Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 42 (15.10.1937)
- Date
- 1937-10-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JODISCHES GEMEINDEBLATT LEIPZIG 15. Oktober 1937/Nr. 42 gung geschah mit Lebensmitteln, Kohlen und Kleidung. Es wurden 91506 Zentner Steinkohlen im Weite von rund 108600 RM. und 151010 Zentner Braunkohlen im Werte von 180115 RM. verteilt. Der Wert der zur Verteilung gebrachten Kohlen betrug damit rund 288745 RM. Der Bericht schließt mit einem HlnwH« ^ronf »ictgernaen raktoren Migenom«!!*!! alle dfc LristungCH miSuviudui Unistande aber ebenfalls sich vergrößert haben. Trutz des Bewußtseins erhöhter Schwierigkeiten geht die Jüdische Winterhilfe doch wieder mit dem Glauben an das Gelingen an die Arbeit. Sie wisse, daß die Not nicht nur Kräfte verringert, sondern daß sie in der Geschichte unserer Gemeinschaft ebensosehr die Kräfte zur Hilfe geweckt hat. Carl Cohen, Frankfurt a. M.: Aus der Geschichte der hebräischen Sprachwissenschaff. Die Anfänge der Forschung und die schriftliche Niederlegung der Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der hebräischen Sprachwissenschaft liegen — in interessantem Gegensatz zu den meisten europäischen Sprachen — in einer Zeit, in der die Sprache selbst nicht mehr lebte, in der „die Anzahl der Lern beflissenen abnahm, die Leiden zunahmen, und Israel sich mehr und mehr zerstreute" (Maimonides). Es war in Sura, der letzten Hochschule Babylons, wo unter Saadja (sterb 942), dem bekannten Religionsnhilosophen und Übersetzer der Bibel ins Arabische, der Grundstein der Erforschung der hebräischen Grammatik und Lexikographie gelegt wurde. Die Blüte dieser Forschung fiel nach Spanien, wo etwa um 1000 die glücklichste Zeit des nachexilischeu Judentums war. Unter der Herrschaft der kunst- und lebensfrohen Mohammedaner in Cordova und Sevilla blühte die islamische Wissenschaft und die arabische Philologie, und parallel damit, begünstigt und angeregt, aber auch an-> regend, — die Erforschung der hebräischen Sprache. Die Schüler des großen Saadja, Menachcm ihn Saruq und Juda ihn Chajudj, begannen ihre systematischen Arbeiten. Menachem, der gleichzeitig der Begründer der neuhebräischen Dichterschule ist, schrieb das erste grolie Lexikon, machbäret (Heft); Juda, der Mediziner, erkannte als erster mit genialem Blick das Gesetz der drei Stammbuchstaben der meisten hebräischen Zeit-, Haupt- und Eigenschaftswörter. Die Feststellung der Triliteralität ist die Grundlage jeder weiteren Wortforschung geworden, wenn auch teilweise heute ein Unterschied zwischen zweibuchstabigen Wurzeln und dreibuchstabigeu Stämmen gemacht wird. Auf der Grundlage der Entdeckung des Juda modernisierte Jona ibn Djanach die Forschung, indem er verwandte Sprachen, das Arabische und das Neuhebräische des rabbinischen Schrifttums, zur Vergleichung und Erklärung heranzog. Der erste Systematiker, sozusagen der Euklid der hebräischen Grammatik, war Abraham ibn Esra (1092—1167). Dieser Mann, der als Dichter weltlicher und religiöser Lieder, als Reisender durch weiteste Teile Europas berühmt ist, als Zweifler und Kritiker zeitweise verketzert wurde, dieser Mann, der im Glauben an die Vorbedingung des Messias („die luden müssen in den Ecken der Frde sitzen") England unter Verkeniiung des Wortes Anglcterre (angula terrae) als Siedlungsland empfahl; dieser vielseitige Mann hat als Erster zusammenfassende Werke über die hebräische Grammatik geschrieben und zwar, ebenfalls als Erster, in hebräischer Sprache. Bisher hatte man nur arabisch geschrieben; durch ibn Esras Tat wurden auch die mitteleuropäischen Juden an der Grammatikforschung interessiert. Seine Nachfolger waren die Kimchiden (Vater und zwei Söhne), die das Sefer haschoraschim (Buch der Wurzeln) verfaßten, und zu deren Ruhm man den Satz aus den Sprüchen der Väter „Im ejn kemach, ejn Tora" (Wo kein Mehl ist, ist keine I ehre) naraphrasierte: Wenn keine Kimchis wären, wäre keine Thora. Die Kimchiden (um 1160 bzw. 1190) sind der Schlußpunkt der Entwicklung dieses Forschungsfnches auf der Pyrenäenhalbinscl. Erst Elia Levita (1469—1549), der in Süddcutschland und in Italien lebte, setzte das Werk in seinem Sefer habbachur (Buch des Jünglings) fort. Levita schrieb auch bereits einige jüdisch-deutsche Vorschriften, so daß er Popularität in weitesten Kreisen erlangte. Der erste christliche Hebraist, Reuchlin, war sein Schüler, und von Reuchlin geht eine ununterbrochene Kette christlicher Forscher aus, da es ihm gelang, das Interesse an der hebräischen Sprache bei den Humanisten zu verbreiten. Überall wurde jetzt, besonders nach Luthers genialer Übersetzung, Hebräisch getrieben, während die Juden infolge der unsäglichen Leiden nur noch selten Interesse und Spannkraft dazu aufbrachten. Für die Jüdischen Mystiker kam diese Forschung von vornherein nicht in Frage, die Rationalisten aber erachteten es nach der Katastrophe von 1492 (Vertreibung aus Spanien) nk ihre Pflicht, das Gesetz und die Auslegung der Bibel zu stabilisieren. Erst das Zeitalter der Emanzipation und schließlich das neue Aufblühen der hebräischen Sprache in Osteuropa und Palästina ließ wieder auch Juden an der Erforschung der Sprache der Bibel teilnehmen: J. Barth (die Nominalbildung in den semitischen Sprachen), Torczyner (z. B. deutsch-hebräisches Lexikon), Ben Jehuda (Thesaurus Totius Hebraitatis, ein Wörterbuch, das dem Wörterbuch der deutschen Sprache der Brüder Grimm zu vergleichen ist). Die hebräische Grammatik Spinozas ist wegen der Betonung des Hauptworts interessant; leider ist sie fast unbekannt. Ctemeindeanlage für das Rechnungsjahr 1937. Die Gemeindeanlage für das Rechnungsjahr icn? (I. Aiii ii ivj/ DlS 31. Mar7 1038) t«t — wie hSTCfiS bf?-nnn{- gegeben — durch Beschluß der Gemeindesitzung auf 33V8°/o der Einkommenbezw. Maßstabsteuer 1Q36 festgesetzt. Als Fälligkeitstag ist der 1. November 1937 bestimmt. Soweit auf diese Gemeindeanlage bereits Vorauszahlungen geleistet sind, werden sie in Anrechnung gebracht. Die Gemeindekasse, Walter-Blümel-Straße 10, I ist werktäglich von 930 bis 13 Uhr geöffnet. Die Gemeinde hat das Postscheckkonto Leipzig Nr. 50533. Leipzig, den 11. Oktober 1937. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde Leipzig. . Unter den christlichen Hcbraisien waren vor allem Scaliger und die beiden Buxtorf, die eine Reihe hebräischer Schriften ins Lateinische übersetzten, bedeutend. Neben dem Enzyklopädisten Chr. Wolf ragt der Holländer Surenhuysen (um 1700) hervor. Die holländsiche Schule überspitzte das Vergleichen mit anderen Sprachen und erklärte das Hebräische schließlich für einen verderbten arabischen Dialekt. Ebenfalls wurde die Dreiwurzelabstammung überspitzt, so daß man oft Stämme erfand, wenn man ein Hauptwort (z. B. aw Vater) hatte, das nur aus zwei Buchstaben besteht, z. B. durch Gussctius in Deutschland. Wilhelm üesenius (178b—1842) fand den gesunden Mittelweg. Er verzichtete auf die Triliteralität, wo sie sich nicht halten ließ; er sah das Hebräische als selbständige Sprache an, obwohl er in reichstem Maß andere semitische Sprachen zum Vergleich heranzog. Er beherrschte auch die Neuhebräische Sprache und konnte infolgedessen die Ergebnisse der Rabbiner, besonders Raschis, heranziehen. Seit Gesenius ist eine Unzahl von Wörterbüchern und Grammatiken erschienen. In unserer Zeit ragt vor allem die Historisch-kritische Grammatik der hebräischen Sprache des Alten Testaments (Halle 1922) von Hans Bauer und Pontus Leander hervor; in hebräischer Sprache etwa die Werke von Pines und Berggrün. Die Forschung ist noch nicht abgeschlossen, sie lebt bis auf den heutigen Tag. Amtliche Bekanntmachungen Kinderspeisung! Die Anmeldungen für die diesjährige Kinderspeisung finden am Dienstag, den 19. Okt. d. J. und Mittwoch, den 20. Okt. d. J., in der Zeit von 16—17 Uhr im Gemeindeamt. W»l*er-Blümel-Str. 10 (Hof), statt. Berücksichtigt werden Kinder, die keine Gelegenheit haben, tagsüber ein warmes Mittagessen zu erhalten. I eipzig, den 12. Oktober 1937. Wohlfahrtsamt der israelitischen Religionsgemcinde zu Leipzig. Gottesdienste Gemeindesynagoge. Freitag, 22. 10. 37, Abendgebet 17.15 Uhr mit Predigt. Sonnabend, 23. 10. 37, Morgengebet 9 Uhr, Nachmittagsgebet 17.15 Uhr, anschließend Lehrvortrag, Abendgebet 17.45 Uhr. Gottesdienst an Werktagen in der Ez-Chaim-Syna^oge. Synagoge Ez Chaim, Otto-Schill-Straße. Freitag, 22. 10., Abendgebet, 17 Uhr, anschließend Bibelcrklärung von Herrn Rabb. Dr. Ochs. Sonnabend, 23. Okt.. Morgengebet 8,30 Uhr, Mincha 16.30 Uhr anschließend Schulchan-Aruch-Erklärung von Herrn Rabbiner Dr.Ochs, Ausgang 17.45 Uhr. Wochentag, Morgens 7, abends 17.15. Talmud-Thora-Synagoge, Keilstr. 4. Freitag, 22. 10. ebends 17 Uhr. Sonnabend früh 8.30 Uhr, Mincha 16 Uhr, Ausgang 17.45 Uhr. Wochentags früh 7 Uhr, abends 17 Uhr. Synagoge „Ohel Jakob", Pfaffendorfer Str. 4. Freitag, 22. 10., Abendg. 17 Uhr, anseht. Lehrvortrag von Herrn Rabb. Rogosnitzki. Sabbat, 23. 10., Morgeng. 8.30 Uhr, Minchag. 16.30 Uhr, Abendg. 17.45 Uhr. Wochentags: Morgeng. 7 Uhr, Abendg. 17 Uhr. Synagoge Beth Jehuda, Färberstr. 11. Freitag, 15. 10., Abendgebet 17.15 Uhr, anschließend Schrifterklärung des Herrn Rabbiner Melamed. Wie verbringen Sie Ihre Sonntage? Durch Wegzug eines Teiles unserer Helfer, die bisher als Sammler an den Eintopf- und Pfundsammlungen tätig waren, sehen wir uns gezwungen, die herzliche Bitte an unsere Gemeindemitglieder zu richten, sich uns als Rammler für die Eintopf- und Pfundsonntage zur Verfügung zu stellen Gefl. Zuschriften an die |üdische Winterhilfe, Leipzig Richard-Wagner-Straße 8, III. '