Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-11-27 · 48 (27.11.1936) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
48 (27.11.1936)
Date
1936-11-27
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4876568-5968812-5985774--6171-4882323
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 2_ OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 27. November 1936 an sein Lebensende verfolgte, trotzdem tief verwurzelt blieb in jüdischer Tradition, in jüdischem Brauchtum, in jüdischem Fühlen und Denken. Wenn die Menschen seiner Erfindung, seiner dichterischen Phantasie den Sabbath feiern, wenn sie Fiawdaiah machen, wenn sie benschen oder Bracha erflehen von Eltern oder von dem „Seide" __I__J - - f».t. -m r- - ' i iii'» r Hwuuti . n v-iiii .31V. ait.il «iif itLl^iltll diu Iii C gliilll'll I nrltafe. oder wenn sie aufgerufen werden zur Thnra und besonder« wenn sie „Jahrzeit" halten, und es fehlt ihnen womöglich der männliche Sproß zum Kaddischsagcn („keinen Kadosch wird man sagen, nichts gesagt und nichts gesungen wird an meinen Sterbetagen"), dann sind sie wurzelecht, und wir fühlen uns ihnen blutnahe, als wären niemals Fortschritt, Liberalismus, Assimilation dahingebraust über Generationen, sie zu entfremden dem geistigen Erbe der Vater, und — womöglich auch — dem Throne des Ewigen. Wenn wir in den Werken von Leopold Kompert blättern, werden wir allesamt wieder zu Kindern und süße, vergessene Erinnerungen werden in uns wach. Nicht nur, daß uns plötzlich die alten geheiligten Weisen wieder im Ohre und in der Seele klingen: „Schema jisroel...", die Worte, die zuerst und zuletzt unser Mund formt, oder der Anfang des Totengebetes „Jissgadal w'jisskadasch schme rabbo", sondern wir entsinnen uns auch, wie wir als Kindel vor PesMCh eifrig Gliome; gcbattelt haben, auf daß nicht ein verbotenes Krümchen im Hause blieb und erinnern uns der Feierlichkeit, mit der dann das Pessachgeschirr vom Boden geholt und fein säuberlich blank gerieben wurde zum köstlichen Mahle des Seders. Und aus jeder Seite der Erzählungen von Leopold Kompert schlägt uns der Wohlgeruch der Erinnerung entgegen. Wir sehen unsere. Großväter wieder feierlich mit Tallis und Käppchen, wir entsinnen uns ihrer wieder an dem erhabensten Tage des Jahres, am Jim Kippur, wo sie in ihren Sterbegewändern standen und Buße taten vor dem Herrn. Und plötzlich kommt von irgendwoher das wehmütige Gedenken gefiogen, Chanukkah-Mtton der Jüdisdien Winterhilfe! Wir Wnl/Sfl fltirh in rlifeem Inhr ttnear Mnnli/'Ueime um unsere Bedürftigen mit Kleidungsstücken auszustatten. C~ L — ~ Jf . n -w~ - ri ' liUUiit11 jmi «/ct. ctut/ft givjjcn i eil uusttcf utirtUitn UTTi Menschen, die geraume Zeit ohne Arbeit und Einkommen sind und denen das Nötigste an warmen Kleidungsstücken, Wäsche, Schuhen und dergl. fehlt. Um diesem Notstand wirkungsvoll abzuhelfen, verteilen wir im Rahmen unserer Chanukkah-Aktion nur neue Bekleidungsgegenstünde. Wir bitten daher unsere Gemeindemitglieder, vor allem die Herren Geschäftsinhaber der Bekleidungsbranche um reichliche Sachspenden. Wir erwarten darüber hinaus von /edem einzelnen, daß er alles tut, was in seinen Kräften steht, um unseren Glaubensgenossen zu helfen, daß sie in dem. nahen Winter nicht frieren und an ihrer Gesundheit Schaden nehmen. Wer uns keine Sachspenden geben kann, wird gebeten, durch Überweisung eines angemessenen Betrages uns in die Lage zu versetzen, die notwendigen Bekleidungsstücke anzuschaffen. Sadispenden bitten wir In unserer nusgabestelle 'Brühl 47 koi abzugeben. Geldspenden sind mtt da BezeUhnung „Chanukkah- Mtton" auf unser lostsdiedikonto Jlr.2C5H Jsraeliüsdie Mlglcnsgemelnde Jlbtellmg Winterhilfe oder an der Xauptkasse der Israel Migicnsgemeinde, Walter-Mmel-JtraBe 10 einzuzahlen. Jude kannst Da es sehen, wenn Deine Brüder hunjern und frieren? Hilf! es Ist Deine Pflicht. Jüdische Winterhilfe daß wir selbst vor Jahrzehnten unter einer Ghuppe gestanden, und der Tallis sich schwer auf unser damals noch so junges Frauenhaupt gesenkt hat Jahrzehnte über Jahrzehnte sind vergangen. Wir glaubten vieles verlernt, vergessen zu hahen. Wir waren andere, als wie wir glaubten, modernere Menschen geworden trotz der Mesusa an unserer Türe. Und plötzlich erkennen wir, wir brauchen nur die Bücher eines Mannes aufzuschlagen, der schon seit 50 Jahren auf dem „guten Orte" ruht, und aus den Blättern seiner Bücher schlägt uns der Puls lebendigen Lebens, unseres eigenen, dereinst gelebten Lebens, entgegen. Nicht nur die Zukunft, auch die Vergangenheit kann wunder wirken; sie kann jüdische Kinder in ihrem Zaubertnantel über Zeit und Ort hinwegtragen. Wir wollen es Leopold Kompert /.u seinem 50. Todestage danken, daß er zu jenen gehört, die solche Wunder zu wirken vermögen. Seine Werke dem Staub der Büchereien zu entreißen, sei darum eine Forderung des Tages, die nicht Luit und nicht kräftig genug erhöh •; w irden kann. Jüdische Zeitschau Rnt der Rciclisvertreiuiig tagte in! rankfurt. Am 2. Növeiiibei 1936 ist in Frankfurt a. Main der neugeschaffene Rat bei der Peirh=- vertretiinfr h». Ju^rr: Deutivmauu, d;e Wr»!«?ter der Laiuk»- verbüsdc [fitTinrhrr Ucmemdett und «frr grnfJtäi jüdischen Organisationen mufatit, zum erstenmal zusammengetreten, Hierzu wird offiziell mitgeteilt: In dieser ersten Sitzung hat sich der Rat von der Gesamtheit der Aufgaben Rechnung gegeben, deren Erfüllung die Arbeit der kommenden Monate zugewandt sein muß. Während der Umfang der Aufgaben immer größer geworden ist, wird die Leistungsfähigkeit der Gemeinden und der jüdischen Gesamtheit in Deutschland durch die Verminderung der Zahl und der wirtschaftlichen Kräfte der Juden in Deutschland immer schlechter. Es herrschte Obereinstimmung, daß nur fester, selbstloser Zusammenschluß und echte Opferhercitschaft die Gewähr dafür geben können, daß unsere Gemeinschaft in geschichtlicher Zeit den großen und schweren Pflichten gerecht werden kann, die sie erfüllen muß. In der Beratung des Rates kam allseitig /um Ausdruck, daß Vorbereitung und Durchführung der Auswanderung in alle Länder, Berufsuinsehichtung, Schul- und Bildungswesen, Wirtschaftshilfe, Wohlfahrtspflege das Kernstück der Arheit der Reichsvertretung der Juden in Deutschland sind und in der nä< listen Zeit bleiben werden. Die Aufbringung der Mittel fiir die Erfüllung dieser Aufgaben obliegt zum erheblichen I eil dem Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau bei der Reichsvertretung der Juden in Deutschland. Er hilft den Angehörigen unserer Gemeinschaft, denen eine Lebensmöglichkeit erhalten werden soll, sowie «leiten, die ihre Zukunft in anderen Ländern aufbauen wollen. Der 7entralausechuß muß daher nueli mein als bisher ein Gcincinschaftswcrk aller Juden in Deutschland werden. Bei der Beratung rfo Rates herrschte ferner niwTPinstimmung, daß auch weiterhin überaus dringlich die Aufgabe ist, mit allen Kräften au der Neugestaltung jüdischen Schicksals hi Palästina zu wirken, das in den letzten jähren Zehntausenden |U?iäStaäei W&SfiSSCeaefi .it.,. . Lö£w55C3aaSSiü j j^.:^ i! it^iilidl ^ttt'Ullltll IST Die Inden in Palastina schicken sich an, die Wunden, die schwere heilen, Dei BereiutkaÜ vier judfiil In :!:•: ganzen Weit muh auch in Deutschland die über das gewohnte Maß hinausgehende Mitaibcii aller Juden am Aufbau Palästinas entsprechen. Mit ihrem Opfer für den Keren Hajessod (Jüdisches Palästina werk e. V.), dessen Arbeit In diesem Jahr im Zeichen des „Mipha! Bizzarou u'Bitachon" (Festigung, Sicherung und Erweiterung des Aufbauwerkes) steht, erhärtet auch die jüdische Gemeinschaft in Deutschtand ihren Anspruch auf Offeiihaltung der Tore Palästinas und auf die Verwirklichung der Balfoui-Deklaration und des Palästina-Mandats. In der Beratung des Rat«1* kam zum Ausdruck, daß die Landesverbände jüdischer Gemeinden, die jüdischen Gemeinden und jüdischen Organisationen bisher bemüht waren und auch für die Folge bemüht sein werden, alles zu tun, um den an sie gestellten Anfor- Jüdische Schulen. Das Schulgeld für den Monat Dezember 1936 ist bis zum 7. Dezember 1936 an die Schulkasse zu zahlen. Kinder, für die das Schulgeld nicht bezahlt ist, werden von der weiteren Teilnahme am Unterricht ausgeschlossen. Für den Einzug der Rückstände werden gerichtliche Schritte eingeleitet. Die Schulkasse, Humholdtstraße 13 Erdg., ist täglich von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Der Vorstand des Israelit. Leipzig, den 28. Nov. 1936. Schulvereins Leipzig e.V.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.