Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 10 (5.3.1937)
- Date
- 1937-03-05
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4876568-5968814-5990747--6297-4882435- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIÜIUNSGEMEINDE ZU LEIPZIQ 5. März 1937 Moi in P(^aU/\i> mwuw Quill ioi Emst Fürstenthal. Abraham. Bertis 1936. (Jüd. Burfcvrreiiiiguiig.) Auf dieses Buch hatten wir schon unmittelbar nach seinem Erscheinen kurz hingewiesen; es verdient jedoch eine nochmalige Würdigung. Mit ihm wie auch mit der Sammlung von Erzählungen von Jacob Picard — die gleichfalls noch besonders betrachtet werden soll — hat die Jüdische Buchvereinigung wieder bewiesen, daß ihre Leitung gute Wahl zu treffen wein Fiirstpnfhal nnt»™;™»,* mit Senonstem |-rtnlnr Hon Ve^Uch, de.". rdchCü Cliait an Odgcil und Legenden, der die Gestalt des Erzvaters umrankt, zu einem packenden Lebensbild zu verwenden. Bekannt sind die' älteren Darstellungen, die das Lehen biblischer Männer nach Midrasch und Aggada erzählen, wie Bernhard Beer 1859 „Das Leben Abrahams nach Auffassung der jüdischen Sage" veröffentlicht hat (aus seinem Nachlaß wurde 1863 ein gleich angelegtes Buch über Mose herausgegeben); in neuerer Zeit hat Edmond Fleg unter Benutzung des Sagenstoffes das Leben Moses gezeichnet. Was Fürstenthals Buch von ihnen unterscheidet und angenehm unterscheidet, ist die dichterische Abrundung der zahlreichen, zusammenhanglos überlieferten Sagen zu einem Gesamtbilde. Ohne es auszusprechen, läßt sieh Fürstenthal von der sicherlich zutreffenden Auffassung leiten, daß dieser gesamte Stoff, auf eine und die gleiche Persönlichkeit bezogen, nur Einzelzüge ihres Bildes oder Einzelmomente in ihrem Leben zur Ergänzung der biblischen Erzählung bewahrt hat; einfühlende Schau muß sie zueinander fügen, um eine lebenswarme einheitliche Zeichnung erstehen zu lassen, wie sie ursprünglich vorhanden gewesen ist. Und das ist diesem mit dem Schrifttum durchaus vertrauten, da/u aber mit dem Blick und der Gestaltungskraft des Dichters begabten Verfasser gelungen. Wenn nach der Legende Abraham seine Kindheit und Jugend in der Geborgenheit eines Höhlendaseins verleben mußte, weil der sich selbst vergötternde König Nimrod, aus Angst vor dem Größeren, alle neugeborenen Knaben umbringen ließ, so läßt uns Fürstenthal die ganze Tragik der Mutter miterleben, deren Bangen vor der schweren Stunde, wie es jede werdende Mutter bewegt, ins Unermeßliche gesteigert wird, weil sie fürchten muß, den eben Geborenen auch schon wieder hingeben zu müssen. Aber auch das Wunderbare der Errettung und der geistigen Reifung des unter so ungewöhnlichen Umständen aufwachsenden Knaben wird so plastisch gestaltet, daß es kein Staunen mehr gibt über die ülaubenstiefe und die seelische Kraft des Jünglings, der den Kampf g«"gen die Abgötterei der Zeit sc mutig und so demütig zugleich, so voll innerer Sicherheit und doch ohne jede Überheblichkeil aufnimmt. Treffend ist die Darstellung darauf abgestellt, daß Abrain bei aller Loslösung von dem Denken und Trachten der ihn umgebenden Menschen seine Aufgabe nur darin erblickt, mitten in der Menschenwelt zu stehen und ihnen mitzuteilen, was ihm offenbar wurde. So muß er aus Jahren der Absonderung sich wieder in das flutende Leben begeben, muß er schließlich aus Mesopotamien nach Kanaan ziehen, um hier zu vollenden, was er in der Heimat eingeleitet hat. — Der tiefe Linschnitt in Abrahams Entwicklung, den der Zug nach Kanaan darstellt, gibt mit Recht den Abschluß des Buches; man kann nur wünschen, daß Fürstenthal den 1 ehensroman auch der spateren Abschnitte in Abrahams Weg seiner Sendung in gleich anziehender Form nachdichtet. Eine glückliche Verbindung zwischen der Sprache des Midrasch und dem Stilgefühl unserer läge, an nicht wenigen Stellen eine mitreißende Gestaltung machen das Buch als Ganzes so fesselnd, daß mau es nur ungern aus der Hand legt, sobald man sich hineingelesen hat. — Wer sich in die Quellen vertiefen möchte, findet diese in einem Anhang, zugleich mit Erläuterungen und Varianten angeführt, so daß das Buch auch Anregung zu weiterer Forschung gibt. G. C. Sammlung von Erzählungen ausländischer jüdischer Autoren. Die Jüd. Buchvercinigung, Berlin. Pariser Str. 7, teilt mit: ,.Als erste Veröffentlichung des Jahres 19ii erscheint in der Jüd. BurhveruinCl ÜClli i HCl iriflife ij)wUiM»il£ W U( ***** CiiC kiiii UiMM dlgftU IM m •■ .tusgege.Dcr. l-T mä*r' wie Israel Zangwiii, Loui» üoiuing, hdmond rieg, w'ladimir Jabotinski, S. I. Agnon u. a. m. Durch dieses Buch wird dem jüd. Publikum die große jüdische Literatur des Auslandes vermittelt. Es wird Anfang März den Mitgliedern der Jüd. Buchvercinigung geliefert." Walter Preuß: Die jüdische Arbeiterbewegung in Palästina. Neue, völlig umgearbeitete Auflage mit einem Vorwort von l). ben Gurion. Wien 1936 (Fiba Verlag.) Wer mit der Geschichte des Palästinaaufbaus bekannt werden will, soll dieses umfassende Rurh zur Hand nehmen. Oherzettgcnd statistisch, gedanklich und geschichtlich unterbaut — wird uns klar, daß jüdischer Arbeiter und Aufbau unzertrennlich miteinander verknüpft sind. Das Buch zeigt deutlich auf, daß Palästina mit dem jüdischen Arbeiter steht und fällt und Kolonisation auf arabischer Grundlage für uns ein Unding wäre. Das Bewußtsein dieser Bedeutung und dieser Aufgabe geht durch das ganze Buch, d. h. durch die ganze Geschichte des palästinensischen Arbeiters. Es hat seinen Niederschlag im Kampfruf: Kibbusch Awoda — Eroberung der Arbeit gefunden, der auch heute noch seine Geltung hat. Uns wird kl.-K'n uw er nicht gegen den Araber, sondern f ü r "den Juden geprägt wurde. Um Alijah zu vergrößern, nimmt ein jeder gern immer neue Lasten auf sich. So ist es nur natürlich, daß die jüdische Arbeiterbewegung keine Parteiangelegenheit ist — wnzii s>«* so mancher von Uüä «ern stempein möchte, sondern ein Grundfaktor des jüdischen Auf haus. — Wir lernen, daß es kaum einen Lebensbezirk gibt, in dem sich nicht die junge Bewegung betätigt. Wie unbedingt nötig ist es ja auch, daß mau sich Theater, Räume, Wirtschaftsorganisationen schaffte, da es doch keine staatlichen Möglichkeiten zum Einbau dieser Kräfte gibt. Vor unseren Augen entrollt sich ein fast staatlieh anifntffnfta Qefügt, izz iul uer i irnmiianrp gegenseitiger Hüfe und freiwilliger Disziplin errichtet wurde. Wir lernen Organisation von Moschaw und Kibbuz auf das Genaueste kennen und all die Institutionen, mit denen der Einwanderer immer wieder in Berührung kommt. — Ganz nüchtern und klar ist das alles geschildert. Es ist das Materia!, das hier zusamii.engeschafft wurde. Man soll das Buch gut durcharbeiten, denn man kommt ja nicht nur mit Zahlen, sondern auch mit den Problemen der Kolonisation zusammen, mit den Problemen der Wiedergeburt der Nation. ch. c. Sport vom Sonntag (Von unserem ständigen Berichterstatter Deka.) Der 28. Februar brachte zwar ein noch bescheidenes Programm, aber immerhin etwas, der Anfang ist nach langer Zwangspause jedenfalls wieder gemacht, und hoffentlich kann's nun mit vollen Segeln in die Frühjahrssaison gehen, denn beide Vereine haben sich für die kommenden Wochen sehr viel vorgenommen ... Im Fußball gab's ein kleines Treffen zwischen „Bar Kochbas" II. Flf und der!. des Chemoitzei „Maccabi", das Resultat von 1:1 klingt zwar recht friedlich, aber . . . reden wir nach dieser Premiere nicht weiter davon. Der Handbali brachte drei Spiele, „Bar Kochbas" I. Jugend besiegte die gleiche des Magdeburger „B. K." mit einem glatten 5:0, den Gästen muß ob dieser Niederlage der Mangel an Spielmöglichkeit zugute gehalten werden. Die Damen, oder wahrheitsgetreuer die Mädels, denn die ersteren glänzten z, T. durch Abwesenheit, holten gegen ihre Freundinnen aus Chemnitz immerhin ein 0:0 heraus, ein netter Auftakt zu den bevorstehenden Kämpfen. Auf dem Schildplatz mußte die II. Handballelf, „verstärkt" durch einige jugendliche, eine knappe 4:5-Niederlage durch die I. Mannschaft der Jenaer Sportgruppe hinnehmen. Mehr sei von den sonntägigen Spielen nicht berichtet, die Mannschaften können noch nicht in Form sein, und dazu waren die Bodenverhältnisse noch nicht so, wie sie c& hoffentlich morgen sein werden, denn da soll's auf beiden Plätzen in die „Vollen" gehen. „Bar Kochba" erwartet für seine I. Fuß- und Handballmannschaft den recht spielstarken Dresdener „B. K.", dazu treten seine „Alten Herren" gegen „Hakoah"-Bcrlin in Aktion; „Schild" bekommt für seine I. Hand- und II. Fußballer ebenfalls Dresdener Besuch, weiterhin tritt seine I. Fußballelf dem Chemnitzer „Schild" gegenüber, und die II. Handballmannsch. versucht es gegen die 1. der Magdeburger Sportgruppe. Ob sich wohl einige Zuschauer nach draußen trauen werden?! sie werden auf beiden Plätzen düngend benötigt und erwartet!!! In letzter Minute erfahren wir noch von der .;Srh:!d-Exped!tion" nach Hiiidenburg (Oberschles.) zur Reichs-Schwimmeisterschaft de« Sportbundes. Tiul/. Fehlens eines regulären Hallentrainings haben sich diese 8 Leute ganz hervorragend geschlagen. Inge Cohn brachte sich leider durch falsches Wenden um den Meistertitel, ihre Leistung und Zeit aber bewies, daß sie heute die beste jüdische Crawlschwimmerin Deutschlands über 100 m ist; Hallox Goldschmidt und Hans Schönwasser landeten im 100 m-Jugendbrustschwimmen bei starker Konkurrenz an dritter Stelle, und Schwarz lag im 100 m-Rückenschwimmen mit dem spätden Sieger und Olympia-Kursist Bernd Mcysel bis zur dritten Bahn Kopf an Kopf, mußte aber dann wegen Wadenkrampf aufgeben. Der-Weg dorthin war weit und anstrengend, aber das letzte Sommcrtrainiug frühmorgens um 6 Uhr hat sich gelohnt Schach. Auch dieser „königliche" Sport hat wieder einmal da* \Y/'r*rr Vof*l 8—11 \Ä nr-r tTHtTCtl Atn IftiUerltAfi C •!.....!....:..!. .r :.. Fnrtl.'türT ii*, o«<^ + <* . ....... ■ L>ao juuisinc .n ii.nun in i in Deutschland ist ja mit der Schachabteilung des hiesigen Bar Kociiba auts engste verknüpft. Die Arbeitsgemeinschaft der jüdi sehen Schachvereine hat hier ihren Sitz und der Makkabikreis seinen Obmann. Aber auch rein spielerisch gehört dem Bar Kochba eiiu1 Meistergarde an. Die Sifger des ersten Turniers, Fajarowicz und Mundsztuk gehen ebenfalls nach Frankfurt als gefürchtetste Anwärter auf den Meistertitel. Ihre schärfste Konkurrenz kann aber dieses Mal der erste Vertreter des Bar Kochba, Altmeister Mieses, werden, der mehr als einmal bewiesen hat, daß das Alter auf das Können keinen Einfluß hat. Gegen diese drei starken Waffen wagen | den Kampf; Sdiauiowski-Hamhurg, Haar, Präger-Frankfurt, Kreisberg, Moritz, Winitzki, Lexandrowitsch, Lipszyk-Beriin, Harnik- Breslau, Kreiswirth-Köln, Strauß-Wiesbaden, Höflein-Bamberg, Dr. Stern-Würzburg. Obwohl der größte Teil dieser Namen auch die Liste des Leipziger Turniers im Vorjahre zierte, ist eine Abschätzung gegeneinander schwer möglich.' Schainowski, Haar und Morit/. gelten im allgemeinen als besonders zuverlässig. Aber die anderen Berliner und der Breslauer Meister haben ebenfalls einen „Meister"namen. Glück und Zufall, spielen auch im Schach ihre Rolle. Wenn man ferner bedenkt, daß die Spieler täglich zwei vierstündige „Sitzungen" absolvieren müssen, dann muß man sich Berechnungen versagen und tut am besten' daran, den Leipzigern Vertretern das Beste zu wünschen. I l