Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 7 (1927-1928)
- Issue
- 6 (9.1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- Seite 105 (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 6 Seite 105 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Baumwoll-Josephiade in Aegypten Möglich, daß das josephinische Rezept nur für Getreide Gültigkeit hatte. Aber wie dem auch sei: Das Landwirtschaftsministerium hätte jedenfalls den Versuch ^gemacht, in den sieben „fetten” Jahren von 1920 bis 1926 Vorräte an Baumwolle aufzuspeichern. Allerdings nicht, um in irgendwelchen problematischen mageren Zeiten wieder nach und nach" alles abzustoßen, sondern einfach aus dem Grunde, um vom Preisstand noch zu retten, was zu retten wan Hatte man doch noch kurz nach dem , Weltkriege für einen Kantar 900 Gofdmark erhalten, und im Vorjahr war der Preis bereits bis auf 100 Mk. <zuciickgcgangen. Da-,schritt die Regierung ein, machte ein Gesetz, daß nur ein . Drittel des vorhandenen Areals bebaut werden dürfte und kaufte, kaufte. Cairo, Mitte August. Siedehitze brütet über der Stadt, wo nur nach Sonnenuntergang das Leben beginnt, über dem furchtbaren, mit Schweiß und mit Blut getränkten Tale des ewigen Stromes und über der Wüste, di^, drohendes Ungeheuer, seit Jahrtausenden geduldig harrt, um einmal, wenn Schlamm und Wasser versiegen, Land und Volk in seinem grauenhaften Rachen zu begraben. Auch um die gigantischen Totenwächtcr der Pharaonen ist es still geworden. Bis zum Beginn der „scason" ist noch ein weiter Weg. Kaum wagt sich ein Fremder ins Gizeh-Tal, und die Yergnügungsdampfer, die über Assuan ' amerikanischen Komfort in sudanesische Tropen tragen, sind fast leer. Dabei drückt wirtschaftliche Sorge auf dieses Land, löst eine politische Krise die andere ab, halten nationalistische Studenten geheime Versammlungen ab, stecken in den arabischen Kaffeehäusern Händler aller Rassen und Nationen die Köpfe zusammen, kommen und gehen Kuriere aller Herren Länder, blickt der fellachischc Bauer kummervoll auf sein Land und weiß nicht, ob und’ vor allem wie er das, was Dürre und'Wurm ihm iibriggelasscn, wird verkaufen können. Und vor diesem Leid des Farmers verblassen alle politischen Verwicklungen, die eigentlich nur in den wenigen großen Städten ein Echo finden, das Land selbst aber unberührt lassen. Das, was heute Aegypten den Stempel aufdrückt, ist die Baumw o 11 k r i s c. Ein phantasicrcichcr Italiener, der unlängst in einer jener grausig-schönen Vollmondnächte, die die Wüste in ein silbernes Märchen verwandeln, nach Gizeh hinausgefahren war, will die Sphinx lächeln gesehen haben. Vielleicht hat er recht, vielleicht hat sic wirklich gelächelt, die Sphinx, da sic Zeuge ist, wie eine ägyptische Regierung im Jahre 1927 in den Fußtapfen des großen Hebräers der Vorzeit wandelt. Aber auch die Kaufkraft einer ägyptischen Regierung hat ihre Grenzen. Und so’ versuchte denri Herr B arä kat Pascha, der Minister für Landwirtschaft, die, angcsammcltcn Vorräte zu veräußern. Lange Verhandlungen folgten. Der Moskauer ganz inoffizielle Geschäftsträger, der aber offiziell alle Vollmachten von seiner Regierung hatte, war eine' Zcitlcng täglicher Gast des Ministeriums. Und schließlich' — lehnte Rußland das-. Geschäft ab. Vorläufig wenigstens. Sofort verbreitete sich, natürlich das Gerücht, die Regierung wolle ihhe ganzen Lager auf den Marlj^werfen. Folge: Neuerlicher, gewaltiger Preissturz. Baumwollhausst in der Welt f und Baiss'c, Baisse in Aegypten .- . Da. erschien vor einigen Tagen eine Bauerndelegation bei Barakat Pascha und bat und * flehte, die .Regicrurig möchte ihren''Beschluß (Joch rückgängig machen. Und dfe Presse tobte. So entschloß sich der Minister nach einer Rücksprache mit Sarwat Pascha, .dem Premier, in einem amtlichen Kommunique ällei Verkaufsabsichten zu dementieren. (Fortsetzung auf Seite 107). Augeng IKser Kr («dra Gehmchnwdi FemglKter PWU-Ti—m nl Bedarl _ _ _J_O 5 E p ■ _ RODENSTOCK NACHF. OPTIKER WOLFF G M B H. HntOMCMSnMSU M40 UIMK»SniAaUt0H02 joaouMSTHAUn sta.«« BERLIN MummtusTiMSCM CmiNCWMDSraMM M a NtAMOUSraAUt» Beslt Einrichtung für Bestimmung der richtigin Augenflästr 3 Wir suchen für den hiesigen Plafs Herren, die durdi persönliche Werbearbeit oder auf Grund vorhandener Beziehungen Anzeigen-Absdilüsse für unsere amtlichen Organe tätigen können. Angebote erbitten wir uns direkt. Brüder-Verlagsgesellschaft m. b. H. 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