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Freies Blatt · 1892-05-22 · 7 (22.5.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
7 (22.5.1892)
Date
1892-05-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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r '•Iboiutcnmiievrcie: ©r$ail zur 2lbwehr des 2lntisenntismus. . ,i<ii,iii> mit Pl>ft,ule»dlt»ü . . tt -’.50. Jiitttrijäht.«.—— .«.■>. ' : Ui«,,!.« «..».man I fi. Gkfchriiit au jcdkitl «oiiiitagk. . Nnmiiitr 7. '? ' Wien, 22. Min " Rcdactioii imb Adminiftraiio»: Wien I. Keiterstütto l<>. I. Jahrgang. 2!ntisenlitiscl?e Bauernfängerei. (Bon oinaii Tcunchböhineii > Mit bin plumpsten Mitteln betreibt daö agitatorische Wiener „vereinigte Ehristenlhum" die Bancrnsängcrci. Dr. Krvnawctter hat de» Ragel auf den Kopf getroffen, alo cv diesen Antisemi lismus den 'SoeialiSmns des dummen Kerls von Wie» nannte. In Wirklichkeit find cS auch nur für die albernsten und ungebildetsten Elemente berechnete Mittel, welche antisemitische Sprecher und Blätter ergreifen, ui» willige Werkzeuge zur Förderung ihrer unsauberen Pläne zu erlangen. Scheelsucht, Neid, Hast und Schapcnfrnide werden da bei Leuten aufgestachelt, welche sich keine anderen geistigen (Genüsse gönnen als eine ausgiebige Cumi tität Bier. Bei dkr Speculation auf UrtheilSlose oder UrthcilS schwache ist eS-ein Leichtes, heute die Mistgunst des sogenannten kleinen ManncS zu erwecke», indem man ihm alle Juden als von Juwelen strotzende Besitzer von Ringstraßenhäuscrn hinstcllt, hervorragende Industrielle alö Schmarotzer verunglimpft, den LuxnS jüdischer Fräuen dem bescheidenen Gewände der biederen Lebens gefährtin deS HnndwerkklSgegeitiiberstellt u. f. w. Ein andereSmal wieder wird von dem jüdischen Eoncurrentc» gesprochen, welcher, aller Bedürfnisse bar, durch seine Schleuderpreise den christlichen Geschäftsmann schädigt, den Wirlh nicht leben läßt, von dem Juden, dessen Acußcrcs das ästhetische Gefühl des wackeren Tischler- oder Saltlc/mcistcrs verletzt. *Äald wird der Servilismus, bald die Anmaßung von Jude» aufs Tapet.gebracht. Während eines TagcS der Mangel an Bürgcrfinn, die Hyper-Lopaliläl a» den Juden gerügt wird, werde» am nächstfolgende» Tage die revolutionären jüdischen Tendenzen hervorgekehrt. Der Jude ist je »ach Bedarf Gottesleugner, Aergerniß erregender Verschwender, arbeitsscheu, anmastend und titelsüchtig und dann-wieder lächerlich bigott, geizig, bcdürfnistloS, kriecherisch, in ost'cntlichc» Dingen gleichgiltig und für Ehren und Auszeichnungen, die nicht klingende Münze, nicht Werthpapiere -sind, unempfänglich. Immer der Jude. Wie bei de» übrige»' Menschen, hat auch bei den Inden das eine oder andere Individuum diese oder jene schlechte Eigen schaft. Daraus wird aber gleich zu. Ägitativnszwccke» ei» jüdischer TlipuS gemacht, und ^>ic Bauernfängerei unter den großstädtische» Böotiern verfehlt ihren Zweck nicht». Ein köstliches Stückchen antisemitischer Baueriifängcrei führte am 17. d. M. das Bcrgani'sche Blatt auf. Es rechtfertigte die „vereinigten Ehristen" gegen den Bvrwurf des 1 nationalen In d'lfferentiSmns, der in einzelnen deutschen Provinzstädte» wider sie erhoben worden war, indem cs den jüdischen Gläubiger, den mit Pfändung bedrohende» Juden ins Treffen führte. Es warf die sZrag« auf: „WLlt.ii ein deutscher Dorfbewohner an der Sprachgrenze zwei Actenstücke bekommt, wovon daö eine in slavischer Sprache eine unwichtige Mitthcilung enthält, während das andere eine deutsch abgefastlc Pfändungsandrvhung apzeigt — wird der um sein Hab und Gut besorgte Mann vorerst eine» Protest gegen die Zustellung des slavischen Schriftstückes cvtjebcn V" Abstrahier» wir davon, daß Pfändungen nicht eine fpeeifisch jüdische Sache sind, daß eö auch schon in „vereinigtem Ehristenthum" machende LolkStribunen gab, welche das PfändungSgeschäfl virtuos betrieben Hallen, so wird der denkende Leser sich sagen müssen, daß nicht alle Juden. Gläubiger, nicht alle hartherzig sind. In Deutsch bohmen, gegen dessen Porwürfe wohl daö Bcrganische Blatt die Tie heutige -iummer enthält als Beilage Sen Bericht Ser ll ft | Gescllfchäsl, .der 'cs seht dient, zu vertheidigcn sucht, kennt man > übrigens in manchen Ortschaften' weniger de» den Verlust von! Hab und Gut androheiihen'Juden als den -jüdischen Arzt, den! man liebt und -ichtct. Dagegen ist man dort von der Zustellung : slavischer . SHtiftstücke schon deshalb nicht erbaut, weil jeder! Dentschböhme um die Zukunft seiner Kinder besorgt ist und ihnen. die Möglichkeit, in der eigenen Heimat öffentliche Acmlcr zu be' kleidcn, nicht verschließe» will Ein auch »och so unbedeutendes slavischcs Schriftstück birgt aber,-besorgt mä» in dentschböhmischen Gegenden, die Gefahr in sich, daß'an die Besetzung öffentlicher Aemler die Bedingung der Kenutviß des slavischen JdiomS ge- ■ knüpft werde. Doch nicht zur Rechtfertigung vor den Deutsch böhiiie», nicht für denkende Leser schreibt daS Antisemitenblatl;♦ cs betreibt Bauernfängerei i» gewissen Wiener Kreisen, und für diese ist der Kunstgrisf mit dem pfändenden Juden gut genug. Originell ist er allerduigs nicht; der betreffende Schriftleiter hat ihn einem jener Hetzeapläne abgegnckl, zu deren beliebtesten Kamps ' redcwendungen die stragc gehört: Wer ist euch lieber, der liberale "! Advocat, der euch Expensnoten schreibt, oder der trostspendende Seelsorger? .In großen Städten, hat es. wie aus dem stachen Laude, nie an Lenken gefehlt, welche ein gutes Material für Baner-n- ’ fänger jeder Art lieferten, dem Unglaubuchsten Glauben schcntten . und das Widcnvärtigste mit Jubel begrüßten. 'Es handelt sich nur darum, daß der Borralh an diesem Baucrnfüiigermaterial abnchmc, und es liegen trotz antisemitischer Erfolge in Eommis kreisen doch Anzeichen vor, daß die Seuche des Antisemitismus in nicht allzu ferner'Zeit erlöschen werde. Sie kam zu uns von Preußen, dort aber geht sie allem Anscheine nach ihrem Ende cnlgege». Ein bekannter preußischer Parlamentarier schrieb dieser Tage gegen jene Berliner Blätter, denen mit Bezug auf die .Ahlwardt'schcn „Judcnslinlen" der Gang der Gerichtsverhandlungen ein zu langsamer ist, folgende beachleuSwcrthe Wörter „Das Heil., mittel liegt nicht darin, daß man eine subalterne Person füb einige Monate m daö Gefängnis; steckt, sondern darin, daß das Pulilieum, »vclches solchem Treibe», zngejanchzl.»ich es mit Lorbeer. . kränzen belohnt hat, stch endlich von demselben mit Ekel abwendel^ Und daß die Periode bereits begonnen hat. in ibclcher sich dieser Etil auch 6ci Organen meldet, die bisher deif Antisemitismus gefördert haben, ist klär." ' , Pleite acacn MeC^catovcujisftolluua. Tn fi'inblidic» a»iisel>liiliäie» Brüder — die deutsch nationale» »iid die christlich.soeiale» — habe» sich wieder einmal zi»'ain:»enges»iidcn, uni gciiieiiisain e>» Uiiieriiehine» zu beschinipseii nnd. zu veri»igliini>sen, das in ihren Klugen den unansloschlichen Mätel bar, von anständigen, ehrcnhaslen »ich patriotisch gesinnten Leuten ins Lebe» gerufe» worden zu sein. Tie Mnsit. und Theateraiisslellung ivar hicsnial das roitje Tuch,, ivelchcs die anusrinilischc Tobsnäit gereizt hat. tssenieinderaih Greg orig belcidigk i» unerhörter 'Weise alle Wsener Industriellen und tN-wer betreibenden, die sich in ausopfcrungsvoller >j»d uneigeunnpiger Weise an der- Ausstellnng bciheitigl haben, indein er' dieselbe ösienttich ' als eine» „Tandclinarti" dczciäi^cl', nnd scheut sich iuidit, die bewnspe Unwahrheit anszusprcchcn, daß die ganze Ansstctlnug nur von „Inden" gemacht wot^eii sei, unter die sich einige Eabalicrd ..verirrt" haben sollen. Tamil Ivar das Schlagwort iür de» großinänl!gc» anlisemilischcn eiicralversammliiiig des Bereins zur Abwehr Srs Antisrniitismiis.

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