Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 11 (1931-1932)
- Issue
- 4 (7.1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 51 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Seite 51 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B.« heit, die traurige Wahrheit der Inflationszeit, deren Häßlichkeit so eifrig aus dem Gedächtnis verdrängt wurde, daß man sich nun aber ihr Schmutzgesicht entsetzt; die bittere Wahrheit Ober ihre jQdischen und christlichen Schieber. Von beiden kommt der Christ wahrlich nicht besser weg, dieser kalte Gauner zweier Fronten, der hakenkreuzlerischen und pazifistischen, der reaktionären und revolutionären, dieser wahrste Einpeitscher der Inflation ohne Spur einer ethischen Rechtfertigung, die für den Juden doch der ijlungcr in der östlichen Heimat und die V'aterliebe werden, ihn zugleich in seine Tragik, die Tragik des ewigen Wandjerjudcn hinüberleitend. (S. Fischer Verlag.) „D a s Erbe im B1 u t“ des Ajmeriknners Ludwig I.ewinsohn (Paul List Verlag, Leipzig) faßt das Wandcrproblem in der Breite undramatischcr, | unsentimentaler, sachlicher Epik; ein Generationenroman, eine Art jüdischer Buddenbrooks. Das Beste liegt im ersten | Teil, dein Beginn der Wanderungen der Wilnaer Melamedsfamilic in ihren vornmerikanischen Etuppcn, die Wander|ungen auch aber die Kulturgrenzen hinweg und aus dem Jüdischen hinaus sind. Der zweite Teil, obzwar für den Dichter die Hauptsache, weil sein Erlcbenshekenntnis, läßt merkwürdigerweise kühler; vielleicht gerade, weil er den Dingenj da noch zu nah ist. Das Problem immerhin ist ein grundlegendes, nicht nur für den Verfasser, sondern für unsere jüdische /eit: das Ende der Wanderung als Rückwanderung, als Wiederkehr hinein ins Judentum, und als treibende Kraft da.<| unaufhaltsame, unterbewußte, vom Leben immer neu aufgefülltc Seelenslrömcn im jüdischen Blute, das unser Erbe ußd unsere Zukunft ist, nicht mehr individuelles, sondern schon volkhufles, geschickbestimmendes Schicksal. I Einen der erschütterndsten historischen Wendepunkte jüdischen. Volksschicksuls stellt uns Joslef Kasteins „S abbat ai Zewi,- der Messias voh Ismir“ vor Augen, in gewissem Sinne die Umkehrung des Wanderphänomens: Rückwanderung der "Judcnhcit uls Irrtum. Strömen der Sehnsüchte des jüdischen Blutes, Uebcrslrömcn, bis zum Uebcrfluten, bis zum Bruch - aller Dämme, bis zur Lebensgcführdung des Volkes — und dai alles un)er dem Drängen unsäglichen, unerträglichen Leids im jüdischen Osten. Das Buch ist kein Roman, im Gegensatz zu dem Werke Poljakoffs (das im Weltverlng erschien), sondern eine historische Studie. Eine psychologische ebensosehr wie eine volkspolitisebe von erschöpfender Gründlichkeit nnd Weite, aber dramatisch bewegt und im Höchsten erregend trotzdem. Wir zittern, hoffen und verzweifeln mit dem Menschen und dein Volk, die wir beide als die unseren spüren. (Ernst Rowohlt Verlag, Berlin.) . Große Historie, in die Gegenwart gewendet, wieder als Roman, bietet Schalom Asch mit seiner Trilogie „Pete r s h u r g“, „W a r s c h a u“, „M o s k a u“, wohl das gewaltigste jüdische Dichtwerk unserer Tage. Aus dem Jiddischen, das hier einen neuen Befähigungsnachweis erbringt, leider recht steif übersetzt (Paul Zsolnav Verlag) und dennoch uns ständig in Atem hallend. Das ganze Judenproblcin des russisch-polnischen Ostens in all seinen kulturellen, sozialen und politischen Phasen erschöpft, aber nicht minder das Problem der großrussischen Entwicklung, vom Verenden des Zarentums und seiner Bürgcrwclt an, über die Vorbeben von 1905, bis zur Eruption des Bolschewismus mit dem Himmel und der Hölle dcrl’Neugeburt einer Welt und „Ordnung“. Die •epische Ruhe, der große Fluß des Ganzen, die dramatische Bewegtheit in den Menschen- und Völkerschicksälen, erinnern an Tolstoi. Weniger die ■psychologische Vertiefung, die besonders in den Frauen fragwürdig wird, und die Ideendinlcktik, die mitunter ein Zufälliges und Gewolltes hat. I Es steht zum Verkauf: Villa Berlin-Grunewald, Königsallee 21 Ecke Wallotstraße PREIS: RM 60000- Preisnachlaß bei Barzahlung Die Villa ist völlig frei und sofjort beziehbar Das Grundstück ist hypothekenfrei! 1 j '/ Besichtigung jederzeit nach Verständigung mit Herrn Karl Fischer, Berlin W 62, Kurfürsten tr. 116 / R5 Barbarossa 4760 u. 91 81 Villa mit Zentralheizung' 1 Halle/9 Herrsdiafiszimmer/ 3 Personalzimmer/2 Zimmerwohnung mit Küdie / 1 Glasveranda / 1 großer offener Balkon / Viel Nebengelaß Wirtschaftsgebäude mit eigener Zentralheizung 2 Garagen / 2 Pferdeboxen / 1 Glashalle j Größe des Grundstücks: 2235 qm / Einheitswert: RM 153000.— Wehtbeitrags« eit: RM 21900’.— / G.Kludesteuernutzungswert: RM 4250.— / Grundvermögensteuer: RM 230,96 monatlich Hauszinssteuer: RM 184.— monatlich / Straßenreinigi ng: RM 22.04 monatlich / Müllgebühren: RM 5.50 monatlich. <