Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 28 (1936)
- Issue
- 9 (9.1936)
- Date
- 1936-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Am Montag, den 7. September 1()3(>. fand eine ordnungsmäßig einberufene (iencral-Vcrsammlung des Vereins selbständiger Handwerker jüd. Glaubens e. V. zu Birlin mit dem einzigen Punkt der Tagesordnung „Auflösung |des Vereins*' statt. Gemäß einem Antrag des Vorstandes wurde die Auflösungj des Vereins sowie die Einsetzung des b sherigcu geschäftsführenden Vorstandes als Liquidatoren mit der erforderlichen -;-, Majorität der .abgegebenen Stimmen beschlossen. Bei dieser Gelegenheit richtete der seit Jahrzehnten amtierende I. Vorsitzende Kollege Louis Wolff, Worte lies Abschiedes an die Anwesenden, die wir auch unseren Lesern nicht vorenthalten möchten. „Während wir in einigen Tagen unser Rausch haschonoh- Fest, das Lest der Erneuerung, feiern, legt Ihnen der geschäftsführende Vorstand einen Antrag vor, der nicht mehr und nicht weniger bedeutet, als heute Abschied zu nehmen von etwas, was uns lieb und wert, ja, was uns innere Notwendigkeit war. Das sagt sich so leicht hin. Was aber für Menschen, die fast ein Menschenalter mit einer Idee verbunden waren, Abschied nehmen bedeutet,1 das brauche ich in diesem Kreise nicht auszuführen. Vielleicht wäre es ein leichtes Abschiednehmen, wenn wir unsere Aufgabe ausgeschöpft und erfüllt hätten, wenn auch vieles, was wir selbst nicht getan haben, die Zeit nachgeholt hat, wenn auch die Probleme des Judentums sich häufen, eines wissen wir, und das macht uns das Abschiednehmen etwas schwer, daß wir als alte Träger einer neuen jüdischen Gesellschafts- und Berufsordnung mitten im schwersten Erleben stehen, daß das kastbare Out neuer Menschenbildung, das uns von der jüdischen < Öffentlichkeit anvertraut wurde, in einem organisch zusammengefaßten Körper nicht fortgebildet werden kann. Aber Abschiednehmen darf weder Flucht noch Ausweichen bedeuten. Die Vergangenheit wird gewiß in die Geschichte eingehen, aber es bleibt in dimensionaler Größe und Schwere das Gegenwartsschicksal, in dem der lebendige jüdische Mensch um seine Zukunft ringt. Das machte die Größe und Heiligkeit unserer Aufgabe aus. In diesem Ringen um ein menschenwürdiges, um ein ehrenhaftes* Dasein setzten wir unsere besten Kräfte ein. Mancher von uns ist an dieser Aufgabe zerschellt. Viele von uns starben in den Sielen. Dieser treuen Arbeitskameraden wollen wir in der Stunde des Abschieds in alter Treue und Dankbarkeit gedenken. Wenn wir jüdischen Menschen in der harten Frohn des Tageskampfes Kraft und Aufrichtung suchen, dann entspricht es der jüdischen Auffassung, von und zu unseren Toten Zu sprechen; den. Geist, in dem s'ie lebten und in dem sie starben, zu verstehen, und das, was einstmals ihr Schicksal war kämpfen, leiden und wandern — auf uns zu nehmen. In diesem Geiste habe ich fast drei Jahrzehnte oftmals zu Ihnen gesprochen, in diesem Geiste lassen sie uns voneinander räumlich scheiden. Wir werden uns treu bleiben, auch wenn wir jetzt hinausgehen, jeder an seinen Platz, aüf den ihn das Schicksal gestellt hat. Denn das Wort wandert, aber der Geist bleibt beständig." Unerwartet verstarb Anlang September unser langjähriges Mitglied Felix Salomonis - im 52. Lebensjahr. Aus alter Handwerker-Familie stammend hat er die von seinem Vater übernommene Glas - Großhandlung und Glasschleiferei J. Salomonis zu ihrer heutigen Bedeutung ausgebaut. Wir werden dem leider zu (rüh Dahingegangenen, der jederzeit treu zu unseren Bestrebungen hielt, ein treues Andenken in unserer Mitte bewahren. verlaufene handwerkliche Ausstellung des Brudcrvcrcius Hannover, die in der von der Gemeinde zur Verfügung gestellten alten Synagoge stattfand, und die gelegentlich dieser Veranstaltung gehaltene Rede des''dortigen Vorsitzenden, Glascrmeister Paul (ioldmanu, die darin gipfelte, daß die Ausstellung unter dein Dreigestirn stehe „Melocho Arbeit, 7. e d o k^o — Gerechtigkeit und E m u n <> T r e u e " führte Herr Heinemann aus, daß dieses Motiv Grundbedingung für die Existenzerhaltung des jüdischen Unternehmers ist, daß es das Fundament ist," auf dem das gesamte Judentum ruht. Wenn dieser Dreiklang Gemeingut eines jeden Glaubensgenossen werden wird, dann wird er seine segensreiche Wirkung zum W:>hlc aller Juden ausüben. Die Unterbringung der schulentlassenen jüdischen Jugend in Lehrstellen gestaltet sich von Jahr zu Jahr schwieriger, ebenso nimmt das Elend des aus seiner Existenz gerissenen jüdischen Arbeitnehmers zu. Die Lösung dieser Probleme kann erleichtert werden, wenn alle die Treue bewahren,- damit wir ihnen diese durch 'Ausbildung jüdischer Lehrlinge und' - Beschäftigung jüdischer Menschen vergehen können. ... '. * Der Verein muß finanziell und zählenmäßig -stärker werden. Es ist deshalb notwendig, daß alle Mitglieder au der Werbearbeit Anteil nehmen. Im Berichtsmnnat ist die Geschäftestelle in außerordentlich starkem Maße in Anspruch genommen worden. Es handelte sich um Fragen von-Uehersiedlung, Auswanderung, Neueröffnung, Teilhaberschaften, Standes- und Innungsfragcn, Lehrlingsbetreuung, Darlehns- Gesuche usw. Die Bewilligung vieler Anträge war nur mit Hilfe des ».Hamburgischen Vereins zur Beförderung nützlicher Gewerbe unter den Israeliten" möglich, dem Kr)l!ege Heinemann dafür den Dank de> Vereins aussprach. In den Fachgruppen muß noch stärker als bisher darauf hingewirkt werden, daß bei LeLstungsangeboten einheitliche Richtlinien befolgt würden. Der Leiter der Jugendgruppe erstattete einen ausiiihrlichen Bericht, aus dem hervorging, daß die Teilnehmer/.!hl an den Heimabenden gestiegen ist. Es wurden einige belehrende Vorträge über fachwissenschaftliche Dinge gehalten, bei denen die Referenten es verstanden, den Zuhörern lehr- und genußreiche, aber auch unterhaltsame Abende zu bieten.. Im Anschluß hielt der Syndikus, Dr. -jur. Heinz Braun- Schweiger, ein. Referat über „Formgerechte Abfassung I e t z t w i 11 i g e r Verfügungen", das mit großem Interesse aufgenommen wurde. Den Mitgliedern, die ihre Glückwünsche zum Jahreswechsel durch eine Spende zugunsten des Fonds des Vereins für Lehrlingsbetreuung abgelöst haben, sprach der Varsitzende seinen und des Vereins herzlichsten Dank aus. Mit dem Wunsche „Leschono 'Tau wo" schloß Kollege Heinemann die Versammlung. Unsere Stammtische Wegen der Feiertage fallen die Stammtische in der ersten Hälfte des Monats Oktober aus. Die in der zweiten Hälfte stattfindenden Abende werden in der nächsten Ausgabe unserer Zeitung, die etwa am 15. Oktober erscheint, oder schriftlich bekanntgegeben. Juristische Sprechstunde Jeden Montag, 4—5 Uhr, Oranienstr. 61 I (direkt am Moritzplatz). Jeden Mittw och, 4—5 Uhr, Nachodstr. 8^ m der Geschäftsstelle. x Hamburg Mitglieder-Versammlung vom 2. Sept. 1936. Nach Begrüßung der erstmalig erschienenen neuen Mitglieder und Annahme des letzten Protokolls erteilte der Vorsitzende, Kollege Bernhard Heinemann, den umfangreichen Geschäftsbericht. Anknüpfend an die so eindrucksvoll Allgemeine Beratung Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß für die Beratung in steuerlichen, wirtschaftlichen und werbetechnischen Fragen besondere Fachleute unseren Mitgliedern zur Verfügung stehen. Mitglieder, die von dieser Beratung Gebrauch machen wollen, w ollen sich bei unserer Geschäftsstelle (B 4 Bavaria . 1030) melden. 11