Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 10 (1930-1931)
- Issue
- 12 (3.1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 204 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 204 Nr. 12 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.^TB. Wüste die Brücke war, ein schwaches Seil, hingeworfen zum Land der Verheißung. Sie waren die Zukunftsmenschen, weil sie die Gegenwart als Uebergang erlebten. So müssen wir unsere Zeit sehen. Mit schwerem Atem geht heute der Weg des Lebens. Die sich als Endziel der Entwicklung betrachten, verstehen nicht den Gang der Geschichte, und die Last, die ihm auferlegt ist, wird zwiefach hart. Wer nur auf die Wüste stiert und nicht überzeugt ist, daß jenseits wieder grünende, bewohnte Erde sich breitet, wird kaum die Strapazen ertragen und das Land betreten, das \on Milch und Honig fließt. Er ist der Mensch des Tages, und der schwere Tag läßt ihn erliegen. Auch der Blick nach rückwärts, der ihn den Sinn des Lebens wieder lehren könnte, ist nicht weit und tief genug, um ihm seine schwere Stunde erträglich zu machen. Wer an Zukunft froh in Hoffnung denkt, sieht den Wert der Vergangenheit ein und sich selbst als Uebergang. I In diesem Uebergang liegt, notwendig Selbstaufopferung, liier ist keine Sattheit des Lebens, kein müheloses Genießen, kein Nur-für-sich-leben. Wer Brücke sein will, muß in sich lest sein, damit die Kommenden nicht untergehen. „Eurer Kinder Land sollt Ihr lieben: diese Liebe sei Euer neuer Adel ... \n Euren Kindern sollt Ihr gutmachen, daß Ihr Eurer Väter Kinder seid!'1 Deshalb hilft es nicht, der Vergangenheit nachzutrauem. Nicht nur das Alte war gut. und nicht das Alte war nur gut. Auch das Werdende hat seinen Heiz und seine Bedeutung. „Sage nicht: wie kommt’s, daß die früheren Tage besser waren als die jetzigen? Denn nicht aus Weisheit fragst du danach.“ Mit jedem Werden, mit jedem Uebergang ist Unzufriedenheit verknüpft: wir wollen das Ziel sehen upd erreichen. Aber in ihm ist auch Energie, Vorwärtsarbeiten, die Last, doch auch die Lust der. Bewegung. Hier steigt der Gedanke auf an die, die den Weg erst begonnen haben und denen wir ihn nur recht zeigen können, wenn wir ein Stück mitgehen, an die Jugend, der wir die Brücke sein sollen, und die einst wieder Brücke werden wird. Dies ist das Ewige, nie sich in gleicher Art Wiederholende der Entwicklung. Das Ziel der Menschheit liegt im Unendlichen, kein Ausruhen, kein Stillstand, immer Bewegung und Uebergang. So zeigt es uns die Natur 'auch. In ihr ist alles im Fluß. Jede Ursache ist Wirkung, jede Wirkung ist Ursache. Alles geht ineinander über. Die Natur kennt keine Sprünge. Ein UNSERE TOTEN Der Orden beklagt den Heimgang folgender Brüder: Name Eingetret. Geboren Verstorben Deutsche Reichs-Loge Jacob Kirschstein 17. 2. 1883 24. 9. 1843 22 2. 1931 Siegfried Graetz - 10. 3. 1906 2. 8.1866 23. 2. 1931 B e r thold Auerbach -Loge Gerson Simon 23.11. 1908 31. 5. 1858 6. 2. 1931 Paul Jaretzki 17. 3. 1913 5. 4.1870 8. 2. 1931 Eugen Dresel 9. U. 1903 8. 12.1852 25. 2. 1931 Eduard Silberstein 24.10. 1904 7. 5.1860 1. 3.1931 Montefiore- Loge Eugen Caspary 6. 1.1891 22. 10. 1863 7. 2. 1931 Willy Marksohn 13 3.1921 15. 5. 1886 8. 2 1931 Leopold Sander 27. 11. 1923 17. 4. 1878 27. 2. 1931 Timendorfer J u b i 1 ä u m s -lo g e Max Sacher 7. 3.1920 17. 5.1868 20. 2. 1931 Ehre ihrem Andenken 1 ewig flutender Strom der Entwicklung, gebannt in eherne Gesetze, ist ihr Antlitz. Der wohltätigste Uebergang ist hier der Frühling. Er ist die Brücke vom löllichen Winter zum lebendigen Sommer. In ihm ist die Zeit des Keiinens und der Hoffnung. Die Kräfte der Erde werden frei. Deshalb haben' ihn die Menschen oft zum Jahresanfang genommen. Auch das Judentum zählt die Monate vom Frühling. Staats- und Kulturleben beginnen in ihm ihren neuen Abschnitt. Und auch unser Orden hat hier seinen Uebergang. Ilincingeslelll in das allgemeine Ringen um Menschlichkeit, die da bedeutet das Reich der Vernunft und der Liebe, erlebt das Logenwesen jetzt in bedeutendem Ausmaß seine Krise. Es ist aber ein Zeichen der Lebendigkeit, daß es an den großen Verwirrungen der Kultur seinen Anteil hat, daß es keine Oase ist in der Wüste des allgemeinen Niederbruchs. Auch bei uns spürt man den Kampf des Gewordenen mit dem Werdenden. Und dieser Kampf ist nicht nur notwendig, sondern auch gut. Wir wollen uns einreihen in die unendlichen Variationen des Menschentums, der Humanität, der geistigen und sittlichen Bewegungen. Wir sollen eine Brücke sein zu einer neuen Auffassung vom Sinn des Lebens und den Beziehungen von Seele zu Seele. Ein neues Sehen und ein neues Verwirklichen der. alten großen Gedanken von Wohltun, Bruderliebe und Eintracht bahnt sich an. Noch erkennen wir nicht klar, wohin der Weg geht, noch ist . kein Ausruhen möglich, weil wir im Uebergang begriffen sind. Aber Ausharren ist nötig, Festigkeit und Wille zum Leben, damit wir den Nachkonimenden innere Kraft und die Richtung des Ideals weisen. Dann sind wir uns des rechten Weges bewußt, werden in der Entwicklung der Menschheit ein notwendiges, wertvolles Glied und werden nichjt übergangen werden. „Es reden und träumen die Menschen viel Von bessern künftigen Tagen; Nach einem glücklichen, goldenen Ziel Sieht man sie rennen und jagen. Die Welt wird alt und wird wieder jung, Doch der Mensch hofft immer Verbesserung.“ BRUDER! »Fühlt Ihr Euch der Loge verbunden, so gebt dieser Empfindung bei allen freudigen und ernsten Anlässen durch Spenden für die Fonds Eurer Logen Ausdruck. Fehlt Euch noch das Bewußtsein innerer Zugehörigkeit, so tuet den ersten Schritt und bringef Opfer! Sendet Eure Spenden an Eure c Logen. Seid glücklich, wenn Ihr imstande seid zu geben.