Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 7 (1927-1928)
- Issue
- 2 (5.1927)
- Date
- 1927-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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derBERLINERALO« E N U.O.BB. BERLIN W 62, KLEISTSTR. 10. LOGENHAUS 7. 3AMRQANQ MAI 1927 NUMMER 2 Die Installation der Abraham Geiger-Loge U. O. B. B. Am Sonnabend, den 2. April, fand die feierliche Installation der jüngsten Berliner Loge unseres Ordens statt. Im festlich geschmückten Tempel installierte der hochw. Br. Großpräsident Dr. B a c c k in Gegenwart vieler auswärtiger Delegierter und in Abwesenheit zahlreicher Brüder, der Berliner Schwesterlogen die neue Loge als C XII des Deutschen Distriktes. Der inhaltsvollen Ansprache des hochw. Br. Großpräsidenten folgten die Glückwünsche der auswärtigen Vertreter und die Ansprache des Beauftragten der Berliner Logen, Br. Expräs. Dr. Löwenstamm. Der Präsident der Abraham Geiger-Loge, Br, Dr. Martin Salomonski, sprach hierauf mit tiefgefühlten Worten den Dank der jungen Loge aus. Wir geben seine Ausführungen nachstehend wieder: „Der Dank, der mir in dieser Stunde hier auszusprechen verstauet ist,, darf kein leeres Wort sein, er trägt eine Verpflichtung in sich. Er gilt zunächst unserem GroBpräsidenten und gehört dem Bruderkreise, welcher aus unserer Stadt und der Ferne erschienen, diese Veranstaltung ehrt. Er gilt nicht zuletzt dem bewährten Bruder Georg Silberstein, dessen abgeklärter Rat die Vorarbeiten zur Gründung unserer Abraham Geiger-Loge wesentlich gefördert hat. Die Berechtigung, im Aufträge der neu vereinten Brüder zu sprechen, gewinne ich kraft des uns bei der jetzt vollzogenen Installation überreichten Freibriefes. Schon diese Bezeichnung der Urkunde ist bedeutungsvoll, denn sie weist uns darauf hin, wie schnell in unserer stürmisch eilenden Zeit auch Worte in ihrem Sinn wechseln und veralten. Heute stellt sich in der Bezeichnung Freibrief sehr leicht der Nebenbegriff des Unerlaubten ein, eines Vorrechtes, einer Anmaßung, die beansprucht wird, aber sich nicht schickt. Weit mehr will uns, ähnlich dem Passierwort, das den Zutritt zu diesen Räumen eröffnet, statt eines Freibriefes ein Einlaßschein, 'der ein bedingtes Recht gewährt, hier als das Richtige erscheine^. Wenn ein Mensch in die Ferne strebt und ein neues, fremdes Land kennenlernen will, dann eröffnet ihm der Paß Eintritt und Aufenthaltsrecht, aber neben diesem Rechtsausweis soll er auch Grundsätze mit sich führen, die ihm die unbekannte Welt erleichtern, und diese lauten: Lernen und bescheiden sein! Kommen wir in ein anderes Land, dann fragen wir in der Hauptsache nach drei Dingen. Wir wollen wissen: Wie ist hier die Arbeit, welches ist das Wesen und die rassische Eigenart seiner Bewohner und* schließlich, — denn wir leben in einer modernen Zeit — wie ist die Politik des Landes? Das neue Logenland, das wir, die jungen Brüder der Abraham Geiger-Loge, betreten haben, gibt uns darauf folgende Antwort: Die Arbeit des Landes ist sonderbar, fremd und wohltuend zugleich. Sie heißt nicht Gewinnen und Erwerben, sondern Wohltätigkeit; die Eigenart und das Wesen seiner Menschen bedeutet nicht Kampf, aller gegen alle, Neid und-Mjßgunst,-sondern Bruderliebe, und die starke Politik heißt nicht. Zwietracht, sondern Eintracht. Das sind;ho)ie Ideale, die wir zunächst nicht erreichen werden, und darum wollen wir sie in unserer 'Weise bescheidener formulieren. Wir werden iri dieser bedrängten Zeit zufrieden sein können, wenn wir filz die Arbeit der Wohltätigkeit einsetzen: -Stärkung!; Ein Streben, das die anderen und uns (vor Schwäche und Hilflosigkeit bewährt und durch Verbundeijsein uns hebt. Auch für die Bruderliebe suchen wir einen erleichternden Begriff. Wir wollen den Willen zum Verständnis für einander haben. Und für die Eintracht ist schon viel e/reicht, wenn wir uns gewöhnen werden an Verträglichkeit, Ein Mann mit solchem praktischen Sinn - ist der. Namenspälron unserer jungen Loge gewesen,' der Genius, dessen Andenken wir . in. hohen Ehren zu halten geloben. Auch'Abraham Geiger ist hinausgezogen in ein anderes Land, in die Nacbbar- und Umwelt des Judentums, Dorf hat er Wesen und Sitte der atideren Menschen erforscht und sjch bemüht, die neueSForm der jungen Zeit zu Nutz und Frommen des Judentums zu gestalten. Daß er-hierbei nicht sklavisch verfuhr, ist sein besonderes Verdienst, und überaus haben wir ihm zu danken, daß er durch seine Auffassung und Formung des Judentums zu seiner Zeit in Deutschland allein Zehntausende vor dem Abfall bewahrt hat und damit in unserer Generation Hunderttausende. So ist in der Wahl des Namens Geiger eine'hohe Bedeutung begriffen, und auch sein Vorname Abraham ist für uns nichts Leeres, kein Umsonst. Denn dieser weist, uns hin auf den ersten Stammvater unseres Volkes" und auf die Ideale, welche seit seinem Beginnen den jüdischen Menschen dauernd geformt haben. Sie' heißen Gläubigkeit, Friedlichkeit; Vornehmheit. . So möge denn gleich am Anfang der Arbeit unserer Abraham Geiger-Loge der Wille zu allen diesen hohen Zielen steten, und die von unserem Propheten oft und liebevoll geprägte Wendung Erfüllung finden im Bewußtsein unserer Brüder. Ein jeder sei: sera awrohom auhawi: ein Sproß, ein Nachkomme unseres Freundes Abraham!" . « Nach dem ritualmäßigen Schluß, der Loge. durch den Br. Vizepräsidenten versammelten sich die Brüder 'mit den Gästen und den Mitgliedern der neubegfündeten Schwesternvereinigung zu einem Festmahl. . . Brüder! Die Inserenten* unseres Organs fördern indirekt die Bestrebungen der Logen