Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 8 (1928-1929)
- Issue
- 9 (12.1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- Seite 252 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 252 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. 9 vWOLM/' V Weiß-Ofen-Lack- ^Möbel-Industrie Berlin O 17 Paul-Singer-Str. 51 Fabrikgebäude Fernsprecher: E 3, Königstadt 4138 Charlottenburg Leibnizstr. 56 Am Kurfürstendamm Fernsprecher: ' J 1, Bismarck 5409 / DAS HAUS DER SCHLAFZIMMER / Spezialität: SCHLEIFLACK-KLEINMÖBEL xtuzj: «Stl&erTO.cixenfabrili Adolf £Kandjz& 'Sjjzclun.SO 36-OxxLrxjzjrtsir. 183- Zu beziehen durch die Fachgeschäfte $ 4» f1 $ OUft/r, Einkauf coo Si-/Jir-^czx2^er2 Qjjf obixjA &gh*‘-jbmrtrh& f60~t cf 5 Autorisierte Vertreter: Hans Rehbock &.0 Mofzstr.76 o. Kuffüntendamm 22 Flügel von 1975.— RM an Pianos von 950.— RM an Etrtl. bequeniitc Teilzahlung Eintauidi gebrauchter IntSritnente Unerreichte Auswahl Stets Gelegenheiten _ gefunden wurde, man bis jetzt noch immer nicht weiß, wie und wo in der Wildnis die Elefanten sterben. Aber man konnte ja nie wissen, der Forscher liebt den Zufall, schätzt ihn als wertvollen Verbündeten, mißt ihm höhere Bedeutung zu als den besten Theorien, die..in den ‘wissenschaftlichen Instituten der ziv ilisierten Länder, irt Gelehrtenstuben oder am Laboratoriumstisch mehr oder weniger sinnvoll konstruiert werden. Zwei Tage und zwei Nächte lag llerrick bereits in dem Zelt des Häuptlings Kigo. Zwei Tage, und zwei Nächte schüttelte ihn, der sich durch eine Unzahl von Impfungen bereits gegen die Plagen der Tropen gefeit glaubte, eines jener Fieber, die noch Stoff für so manche medizinische Dissertation abzugeben \crmögcn. Aber die Bergluft versprach Heilung, und Herrick hoffte — wann hätte er dies auch nicht getan? W ährend er sich nun in Fieberphantasien auf seinem notdürftig hergerichteten Lager gewälzt hatte, war sein Blick häufig an einem Stein haften geblicl>en. der sich in der Mitte des Zeltes befand, und auf dem die-seltsamen, grotesk-infantilen Formeneines Drachen zu sehen waren, eines jener Sagentiere, die, wie die Geschichte von der Großen Flut bei fast allen Völkern der Erde wiederkchren. In seinen Träumen wurde die Zeichnung Fleisch und Bein, ein Vorweltriese erstand vor seinen Augen, und auch'jetzt, als er, zwar matt noch, jedoch bereits Willig Herr seiner Sinne, wieder auf die Zeichnung starrte, gingen ihm seltsame Dinge durchs Gehirn. Herrick entsann sich des Vortrages eines seiner älteren Kollegenin London, der von einer 'tibetanischen Reise zurückgekehrt war, und die in Fels gehauene Zeichnung eines Nashorns vorwies, eines Tieres, das heute in jenem Gebiet nicht mehr anzutreffen ist, wohl aber in früheren Epochen der Erdgeschichte dort gelebt haben mag. Der betreffende Gelehrte hatte es dahingestellt sein lassen, ob die Zeichnung der Fantasie eines genialen Künstlers entsprungen, oder wahrhaftig vor Jahrhunderten ein Geschöpf gewesen, das sich in eine späte geologische Epoche herübergerettet und dem Zeichner „Modell gestanden“. Und warum auch nicht? Ist es wirklich so ausgeschlossen, daß der Drache der Siegfriedsage ein Saurier gewesen, der durch ein Spiel der Natur über das Terziär ins Quartär sich fortzupflanzen vermochte? Woher haben die Chinesen ihren Nationaldrachen, woher die Azteken ihi%* schuppenbedeckten Fabelwesen? Zufall, alles nur Zufall, Ausgeburt mehr oder weniger künstlerischer Einbildungskraft? Die Zeltwand wurde zurückgeschlagen, die hohe Gestalt Kigos wurde sichtbar, der ein so .hohes Maß von Wissen besaß, daß er Herrick, sogar nach dem Befinden der seeligen Königin'Viktoria gefragt hatte, von der ihm sein Großvater oder Urgroßvater so „tolle Dinge“ zu berichten gewußt.;,Woher hast Du diese seltsame Zeichnung?“ — „Ja, Herr,“ die Gesichtszüge Kigos verrieten ein Gemisch von Staunen und Verblüffung über-diese plötzliche Frage, sowie von einem nicht zu verkennenden Respekt, ja Angstgefühl vor dem Objekt, von dem die Rede war, „das kann ich Dir nicht sagen. Das steht schon lange hier, oh, so lange!“ — „Dü weißt also nicht, wer das gemacht?“ — ..Nein, Herr, das weiß ich nicht.“ Mehr war im Augenblick aus Kigo nicht herauszuholen, und Herrick verstand sich genügend auf die Psyche dieser Menschen, um nicht weiter zu dringen. Die glühende Hitze des Mittags hatte ihre größte Kraft eingebüßt. Herrick fühlte sich stark genug, um aufzustehen, nach seinen schwarzen Begleitern, seinen Instrumenten und Ausrüstungsgegenständen zu sehen. Aber erst wollte er ein wenig Umschau halten in der Gegend, die er, . als er mit Aufgebot seiner letzten Kräfte sich hierher geschleppt, nicht hatte richtig erkennen können. Erst zögernd, dann aber immer frischer ausschreitend, ging er so, von den neugierigen Blicken der Dorfbewohner verfolgt, auf dem ausgetretenen ßergpfad-ein wenig hinauf, bis. zu einer Quelle, wo einige Weiber mit gefüllten Krügen in der Hand, die Kinder auf den Rücken gebunden, lachend und schwatzend herumstanden. Bei seinem Anblick stoben sie l