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Handwerk und Gewerbe · 1915-05-01 · 1. u. 2. Mai-Heft · p. Seite 160

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Journal
Handwerk und Gewerbe
Volume
8 (1915)
Issue
1. u. 2. Mai-Heft
Date
1915-05-01
Page
Seite 160 (sequence 12)
Language
German
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160 HANDWERK UND GEWERBE Ii u. 2. Mai-Heft Die Kriegshilfskommission der jüdischen Gemeinde, Abteilung Frauen- und Jugendfürsorge, Berlin, eröffnete am 1. Mai in der Auguststraße (altes Krankenhaus der jüdischen Gemeinde) einen Nählehrkursus für jüdische. Frauen und Mädchen der besseren Stände. Die Ausbildung erfolgt in der Anfertigung von Damen- und Kinderwäsche. Der Lehrplan ist so vorgesehen, daß die Teilnehmerinnen nach Beendigung des sechsmonatigen Kursus sich eigene Nähstuben einrichten und-lhnen vorstehen können. Das Lehrgeld beträgt 5 Mark pro Monat. Anmeldungen Rosenstraße 2—4, Zimmer 20, f. ^'Aus Breslau wird uns mitgeteilt: Wohltätigkeitskonzert. Die Einladung des Vereins .selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens zum Besten seiner im Felde stehenden Mitglieder und deren Angehörigen war nicht ungehört verhallt. Der vollbesetzte Saal, der Hermann-Loge, dazu ein abwechslungs- und genußreiches Programm — das ergab ein alle Teile befriedigendes Resultat. Den sinnigen Prolog sprach Fräulein Betty Draier. Begeisterung entfachend, schmetterte Oberkantor Cerini das „Kaiserlied" in den Saal. Zu seinein die politische Entwicklungder europäischen Staaten scharf beleuchtenden» Vortrage „Dreibund und Dreiverband" ergriff hierauf Rechtsanwalt Dr. Zöllner das Wort, um, ausgehend von den 60er Jahren, die verschiedenen Bündnisse der Völker untereinander zu schildern, die in der gegenwärtigen politischen Lage ihre Kristallisation gefunden. Mit dem Hinweis auf die wohlüberlegte elende Rolle, weiche England als Anstifter zum Weltkriege mit teuflischer Meisterschaft gespielt, schloß er seine mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen. Und nun wechselten kaleidoskopartig gesangliche, reziitatorische, schauspielerische Darbietungen mit Lichtbilder-Vorführungen. In ihren Beziehungen zu den .kriegerischen Ereignissen der Gegenwart eryeckten sie eine Anteilnahme, die in . ihrem Stärkegrad den Spendern zugleich den herzlichen Dank der Hörer verriet. Ein reizendes Talent bekundete Fräulein Else Kober in Liedern zur Laute. - Frau Thekla Eisner, die bekannte Föfderin der schlesischen Dialektdichtung, lieh ihre reife Vortragskunst •diesmal einer Blütenlese hochdeutscher Poesien mit patriotischem Einschlage von Anthes, Rudolf Presber und dem Lissauerschen „Haßgesang gegen England". Die Gesangskunst fand neben Oberkantor Cerini inj Fräulein Pincüs eine würdige Vertreterin, und in einem von Frau Schlesinger-Steiner verfaßten Fesfspiel„PatriotischeGäste" präsentierten -sich Edith Pogorschelski, Helene Sturm, Else und Gertrud Heinrich als herzgewinnende Miniatur- Mimen. Optiker, Stadtv.Heidrich schilderte in interessanten Ausführungen den Weltkrieg und erläuterte seine Darlegungen durch zahlreiche klare Lichtbilder. Hier fand auch in kleinen sarkastischen Andeutungen auf die durch weise Fürsorge getroffenen Maßnahmen der Stadtverwaltung der Humor seine Stätte. So verlief im Fluge der Abend, der allen Teilnehmern in lieber Erinnerung bleiben dürfte. Wie jüdische Soldaten kämpfen: Mehrere Vorfälle, die von der Todesverachtung und Kaltblütigkeit unserer Soldaten zeugen und die beweisen, daß sie, wenn 6s darauf ankommt, stets bereit sind, ihren Vorgesetzten und Kameraden selbst unter eigener Lebensgefahr beizustehen werden von unseren Truppenteilen selbst gemeldet, so vom Garde-Jäger-Bataillon. Sie beziehen sich auf blutige Kämpfe gegen englische Truppen. Jäger Abraham von der 4. Kompagnie hat sich dadurch ausgezeichnet, daß er verwundete Jäger wie auch den Leutnant Delius im starken feindlichen Feuer verband und zurückbrachte. — Im Waldgefecht bei Zandvoorde hat der Oberjäger Ludwig Strauß des 1. Bayrischen-Jäger-Bataillons mit nur 5 Jägern der 4. Kompagnie den Engländern einen Verlust von nicht weniger als 50 Mann beigebracht. Später nahm er mit seinen paar Mann noch einen englischen Offizier und 60 Mann gefangen und brachte sie trotz feindlichen Gegenangriffs zur Truppe. cs~MC'iC'C,Mff.|oc.>es~.'C,c.ii!ä Ii Unterhaltungsteil. 0C.>CNThC'OC^~'O*mC'C' ll fl El SC,,Ci'C'Ci'C^~.i«Nff.OC.'C^^ i Der jüdische Verlag Berlin, Sächsische Str. 8, teilt uns mit, daß das deutsch jiddische Wörterbuch, das wir im Aprüheft bereits angezeigt hatten, nicht erscheinen wird. J. L. Perez, der bekannte jüdische Dichter, ist gestorben. Er war einer der größten jüdischen Dichter, ein Meister der hebräischen und jüdischen Sprache. Sein Ableben erfolgte in Kopenhagen. Ein Des Ein Und Russische Judennot. Von Otto Äbeles. Schrei nach Rettung aus den Riesenkrallen Untiers, das nach warmen Opfern greift, Schrei der Greise, die zu Boden fallen die der trunk'ne Haß zur Richtstatt schleift. , Ein Schrei der Mütter, die ihr Kind verloren Und die der Wüstling an das Schandbett band, Ein Schrei, aus banger Leidensmächt geboren, Ein Schrei nach Labsal aus geliebter Hand--- In blöder Ohnmacht starren wir hinüber, . Es keucht die Brust in wahnsinnstoller Glut, Die Faust schlägt an die Stirn in wildem Fieber Und reckt sich krampfend auf in bleicher Wut. Der du die tote, harte Erde badest Im Glanz der Sonne, daß sie neu erwacht, Der du die blutbefleckte Welt begnadest Mit Amselsang'und junger Blütenpracht: Tilg' diesen Schimpf! Erstick die Plagen, Die uns zermalmen — füg uns Hand in Hand! Lehr' Juda's Söhne, aus dem Pfuhl der. Klagen f)ie teuern Kinder der Märtyrer tragen I ns lichte Land, Vater! In unser Land -j-- 1 1 Siini^'OC^wHiSiii^JS^ t i iilllllii Bücherschau, uilii '= / w äiC''!~'C^7.0'CiiC'C'CN,;7..C\~^ per Jüdische Verlag, Berlin, Sächsische Str. 8 läßt ein geschmackvoll gebundenes Bändchen „Kriegsbriefe deutscher und österreichischer Juden" von Dr. Eugen Tannenbaum erscheinen. Das Buch in zierlichem Pappband und Schutzkarton kostet 2,50 Mk. und ist für 10 Pfg. Porto ins Feld zu schicken. Die Sammlung enthält gegen 60 Briefe aus Frankreich, Belgien, Russisch-Polen, Galizien und Serbien. Sie schildern wohl alle möglichen militärischen Situationen, von der Einkleidung desRekruten bis zum Krachen der Schrapnells in offener Feldschlacht und geben eine lebendige Vorstellung, wie Juden, die aller«' Schichten und Richtungen der Judenheit [angehören (maßgebend für die Aufnahme der Briefe war allein ein ausgesprochenes.Verhältnis des Schreibers zum Judentum), auf die gewaltigen Erlebnisse als Bürger, Soldaten und Juden reagieren. Da der Krieg mit den großen jüdischen Feiertagen zusammenfiel, kommt die religiöse Note und das Solidaritätsgefühl für die jüdische Gemeinschaft "sehr stark zur Geltung. Den Tod im Auge, hat mancher Jude an den ernsten Feiertagen alte Zusammenhänge ganz anders empfunden, als es die seelische Lässigkeit sonst erlaubt. Annoncen-Annahme und Verla Redaktion & Dr. Bäsch & Co., G. m. b. H., Carl Bäsch, Wilmersdorf. - Druck: Berlin-Wilmersdorf, Nassau ische Str. 24. - Verantwortlich für die D. Feilchenfeld, Berlin SW 19, Beuthstr. 19.

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