Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 6 (1926-1927)
- Issue
- 9 (12.1926)
- Date
- 1926-12-01
- Page
- Seite 174 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 174 jt Nr. 9 MONATSSCHRIFT DER B ER LI NEU 'LOGEN U.Q.B.B. 11 i Hausvoigteiplatz, das Zentrum der „Mode" .! zu begreifen, worauf es ankommt. Noch steht die unheilvolle Eigenliebe und Omamentensucht des anderwärts überwundenen ..Kunstgewerbes'- vielfach hindernd im Weg. Die deutsche .Modenkunst dagegen hat durch die Berliner Führer seit geraumer Zeit den Anschluß an die junge, frische ..Werkkunst" und-ihre freiere künstlerische Auffassung gesucht und gefunden. Wir dürfen den ungewöhnlichen Mann nicht vergessen. der auf Grund seiner tiefen Bildung und seines reinen Willens die Brücke zu seinen Freunden, den Führern des deutschen Werkbundes, geschlagen hat: Hermann Freudenberg, der uns leider viel zu früh entrissen wurde. Wäre es nach ihm gegangen, so hätten Beispiele bester deutscher Modenarbeit im Jahre 1914 auf der Werkbundausstellung in Köln, die alle der Kunst zugängliSJien Werkgebiete-, pflegte? nicht gefehlt. Erst die Mahnungen des1 Krieges fanden bei den Fachgenossen besseres Gehör. Es bleibt ein Verdienst der deutschen Damenhut-Industrie, daß schon im Winter 1914 15 ein patriotischer Kreis von Männern das heimische Schaffen reifer und unabhängiger zu machen suchte. Der Verband, den sie begründeten, hat bald auch die Kleiderkunst in sich aufgenommen und ist als „Verband der deutschen Modenindustrie" ein Hort für die Hebung aller modischen Arbeit geworden. Es galt, der von den Deutschen oft mißachteten Beschäftigung mit der Mode und ihrem Schaffen Geltung zu sichern, Vorurteile zu zerstreuen, die wirtschaftlichen und kulturellen Werte für Staat und Gesellschaft-ans Licht zu -teilen. Wer gelten will, muß Leistungen vorweisen: das war die Losung unseres hochgemuten Wegzeigers. Man wagte es. solche Leistungen noch während des Krieges, auf der Ausstellung des Deutschen Werkbundes in Bern, dem kritischen Ausland vorzuführen. Der Verband hat in Berlin in verschiedener Form durch mehrere gewählte Ausstellungen, in der ehrwürdigen Akademie der Künste und im Kunstgewerbemuseum, solche Maßstäbe aus Eigenem zur Schau gestellt. Gemeinsame Vorführungen der modeschaffenden Häuser des Verbandesbrachten erfreuliche Anerkennung. Erst damals hat gelegentlich der Fachmesse der «Bekleidungsindustrie der Verband einen rühmlichen Beleg ->ferfreudigen Geschmacks gegeben, indem er zu einer Festvorstellung von Verdis Oper „La Traviata“ in der Staatsoper die gesamte modische Ausstattung für die Damen wie die Herren stiftete. Eine wichtige Aufgabe war es, zwischen den Herstellern und Abnehmern, zumal den Einkäufern aus Deutschland und dem Auslande, engere Verbindung herzustellen. In den schwierigen Jahren nach dem Kriege haben dazu, jeweils zum Frühjahr und zum Herbst, die Modenwochen in Berlin beigetragen. Auch mit den heimischen Fabrikanten der Stoffe und Zutaten, denen die Konfektion den Weg in'die Welt öffnet, wurden förderliche Wechselbeziehungen geknüpft, deren weiterer Ausbau im Werke ist. Auf die Abnehmer suchte der Verband durch seine gewählte Zeitschrift „Der Styl" aufklärend und anregend zu wirken. Vor allem aber weiß er, daß die Leistungen sich nur steigern lassen, wenn auch die Mitarbeiter aller Stufen ihre Anschauungen erweitern und vertiefen. . Dazu haben Lichtbildervorträge geholfen, Serien, zu denen Anfang 1926 je 1600 Eintrittskarten ausgegeben wurden. Sie stützen sich auf das unvergleichliche Anschauungsmaterial an Bildern und Buchwerken aller Art, das in der Staatlichen Kunstbibliothek, die einzigartige Stiftung des Freiherrn von Lipperhejde, die Kostümbibliothek, mit ihren 13 000 Bänden und 30 000 Blättern darbiete. Bis zu den Fachklassen aller Art reicht die unermüdliche Lehrarbeit. Ihr ist auch die rührige Fachpresse eine stets bereite Helferin. Möchten die .Zeiten nicht fern sein, in denen die Modenindustrie, nach .langgemegtem Plane, auch in einem eigenen, lebensfrisch tätigen Modenmuseum eine Förderstätte für Hersteller und Verbraucher sich schaffen kann. Denn sie ist sich wohl bewußt, daß alles bisher Erreichte nur einen Anfang bildet. Aber das Ziel steht fest. Achtung für jede redliche Arbeit: Mehrung der Einsicht, des Geschmacks, der Lust am Eigenen: bei den Trägeflsjnehr Freude an der persönlichen Erscheinung, Sorgfalt; Empfindung für das der Gestalt, dem Alter, der Lebensstellung Angemessene. Wir begrüßen es deshalb, daß hier unter dem, was Berlin kennzeichnen und ehren soll, auch das Modenwesen zu Wort kommt. Es kann in jedem Sinne ein Ruhm unserer Stadt werden, wenn alle Beteiligten ihre Pflicht tun.