Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 10 (1930-1931)
- Issue
- 5 (8.1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- Seite 86 (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 86 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. 5 r WOHNUNGSTAUSCH, UMZÜGE GEORG SILBERSTEIN & Co. M O B E LT R A(N SPORT- ABTEILUNG BERLIN W 15, KUREaRSTENDAMM 173-174 FERNSPRECHER. AMT OLIVA 5843 lnUrnatioaiU Spajüloa Ba.Ha SO 38 — Barlla>Waitaaaaa — Hamburg — Brauaa — 5 t—{{in / ff/ <W. wßt,^ t« < beziehtseinen ReifenbedarF nur vom ersten Spezialgeschäfh AUTOMOBIL KUNDENDIENST G. m.b.H, R. K. S. Tankstelle W1S, 3oachimsthaler Str. 22/23 am Rankeplatz / J 2 Oliva 1744 u. INS Reifen und Zubehör sämtl. Fabrikate vorrätig Elektro-Großvulkanisation WIR BESUCHEN SIE GERN! Krieg entzweiten Preußen und Sachsen versinnbildlichen. Map Goethe nun damit recht haben oder nicht: auf jeden Fall trifft er ins Schwarze, wenn er den großen Nationalgellalt dg^I.essingschen Werks hervorhebt. Indem l.essing den siebenjährigen Krieg und die ihn beherrschende Gestalt , des grüßten Preußenkönigs zum Hintergründe seines Stückes macht, schenkt er den Deutschen ihr erstes nationales Drama. Auch das ist Tendenz; denn schon in einem seiner ..Briefe, die neueste F.iteraiiir betreffend" spricht I.cssing das Verlangen aus nach einem deutschen nationalen Drama, und um dieses sein eigenes Verlangen zu befriedigen, schreibt er „Minna von Karnhelm". Wie diese Dichtung eine Forderung seiner ,,Briefe, die neueste Literatur betreffend" erfüllt, so erfüllt „Fntilin Galolti“ die Forderungen seiner „I lamlnirgisehen Dramaturgie“. Es ist so, als wollte l.essing für die damals gemachten theoretischen Auslührungen jetzt ein praktisches Excmpcl statuieren. Allein die Tendenz in „Emilia Galolti“ beschränkt sieh nicht auf die Form: sic zeigt sieh auch im Inhalt. Dieser treibt politische Aufklärung; es wird dargelegt, welche Gefahren den Tutcrluncu aus der schrankenlosen Begehrlichkeit der Fürsten erwachsen können. Man begreift somit in formaler wie auch in inhaltlicher Hinsicht Goethes Urteil, daß „Emilia Galolti" ein Stück voller Verstund sei. Sämtliche Stücke l.essings überhaupt sind voller Verstund. Das kommt eben daher, weil in ihnen allen mit Bewußtsein und Absicht ein ganz bestimmtes Ziel verfolgt wird. Es gibt keinen hedeutcndcu deutschen Poeten, hei dem der Verstund so stark sieh geltend macht wie hei l.essing. Hiermit soll keineswegs gesagt sein, daß l.essings Dramen einzig aus dein Intellekt hervorgegangen seien; denn wäre dies der Fall, so würde l.essing kein großer Dichter, ja. überhaupt kein Dichter sein; immerhin bedient er sieh seihst da, wo er auf das Herz sei es einer der Personen in seinen Werken, sei es des Zuschauers resp. I.csers wirken will, des. Verstands als Mittels. \crslandcsmäßigcr Mittel. Am meisten zeigt sieh das in „Nathan der Weise“. Nathan iilil Einfluß auf liecbus Gemüt aus einzig durch das Medium seiner und ihrer Intelligenz, ■und der Dichter übt Einfluß auf das Gemüt des Zuschauers resp. Lesers aus einzig durch seine Intelligenz und seinen Appell an die Intelligenz des Zuschauers resp. I.esers. Dies wird am klarsten durch die Bingpuruhcl, welche im Zentrum iL-s ganzen Werkes stellt. Es ist kein Zufall, daß den Höhepunkt des Dramas gerade eine Parabel bildet. Diese ist eine gewisse Form, eine bestimmte Abart des Gleichnisses. Jedes Gleichnis wendet sieh an den \ erstand, und das lut ganz besonders die Parabel mit ihrer didaktischen Einstellung. Nun macht die Itingparahcl zugleich «len allerstärkslen Eindruck auf dasjllerz, und es wird somit offenbar, daß dieser Eindruck durch nichts anderes als durch den Verstand, durch ein Mittel des Verstands, hervorgerufen wird. Hinge spielen übrigens auch eine große Holle in „Minna von Barnhelm“. Durch ihre \ ertausehung kommt in diesem Drama einmal eine Verwicklung zustande, zu deren Auflösung nicht bloß der Autor, sondern auch der Zuschauer resp. I.eser eine ganz gehörige Portion Verstand anwenden müssen. So mancher Schüler, der das Drama im deutschen Lnterrichl durclinimml, hat Schwierigkeit, das Knäuel zu entwirren, und es wird hei dieser Entwirrung in der Tat einige Denkseliärfe vorausgesetzt, liier kommt es sogar zu dem hei l.essing seltenen Fall, daß die von dem Verstand so subtil eingefädelle Sache als etwas unnatürlich, künstlich, konstruiert erscheint. (Fortsetzung folgt) BRUDER! Nur die Inserenten erhalten unser Organ UNTERSTÜTZT SIES