Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 5 (31.8.1860)
- Date
- 1860-08-31
- Page
- Seite 39 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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—»» 39 r« Die Gemeinte sucht sich endlich von den vorgemachten Gaukeleien zu befreien und gibt dem neuen Lehrer den Laufpaß mit dem Borsatze, nie wieder daS Glück ihrer Jugend in die Hand eines Barmizwa-Redefabrikanten zu legen. Es ist sonach nichts wünschenswerther, als das jüdische Publikum mit dem eigentlichen Programme einer Volksschule bekannt zu machen. Außer dem Unterrichte in der Gotteslehre, der Förderung tiefinniger Religiosität und der Uebung deS Denk- und AnschamnigsvennögenS läßt sich die praktische Aufgabe der Elementarschule in die Worte kurz zusaninienfaffen: Schreiben, Lesen, Rechnen. Dies kann eine Gemeinde von einer Volksschule mit vollem Reckte beanspruchen und der Lehrer zur allgemeinen «Befriedigung leisten. Haben sich beite Contrahenten auf diese Weise gegenseitig klar und deutlich gefaßt, so wird der geschloffene Bund zum Heil und Frommen der zarten Jugend ein bleibender und segenspendender sein. R... z. £arfat (Bihar), 19. August. Die hierollige etwa 40 Familie» starke isracl. Eultusgenieinde hat vor 2 Jahren mit hoher Erlaubuiß, eine öffentlicke Schule organisirt. Tie in der Gemeinte statthabenden Reibungen jedock bracktcn es beinahe so weit, daß die Schule der Auflösung entgegen ging. BloS dem Gemeinsinne einiger Individuen, die vom Geiste des Fortsckritts, so wie von dem erfolgreichen Wirken benannter Ccknle durckdriingen sind, ist cS znzuschreiben, daß die Sckule zum Wohle der iSracl. Jugend fonbestekt — ja bereits festere Wurzel geschlagen hat. Namcntlick thaten sich bei dieser Gelegenheit hervor, der bockwürdige Herr Dircelor AloyS Püspök», der mit Eifer und Energie der reactionären Partei entgegen trat, ferner Herr Jacob Frankl, Cassier der öffentlichen Scknle, der wesentlick dazu beitrug, daß die zarte Pflanze nickt sckon im ersten Keime ausgejätet werde.. Der Erfolg krönte die Bcniühnngc» benannter Herren. Möge der Himmel ihre» humanen Sin» und ihr geistiges Streben »ock ferner zum Wohle der Jugend segensreich wirken laffe». PH. flmmniit. (Verspätet).) B0»»huÜ. Am 18.'August wurde die GebmISfeierlick» keit Sr. Majestät, unseres allergnädigsten Landcsfürstc» Franz Josef l. mit weihevoller. Solennität äbgehaltcn. Dreihundert Sckulzöglinge, festlich gekleidet, zogen mit ihrer Fahne vom Scknlhanse in die Sunagoge unter Lei׳ tung deS Lehrerpersonals. Außer den üblichen Psalmen und der Volksl»nn»e wurde auch ras Lied ״Treue Liebe bis zum Grabe" von einem Knaben׳ und Mätcken - El,ore abgesungen. — Nur (?) bei solchen Gelegenheiten nimmt man cS hier wahr, daß unsere Kanzel leider deS Redners entbehrt.! Vermischst Nachrichten und Notizen. t-. Kollisionen zwischen der staallicken Legislation mit manchen kirckenrechtlichen Satzungen der verschiedene» Glanbensparteien, namentlich in Bezug auf Schließung und Trennung der Ehe», sind in neuester Zeit häufig Ge׳ geustaud ernstlicher Erwägung und Beratlmng in regierenden mit gesetzgej bcnrcii .Kreisen geworden. Was die Israeliten und unser Vaterland inSbe-! sondere betrifft, so ist zwar durch das k. k. AUg. bürgl. Gesetzt׳, alle mit! jede rabbinische Autonomie völlig beseitigt, im Ganze» jedock vom Gesetze j den rabbinisch-mosaischcn, die Eheschließung und Trennung betreffende» Vorsckriften und Formen gebührendc Rechnung getragen. Tic ins Leben tief! eingreifende Differenz zwischen dem jüdischen Rechte und dem ts. 15?נ> des! A. b. G., welcher die Ehe mit der Schwester des verstorbenen Weibes 1>n׳ lcnagt, ist schon öfter — jüngst noch im Juli-Hefte des Ben. Clian. — bervorgehoben worden. I» -Frankreich hat die Herrschaft des Eode Navoleon, der nur die Civilehe kennt, jede Berücksichtigung besonderer religiösen Vol-schriften zurückgedrängt. Versckncden in dieser Beziehung ist'aber, wie wir rer <^n2ett>; des Trilmnnux entnehmen, der Stand rer Dinge in Algier, wo übrigens wie in Frankreich vollständige Gleichheit im Genuß bürgerlicker und politischer Reckte herrscht. — Hier übten auf Grundlage der! Kapitulation vom Juli 1830 die Rabbinen die Jurisdiction mehrere Jahre hinturck ungestört fort. Nack und nach wurden sie darin beschränkt, cndlick, fiel die Rechtsprechung auch über die eingeborenen Jude» de» französiscken Tribunalen zu. Diese Letztere» aber waren und sind stets gehalten, in allen Streitfällen eingeborner jüdischer Parteien, besonders in Ehesachen, Gutachten der Rabbinen einzuholen unk in der Auseinandenctzmig ihrer Ilrtheile zu berücksichtigen. — Dieser, von der sonstigen französischen abweickenden Gesetzespraxis zufolge hat der kais. Gerichtshof in Algier zu verschiedenen Zeiten anerkannt, daß der algierische Jsraelite vorkoninienden Falles zur Vollziehung des Chalizah - Actes gesetzlich verhalten sei; daß die bloS vom Rabbiner vollzogene Trauung vollständige Geltung habe; und noch jüngst hat derselbe Gerichtshof, entgegen deni in Frankreich geltenden Gesetze unk einem eritinstanzlichen Entscheide, bloS auf Grundlage des vom algerischen Ober-Rabbinale abgegebenen Gutachtens, die Ungültigkeitserklärung einer jü discken Ehe wegen Eben Haöser Cap. 15)4 §. 7 erwähnten Hindernisses ausgesprochen. 0 Auch der Vorstand der israel. EultuS-Gemeinde in Großwar׳ dein hat beschlossen, eine Sammlung zu Gunsten der ״Ungarischen Aka demie" und für die syrischen Christen zu veranstalte». 0 Die Zahl der israel. Buchhändler in Wien wurde durck Ertdeilung einer neuen Eoncessio» von 3 ans 4 pennehrt. (W. Pr.) O Der ^ber-Präsident Herr Senft v. Pilsack in Stettin bat auf die von den Stadtverordnete» jüdischen Glaubens Hierselbst am 21. Juli c. bei demselben angebrachte Protestatio» gegen de» Ausschluß der Juden zur Theilnahme an dem activen und passiven Wahlrecht, behufs Wahl eines Abgeordneten z»m Provinzial-Landtage, mittelst Verfügung an den hiesigen Magistrat vom 31. Juli c. entschieden, wie es »ack den neuerdings ergangene» allerhöchsten Bestinnuungen keinem Zweifel unterliege, daß die Inden fortan auch zur Theilnahme an den Wahle» der städtischen Abgeordneten zmn Provinzial-Landtage zuzulasscn seien. Da eS diese Eiitsckei׳ tnng zweifelhaft läßt, ob den Inden auch das Reckt eingcräinnl werden solle, gewählt werden zu könne», habe» mehrere hier wohnende Jude» den Magistrat um Mittheilung gebeten, wie derselbe die Verfügung des Hber Präsidenten interprctirt, und zugleich gegen die Anwendung vcxfaffnngswirriger Beschränkungen bei der Wahl protestirt. Der Magistrat bat sich hier׳ auf dahin entschiede», wie er cS für nnzweifelhaft hält, daß de» Juden nickt nur das active, sodern auch das passive Wahlrecht zustche, so daß bier die Wahl ohne Beschränkung für die Juden wird ansgesübrt werden. 0 Dr. Holdhtim, der bekannte Rabbiner der Resoimgcnossenschaft in Berlin, ist mit Tode abgcgangcn. -- Am 24. August fand unter sehr zahl reicher Belheiligmig die Beerdigung statt. Dr. Geiger, der eigens von Breslau herübergckonnneii war, hielt im Tranerbause die Leichenrede, die einen tiefen Eindruck aus alle Versammelte»!nackte und ward die Feierlich׳ keit hier durch einen von dem Ebor der Reformgemeinke unter Leitung des MusikdircctorS Stern ansgrsührtcn Gesang beendet. Seine letzte Ruhestätte fand der Verstorbene auf dem großen Friedhöfe der jüdischen Gemeinde und! zwar in der vordersten Ebrenreihe, da sowohl der Vorstand der jüdischen Ge׳ ineinde wie der siockbetagte Rabbiner Herr Lettin ger trotz der abweicken den Glaubensansichtcn diesen Platz bewilligt hatten. 0 Die großberz. badische Abgeordnetenkammer hat bekanntlich in ihrer Sitzung vom '2. August über die Petitionen der israel. Snuagogcu räthe iim Aiifhcbiing res §. 5>!s des BürgcrrechtSgcsetzcS de» Majoritätsantrag der berichteiitattendcii Commissio» — inotivirte Tagesordnung — augenom men, und somit die Petitionen beseitigt. Der Minister, Geh. Ratk Lame»,, äußerte sick bei dieser Gelegenheit in folgender Weise: ״Die den Inden gemachte» Vorwürfe seien nicht allein ans ihre Reck- ״nniig zu schreiben, und nach seiner eigenen Ersahriüig stunden sie an ״Gewissenhastigkeit den Christen nickt nach. Ihre Glcichstellnng aber ״sei wesentlich eine Frage des Reckts: was Recht sei, müsse ״dock einmal geschehen, und er stehe nicht an, selbst auf die Gefahr, ״dasjenige, was man Popularität nenne, deshalb zu verlieren, zu erklä ״reu, daß den Jsraelittn dieses Recht zu Thcil werden niüffe." Werde aber geltend gemacht, daß die Christen nickt reif seien zur Emancipatio» der Juden, so sei eS an den Abgeordneten, auf die Beseitigung dieser Vornrthcile in der Bevölkerung hinzuwirten." 0 Die isracl. Schult für Handwerke und Liünske zu Mühl hausen hat in ihrem Jahresberichte von 185)9 sehr erfreuliche Resultate veröffentlicht. — Die Anzahl der Schüler belief sich aus 34 und die Ein nähme,überschritt um (!•MM) Franks die des letztvcrfloffenen Jahres. 1111־ ter den Beiträgen fanden sich 200 Fr. von Seite» der Regierung, loou