Mannheim
Compact Memory

Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-09-07 · 6 (7.9.1860) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
6 (7.9.1860)
Date
1860-09-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4884143-5427047-5427069--068-4884206
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Allgemeine Eigenthümer» verantwortlicher Redakteur und Herausgeber: JüLkf HännltNN. Ikkustrirte Iudenzeitung. erscheint jede» Freit»-. Vtar tMmmrirt i« Bttiaos-stmpttir Zri»yt- *afft im Httel tfmtpa. i» alm «^*ndlng»» tc« 3»> gib lB»l«nb<» nt tri alt■ «»ßämtrni. Pest, am 7. September 1860. Pni,n»er1ti»«»rri»: «««««»»« c«n. »4*0■• t**»«*4 .4IL .. »«׳dH, Zllls Usrllrirkt. Es ist uns gelungert, einen in Marokko lebenden jüdischen Arzt für unser Blatt zu gewinnen. Derselbe wird nns Berichte über die Zustände unserer dortigen Glaubensbrüder, sowie Zeichnungen von deren Sitten und Bräuchen einsenden. Mögen unsere geehrten Leser daraus die Ueberzeugung schöpfen, daß wir eS nicht an Mühe und Kosten fehlen lassen, nm den Inhalt un> seres Blattes zu bereichern und den Gesichtskreis desselben zu erweitern. Pest, am 6. September 1860. ®PT »(jprflU^QPÖPf. öto Schwab. L,»graphische Skizze 0 0״ D. 8. (Fortsetzung.) ■) Wären Thatsache« und Zustände, wie die znletzt gezeichneten, au» einer heutigen Gemeinde und aus der jüngsten Zeit berichtet worden; so würde der verehrliche Leser keinen Anstand nehnien, dein unter solchen Auspicicn seiu Anit antretenden Rabbiner nur eine trübe Zukunft zu prophczeieu. — ״Mag" — so ohngefähr würde das Raisonnement des Lesers taute» — ״mag die Majorität, durch die er zur Stelle gelangte und ti«. ״den Kampf für ihn auSgesochten noch so bedeutend gewesen sein; die feind- ״lichen Stimmen, die allerdings zumeist nur von Außen her laut geworden ״sink, werden doch auch gewiß im' Schoße der Gemeinde ihren Widerhall ״gefunden haben. — Di« besiegt^ Partei mag sich im ersten Augenblicke ״unter׳ der Macht de« Erfolges gebeugt haben; sie blieb aber doch Partei, ״gebeugt dock nickt gebrochen, zum Schweigeir gebracht doch nimmer ver- ״söhnt; und sobald nur der erste Freudenrausch vorüber und die Begeisterng ״in etwas abgekühlt war, ״Stimme wieder erhob! ״Rabbiner gegenüber ״des Provisorium«^ ״dem Stande di^.^i ״Landeörabbiner^ unverholey viß ihr Haupt wieder aufgerichtet, ihre! «schroffe und feindselige Stellung dem «Haben. Mußte doch schon der Charakter ilige Zurülkhaltung der Hatarah so wie das Mistraucn, welches der die vorausgesetzte gegnerische Partei ״gleicksan, dazu auffordern scharf äufzulauern und strenges Wächteramt zu ״üben. Wie kann nun da friedliches und freundliches Verhältniß sich gcstal׳ ״ten, wenn auch im besten Falle offner und lauter Zwist und Zank ver- ״mieden wird?" So wahr an sich unk der Natur der Tinge und der Menschen gemäß diese Gedankenfolge auch scheint; so stellte die Erfahrung doch eo anders heraus. Tenn nie und nirgends hat ein Rabbiner in friedlicherem Verhältniß und in schönerem Einvernehmen niil seiner Gemeinde gelebt, und nie und nirgends Einer solcher kindlichen Anhänglichkeit und Hochachtung, solchertreuherzigen Liebe und Verehrung sich erfreut als Schwab in Gewitsch, vom Tage seines Amtsantrittes angefangen bis zum Tage seines SckxidenS ans der Gcnicinde, ja darüber hinaus bis zu seinen! Scheide» aus den! Leben. — -Läge uns daran Schwab's allerdings nickt gewöhnliche Klugheit heräusziistreicken, so würden wir ganz folgerichtig zunächst dieser und dann seiner niilden Persönlichkeit, welche selbst den erbitterten Tajan;um dankbaren Anhänger llnizuwandeln verNiochte, den Erfolg zuschreiben. Wir zweifeln je- *' Liebe *Jir. I, •2, 3, 4 u.!». doch, ob e« je der höchsten sogenannten Klugheit eine- Rabbinergclungen eine erbitterte persönliche und grundsätzliche Gcgenparthei — wo solche vorhanden,— mehr als höchstens zum augenblicklichen Schweigen zu briugen, und ob sie es je dahin gebracht aus solchen Gegnern durchaus wanne und hingebende Verehrer und Freunde zu schaffen. — Wen» Schwab's Per» hältniß zu seiner Genieinde sich doch als ein anderes bewährte, als wie oben ausgeführtes, so begründet scheinendes Raisonncn«cnt prognosticiren mochte; so muß der Grund hievon nur darin gesucht werden, daß eS eben gar keine feindselige Partei daselbst gegeben, daß mit der einen erwähnten Ausnahme sämintliche Genieindeglieder einig waren, sowohl in der Zustimmung zur Aufnähme, als in deni Verhalten gegen den Landcsrabbiner. Waü uns hiebei auffäül, ist ein anderes Mouicnt, welches wir als charakteristisch für Zeit, Lrt und Persönlichkeit hervorzuhcbcn nicht unterläsien mögen. * Wen», wie es hie und da zuweilen der Fall ist, (Gemeinden heimische Lieblinge, die sie stets untcr ihren Augen gehabt, zu Rabbincn wäh^ »nd wenn noch dazu die inaßgcbente» Elemente der Gemeinde eine Art von Kampf für de» Liebling durckiznführen halten; so wird der Beobachter bei der erwünschtesten Gestaltung der Tinge dann doch in der Regel etwas verniisien, was zur gedeihlichen Wirksamkeit des Rabbiners nncrläßlich scheint — nennen wir es Supeiiorität des AusihpK« oder nioralischc Selbstständigkeit. Tie freundlichen Genieindeglieder könnruPbch nur schwer entwöhnen in ihrem Liebling de» Schützling und Mündel zst^blicken und sich selbst als Vormünder und Gönner, als Lenker und Leiter zn gebärden. Taß in Gewitsck dieselben an Jahren weit vorgerückten Männer, die den armen l xj,ihrigen Schwab vielleicht an ihren Tischen als ״Cchabboßes-Bocher" gesehen und seitdem nie aus den Angen verloren hatten, die jetzt den Rabbincrpostcu für ihn einer Mach? wie des LandeSrabincrS gleichsam abgcirotzt, daß diese >»!» ihm so willig und freudig sich untcrordnelen, ihn als wahrhaftes geist lichcS überhaupt über sich setzten »nt ihm dieselbe Pietät, denselben Respekt zollten, wie nur einem der ״Großen," der mit der Gloriole der Berühmt heit geschmückt aus weiter Ferne herbcigcrufc» wird; — das verdient nach unserer Ansicht vorzüglich bemerkt zu werten. Haben wir vom Rabbiner der alten Gemeinde und jener älteren, vergleichSweise so harmlose» Zeit gesagt, taß er in Freden und Eintracht ge lebt, »nd daß seine Beschäftigung Lehren und Lernen gewesen: so ist,damit so ziemlich Alle» erschöpft was aus dem einförmigen Lebe» desselben zn be richte»; — und das gilt auch großeuthcilS von Schwab in Gewitsch. — Sein Verhältniß in und zu der Gemeinde haben wir bereits als daS erwünsch teste und seltenste bezeichnet; wir fügen nur noch hinzu, taß der Nicktbesitz der Hatarah den, keinen Eintrag that, weder nach innen noch nach außen im Verkehre mit fremden Gemeinte» »nd Rabbincn. Anfangs mochte Sckwab

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.