Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 8 (1928-1929)
- Issue
- 9 (12.1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- Seite 258 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 258 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LQGEN U O.B B. Nr. 9 Der steife Hut „Bobby“ kleidet auch Sie! Philipp Hcuticuer Königstraße 37 Unter den Linden 6Cf Mauerstrafte 68 Verkauf für Mayser, Ulm a. D. * Druckschrift Nr. 309 kostenlos A-G-V0RM-SEIDEL6NAUIiANN DRESDEN C«{Juergen£ ^Sapietfyau^ JUaeanberpIat* jetst: Neu« König«Strafte 43 I CAFE um TIERBARTEfl DCDl IN NÄCHST DtKUIl POTSOAMER PUTZ . DIE KONTINENTALE SEHENSWOBDIGKElT n, AlTBEBLINEß POBZELLANKABINETT. ALABASTEBTANZSAAl. BAß Splejelsaal mit Wasserkunst, Seiaensaal Konzert, Tan? 4Kapeiien Franz Schubert Vortrag. gehalten in der Toynhee*IIalle der Berliner Logen U. Ö. B. B. t \on l)r. W ilhelm Karo, Berlin. Verehrte Anwesende! W enn ich Ihnen gewissermaßen filmteehnisch einen ersten bleibenden Lindruck von Kran/ Schubert übermitteln soll, so malen wir uns mit Worten von Schuberts Biograph I)ahms ein W iener Bürgerhaus in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, etwa das Heim.’von Schuberts Gönner, des Hofbeamten Ignaz Sonnleithner. Im traulichen Schein der Kerzen haben sich die Freunde des Hauses im Musikzimmer zur Abendstunde versammelt. Am Flügel sitzt ein stiller, schüchterner, bebrillter und beleibter junger Herr, der von Zeit zu Zeit einen seiner tiefdringenden, melancholischen Blicke auf den einen oder anderen der begeisterten Hörer sendet, während seine Hände aus den Tqsten, wie aus einem unerschöpflichen Quell, Schönheit auf Schönheit gestalten. Kr ist der Abgott de» kleinen Kreises. , Hat man ein Dutzend seiner Lieder gehört, bricht man auf, um iin trühert Liebt der Laternen durch die einsamen Gassen heimwärts zu wandeln, das Herz erfüllt von dem Zauber der eben gehörten Musik, in der man Frost für die schweren Stunden des Lel>cns findet, still vergnügt summt man die neiden Weisen nach, um noch im Traum ihren Nachhall zu genießen. Man fühlt sich glücklich und weiß nicht, warum. So liebte mun Franz Schubert, den kleinen. Freundlichen, hilflosen, in sich gekehrten Künstler-Freilich war es nur ein sehr kleiner Kreis, der Schul>ert hei Lebzeiten kannte: Sein Jugendfreund Joseph von Spuun. Franz von Schober, die Dichter Grillparzer, Bauernfeld, Mayrhofer, von Feuchterslehen, die Maler Moritz von Schwind, Kupelwieser. die Musiker Franz I.achner und Hüttenbrenner sowie der Hofopernsänger Michael Vogl. Die überwiegende Mehrzahl seiner Zeitgenossen hatte von Schuberts Kxistenz kaum eine Minung. Man achtete nur auf Beethoven, in dessen breitem Schatten der schlichte, besehe! dene Schultert fast völlig verschwand; im jugendlichen Aller von 31 Jahren starber, so arm, daß nicht einmal die Begräbniskosten aus seinem Nachlaß gedeckt werden konnten. Erst als Jahrzehnte'später rRol>ert Schumann und Franz Liszt die'Welt auf Schuberts Werke mit, enthusiastischen Worten und durch Auflührungen hinwiesen, begann matt allmählich eine Vorstellung von der Größe seines Genies zu bekommen und erkannte, daß er der W eit einen Schatz hinterlassen, dessen Reichtum man kaum fassen, niemals aber erschöpfen wird. -r Tranz Schubert'wurde am 31. Januar 1797 als Sohn eines kinderreichen Volksschullehrers, dessen Frau eine ehemalige Köchin war, in der Wiener Vorstadt Lichtenthal geboren. Mangel und Sorge, die Franz Schubert fast stets im Leben (umgaben, waren schon die Gefährten seiner allerersten Jugend. Das einzige Vergnügen, das sich die Familie gönnen durfte, war die Pflege guter Hausmusik. Der Vater und ein älterer Bruder erteilten auch dem jungen Franz, der schon im dritten Lebensjahr musikalische Begabung erkennen ließ, den qrsten Geigenunterricht. Im’ achten Lebensjahr war der junge Franz Schüler des befreundeten Organisten Michael Holzer, der oftmals versicherte, .einen solchen Schüler noch nie gehabt zu haben. „Er hat die Harmonie im kleinen Finger“, sagte er, „uiyl^kenn ich ihm was Neues beibringen wollte, hat er es schon gewußt. Folglich habe ich ihm keinen Unterricht gegeben, sondern mich mit ihm bloß un.erha’ten und ihn stillschweigend angestaunt.“ Mit 11 Jahren wurde Franz wegen seiner schönen Stimme als Singknabe in das kaiserliche Konvikt aufgenommen. Hier lernte er die svmphonischen Meisterwerke Haydns und Mozarts kennen, wo er nicht nur als Sänger, sondern im Orchester auch als (ieiger oder Dirigent tätig sein durfte; gleichzeitig wurde Schu- 5155^6