii isiaee, die man -..reu. welch.- in rtutr-elmlisin.is mache»', si-ien in erster ie. im Vraier B:er -au'eu und: eie emsige 'Arbeit -si-ll. sich los; Baren -beiieiiberger -eine mit großem Beiiall .hrunren. -ie eiiir.-!ueu Äitswüch-'e uu'chatlich machen, re-.i d--m die meisien runder sili-au Vefreil .sind, -auch von e.id den cheDesierrrich rdi-chwinde. E>ch bin. uberzekigt, dsiß .. e.iii:-'eiul!ismus in feinen n-lzieii Todesziielungen liegt, und ne Trdicmzraber -ein rinn»,sicher -Beifall folgte tiefen de ch. rsid iii Erelberr. r- 2 ulin.-a dl,- Ver-ainmliiiig 'ür ge Au s:u < ' Lie niarligen 'Ti-oric, mit testen viortatt) Vroselior Xt Hninan» >:iiii'a.qel in ter t';ciiaalucriammlun.q des Vereins zur Abwehr des il'eillinsnius die .. Lcelciipcsu.' djavafteriuvt hatte, haben die Antillen außer ->rand und Band gebracht. Rachiuchl ji'i aber eines der wesentlichen Merkmale jener unheilvollen Bewegung, welche als „einer der schwersten Borwürfe gegen das menschliche Herz" erscheint.' So verübte denn am 19. d. M. Morgens das „Deutsche Bolksblatt" einen journalistischen Exceß gegen 'Ho'rath Tr. Nothnagel, »velchem bedauerlicherweise eine Ansschreitnug an der Universität tinmittelbar - folgte. Als Hofrath Tr. Nothnagel an demselben Tage im Hörsaale der ersten »ledieiiiischen..stlinik' im allgemeinen -strailkeilhause, deren Borstand er ist, seine gewöhnliche klinische Borlesung eröffne» wollte, verübte ein Hanfe antisemitischer Studenten und anderer junger Heute, die der Uiiiversität gar nicht als Studenten angehören, einen lärmenden - Ereeß. Es bekheiligten sich an deinselben nnr j#nge Heute, die sich ganz unkerechtigt in den klinischen Hörsaal eingedrängt hatten,'während die Hörer des Hofraths Nothnagel dem Bubenstreiche ganz fernstanden und vergeblich Brotest gegen eine Teinonstration wider ihren verehrten . Hehrer und gegen die rolie Storung. des EylleginmS erhoben. £ie fremden Elemente hatten sich schon um " ^7 Uhr Morgens in kleineren E'riippeii eiiigesnudeii und säinnitliche Bläye in der Nähe des Ausganges besej-r, aber altch in die übrigen Bänke vertheilt. Ter Tiener der Rlinik bemerkte vor BegiiM der Borlesung, daß fremde Personen anwesend seien, die nicht zu de» Hörer» des Hofraths Nothnagel gehöre», und^erkannte, daß dieselben mit der Hoealitüt des Hörsaales - nicht vertrant seien. Als Hofrath Nothnagel um < 1 , Uhr den Höriaat betrat, war das Amphitheater io dicht besetzt, wie es sonst nicht der aalt zu sein pflegt: es herrschte aber anfangs voUkommene Nuhe. Ein Patient wurde auf dem Tragbette herein gebracht, und Hofrath Tr. Nothnagel, dem seine beiden Assistenten, - Privaidorent Tr. Heinrich Horeiiz nift» Tr. Albert H a in»ier schlag, zur Seile standen,^wollte seinen Bortrag beginnen. In diesem' Allgenblicke ertönte aus dem Auditorium ein schüchterner Prosit Nnf, und man glaubte, daß dies das verabredete Zeichen -für die Antisemiten war. Tenn gleich darauf brachen die Eindringlinge in lärmendes I'.-r.-nt -Nufen ans und begannen mit den nüße» zu stampfen. Es ist natürlich, daß Hokrath '.>iothnagel sowie seine Assistenteil und ordent- . -iichen Hörer durch diesi-i: Tumult aufs höchste überrascht und befremdet ivaren Tie Hörer versuchten durch lebhaftes Prosil-Nufen die Tu-- ninlinanlen zum Schweigen zu bringe», sie wurde» aber von diesen über>chrieen„ und ihr Widerspruch verhallte in dem verstürtten IVivatö'eidm-i und in dem Polter» und Stampfen mit densrüßeu. Hofrath T r. Norlinagel blieb während dieser stürmischen Scene ruhig ans seine», Platze stehen und verlor nicht einen Augenblick seine nassnng. Er l>efchräiitte sich dar<tlis, mit der Rechten einigeinale abzuwinken, als aber das Härmen und ^chzeien nichts aushören wollte, verließ er nach etwa vier Minuten lanaianX^den Hörsaal und begab sich in„sei» Arbeitszimmer. Es lrai iinn im Saale plötzlich Stille ein,, die Tuninlluante» hörten aut zu schreien und zu stampfen, und die meisten derselben beeilten sich, wie ina« wahrnehmen tonnte, ans dem Saale zu verschwinden. Es herrschte nun vollskändäge Ruhe. Fünf Minuten später erschien Hosrarb T r. '?i o i h n a g e l wieder im Hörsaale und riclstete an das Anditorinin eine Ansprache folgenden Inhalts: „Ick habe Eie, meine Herren, oft gebeten^ jedwede Temonstraiioii und Acelamalion Her auf dieser der Wissenschaft unk Humanität geweihte» Stätte zu niilerläfsen. ,,.ch kann diele Bille Keule nur auf da« eindringlichsie wiederholen. Was ich lhne, wie'ich handle, das vertrete ich auch, dafür stehe ich überall ein, liier aber isi es weine -dinzige Pflicht, Sie zu Ihrem künftigen rebeiisbernle vorzubereiie», und ich aneitenne, daß Sie mir in der Ausübung meiner Pflicht noch niemals bislang ein Hinderniß in de» Weg gelegt, daß Sie - mir bislang noch niemals einen nnfrenndlichen Empfang zntherl werden ließen, «tanle, aiihalleiide Prosit! Rufe.) So lehr ich auch ans der einen Seite die Anhänglichkeit meiner Schüler an meine Perlon hochlchäpe, so lies sieht ans der ' anderen Seite jede Teinonsiralion und Äcclamatio», die »nt meine», Berufe nicht« zu ibi«n Hai, unter mir. Erniedrigen Eie nicht diese Etälte des Jammerdes Elends nud j der menlchlichen rsiolh zum Echauvlatz? irgend einer Temonsiraiion und Aeelamalion. .Unterlassen Eie in der Folge das Eine »vie das Andere!" Professor Tr. '.si'oihnagel begann hieraus seine zweistündige Borlesung „über Masern", welche ohne weiteren Zwischenfall beendet wurde. -?iach dein Eolleginrn standen in den Eorridoren und Höfen des .strankenhauies die Studenten der Medicin noch lange beisammen »nd besprachen "lebhaft den unerhörten Zwischenfall. Einstimmig wurde in diesen si reiten, die Ueberzeugung ausgesprochen, daß der Tnmult nur von Studenten, die nicht zu de» Hörern des Hösraths Tr. 'Noth- , nagel gehörten, ausgegange» sei, und daß sich zahlreiche Nichtstndenten f daran bezheiligt hatten. Wit Entschiedenheit ivurde betont, daß kein I einziger Hörer sich zu einer abscheulichen Temonstratioii gegen den verehrten Hehrer hergegeben hatte. Tnrch deit Tumult waren auch die Patienten in den an den Hörsaal stoßenden Krankenzimmern in große Aufregung versetzt worden und mußte» erst beruhigt werde». Herausgeber und veranlwornieher Redaeieur: Ecnsi Bikkor Zenker. — Truck von Eh. Reißer & M. Werlhner, Wie».

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