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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1930-04-01 · 1 (4.1930) · p. Seite 5

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
10 (1930-1931)
Issue
1 (4.1930)
Date
1930-04-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGE U. O. B. B. Seite 5 Die Lehre Spinozas, daß Gott und Well identisch seien, kann man als Philosoph bekämpfen. Gerade der Philosoph darf aber keinen moralischen Anstoß daran nehmen, daß für den Puntheislen auch das Gebot des der Schöpfung gegenübergcslelllen persönlichen Gottes das Gebot eines „anderen“ ist. Es kommt f her überhaupt nicht darauf an, inwieweit Spinoza im einzelnen geirrt hat. Entscheidend ist der Gesumlcindruck seiner Lehre und seiner Persönlichkeit; entscheidend ist die Frage, ob seine Philosophie ihrem Wesen nach unjüdisch ist. Diese Frage mag — von seinem Standpunkte aus mit liecht — derjenige verneinen, welcher die jüdische Religion als etwas endgültig Abgeschlossenes, als ein der Entwicklung nicht unterworfenes erstarrtes Gebilde ansieht. Es ist zuzugchen, daß der „Deus sive natura“ Spinozas und der transzendente (uußerwelliiche) Gott der Roligionsphilosophie des Muimnnides nicht miteinander vereinbar sind. Von vielen hervorragenden jüdischen und nicht jüdischen Denkern, die von der Entu icklungsfühigkcil und F.ntvv icklungsbcdürftigkeit der Philosophie und der Religion überzeugt sind,, ist aber gerade Spinu/.as Monismus als die letzte Konsequenz des jüdischen Monotheismus angesehen worden. Der berühmte' christliche Theologe Schleierinaehcr hall den Spinozismus sogar mit dem Christentum für vereinbar. Heine meint, daß der ticist der hebräischen Propheten noch auf ihrem späten Enkel ruhe. Die christlichen Feinde Spinozas waren nach Heines Worten großmütig genug, ihm den Numen .„Jude“ zu .lassen. Schopenhauer z. 15. erblickt in der {.cbviisbejühung der Philosophie Spinozas’ etwas spezifisch Jüdisi'hcs, den „verruchten jüdischen Optrtnisinus“. Mit Gutzkows Lriel Acosta darf Spinozu Hermann Cohen und seinen übrigen jüdischen Gegnern' Zurufen: „Ihr dürft mir fluchen! Denn ich,bin-ein Jude!“ Wenn wir uns aber fragen: Wie konnte ein Mann von der Bedeutung Hermann CbhCns so wenig Verständnis für die tiröße Spinozas haben? so. wissen wir darauf nur eine mittelbare Antwort, die uns -'Goethe in., seinen „Wahlverwandtschaften“ gibt: „Gegen große .Vorzüge eines anderen gibt cs kein KcUungsmiltcI als die I.teile!“ , Die Feier des 20jährigen Stiftungsfestes der Spinoza-Loge Am 3.. April 1930 versammelte sich in dem festlich geschmückten Logentempel eine große Anzuhl von Brüdern zu einer Festsitzung. Xcl>cn dem hoclivv. Großpräsidenten Br. B a e c k waren Brüder aus ullen Berliner Logen erschienen. Die Schvccsterlogcn waren zumeist durch ihre Präsidenten vertreten. Ferner hatten der Ausschuß für die gemeinsamen -Angelegenheiten der Berliner Logen und der Logenverband Delegierte entsandt. Der Präsident der Spinoza-Loge, Br. Martin J a f f e, führte in seiner Begrüßungsansprache aus daß die Feier einen dem Ernste der /eit entsprechenden Charakter tragen solle. Er dankte dem hochw. Großpräsidenten für sein Erscheinen und begrüßte auch die Vertreter der übrigen Logenorgunisationen und die der ächweslerlogen auf dus herzlichste. Br. J a f f e gab bekannt, daß von den Logen des Deutschen Distriktes Glückwunschschreiben cingegangcn seien. Ein Rückblick uuf die vergangenen 20 Jahre zeige, daß von den; 72 Brüdern, die 1910 die Loge begründeten, ihr heute noch 29 Brüder angeboren. 59 Brüder sind durch Tod ausgeschieden, ihr Andenken wurde in üblicher Weise geehrt. Dul>ci wies Br. .1 a f f e uuf die Ehrenpflicht der Loge hin, der W itwen und W aisen der Heimgegangenen allezeit in brüderlicher Liebe zu gedenken. Eine vom vv. Präsidenten eingeleitete Sammlung anläßlich des Stiftungsfestes hat einen Betrag von 2000 RM. ergeben, der zur Stärkung des Alfred-Goldschmidt-Fonds zugunsten notleidender Brüder Verwendung finden soll. Schließlich gedachte er in herzlichen Worten der durch Krankheit und hohes Alter um Erscheinen verhinderten Brüder und erneuerte das Gelöbnis, in treuer und einträchtiger Zusammenarbeit mit den Schw esterlogen die Verwirklichung unserer hohen Ideale zu erstreben. j Die Festrede hielt Br. . Expr. Ludwig Holländer, der erste Präsident der Loge vor 20 Juhren. Er hob hervor, daß man nur mit einem Gefühl innerer Verantwortung daran gehen könne, rückblickend zu hctruchten, was man bei der Gründung erstrebt, und wus man erreicht habe. Er erinnerte daran, daß die Gründung einer vierten Berliner Loge' int Jahre 1910 nicht allzu freudig begrüßt wurde, obwohl duntuls seit mehr als 25 Juhren in Berlin eine Logenneugründung nicht stuttgefunden halte. Die Grütider der Loge hatten es sich zum Ziel gesetzt, neue Wege zu Iteschreilen. Nicht als ob sie damit eine Kritik der Leistungen der liereits bestehenden Logen beabsichtigten, aber die Männer, die sich damals zusammenfanden, waren in ihrer überwiegenden Mehrzahl jung an Lebensjahren, und daher stellten sie neue Ideale in den Vordergrund. Br. Holländer erinnerte daran, daß er bei der Lcl>crnnhmc des Präsidiums uuf die Notwendigkeit hingewiesen habe, die Differenz zwischen Wort und lat zu verringern. Bezeichnend sei es gewesen, daß der.Name „Spinoza", den die Loge zu ihrem Patron gewählt hatte, weit über ’ den - Kreis x.der Berliner Lopen hinaus Anstoß erregte. Ljid «loch bestände kein Widerspruch zwischen Spinoza und dc/i Ordensidealen. Man wollte in der Spinoza-Loge die Brüder an Selbsterziehung gewöhnen, obwohl dieser'Begriff diinujls noch nicht „modern“ war. Besonderer Wert /wurde darauf gelt/gl, zunächst wenig hervorzutreten, dafür über um so mehr ^las brüderliche Gefühl zu wecken und zu festigen. Bei. Beginn des'zweiten Termins hat der Redner die Brüder dann, aufgefordert, freimütig zu ullen Logcnfrugen Stellung zu nehmen. Insbesondere sollte damals darüber gesprochen werden, was die Loge leisten könne und was sie wirklich tue. Eine Durchsicht aller Protokolle zeige, daß die Diskussionen hierüber 'sich hochinteressant gestaltet hätten, und mit Recht führte Br.' Holländer aus, daß die gleichen Fragen auch beute noch im Brennpunkte .des, Inter-, esses ständen. . (ttortsrt/iine Seite Neuaufnahmen: Timendorfer Jut>iläums-Loge/ “ ' f Dr. Kurl 1 s a a c - K r i e g e r, W 02, Burggrufcnslr. 4. Dr. Arthur I. u k a s, \ irehow.krunkcnhuu's, N tiä. Augustenhurger Platz. Erich R a p p a p o r I, W 35. Derlflingcrslr. 2. Dr. Georg S u 1 o m o n s k i. Schöneberg, Kufsleincr Sir. li. Richard Schlesinger, 02, Kuiser-W ilhelm-Str. II. Dem Orden gehören nicht mehr an: Deutsche Reichs-Loge'.' Hermann Lederer, W 3(1, Maaßenstr. 14., Kurt S a I o in o n. Cliurlottenhurg, lluhlmannstr. 1. Berthold Auerbach-Loge. Emil Marne lok, Cliurlottenhurg, Kaiserdamm 14. Theodor Manes, Dahlem, Purkstr. 2H. Adolf Sulinger, Wilmersdorf, Holsteinische.Str. 20. Siegfried M o t u I s k j , Churloltenburg', 'Bayerhullce 7. Spinoza-Loge. ' , ’ Dr. Ludwig Simon, W 10, Dörnhergstr. 1.

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