Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 17 (23.4.1937)
- Date
- 1937-04-23
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIO 23. April 1937 I rWVNS ►V4 4 Wlfflw s:i^ Denkt an die jüdischen Handwerker! Adressen vermittelt die Geschäftsstelle: M« Ufensacbtt, Plaucnsene straue 2, Telefon 27327 Neue Bücher Walter Proskauer, Hiob — und wir. Schicksalsfragen und Gottesantwort. Berlin 1937. (Brandt!ssche Verlagsbuchhandlung) In der Bücherreihe „Gestern und Heute" erfüllt dieses 0. Bändehen eine schöne Aufgabe: die Probleme, die den jüdischen Menschen heute erreget), unter die Betrachtungsweise alter jüdischer Gläubigkeit zu stellen. Wir nennen Hiob nach allem, was ihm widerfahren, den grollen Dulder. Proskauer zeichnet in freier Anlehnung an das biblische Buch die tiefe Scelennot des Mannes, der ein makelloses Leben geführt hat, der aus bedingungslosem Glauben in die Zweifel an alles Bestürzt wird, was ihm bis dahin in inniger Gewißheit von der göttlichen Gerechtigkeit leben ließ. Aber das Bild zeigt auch die jüdische Antwort auf solche Zweifel: die Siandhaftigkeit. Iliob ringt mit dem Zweifel. Er widerspricht mit aller Schärfe der l ehre der Freunde, die alle Leiden als göttliche Strafe für begangene Sünden deuten wollen; es gibt Leiden, auf die diese Formel nicht angewendet werden kann; denn auch I romiue werden vom Unglück verfolgt, während Gottlose im Glücke leben. Lr weiß wohl, daß das Glück der Gottlosen oft genug zerbricht. Aber er muß doch fragen, warum den Bösen so viel Nachsicht zuteil wird.- Diese I ragen stürmen in ihm, sie brechen in manchem Moment als ungestümer Uninut hervor: er möchte in unbefangener Zwiesprache mit Gott selber zur Klarheit voi-dringen. Ls gelingt ihm, weil in allem inneren Drange eines in ihm ungebeugt bleibt: seine Statthaftigkeit. Darum vernimmt er schließlich Gottes Zuruf, daß der Mensch die Ordnung des Geschehens nicht zu erfassen vermag; er wird den Weg der Geschichte nicht ergründen. Das aber ist nicht eine Erkenntnis, die beugt, sondern sie erhebt, sie läßt neue Schwingen wachsen, läßt ihn auf neuer Ebene ein neues Leben aufbauen, (irofi ist Hiob als Dulder, weil er standhaft bleibt. — In dem Ringen um den Sinn unserer l äge bleibt das uralte Buch I Hob ein wertvoller Führer. Proskauer bringt die Gedanken des Buches in schwungvoller Sprache zu klarer Darstellung. Das Tröstliche und Stärkende ist wirkungsvoll herausgearbeitet. Das Buch vermag viel Zweifel zu lösen. G. <■ '.. Von den Juden Jemens. Line Anthologie. Gesammelt, übersetzt und herausgegeben von S. D. F. Goiteiu. Berlin 1937 [Schocken- Bücherei lij (Schocken-Verlag). Das ausgezeichnete kleine Werk kann in zweiter Auflage erscheinen, deutlicher Beweis für das Interesse, das es erweckt hat. Man weiß im allgemeinen nicht viel von den Jemeniten; kaum, daß diese iilteste jüdische Gemeinschaft „länger als jede andere und verhältnismäßig unbeeinflußt von innerjüdischen Wanderungen auf demselben Flecke sitzt und dabei ihre religiöse Verfassung bis auf den heutigen Tag ungebrochen bewahrt hat". Man weiß etwas von der unsäglichen Leidensgeschichte dieses Teiles unserer jüdischen Gemeinschaft. Aber was mich unterrichtete Juden meist nicht erfahren haben, sind die kulturellen Leistungen, die sie hervorgebracht haben. Fesselnde Einblicke in Sage und Geschichte, Schrifttum und Lehen vermittelt die Anthologie, die zum Teil mündliche Mitteilungen zum ersten Male aufgezeichnet hat. Auf knappem kaum wird hier dieser versprengte Stamm dem Leser nahegebracht. „Der Alorgen". Jahrgang 13, Heft 1, Berlin W Ib (Philo Verlag). Wir benützen die Gelegenheit, dal? die Zeitschrift „Der Morgen'' ihren neuen Jahrgang beginnt, um erneut auf dieses Organ hinzuweisen, das im jüdisch«!] Leben Deutschlands an Niveau, Vielfalt der Gesichtspunkte, Rang der Mitarbeiter und Glau/ der Darstellung eine Sonderstellung einnimmt. Der Leitartikel des Aprilheftes „Symbolisches Handeln" geht von der Deutung einer überraschenden Einzelheit des l'essachfestcs aus und zeigt einen Weg jüdischer Lrziehung vor der Religion und damit zur Religion. Kurt St i lisch we ig verfolgt die „Entwicklungslinie des Nationalismus" seit dem Mittelalter ebenso knapp wie klar, geistvoll und reich an Durchblicken. Gerhard Sc hui ein von der Universität Jerusalem stellt in neuem Durchdenken der Probleme jüdischer Geschichtswissenschaft ein Programm der Kabbalaforschung auf. Fritz Benjamin endlich zieht mit der klugen Reportage „Diesseits und jenseits vom Äquator" eine geistige Luftlinie zwischen Südamerika und Palästina, /wischen altem und neuem Kulturland. Daneben und dazwischen: ein Briefwechsel /wischen Max Dien ema nn und Max Elk (Gotlcsdicnstgcstaltuug in Erez Israel), eine Novelle von Mala Laaser (Die unruhigen läge), Presseschau, Glossen. Buch- und Musikbesprechungen: wie jedesmal ein Heft mit abwechslungsreichem Inhalt, das die Pflicht, au den Problemen des jüdischen Lebens teilzunehmen, /um Vergnügen macht. Sport Schach. Soeben ist das alljährliche MeistciscIiaftsUirnier les Bar Kochba zu l üde gegangen. W ieder stritten einige zwanzig Denksportler Woche für Woche vier Stunden lang um die Meisterehren. Aber es ging wie immer: fajarowiez, seit Jahren unser Bester, ^ihmoilll&v Das Sute Kümmelbrot will III C III l Cl Die guten Berches und - wie wir gesehen haben — auch der Beste im ganzen Reich, ging unschlagbar durch die Monate harten Kampfes und errang einmal mehr den ersten Preis (12 Punkte aus 12 Partien). Auf den zweiten Platz.i reflektierte dagegen neben dem „ewigen Zweiten" M-undsztuk'diesmal noch ein anderer: Steinhaus, der un> leider inzwischen verlassen hat, spielte erheblich verbessert und teilte mit Mundsztuk den zweiten und dritten Preis (10 Punkte). Weit zurück folgen die nächsten, zwischen denen kaum Unterschiede in der Spielstärke bestehen. Wühl, Dr. Kost und Baum (6), Goliifaden, Dresner (b*/»), Eisenberg, Dr. Bltitnberg (5), Jaffe (4) und Verständig (3) folgen dicht beieinander. — Auch in der zweiten Gruppe waren einige Spieler weit überlegen. Der erste Preis kam an Silber stein (11 aus 11), der zweite an Fischer (9) und der dritte wurde geteilt von Berger und Seeligmann (7). Neumann, Fr! Friedmann und Sieradzki errangen 5'/2, Sonini 4*/|, Qstrogttrski 'S, Außenberg 2 und Blum 1 Punkt. Linen bedeutenden Erfolg erstritt sich Altmeister Mieses in einem der Osterturniere zu Margate. In starker internationaler Gegnerschaft gelang es ihm, 7' , Punkte aus 9 Partien zu erzielen und damit Sieger zu werden. Dieser Erfolg wirft ein beachtliches Licht auf die Höhe des Leisttuigsstandards unserer Besten. — In MargaU siegten auch in den anderen Gruppen die teilnehmenden jüdischen Meister. Ruhen Line schlug sogar Exweltmeister Aljechin und erwies sich aufs neue als einer der heute kaum schlagbaren junge:! Weltineisterschaftsanwärter._'_ Herausgegeben vom Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig Schriftleitung: Ocmeinderabbiner Gustav Cohn, Leipzig C 1, Walter-Blümel-Str. H>, III. Anzeigen: Verlag Elsa Goidfreund Leipzig Cl, Hainstraße 16, Zimmer 303. Tel. 16722 Anzeigenleiter: Ernst Ooldfreund, Cichoriusstraße 2a. Tel. 60771 für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Nummern and an bestimmten Plätzen und für telefonisch aufgegebene Anzeigen wird keine Oewlhr übernommen. Druck: Jorü^n & Cramberg vorm. Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig, Brüderstr.19 D. A. I. Vj 37. 3346. Pr. L. Nr. 6. Für den Inhalt der Inserate übernehmen Gemeindevorstand und Schriftleitung keine Verantwortung. 6. Sati Es mode-lleulieiten Vereinsnachrichten Zionistische Vereinigung Leipzig. Anläßlich ihrer bevorstehenden Obersiedlung nach Berlin verabschiedeten sieh Herr Willi und Frau Liese Hofstein von ihrem engeren zionistischen Freundeskreis. — Es ist uns ein herzliches und aufrichtiges Bedürfnis, den beiden scheidenden Gesinnungsgenossen für ihre jahrelange und unermüdliche Arbeit im Dienste der zionistischen Idee den herzlichsten Dank der Zionistischen Vereinigung Leipzig auszusprechen. Herr Hofstein hat während der letzten vier Jahre in aufopfernder und treuer Pflichterfüllung das 'schwere Amt des Vertrauensmannes für den Kernt Hajessod und den Keren Kajemeth Lejisrael versehen und weder Zeit noch sonstige persönliche Muhe gescheut, tun die zahlreichen Aktionen für diese beiden Fonds in Leipzig erfolgreich durchzuführen. — Fian 1 iofsiein hat ais Beauftragte der WIZU in echt luetischer und mütterlicher Weise unter großen persönlichen Opfern für die Ausstattung unserer zur Alijah kommenden Olim gesorgt. Ihr schönes und gastliches Heim war stets ein Mittelpunkt zionistischen Lebens in Leipzig. — Das Wirken dieser beiden vortrefflichen Menschen und Zionisten wird in unserem Kreise unvergessen bleiben. Wir wünschen ihnen und ihren Kindern auch in ihrem neuen Wirkungsort eine glückliche Zukunft und eine erfolgreiche Arbeit. Der Vorstand der Zionistischen Vereinigung Leipzig hat beschlossen, Herrn und I ran Hofstein in Anbetracht ihrer Verdienste um die zionistische Bewegung in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfouds einzutragen. Sportverein „Schild", Leipzig C 1, Geschäftsstelle: Kleine Flcischerg. 8, Aufg. All. Tel. 14368. Sonntag, 25.4., ab 10 Uhr allgemeines Training auf unserem Sportplatz. 11,30 Ühi Verbandsspid Leipzig Halle I - Jena 1 (Handball). Das Hallentraining wie auch Tischtennis findet nur mich bis Linie April d. J. statt. Jüdischer Sportverein Bar Kochba Leipzig e.V. IZigeuer Spmi park. Eutritzsch. Dübener, Landstr. Turnhalle: Gustav- Adolf-Str. 7. Geschäftsstelle: Brühl 45. 1«~T Schachabteilung: Diensjag, den 27. April, 20,30 Uhj am/! ▲ vtm österreichischen Vaterlandshcün, Klostergasse Vorführung von Sc h ac h p cohl c m cu jüdischer M rter und Preisraten. - Beginn des Jugendturniers •im Montag, den 26. 4., H» Uhr (Vorbesprechung) in der Geschäftsstelle, Brühl 45. Meldungen noch bis dahin möglich.