Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 43 (23.10.1936)
- Date
- 1936-10-23
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 23. Oktober 1036 Neue Bücher Henri Pourrat, Die alten Papiermühlen in der Auvergne. Die Geschichte der Papiererzeugung Im Abendlar.de ist in geheimnisvolles Dunkel gehüllt. Man weiß hin», daß die Araber schon im fronen Mittelalter diese Kur.it «uö dun Oiiciii nach uein Westen brachten Mlgernach wurde sie irr. südlichen Europa bekannt und man erzählt sich, daß drei Kreuzfahrer aus der Auvergne, die sich mit Ludwig dem Heiligen eingeschifft hatten, im Heiligen Lande gefangengenommen und zur Arbeit in einer Papierfabrik verwendet wurden. Als sie endlich wieder in ihr Vaterland zurückkehren durften, begründeten sie in der Auvergne die ersten Papiermühlen Frankreichs. Sie stehen noch heute in der Nähe von Ambert. Die eine ist in eine Fabrik zur Herstellung von Rosenkränzen umgewandelt, die andere aber, ganz nahe, liegt unter Dornen und Efeu begraben. Von dieser bezaubernden Landschaft, ihrem ländlichen Frieden und der Erdgebuudu.lii.it ihrer bauerlichen Bewohner erzählt Henri Pourrat in einem mit feinem Geschmack ausgestatteten Liebhaberdruck. Armin Renker, der bekannte rheinische Dichter und Papierfabrikant, hat das französische Original vollendet übersetzt, Fritz Kredel die Holzschnitte geschaffen, L. R. Weih das leuchtendrote Initial gezeichnet und die Bauersche Gießerei Satz und Druck auf echtem Zerkall- Bütten hergestellt. Nur 100 Stück kommen in den Handel. (Herbert Reichner Verlag, Wien Leipzig-Zürich.) Alexander Jakowlew: Der Mensch und die Steppe. Roman. Alexander Jakowlew, dessen Bücher von der russischen Kritik totgeschwiegen worden sind, ist derjenige Dichter der jüngeren Generation, der vielleicht Hamsun arn nächsten kommt. Ebenso wie dieser fühlt er den unlösbaren Zusammenhang zwischen Mensch und Natur. Seine 100 Seiten starke Geschichte der Andronows, der Kaufherren und Großgrundbesitzer aus der Wolgagegend, von der Mitte des vorigen Jahrhunderts Dts zur Gegenwart, ist nicht allein die Geschichte einer russischen Familie. Sie ist ein Biiu des russischen Lebens jener Zeit überhaupt, der religiösen und politischen inneren Wirren, ein Gemälde der Wolgalandschaft mit dem geheimnisvollen „Drüben": der unermeßlichen Steppe jenseits der Wolga. Diese Steppe, mit der die drei Generationen der Andronows im Kampfe liegen, die sie urbar machen, aus der sie märchenhafte Reichtümer schöpfen und die sie überwunden glauben, bleibt zuletzt doch Siegerin: sie wird der Schauplatz aller Schrecken des Bürgerkrieges, der die Familie vernichtet, nachdem er ihren Reichtum zunichte gemacht hat. In der Steppe stirbt schließlich einsam, elend und unerkannt Viktor Andronow, der Held dieser Geschichte .. . (Erschienen im Herbert Reichner Verlag, Wien-Leipziir-Zürich.) Konzert und Theater Kulturbund. Im Rahmen ihrer Abschiedstournce in Deutschland gab Beatrice Frcudcnthal-Waghaltcr einen Abend für den Leipziger Kulturbund „Kleine bunte Lieder aus der großen Welt!" Wenn mau den Werdegang der Künstlerin, besonders ihre stimmlichen Mittel seit i'AiJ verfolgen konnte, so muß man jetzt einen großen Fortschritt darin feststellen. Ihre Stimme hat ungemein an Festigkeit gewonnen, der Stimmansatz ist zarter geworden, und die Pianos sind gut durchgebildet. Nur in den hohen Lagen ist der Ton noch etwas spröde, jUgraB-muß s^e noch ausgleichend arbeiten. In ihrer Vorag:,kiiiist leistet Bearrrice Freudenthal Voraftfnrnt^J11 gatt f ttmffCjrlct'ii' l!;-.i;-25!•„' -•' — ""Cti^ä Uiid dlt! ,a<rfc\Mi<n.»i» i , " hier entwickelt sie Temperament und Schneid. Kapelfmeiitei Leo Schönbach als Klavierbegleiter «schmiegte sich :,-.:t Feingefühl .... "Ä'ü kvünät-hei) Beuirice Freudenthal-Waghalter in ihre« neuen Heimat Amerika viel künstlerische Erfolge und möchten nochmals dem Wunsche Ausdruck geben, daß sie sich dort, wo ihr alle Möglichkeiten dazu geboten sind, ganz dun Operettenfach widmen sollte. Es stehen ihr bei ihrer Erscheinung und der temperamentvollen Beweglichkeit größte Aussichten für ihre Zukunft auf diesem Gebiete offen! tt. Gastspiei Isa Kremer. Einzelheiten bei dieser einzigartigen Künstlerin hervorzuheben, ist eine Unmöglichkeit bei der Fülle der Darbietung vollendeter Vortragskunst. Als Meisterin der Kleinkunst hat sie stell schon seit Jahrzehnten einen berühmten Namen gemacht. Ihre Stärke liegt nicht im tiesanglichen, sondern in der Gestaltung. Sie lebt sich vollkommen in die Psyche der Völker ein und ihre robust männliche Stimme unterstreicht dabei noch charakteristisch die Handlung jedes einzelnen Liedes. Ob Isa Kremer Russisches oder Jüdisches bringt, ob das Lied der Niggermammy oder im Gegensatz dazu das altenglische Lied „No sir!", im nu r erlebt sie es mit allen Pulsen, steckt selbst in der Haut der sentimentalen Mary (aiiierikau. Volkslied) oder der verliebten Jungfer (A Maidl in die Jtiren), selbst den italienischen Gondolieri sieht man leibhaftig vor sieh! — Werner Seelig-Bass, der sich mit dem Werk von Debussy als feiner Pianist vorstellte, war ein vollendeter Begleiter für isa Kremer. Das Publikum spendete begeisterten Beifall und Isa Kremer kargte nicht mit Zugaben! tt. Sport vom Sonntag (Von unserem ständigen Berichterstatter Deka.) Am 11. Oktober weilten beide Vereine in der Fremde, „Bar Kochba" absolvierte seine Pfüchtspiele bei seinem Namenavett«! ir. Berlin, und „Schild" war nach nahe eingeladen, um sich dort in den Dienet der Winterhilfe zu stellen. AU N'uvuin ist uaoei zu bemerken, daß sogar seine Kegler mit von der Partie waren, die mit zwei Mannschaften gegen Halle und Bernburg für den gleichen guten Zweck in den „Kampf zogen". Die beiden „Fünferreihen" des Gastgebers belegten jedoch im Mannschaftswettbewerb vor den Hierigen die ersten Plätze. Die Rasensportler spielten mit steigendem Erfolg, nachdem die Knaben den Hallenser Fußballern mit 6:3 unterlegen waren, sicherten sich die Mädels in einem wohl flotten, aber ziemlich systemlosen Kampf einen verdienten 3:1- Handballsieg, als Entschuldigung diene für einige die tags vorher stattgefundene Simchas-Thora-Feier, Leipzigs Beste war Ilse Urbach. In dem dann folgenden Hand halltreffen zwischen „Schilds" 1. Elf und einer Kombination der drei Vereine Halle-Magdeburg-Jeua sah es anfänglich für Leipzig ziemlieh mulmig aus, die Kombinierten gingen mit einem Eifer ins Spiel, daß man eine alt eingespielte Meisterelf vor sich glaubte, sie warfen mit einer Selbstverständlichkeit auch das erste Tor und ... dabei blieb es allerdings. Bis zum Halbzeitpfiff hieß o noch für die niesigen 2: 1, das Führungstor war ein besonders schöner Wurf von Henner Levy, und nach der Pause, als jede Partei nur noch 10 Mann im l eide hatte, spielte nur noch Leipzig, und neun weitere Treffer waren die Ausbeute dieser zweiten Spielhälfte. Beim Sieger war zwar auch noch nicht alles in Butter, aber man sah wenigstens Kampfgeist der dem Geg ncr allmählich entschwand. „Bar Kochba" kämpfte mit vier Mannschaften mit mehr oder weniger Erfolg in Berlin um die Punkte, wobei sie alle echt englische Resultate zustande brachten, dreimal hieß es 1:0, nur das Herren-I landballspiel erreichte eine bei dieser Sportart seltene Tornuote von 2:1, leider allerdings für die Berliner, die trotz stärkster Überlegenheit der Hiesigen damit beide Punkte erringen konnten. Im Sturm lag der bekannte „Hase im Pfeffer", und wer soll dann die Tore werfen?! Das sicher baldige Rückspiel draußen auf dem B. K.- Platz wird hoffentlich mit der dann stärkeren Aufstellung die schon lauge fällige Revanche an diesem Oegner glücken lassen. Die drei anderen Kämpfe waren den Fußballern vorbehalten, die I. Mannschaft verloi äulierst knapp 0: i. Heinz Cesinsky als Verteidiger und ihr Torwart Woywoda, wie auch sein Kollege von der „gewichtigeren Fakultät", den „Alten Herren" Fritz Rottet waren die Besten ihrer Elf, und diese schlugen die III. Elf des Berliner „B.K." 1:0. Mit dem gleichen Resultat bezwangen die II. Fußballer die gleiche Mannschaft des Gastgebers . . . und hier auf den Plätzen herrschte Stille . . . Frohe Kunde kam diese Woche aus Breslau, wo zwei mitteldeutsche Mannschaften des Makkahi-Kreiscs gegen die Vertreter Schlesiens um den Verbandspokal kämpften, und mit zwei Siegen ihre beschwerliche und anstrengende Reise beenden konnten. Bei den Handballern bildeten- 7 Leipziger den Stamm der Elf, die mit 10:2 ihren Gegner glatt niederhielt, der sein fehlendes Können sehr oft durch hartes Spiel auszugleichen suchte, aber damit ist ja noch selten ein Kampf erfolgreich beendet worden. Die Fußballer, mit fünf hiesigen Bar Kochbanern siegten knapp aber sehr verdient 2:1, der starke Wind wollte es mit dem Ball sehr oft anders, als der gute Witte?" der 5pieien^ .........■"■ ■ r '. .'!::! ü'.ür^en ... :nt hirwiederum Stil!«", „Du» Koct»U«t" fährt nach Dresden und ,,s<iiü<i-' versucht sein ::::r funi Mannschaften in Berlin, :].t\:t, hoffl er au: seht Marken Betrieb auf seinem Platz in Thekla am i. November, wenn er gegen „Schild" Breslau zum Besten der Jüdischen Winterhilfe spielt In der SchaJtabteilung des Bar Kochba gab Altmeister Mieses eine Simultanvorstellung, die den Auftakt zur Winterarbeit darstellte. Der Meister erledigte in der immer wieder bewunderungswürdigen Lebendigkeit seine Runden unter den 21 Gegnern, die sich ihm zum Kampfe gestellt hatten und zeigte überdies in der Partieanlage eine erstaunliche Vielfalt. Wie nicht anders erwartet, vermochte nur ein kleiner Teil der Partner seiner Sicherheit Widerstand zu leisten. Innerhalb von 31/» Stunden hatte Mieses lh Partien gewonnen und somit fast BSi0/o der erreichbaren Punkte erzielt. Drei Partien hielt er remis (gegen Dr. Blumberg, Steinhaus und Dr. Wachs) und mußte sich nur zweimal geschlagen bekennen (gegen Kaufmann-Zagreb und Jaffe). Vorausgegangen war dem Spiel eine kurze Gedenkfeier für den vor hundert Jahren geborenen ersten Weltmeister im Schach spiel, Wilhelm Steinitz. Herr Mieses führte eine der Glanzpartien dieses jüdischen Großmeisters vor und entwarf in einigen Zügen ein Bild von seinem Wirken. Herausgegeben vom Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig Schriftleitung: Oemeinderabbiner Qustav Cohn, Leipzig C 1,. Walter-Blümel-Str. 10, III. Anzeigen: Verlag Eisa Goldfreund Leipzig Cl, Hainstraße 16,. Zimmer 304 Tel. 16722 Anzeigenleiter: Ernst Ooldlreund, CIchoriusstraße 2a.'Tel. 60771 für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Nummern und an bestimmten Plätzen und für telefonisch aufgegebene Anzeigen wird keine OevJähr übernommen. Druck: Jordan fkOrambere vorm.Druckerei <1er Werkgemeinschaft, Leipzig, Brüderstr.19 | D. A. III. Vj 36. 3OT. Pr. L. Nr. 5.