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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-05-21 · 21 (21.5.1937) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
21 (21.5.1937)
Date
1937-05-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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13. Jahrgans - Nr. 21 Auflage 3200 Stück I 21. Mai 1937 & f mm DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACHRICHTENBLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG Bericht Uber die Gemeindesltzung vom 3. Mal 1937. Am 3. Mai fand die 2. Gemeindesitzitng unter dem Vorsitz des Gemeindevorstehers, Herrn Qoldschmidt, statt. Nachdem im Auftrage des Vorstehen Herr Dr. Grübel einen Überblick über die Finanzlage der Gemeinde gegeben hatte, verabschiedete die Gemeindesitz ung einstimmig den von dem Vorstand und dem Finanzausschuß vorbereiteten Haushaltplan für das Rechnungsjahr 1937 38. Der Haushaltplan stellt sich in den Endzahlen wie folgt dar: I: IV: V: VI: VII Kultus Bildungswesen1) u. Jugendbetreuung Soziaie Arbeit-) Bestattungsu. Friedhofs« esen Vermögensverwaltung Allgemeine Verwaltung, einschl. Steuerverwaltung Beiträge an die Reichsvertretung und den Sachs. Gemeindeverband Versorgung und Unterstützung von Angestellten, deren Hinterbliebenen u. 3. Einn. Soll 95/37 8200 28600 33 HM) 39 H)() 27(178 Einn. Soll 37/38 7 200 30400 40045 22830 All«»'. SoM 36 37 bSOOO Am*. soir 37/38 63287 90672 87 75Ö 131601 119206 ä'J HK) 62886 48261 62026 14950 10900 111602 84863 — 23509 21000 insgesamt Villi Rechnungsausgleich (Steuerbedarf) —_- 4Ö2UO 39139 l'-j 1(128 145905 585 (VG 525532 13 J 005 379627 — 5S5o33 524532 585033 524532 ') Hltrlti iui lediglich der Zuschußbedarf der jiiJischcn Schulen enthalten. Die Ausgaben, die die jüdischen Schulen aus eigenen Einnahmen (insbesondere Schu lgeldern) decken, sind im Q eni ei ndc hau s ha I tp la n nicht int aufgeführt. 2) Hierin ist lediglich der Z u sch u ß be d a r f des Sozialamtes enthalten. Die Ausgaben des Sozialamtes, die aus außerordentlichen Mitteln (ln«b<f<»ndere Spenden für "üfe und Aufbau; g .-deckt werden, sind im O e in t i n d e ha u s Ii a 11 n I n n nicht mit AMfjggfQhf|, Die Aufstellung eines außerordentlichen Haushaltplanes bleibt vorbehalten Für die Oemeindeanlage 1037 ist wiederum der Steuersatz auf >3; 8/o der Einkommen- bzw. Maßstabsteuer 1936 festgesetzt winden und zwar einstimmig. Nach Verabschiedung des Haushaltplanes brachte Herr Vorsteher Qoldschmidl die besten Wünsche und den ganz besonderen Dank der Gemeinde und ihrer Körperschaften dem mit dein O.Mai 1037 in den Ruhestand tretenden Herrn Verwaltungsdirektor Katzenstein für seine wertvolle und aufopfernde Mitbeit unter einhelligem Beifall der gesamten Sitzung zum Ausdruck. Namens der religiös-liberalen Fraktion sprach der Gemeinde- Verordnete Herr Rechtsanwalt Dr. Zander ebenfalls Absehiedsdank und Abschiedsworte für Herrn Verwaltungsdirektor Katzenstein. I lerr Verwaltungsdirektor Katzenstein dankte für die Ehrung und die Wünsche und brachte dabei zum Ausdruck, daß er stets für das Wohl dei gesamten Gemeinde ohne Unterschied der einzelnen Richtungen zu arbeiten bestrebt gewesen ist. Das Musizieren als kulturelle Aufgabe und Arbeit. Bei der Betrachtung der kulturellen Erziehungder in Deutschland lebenden Juden dürfen die Schwierigkeiten nicht übersehen werden, die sich in besonderem Maße auf dem Gebiete der Musik ergeben Wohl nirgends ist eine so völlige Umstellung und ein so völliger Neuaufbau nötig, wie gerade in den Dingen der Musik. Denn die VorautttcUungen für die Pflege dieses Gebietes der Kultur haben sieh grundlegend geändert, die Forderung einer solchen Pflege ist jedoch bestehen geblieben. — Fine Einführung in die Welt der Musik kann, wenn sie etwas tiefergreifend sein soll, nur so erfolgen, daß die zwei Wege des eigenen Ausübens und des Anhörens fremder Darbietungen zugleich beschritten werden. Beide Möglichkeiten sind augenblicklich beschränkt, und hier Abhilfe zu schaffen ist eine wichtige Aufgabe. Die Anzahl der Musikveranstaltungen des Kulturbundes ist verhältnismäßig gering und genügt dem Bedarf in keiner Weise, wenn man von den besonderen Verhältnissen in Berlin absieht. Den kleineren Ortsgruppen ist es nicht möglich, eigene Orchester zu erhalten, und auch die Verpflichtung des Reiseorchesters bedeutet meist eine große finanzielle Belastung. Auch ist es selten möglich, Solisten oder Kammermusiker von Ruf zu verpflichten, da viele der bekannteren Künstler sich mehr und mehr im Auslande betätigen. Man muß also damit rechnen, daß die Zeit der großen Darbietungen und der „stars" für uns vorüber ist, und deshalb muß jede. Einzelne sein Bestes dazu tun, um ein Kulturleben aufzubauen, welches den Verhältnissen besser entspricht. Noch stärker als der Mangel an öffentlichen Veranstaltungen macht sich jedoch das Fehlen von Gelegenheiten zur Ausübung von Musik bemerkbar, denn dazu bedarf es neben der Tätigkeit des Einzelnen immer des Zusammenschlusses mehrerer zu einer Gelmeinschaft. Dieser ist es vorbehalten, ihren Mitgliedern einen tieferen Einblick in das W erk eines Komponisten zu geben. An den meisten (>rten fehlt jedoch diese wichtige Möglichkeit zum gemeinschaftlichen Musizieren. Diesem zwiefachen kulturellen Mangel ist man in den einzelnen Städten Deutschlands durch die Bildung von Orchestervereinigungen begegnet. Der Leiter unseres Leipziger Kammerorchesters, de» „Collegium musicum" hat mich gebeten, auf den Erfolg dieser Einrichtungen Irinzuweisen, um dadurch eine Anregung zur Bildung neuer derartiger Vereinigungen zu geben. Das Collegium musicum, Wie es in Leipzig besteht, setzt sich aus Liebhabern und Fachleuten zusammen und steht unter der Leitung des Dirigenten des Synagogenchores, Herrn Barnet Licht. Es gehört /in Gruppe der Streichorchester. Durch die Zusammensetzung und zumal durch das Fehlen der meisten Holz- und sämtlicher Blechbläser ist die Zahl der aufführbaren Stücke zwar beschränkt, aber dennoch steht die ganze reiche Musikliteratur des 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts (deutsche, englische, französische und italienische Meister) einem solchen Orchester zur Verfügung. Diese Beschränkung auf die älteren Komponisten stellt zwar in mancher Hinsicht einen Nachteil dar, sie verbürgt jedoch die Schaffung einer guten Grundlage, auf der eine weitere Fortbildung organisch aufbauen kann. In Dresden, WO das Leipzigei Orchester im vorigen Sommer ein Konzert gab, hat das Beispiel bereits anregend gewirkt und Anlaß /in- Bildung einer ähnlichen Vereinigung gegeben. In Gegenden, WO die Zahl der Mitglieder in den einzelnen Gemeinden nicht ausreicht, um eine solche Orchcstcrgcnicinschaft zu bilden, können sieh mehrere Ortsgruppen zusammenschließen, um nach getrennten Obungs- B benden ein gemeinschaftliches Konzert zu geben. Eine solche Regelung soll sich in Oberschlesien bewährt haben. Die Vorteile, die eine solche Orchestervereinigung bietet, sind offenbar. Nicht nur, daß in den Mitgliedern die Ereude an guter Musik geweckt w ird, und daß jungen Künstlern die Gelegenheit geboten wird, sich heranzubilden oder auch öffentlich mit einem Orchester ZU konzertieren, nicht nur, oali so auch an kleineren Ortt.i kulturelle Zentren geschaffen werden können, die den dortigen Verhältnissen besser angepaßt sind und dadurch eine Verallgemeinerung des Ausnahmefalles „Berlin" verhindern: Eine solche Einrichtung kann durch ihre Darbietungen, auch wenn der erfaßte Hörerkreis zunächst iiuch klein ist, die Schönheiten der Musik du jüdische:: Gemeinschaft näherbringen, und so kann jeder, uer ein wenig musiziert, dabei mithelfen, daß über den schweren Stunden des Alltags die höheren Werte der Kunst nicht vergessen w erden, aus denen man immer wieder neue Kräfte zum I eben schöpf..;:: kann E. M.

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