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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1929-03-01 · 12 (3.1929) · p. Seite 313

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
8 (1928-1929)
Issue
12 (3.1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 313 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 12 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Seite 313 Das Ostjudentum in Deutschland Von Br. Heinrich \Voznian»ki (B. A-. L.) Die Umwälzungen des Krieges hüben nuf die Orgunisationsformen der Judcnhcit eine einprägsume Wirkung ausgcQbt. In ihrer Folge steht auch die Begründung von ostjüdischen Organisationen Ende 1918, nachdem ein Zustrom von ostjüdischen ArbcitercUmenten vor sich gegangen war. Dieser Wanderzug war kein freiwilliger Willensausdruck, sondern wie mehr oder weniger alle jüdischen Wnnderbewegungen durch Druck erzeugt. , Als sieh die Reihen der deutschen Gruben- und Bergarbeiter infolge der Aushebungen gelichtet hatten, wurden zu ihrer Auffüllung ostjüdischc Eieinentc herungeführt, zögernd | und unfreiwillig mußten sie dem Zwange der deutschen Okkupationsmacht im Osten nachgehen. So kam es, daß gerade im rheinisch-westfälischen Bezirk eine Anzahl von ostjüdischen Gruppen leiten. Die Organisationen sind zu einem Verbände zusammengefaßt, dem etwa 84 selbständige Institutionen und Vereinigungen in 80 Plätzen des [Reichs ungegliedert sind: Ortsgruppen, L'ntcrstützungs-, Fürsorge-, Bikkur- C’haulim-Vereine, l.cihkusscn, Schulvereine, 'lialmud Thora-Anstalten, Jugcndvereine aller Art und Richtungen. Ihre Tendenz ist Selbsthilfe in sozialer, rechtlicher und kultureller Beziehung, ihr Streben auf die wirtschaftliche und geistige Verwurzelung der Zugew'änderten in der [neuen Umgebung gerichtet unter Pflege und Stärkung eines -(elbstbew ußten ■ludentunvs. Der Verbund hielt am lß. und 14. Januar in den Räumen der jüdischen Gemeindev erwaltung in Berlin seine v ierte Reichskonferenz ab. Sie war durjeh 28 auswärtige Delegierte l>cschickl und von zahlreichen! Gästen besucht. Fast alle namhaften jüdischen-Organisationen in Deutschland begrüßten die Konferenz, für die hvv. Großloge sprach Br. Finkei warnte Begrüßungsworte. Aus den' Ansprachen klang die Wertschätzung des Wullens und IVirkvns der ()stjuden in Deutschhut die ostjüdischen Brüder als Nachkommen jener int Milt daher aus Deutschland Vertriebenen beglaubigt, die deutsche Kultur nach dem Osten getragen, und von den in früheren Zeitepochen Zurückggwanderten heute als „Heimkehrer'* aufgenommen werden müßten ' diese Prägung stammt vom Vertreter des „Ort“, Br. Graetz, und dem Br. Prof. Loewe verknüpfte sich die gemeinsame V ergangenheit und gleiche Zukunft zu dem einigenden „Achejnu bne IsroeP'-Gedanken. Die Berichte, Referate und Debatten vv iderspiegelten ein hohes Maß von Hingabe, Verantwortungsgefühl und I.eistungswillen. Von dem Umfang der Tätigkeit gewinnt man ein Bild, wenn man erfährt, daß im Jahre 1928' die Zuhl der Petenten im Berliner Büro 8000 betrug, wovon der größte Teil günstig beschiedcn werden konnte. Auf dem Gebiete der Kultur- und Jugendarbeit waren die Bestrebungen erfolgreich, der Verband l>etreut allein einige Dutzend Talmud Thora-Anstalten, die von Tausenden von Kindern besieht werden. Die wirtschaftliche I.agc der Ostjuden ist zwangsläufig bedingt von den ökonomischen Gesamtverhältnissen im l.undc. Einer gewissen Lösung ist dtis (Jstjudenproblcm, das in den ersten Nachkriegsjahren eine grölte Rolle in Deutschland gespielt hat, in politischer Beziehung entgegengereift. Wenn "in dein Ringen um die Gleichberechtigung in den jüdischen Gemeindestuben auch Fortschritte zu verzeichnen sind,- so beweisen doch die Tagesvorgänge, wie inj Sachsen und Hessen, daß das Schiholcth zwischen Ost- und W estjudentum noch nicht beseitigt ist. Ks ist zu verzeichnen, daß in den Verhandlungen alle Delegierten sich einer gepflegten deutschen Sprache bedienten, nur ein Redner sprach jiddisch, natürlich kam auch hebräisch zum Vortrag; der Verband ist in der Sprachenfrage neutral, hebräisch und jiddisch werden gleichermaßen behandelt und gepflegt. In den Verhandlungen fanden ilfurh die bekannten Bemerkungen von Jacob W assermann gegen die Ostjuden einen Nachhall durch eine in maßvollen Worten verhultdmwürdige Verwahrung. ' Spanioliscbe Synagogal- Melodien Die spanioliscbe Kpoclie vom Beginli des elften bis zum Beginn des dreizehnten Jahrhunderts hat für uns- Juden klassiche Bedeutung. Die jüdische Kultur, von Osten her nach der pyrenüischen Halbinsel-verpflanzt, nimmt so,unerwarteten Aufschwung,- daß man die /eil als eine der schöpferischsten unserer Geschichte ansprechen darf. Während die hebräische Sprachwissenschaft ihre Vollendung erlährt, erreichen Poesie und Philosophie Höhepunkte. F.s ist daher von lies« öderem Reiz, die musikalische Sprache des so fruchtbarer Zeitraumes kennen zu lernen. Denn Charakter und Form des spaniolisehen Synagogalgesangcs weichen erheblich von dem u iseren ab. Wir dürfen annelimen, daß in dem traditionellen ( esunge sich uralte Elemente erhalten hahcif. Hinzu kommen markante Eigentümlichkeiten der Melodien, die in der Beschaffenheit der Tonschritte, Intervalle, Tonwendungen und Motive zu suchen sind, während'die Rhythmisierung das geistige (ieprüge gibt. Die Umgruppierung des gleichen 'Themas in melodischer und rhythmischer Variante gibt den Gesängen die originelle Färbung. Obendrein haben diese Weisen den Vorzug der Unberührtheit, während die unseren durch zahllose Bearbeitungen viel an ihrer ehemaligen Koloratur und Fremdartigkeit eingebüßt habgn. Es dürfte daher eine Angelegenheit von allgemeinem kulturellen Wert sein, diesen seltenen Melodienschatz zu heben. Die jüdische Orchestervereinigung, die von Brüdern der Berliner Logen und deren Söhnen ins Leben gerufen ist, veranstaltet am 21. Vlärz, abends-8 Uhr, in der Hochschule für Musik, .Hardenbergstraße, unter' Leitung ihres Dirigenten Leo Kopf ein Konzert unter, freundlicher Mitwirkung von Iso Golland (Stautsoper), Albert ^incas (fconzertsünger), Arthur Zapkc (Orgel), Grete Eweler*(Violine). . Dus Programm wird folgendes umfussen: Mozart: Don Juan-Ouvertüre; E. VV. Sternberg:^Kol Nidrev für Gesang und Orchester (Uraufführung); Leo Köpf: Spuniolisehe Svnagogen- Musik (Uraufführung); Mendelsobn:. IV. Symphonie. Getreu der Devise unseres Ordens, „Kunst und Wissen-, schuft zu unterstützen“, erhoffen wir von unseren Brüdern Sympathie und Unterstützung für unser Bestreben, um uns die Möglichkeit zu geben, Werke junger jüdischer Komponisten öffentlich uufzuführen und außerdem weiterhin jeder vyohl; tätigen und charitativen Veranstaltung unentgeltlich zur Verfügung stehen zu können. i Karten von 1,50 bis 5, RM. .bei Bote B Bock, Wertheim und Tietz sowie an der Abendkasse. Dr. Kurt Lipowski, Knntstr. 188,-MontcfiorerLoge, David Lunge, 'Timend.-Jub.-Loge. ,

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