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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-12-13 · 50 (13.12.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
50 (13.12.1935)
Date
1935-12-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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11. Jahrgang - Nr. 50 Auflage 3700 Stack 13. Dezember 1935 DER ISRAELITISCH EN I E I D7I f. AMTLICHES NACHRICHTENBLATT RELIGIONSGEMEINDE ZU LE YL I U DER GEMEINDEVERWALTUNG Aus technischen Gründen kann am 27. Dezember eine Ausgabe des Gemeindeblattes nicht erscheinen. Die ietzte Ausgabe dieses Jahres wird deshalb als Doppelnummer 51/52 Donnerstag, den 19. Dezember 1935 e^heinen. Redaktionsschluß für diese Nummer ist Montag, den 16. Dezember, Schluß der Anzeigenannahme ' Di^.stag, den 17. Dezember. Die erste Januar-Nummer erscheint am 3 Januar 1936. Auch für diese ist Redaktionsschluß am vorangehenden Montag, Schluß der Anzeigenannahme am vorangehenden Dienstag. Die arabische Propaganda und der Aufbau von Erez Israel. Von Doris Wittner. Dieses Problem wird unwillkürlich in den Vordergrund einer Erörterung gerückt, wenn man den phantastischen Erfolg wahrnimmt, den das Much des im früh jähr dieses Jahres verunglückten Obersten Lawrence „The seven P i 11 a r s of Wisdom" in allen englisch sprechenden Gebieten er/ielt hat und fortdauernd weiter er/ielt. Der Oberst T. E. Lawrence gehört in die Reihe jener von Zeit ZU Zeit im Britischen Imperium immer wieder auftauchenden Außenseiter und Abenteurer, die die wilde Romantik eines Freibeuterlebens jeder staatsmännischen Stellung im Foreign Office zu London vorziehen. Es sind Menschen, die nichts vom „gesicherten Leben" wissen wollen, und die meist durch die Kühnheit ihrer Abenteuer und Wagnisse den Bestand des Britischen Empire in irgendeiner Weise vermehren. Es gibt kein Schema für diese Kategorie der politischen oder kulturellen, manchmal sogar literarischen Condottieri, Man kann ihnen ebensowohl einen Cecil Rhodes wie einen Winston Churchill, einen Lord Kitchener wie einen Dichterfürsten vom Range KUdyard Kiplings zuzählen. Lawrence, der in der Blüte seines Maunestnms, im Alter von IG Jahren, einem törichten Motorradunfall /um Opfer gefallen ist, nachdem er viel größere und schwierigere Qe- (ihren siegreich überwunden hatte, ist eine jener Gestalten, die die Phantasie des englischen Volkes beflügeln. Er wurde bekannt als Initiator des arabischen Aufstandcs gegen die Türken im Weltkrieg, dessen Schilderung „Revolt in the Desert", „Aufstand in der V liste", für den englischen Büchel markt einen „best seller" darstellte. 1 awrence ist kein eigentlicher Künstler oder Schriftsteller \ou Natur, ir selbst hatte das richtige Gefühl, dal! seine eigentliche Domäne der KVircr und t\:\< A hiMit<"iier <i'irn- :iln>r iln er trnt/dt'tn ein treio * * ' ' »■ fc> stiger Mensch war, trachtete er, die Romantik seines Lebens schöpferisch /u gestalten. In seinem eigenen Nekrolog bekennt er selbst, „wenn ich mich mit Leuten verglich, die wirklich schreiben oder zeichnen konnten, dann merkte ich; daß ich nicht aus dem gleichen Stoff gemacht war... Künstler — ich gebrauche das Wort in weiterem Sinn erregen mich und ziehen mich au, verführen mich, anders zu sein als ich bin. Ich könnte beinahe ein Künstler sein, aber etwas in meinem Innern hemmt mich dabei. Wenn ich^wiißte, was das ist, würde ich es sagen oder wirklieh ein Künstler sein". Obwohl „Revolt in the Desert", dessen wesentlichem Inhalt wir in „The Seven Pillars of Wisdom" wieder begegnen, kein reines Kunstwerk ist, wirkt es doch auf die britische „Masse Mensch" mit der ungeheuren Suggestivkraft eines solchen. Es ist farbig und glutvoll geschrieben und es hat jene eigene Atmosphäre, die den Engländer, insbesondere den jungen, unmittelbar in seinen Bann sehlägt, indem es nämlich den von England beherrschten und ängstlich bewachten Orient mit seinem ganzen Zauber darstellt. England gebietet über ein nach Hunderten von Millionen zählendes Weltreich farbiger Untertanen. Lawrence hat es sich zum Ziel gesetzt, den A r a b e r als solchen zu verherrlichen. Er entwirft ein grandioses Epos vom Leben der Nomadenstämme, der Beduinen, der Ritter der Wüste, die sich noch der selten gewordenen Mannestugenden eines ungestillten Ireiheitsdurstes, einer unverbrüchlichen Blutsbruderschaft, einer Todesverachtung und Hochherzigkeit ohnegleichen rühmen dürfen. Wir stehen dem farbigen Glanz dieser Romantik gewiß nicht fern, geschweige denn feindlich gegenüber; wir haben zu oft auf Reisen in arabischen Gebieten uns bezwingen lassen von der Hoheit und Würde, dem edlen Rhythmus und der farbigen Schönheit, di'' arabischen Menschen und ihren Sitte:: eignen. Wir haben uns niemals dem Glanz einer Gestalt wie AbdelKader verschlossen. Trotzdem will uns die enthusiastische Romantisierung, womit der Oberst Lawrence das Arabertum nunmehr propagiert, nicht ganz ungefährlich erseheinen. Wenn wir die Riesenziffern seiner beiden Bücher betrachten, die seit Rudyard Kipling wohl kaum ein englisches Druckwerk erreicht hat, so können wir nicht verkennen, daß Sonntag, den 22. Dez. nächste Pfundsammlung! Spendet reichlich!

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