Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 34 (21.8.1936)
- Date
- 1936-08-21
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 21. August 1936 Konzert und Theater Kammermusikabend des Kulturbundes (am 27. August.) Das Mendelssohn-Trio — Hella Chritrik (Klavier), Leo Schwarz (Violine), Paul Blumenfeld (Cello) — hat seit seinem dreijährigen Bestehen sich in den Kulturhünden Deutschland! künstlerischen Ruf gesichert. Die ü*wwlf Presse Ist .ulin Lot» über üie Leisttinoren dieses Trin«j wK«r r::::. IcJutlsiucu unu geistigen Qualitäten wie über den vorzüglichen Kammennusikstil. Dtisiaai ist der Kammermusikabend besonders abwechslungsreich und interessant, da auch zwei Werke von bedeutenden anerkannten jüdischen Komponisten zu Gehör kommen, von Ernest Bloch und von Hans Gal. Außerdem kommen der Romantiker Johannes Brahms mit dem C-moll Trio op. 101 und der Klassiker L. v. Beethoven mit dem B-dur-Trio op. 11 zu ihrem Recht. Das Klaviertrio op. 101 ist im Jahre lSSf) am Tluiner See entstanden. Brahms vereint in diesem Werke eine Fülle großer Ideengäuge, die er in meisterhaftem Aufbau .eenjal_ rlurrhführt-->Zwd- -T-hejr.e;; SürffrvoHeu "Charakters ~ beherrschen den ersten Satz. Sie entwickeln sich zu höchsten Steigerungen, und wenn mitunter auch zartere Stimmungen zwischen den drei Instrumenten aufkommen, so überwiegt doch das Leidenschaftliche, Stürmische in diesem Satz. Dagegen sind im zweiten Satz die Motive /arter und fließender. Der dritte Satz lehnt sich einer Art Tanzform an und hat reizvollen Rhythmus. Im letzten Satz bringt Brahms zwei markante Themen, die er in der Durchführung steigert und am SchluB grandios zum Ausklaug bringt. Die drei Notturnos von Ernest Bloch sind kurze Stimmungsbilder expressionistischen Charakters. Das erste ist in E-moll und mysteriös gehalten, das Klavier setzt ein und bringt eine verträumte Stimmung, die von Violine und Cello mit einem weichen Motiv weitergeführt w ii ü. Das zweite As-dur baut sich auf einen graziösen Canon, der von allen Instrumenten temperamentvoll durchgeführt wird. Das letzte in C-moll hat zwei verschiedenartige Motive, die miteinander wetteifern und originell in ihrem Aufbau sind. Das B-dur-Trio op. 11 von Beethoven entstand im Jahre 1700 und war im Original für Klavier, (Klarinette und Cello geschrieben. Es ist ein Juecndwerk des Meisters und lehnt sich noch an den Haydn-Mozart-Stil, mit Ausnahme des letzten Satzes. Im ersten Allegrosatz sind die Themen frisch und energisch gehalten. Das Adagio isi von tieler Lmpfifidung und getragener Themenführung. Der letzte Allegrettosatz ist meisterhaft in der Abwechslung von Dur und Moll und durch die Umstellung der rhythmischen Bewegungen. Hans Gals Variationen über eine Wiener heurigen Melodie sind von echtem Wiener Charme. Man glaubt in Wiener Prater zu sein, wo das bunteste Leben und Treiben durcheinander wirbelt. Hans Gal verwendet zuerst ein leichtes Tanzmotiv, das er in Rondoform mit Grazie variiert. Es folgen dann verschiedene Walzer, von denen er drei in der Ib. Variation verwendet und /war so, das jede;» Instrument einen anderen Walzer spielt. Am Schluß werden die Wal/ci- Idänge vom Rondo wieder verdrängt, das hier in verbreiteter Form erscheint und kraftvoll das Werk beschließt tt. „Der schiefe Spiegel". Die Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde Berlin bittet uns um folgenden Hinweis: „Der schiefe Spiegel", das Gastspiel-Kabarett der Xünstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde /u Berlin stellt sich am Sonntag, dem 30. August 1936, erstmalig in Leipzig vor. Die Veranstaltung finde! im Saal des Etablissements Schloßkeller statt. Die gesamte jüdische Presse und das Berliner Publikum haben dieses Ensemble mit lebhafter Zustimmung begrübt, weil hier bewußt neue Wege zum Aufbau einer jüdischen Kleinkunst versucht worden sind. Im Mittelpunkt des Abends steht die „Pfändungsoper", eine musikalische Orntoskv von 1.....!:....! Heinrich; in ..... Inszenierung dir. niH'.i^uims teilen sich: Nicolai Eiiaschoff \um jüdischen Kulturbund Berlin und Alfred Lichtensteiii, früher Komödie, Dresden. Die musikalische Leitung hat Kapellmeister Hermann Ludwig Schlesinger, früher Großes Schauspielhaus Berlin und an den Kammerspielen München, der in Leipzig kein Unbekannter mehr ist. Die Entwürfe für Bühnenbild und Kostüme schuf Heinz Condeil vom Berliner Kulturbund. Das Programm des Leipziger Kulturbundes. Der Jüdische Kulturbund hat für die kommende Spielzeit folgendes Programm vorgesehen: Gastspiele des Hamburger Kulturhundtheaters: Tageszeiten der Liebe von Nicodemi-Kahn (1. September); Dame Kobold von Calderon (22. Oktober); Grobe Liebe von Franz Molnar (im November); Tartuffe von Moliere; Der Golem, b/w. ein Stück von Scholem Mechern; Jeremias von Stefan Zweig; Lin Said Drama von Marx, Hoffnung von Bernstein. Kammermusikabende: Leipziger Mendelssohn-Trio (27. August); Forellen-Quintett, gespielt vom Leipziger Mendelssohn-Trio unter Mitwirkung der Herren Schlesinger (Bratsche) und Levy (Contrabaß) und ein Trio von Schubert (Dezember). Vorträge: Dr. Max Osborn, Berlin, Judendarstellungen in der Kunst (21. September); Rabbiner Dr. Prin/: Die spanische Epoche. Orchester- und Konzert-Abende: ca. drei grobe Sinfjiiiekonzerte unter Leitung von Hau« Wilhelm Steinberg; Michael Taube und sein Orchester; Leipziger Collcgium musieum; Kammersänger Hermann Schey, Joseph Schmidt. Sollten die Verhandlungen mit den Behörden wegen eines längeren Gastspiels des Hehr. Nationaltheaters „Habima" zum Abschluß gelangen, so werden wir auch diesen Genuß wmr Inserieren Sie ständig! unseren Mitgliedern bieten. Wir hoffen, daß dieses reiehhnlfifTo Prr>. g":r.~: u.... ..«».ii «ahireiche neue Mitcrli*>H«r bringen wird. N'vuaiiiiiciuuiigcu Können in unserem Büro. Ooethcstr. 1, 3. St. (Geschäftszeit täglich außer Sonnabends und Feiertags 10—12 Uhr) erfolgen. Der jüdische Kulturhund Leipzig teilt mit: „Da das Mendelssohn-Trio für Oktober zu einer Tournee durch die Jüdischen Kulturbünde Bayerns verpflichtet worden ist, muß der Schubertabend des Mendelssohn-Trios auf einen späteren Termin verlegt werden, wahrscheinlich Dezember. Stattdessen ist es uns gelungen, Frau Beatrice 1 reiidenthal-Waghalter kurz vor ihrer Übersiedlung nach Amerika zu einem Gastspiel in unserem Kulturbund zu gewinnen." Sport vom Sonntag (Von unserem ständigen Berichterstatter D e k a.) Bei den Leipziger Sportvereinen ist augenblicklich Leichtathletik Trumpf, denn bei den Rasenspielern fehlt die besondere Leistung und damit für sie das Interesse, andererseits weiß man aber auch, daß diese Leichtathletik unbedingt zum notwendigen Bestand des Sportbetriebes gehören muß. Deshalb wird man auch dem wohl größten Ereignis der Leipziger Saison, den Junioren- und Jugend-Meisterschaften des Deutschen Makkabi- Kreises auf dem „Bar Kochba"-Platz nioigcn die nötige Beachtung schenken. Zu den sonntäglichen Einladuagakäuipfca des „Schild" für die „R. j. I ."-Vereine Mitteldeutschlands war neben den Hiesigen vor allem Dresden und Halle stark vertreten, wobei die Letzteren in ihrem aus Westdeutschland kommenden Herbert Abt eine „Kanone" erworben haben, denn die beiden Mittelstrecken (800 und 1500 m) holte er sich mit recht großem Vorsprung in 2,23,4 bzw. 4,48 Min., für diese Laufbahn eine recht beachtliche Zeit. Zweiter in diesen Konkurrenzen wurde der hiesige Max Biaich, der vor allem bei den 1500 Metern durch sein taktisch richtiges Laufen sich so weit nach vorn schieben konnte Eine Leichtathletik-Entdeckung brachte dieser Tag in dem sehr talentierten Kurt Reifenberg, Fußball kann er spielen, das wußte man, nun sprang er 1,51 m hoch und gewann gar die 400 in. Eine ebensolche Höhe schaffte der sonst bessere Hans Nathan und Hans Biermann, Dresden, der außerdem noch den Speer mit 38,50 Metern am weitesten warf. Im Kugelstoßen und Diskuswerfen ging der Sieg ebenso durch Leo Kroner in die Residenz. Den 100 m-Lauf holte sich natürlich Hans Nathan, der auch gleichzeitig Weitsprungsieger wurde. Die beste Tagesleistung war entschieden der 1,37,5 m-Hochsprung von Rita Hartwich und Inge Kohns Kutfelstoß mit S.14 m. Die Ergebnisse hätten in manchem besser sein können, diese sind aber an sich nebensächlich, viel wichtiger ist die Tatsache des Zustandekommens einer solchen Veranstaltung, zumal auf einem Platze, der erst durch mühevolle Arbeit „hoffähig" gemacht werden konnte, Leo Schmulewitz war der verdienstvolle Organisator dieses Tages, der mit der Ansprache und Siegerehrung durch Herrn Rabbiner Cohn den verdienten und würdigen Abschluß fand. Morgen steigen „Schilds" Jubiläumsspiele, seine l, Fußballelf und „Alte Herren" erwarten „J. S. (i. J J" - Berlin. Die I Handballer Ilm Freunde aus Dresden und die Mädels streiten mit Halle gar um den I itel eines Mitteldeutschen „R. j. F."-Meisters. Auf dem „Bar-Kochba"-Platz gibt's das bereits oben erwähnte Jugend-Sportfest, das weit übet den Rahmen der sonst üblichen lugend und (unioieiitreffcn mn.iiKfrfht. Wenn Leute wie Orgter] |!!-r!V!;! <.-k~.» ».::; BetÜU, Üt Hüiii imi gl l'lll Uli Kcild- /iorra. Lore Weyer aus der Mainstadt und weiterhin die Makkahi- Weltrekordlerin im Weitsprung Hilde Meyer an den Start gelten, dann garantieren schon diese allein dafür, daß bester Sport gezeigt wird. Vier entsinnt sich nicht noch der vorjährigen Deutschen Makkabi-Meisterschaft draußen auf dem ,,B. K."-Platz, bei der alle diese oben Genannten bereits dabei waren und auch Meister wurden, nachdem sie bereits einige Monate früher Mitglieder der Deutschen MakUabi-Maunschaft waren. 200 Jugendliche aus ganz. Deutschland messen morgen ihre Kräfte, und wieviel Zuschauer werden sie anfeuern? Es willerstrebt einem bald, immer und immer wieder auf die Pflicht dieser Letzteren hinzuweisen, aber es gibt noch Menschen, die sie nicht erfassen, weil sie gedankenlos in der Zeit leben, obwohl es ihre größte Aufgabe wäre, eben gerade der Jugend zu dienen. — Diese erwartet Sie darum alle morgen auf dem „Bar Kochba"-Platzü Herausgegeben vom Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig Schriftleitung: Oemeinderabbiner Gustav Cohn, Leipzig C. 1. Walter Bliimel-Sti . 10, III. Anzeigen: VorUK Goidtreund Leipzig Cl, Hainstraße 16, Zimmer 304 Tel. 16722 Anzeigeniciter: Ernst Ooldfreund, CichoriusstraBc 2 a. Tel. fin77t Hbf die Attl&a&BU hm Anzeigen in bestimmten Nummern und' an bestimmten Plätzen und für telefonisch aufgegebene Anzeigen wird keine Oewäfir übernommen. Druck: jordan&Oramberg vorm. Druckerei der Werkgetneinschaft, Leipzig, BrQderstrIQ. D. A. II. 36. 3600. Pr. L. Nr. 5. Für den Inhalt' der Inserate übernehmen Gemeindevorstand und Schriftleitung keine Verantwortung.