Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 49 (6.12.1935)
- Date
- 1935-12-06
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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ÜEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSOEMEINDE ZU LEIPZIG Jldltlinä I — TJorÜtllßiOß f m 8 Vhr abend5: musik und Unterhaltungen aller Jtrt f _I eröffnuna des „ Mast-Coli"1 Sonnabend, den 14. Dezember 1935 Or«P- ' _ 1 .U[ N •.•.•':-.».'.•.•.•.•. iüi CiwiiuKKa-i ciern, -Bescherungen, Festlichkeiten und Veranstaltungen aller Art vorhanden L Beamten Sie das kommende Inserat! ilChanukkaleuchter u. Bücher bei M. W. Kaufmann, || Leipzig Cl, Brühl S || Neue Bücher Pietät als Pate. Von dem großen Mythenschöpfer E. T. A. Holtmann erzählt man, er sei als preußischer Regierungsrat in Warschau damit betraut gewesen, das Register der von den Juden ZU wühlenden Familiennamen ZU verwalten und die Eintragungsgebühren festzusetzen. Nach seinem übermütigen Tarif habe der Name „Stein" einige Kreuzer, „Rotstein" und „Einstein" einen Thaler, „Goldstern" fünf und „Karfunkelstein", „Rubin", „Saphir", „Diamant" zehn und mehr Reichsthaler gekostet. „Eitelkeitssteuer" --oll das der schnurrige Rat genannt haben. War es wirklich Eitelkeit, die damalige luden ZU diesem kostspieligen Namen veranlallte?!u Rudolf Tranks neuem humorvollen Roman „Ahnen und Enkel", der eben herausgebrachten Neuerscheinung der Jüdischen Buchvereinigung, auf die wir hier besonders hinweisen wollen, findet sich eine schöne Darlegung der wahren Gründe, die zu solchen schmückenden Namensgebungen führten: Die Edelsteine waren ursprünglich pietätvolle Erinnerungen an die zwölf Stamme Israels, deren jeder (vgl. 2. Buch Mosche 2S, 17 21) auf dem Brustschild des Hohenpriesters durch •■inen Stein vertreten war: der Ruhin stand für Reuben, der Karfunkel für Jchuda, der Saphir für Sebulon usw. und die gleiche ehrwürdige Symbolik waltete auch bei der Namenswahl. Pietät, die den jüdischen Vornamen diktiert, war auch bei I amiliennamen am Werk, nur daß sie sich nicht allein aut Vorfahren, sondern häufiger auf geliebte Stätten, Häuser und Vorbilder erstreckte. Man nannte sich nach ..geistigen Vätern", Lehrern, Märtyrern, zuweilen auch nach dem Mutterhaus; auch christliche Raten kamen vor. Ein besonders amüsanter Fall christlicher Ratenschaft, der sich im Jahr 1S50 mit einem jüdischen Hopfenhändler zutrug und dessen vergnügliche Einzelheiten wir hier nicht verraten wollen, bildet in Franks oben erwähnten Roman das Grundmotiv zu der anmutigen Zwischenerzählung „Ele und die Ehe". Einem Vatersnamen wahrhaft symbolischer Größe, wie ihn weiter Pietät noch Nachahmung, sondern nur das tief erlebte Leid Israels erzeugen konnte, begegnete Frank in der Kasseler Gegend. Von den Trägern dieses Schicksalsnaraens: „Schmerzen", Simcha und Israel, und der Mutterliebe Schmerzen, der „jüdischen Herzeloide" erzählt in Rudolf Franks Roman ein noch heute lebender Nachfahr die erschütternde und beglückende Geschichte „Simcha und die zehn Gebote". Der Erscheiuimgstermin des Romans „Almen und Enkel" ist auf Ende November festgesetzt. Erwin I ÖWC Elias Auerbach: Wüste und Gelobtes Land. Geschichte Israels von den Anfängen bis zum Tode Salomons. XII u. 30S Ouartseiten mit IS zum Teil mehrfarbigen Bildtafeln und S Abbildungen im Text. Neuer Preis: in Leinthi RM. III. . Der sc hocken-Verlag hat das vor drei Jahren erschienene bedeutsame W erk übernommen, das die erste grolle geschichtliche Darstellung des biblischen Zeitalters von jüdischer Seite enthält. Dadurch ist auch das Erscheinen des im Manuskript bereits vorliegenden /weiten Und abschließenden Teils dieser (icschichte Israels gesichert. Der Ladenpreis beträgt nur mehr RM. 10. (gegenüber dem ursprünglichen Preis von R.W. 16. ). und soll in gleicher Hohe auch für den noch ausstehenden Band eingehalten werden. Neuerschienene Bücher. Stefan Zweig: Baumeister der Welt. Drei Meister (Balzac, Dikkens, Dostojewski), Der Kampf mit dem Dämon (Hölderlin, Kleist, Nietzsche), Drei Dichter ihres Lebens (Casanova, Stendhal, Tolstoi). Leipzig 1936. I lerberl Reichner Verlag. Siegfried Trebitsch: Heimkehr zum Ich. Roman. Leipzig ll)i(>. Herbert Reichner Verlag. Gestern und Heute. Bandl: Die schönsten Legenden aus dem Talmud. Leipzig [l(H3| (Brandussche Verlagsbuchhandlung in Berlin). Hand '2: Manuel Schnitzer. Rabbi Lach. Ein Kuiturdokumenl in Anekdoten. Leipzig 11l)i3) (Brandussche Verlagsbuchhandlung Berlin). Hand i: Herzl-Briefe. Herausgegeben und eingeleitet von Manfred Georg. Leipzig [lüjjj (Brandussche Verlagsbuchhandlung Berlin. Band I: Micha Michalowitz. Der gedeckte Tisch. Variationen über ein jüdisches Thema ohne Ende. Leipzig [1(D5| (Brandussche Verlagsbuchhandlung in Berlin). s Sport vom Sonntag (von unserem ständigen Berichterstatter D e k a). Die diesjährigen Novemberstürme scheinen die sportliche Auffassung der Handballer in Leipzig ganz gehörig umgekrempelt zu haben, was sieh vorige Woche gleich nach Spielsclduß auf dem „B. K."-Platze ereignete, wiederholte sich am letzten Sonntag kurz vor Spielende beim „Schild". Wir alle hoffen und erwarten, daß diese Vorkommnisse die ersten und letzten waren, wenn der Spcrtgedanke nicht völlig in die Binsen gehen soll. Daß das Handballspiel gegen „B. S. G." Berlin verhältnismäßig hoch 8:2 verloren ging, ist nur dieser großen Nervosität zuzuschreiben, lange stand der Kampf 3:1, ein Abseitstor brachte Berlin das 4:1, als Leipzigs rechter Verteidiger durch Verletzung ausscheiden mußte. Die dadurch bedingte Umstellung nutzte der (iast weidlich aus, in wenigen Minuten war das 8:1 erreicht, und dem dann nach Rechtsaußen beorderten Lewiii war sogar der zweite Gegentreffer beschert. Beide Mannschaften waren bei ihrem letzten Zusammentreffen im Sommer beim Reichsmeisterschafts-Vorentscheidungsspiel in entschieden besserer Verfassung, Leipzig beging dieses Mal abermals den Fehler, alles mit Innenspiel erzwingen zu wollen, allerdings fand man auch in seinen beiden Außen nicht du erforderliche Unterstützung. „Schilds" Fußballer haben wohl noch nie so unglücklich gekämpft, w ie au diesem Sonntag, fast drei Viertel des Spieles ist man überlegen, der Gegner hingegen macht zwei schnelle Durchbrüche und sichert sich damit „B. S. G." Berlin, daß er doch mehr kann, als man beinahe annehmen mußte, während „Schilds" Achiiicsverse immer noch beim Sturm liegt. Bis zur Läuferreihe war am Sonntag alles in Ordnung, aber bei den vorderen FÜnf wollte es nicht klappen, hätte Goldschmidt spielen können, wäre der Gast schon zur Pause erledigt gewesen, aber dennoch zeigte der Kampf entschieden mehr Linie als der gegen Hannover. Die überragendste Leistung vollbrachte natürlich Moritz l uchs vom „Rot Weiß", Leipzig, als Schiedsrichter, den man heute noch als den großen Routinier und Könner anerkennen muß. Am vorletzten Mittwoch trat die Jüdische Schule mit 2 Mannschaften dem „Schild" entgegen, seine Knaben gewannen gegen eine bunt zusammengewürfelte Elf 1:0, und die 2. Mannschaft mußte tüchtig kämpfen, um die wieselflinkeu und aufopferungsvollen Handballer der Höheren Israelit. Schule mit 2:0 niederzuhalten. Eine famose Leistung vollbrachte die Mitteldeutsche Vertretung des „Makkabi-Kreises" in München. Im Entscheidungsspiel um den Fußballpokal wurde sie von den hoch favorisierten Vertretern Bayerns mit dem knappsten aller Ergebnisse von 1:0 besiegt, auch hier war der 23. Mann auf dem Spielfeld der Schiedsrichter Löwenstein Hanau, ganz grol! (Infolge Raummangel verspätet.) Das schien am letzten Sonntag gleich mit Spielbeginn ein sensationeller Sieg für den hiesigen „Bar Kochba" zu werden. Kaum hatte das Handball-Punktspiel gegen die „starken Männer" aus Berlin, gegen den Boxclub „Makkahi", begonnen, hing schon der Ball zum ersten Male in des Gegners Netz, und auch der zweite Treffer für die Hiesigen ließ nicht lange auf sieh warten. Aber nach diesem Staude von 2:0 gab es lauge nichts, zumal der heftige Wind der Ballbereehnung oft ein gehöriges Schnippchen schlug und die Gäste sich vom eisten Schreck erholt hatten. Sie waren zwar äußerst schnell, kombinierten auch sehr gut, aber vor dem Tore wanderte der Ball hin und her, nur nicht in Richtung „Kasten", und wenn dies geschah, dann meistens etliche Meter zu hoch. Aber trotzdem schaffte „Makkabi" noch tlas 2:2, bei dem Ausgleichstreffer wollte es der rutschige Boden mit Schanzers Beinen anders, als es seine Absieht war, dennoch machte er in diesem Spiele einen viel sichereren Eindruck, als in den letzten Wochen; sein Kontrahent aut der anderen Seite, Herbert Barth, war sogar der beste Manu seiner LH. Ist das nicht Sportbegeisterung, sich sogar au seinem Vcrlohungstage seiner Mannschaft zur Verfügung zu stellen! Bis zur Mallveit sicherte sich Leipzig noch die Führung, und erst lange nach Wiederbeginn kam der erwartete Umschwung zum Besseren, der trotz des Gegenwindes schließlich den sicheren Siei; mit 7:2 herbeiführte. Berlin drängte zwar stark nach Wiederaiistoß, aber die schon oben erwähnte „Wurfschwäche" brachte nichts Zählbares mehr ein. Bei „Bar Kochba" war zwar auch nicht alles in Butter, aber der Eifer, die reifere Technik und das raumgreifendere Spiel der 2. Hälfte sicherten den Sieg. Der Hauptbeteiligte au den 7 Treffern war natürlich „Rolle", die andern vier rangieren <<.\ Ihren von recht* nach links von „(int" bis „Kaum gciiugciu.1! ,i istuugcn ". In der