Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 11 (1931-1932)
- Issue
- 3 (6.1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 36 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 36 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. 3 fügung stellten. Vielleicht wird ein freimütiges Wort hierüber dazu beitragen, den einen oder anderen an die Pflichten zu erinnern, die er einst in feierlicher Stunde der Loge gegenüber übernommen hat. Eine willkommene Hilfe fand die Loge in ihrer Fürsorge- Tätigkeit während des abgelaufenen Termins bei unserer Schwesternvereinigung. Unter ihrer außerordentlich rührigen Leitung hat es die Schwesternvereinigung verstanden, verhältnismäßig große Mittel für die Unterstützung von bedürftigen l.ogenschwestern und Kindern aufzubringen und in taktvoller tVeise zu verwenden. — Sie hat auch in*Gemeinschaft mit unserem Vergnügungskomitee unsere Logenfeste mit den bescheidensten Mitteln würdig und schön zu gestalten gewußt. ‘ Wenn ich nun noch einige Tatsachen ans der Chronik der Loge berichten soll, so habe ich zuerst die. traurige Pflicht mitzuteilen, daß im vergangenen Jahre folgende 28 Brüder unserem Bunde durch den Tod entrissen worden sind: Marlin—Schiff, Julius Wiener I, San.-Rat Dr. Robert Reimann, Eugen Caspary, I)r. Alfred Wischnitz, Prof. Dr. Eduard Baneth, Hermann, Munk, Georg Hirsch, Leopold *Müller, Artur Kasper, Dr. Hermann Levin, Leopold Sander, Paul Herzberg, $alomo Kaufmann, Moritz. Blasbalg, Louis Brückmann, Samuel Kaplan, Jonas I.oewenstein, Julius I.oewenberg, Hugo Altmann, Jacob Sandler, Paul Philipp, Georg Schüftan, Albert Helfft, '.Willy Marksohn, Max Wolff II. Ludwig Heilborn, Groß und schmerzlich ist die Lücke, die sie hinterlassen haben, und die' Loge wird in treuem Gedenken die Erinnerung an sie bewahren. — Dem Andenken uhserer Dahijigeschiedenen war die feierliche Trauerlöge geweiht, bei der unser Br. Expräsident Jac-oby eine tief' empfundene, feinsinnige Gedenkrede hielt. Die scfjwere Lage der Gegenwart hat auch auf die Gewinnung neuer Brüder ihren ungünstigen Einfluß geltend ge- Neuaufnahme: Timendorfer Jnbilänms-Loge. Dr. Paul Lonnerstädter, NW87, Lessingstr. 36. Dem Orden gehören nicht mehr an: Berthold Auerbach-Loget Julius Kuschlewski, NW40, Thomasiusslr. 5.’ Montefiore-Loge: Georg Jansen' Wilmsdf., Brandenburgische Str. 42. UNSERE TOTEN Der Orden beklagt den Heimgang folgender Brüder: Name Eingetret. Geboren Verstorben Deutsch« Reichs-Loge Artur Hartsteifl 10. 1. 1914 3. 2.1883 24. 5.1931 Berthold-Auerbach-Loge Magnus Beermann 28. 2.1921 15.10.1881 15. 5.1931 Montefiore-Loge Max Neumann 26. 3.1918 1. 3.1860 6. 5.1931 Adolf Blumenfeld 17. 3.1903 26. 9.1869 10. 5.1931 Hugo Brock 21. 3.1911 15.10.1868 21. 5.1931 Ehre ihrem Andenken 1 macht, so daß nur ein einziger Bruder der Loge neu zugeführt werden konnte. , ” I Als Kern unserer Vorträge im abgelaufenen Termin war ein Zyklus über „Die Lage der Juden an den Stätten ihrer dichtesten Siedlungen“ vorgesehen. Leider brachten ungünstige Zwischenfälle, wie die Erkrankung oder die plötzliche Abreise eines Redners es mit sich, daß wir nur drei Vorträge über diesen Gegenstand hörten. Es sprach Br. Expräsident Prof. Dr. Ismar E1 b o g e n (B. A. L.) über „Die Juden in den Vereinigten Staaten von Nordamerika“, Minister a. D. Dr. Soloweitschik über „Die Juden in Litauen“, Br. Dr. Bernhard Kahn über „Die Juden in Sowjetrußland“. Andere Vorträge vor offener Loge hielten Br. Rabbiner Dr. Arthur Levy: „Aus meinem Kriegstagebuch“, Br. Expräsident Prof. Dr. Heinrich Loewe: „Die Grenzen des deutschen Judentums“ und in gemeinsamer Sitzung mit der w. Julius Fenchel-Loge Dr. Hans K o h n - Jerusalem: „Heinrich Heine und Otto Weininger: Die Tragik des Judentums“, Pater Stratmann: „Die Friedenspakte der Großmächte in religiös-sittlicher Beleuchtung“, Br. Expräsident Oberrabbiner Dr. A 1 tm a n n-Trier:; „Das früheste Vorkommen der Juden in Deutschland“. In geschlossener Loge hielten Vorträge und Referate: Vizepräsident Dr. Georg Herlitz: „Wichtige Ereignisse im jüdischen Leben der letzten Monate“, Br. Dr. Wilhelm Neumann: „Ueber die erste Gesamtorganisation der deutschen Juden“, Br. Alfred Berger: „Die Wirtschaftslage der Juden in Deutschland“, Br. Expräsident Karl M. Baer (T. J. I..): „Neue Wege der Logenpropaganda“, Br. Rabbiner Dr. Julius' J a k o b o v r t s: „Kalender und Kalenderreform“, Br. Expräsident Dr. Josef Hirsch (J. F. L.): „Jüdisches Leben in einer kleinen Gemeinde“, Br. Dr. Karl Schwarz: „Ueber die Ausstellung «Kult und Form»“, Br. Expräsident Dr. Alfred Wiener: „Kritik des Friedensgedankens“. Ferner beschäftigten folgende wichtigen Beratungsgegenstände im letzten Geschäftsjahr unsere Loge: „Die Arbeiten des Geistigen. Ausschusses der Großloge“; Br. Prof. Dr. Eugen Wölbe berichtete über die Tätigkeit der Großloge, Br. Carl Cohn II über die Arbeiten der gemeinsamen Ausschüsse der Berliner Logen, Br. Großschatzmeister Direktor G. Bach (D. R. L.) über die Tätigkeit der Großloge und ihre Sparmaßnahmen, Br. Vizegroßpräsident Maximilian Stein über die letzten Sitzungen des Geschäftsführenden Ausschusses der Großloge. Wie die meisten Berliner Logen haben wir im verflossenen Termin mehrere Heimabende veranstaltet. — Wenn auch die Zahl der Besucher unseren berechtigten Wünschen nicht entsprach, so verliefen doch alle Abende unter der Leitung unseres Br. Vizepräsidenten außerordentlich anregend, so daß die Loge auch im kommenden Termin sicher diese Einrichtung beibehalten wird. Die Aussichten der w. Montefiore-Loge für das nächste Jahr erscheinen mir nicht so ungünstig wie der Verlauf des vergangenen befürchten lassen könnte. Die alte Eigenschaft der Juden, sich um so enger zusammenzuschließen, je schwerer draußen die Not sie bedrängt, wird sich auch wieder bewähren, und wenn das Band der Gemeinde zu weit oder zu locker geworden ist, so wird der enge Bund des Ordens den Brüdern das ersetzen, was früher die Kehilla allen ihren Mitgliedern gab. Wenn wir es verstehen werden, in unserem Logenleben den Forderungen der Zeit Rechnung zu tragen, wird es uns auch nicht schwer fallen, wieder mehr neue Menschen für unseren Verband zu gewinnen; denn die Gedanken und Ideale, die uns zusammengeführt haben, haben ewige Geltung, unabhängig von dem Wechsel des äußeren Lebens. Dr. Adolf Juda, Präsident des Termins 1930/31