Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 22 (29.5.1936)
- Date
- 1936-05-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ufc! 12. Jahrgang - Nr. 22 L^\^ Auflage 3600 Stack 1 29. Mai 1936 üiafnl DER ISRAELITISCH EN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG Gegenwartsfragen jüdischer Kultur. Die Fragen der Entwicklung des jüdischen Kulturlebens beschäftigen die Juden in Deutschland aufs intensivste. Wir veröffentlichen heute zwei Aufsatze In dem zu diesen Fragen Stellung genommen wird. Die Schriftleitung. Programm und Aufgaben eines jüdischen Kulturbundes. Von Dr. Hans Abelsohn. Eins der wenigen Gebiete jüdischen Lebens, dessen Gestaltung nach dem Umbruch zu einem gewissen Abschluß gelaugt ist, sehen wir in den Organisationen der Jüdischen Kulturbünde und ihrer Dachorganisation, dem Reichsverband jüdischer Kulturbände. Hier ist es gelungen, auf dem für die Juden in Deutschland so wichtigen Gebiete kulturellen I ebens und kulturellen Schaffens eine fest Utnrissene Organisation ins Leben zu rufen, die schon heute eine besondere Rolle im deutschen Judentum spielt und wohl noch wesentlicher werden dürfte. Die Tatsache, daß die jüdischen Kulturbünde unter Aufsicht des Staates stehen, haben doch eine gewisse Autonomie in diesem Bezirk de» jüdischen Lebens Wirklichkeit werden lassen. Wii sind weit entfernt, in unseren jetzigen Kulturbünden das Ideal zu sehen, gleichviel von welchem jüdischen Lager wir kommen. Die Bitterkeit der Geburtsstunde einerseits und die Unzulänglichkeiten unserer jüdisch-kulturellen Möglichkeiten sind die Hauptgründe, weshalb Leiter und Mitglieder der Kulturbünde nicht aus vollem Herzen mit dem Erreichten zufrieden sein können. Es ist aber unsere Aufgabe, aus dieser Chance, die wir doch haben, das Beste zu machen: den Juden in Deutschland die Möglichkeit ZU Lieben, in ihrem eigenen Kreise kulturelle Veranstaltungen •■• pflegen iiiiv.1 jüdischen Künstlern die Basis fur kO|,u!,'n <'"1' är^e1"'"?.w Veben. So einfach und selbstverständlich beide Punkte zu sein scheinen, so liegt hier in Wirklichkeit die erste große Schwierigkeit. Beide Gruppen sagen wir: Kunst-,.Konsumenten" und Kunst-,.Produzenten" — können sich oft nicht so schnell zusammenfinden, wie es wirklich nötig ist, da z. B. die Kulturbünde als die Träger jüdischen kulturellen Lebens gewisse Forderungen an das Niveau ihrer Veranstaltungen stellen müssen, während anderseits die Künstler immer wieder das soziale Moment betonen. Wir glauben, dali die wenigen Veranstaltungen wenigstens gut sein müssen, und daß die Kulturbünde lieber auf andere Weise dein sozialen Zweck dienen sollten Wir sind der Meinung, daß wir Juden, die wir plötzlich aus dem hochstehenden deutschen Kulturleben herausgerissen winden sind, einfach unsere berechtigten Ansprüche nicht unnötig herabschrauben sollten. Dies zum allgemeinen Niveau Wie viele Schwierigkeiten bietet nun aber die Programmgestaltung im einzelneu. Allen es rechtzuiuachen, ist unmöglich, aber es gibt auch hier bestimmte Forderungen und Erfordernisse, denen die Leitung von Kulturbünden unbedingt gerecht werden iniili. Dazu gehört vor allem die — nun freiwillige Betonung des Jüdischen des Kulturbundes. Es müssen nicht nur indische Khnstler <lj? Träger der künstlerischen Darbietungen sein, auch der Geist und der Inhalt der Veranstaltungen muß jüdisch betont sein. Es müssen An die Juden in Deutschland! Mit tiefem Schmerz beklagt die jüdische Welt die maßlose, oft verbrecherische Bedrohung, der unsere friedliche Aufbauarbeit in Erez Jistael seit Wochen ausgesetzt ist. Menschenleben sind zum Opfer gefallen, Werte, die in mühseliger Anstrengung geschaffen wurden, sind vernichtet worden. Angriffe und Gewalttaten können uns Juden nie davon abhalten, unser Recht auf die Errichtung der jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina zu vertreten. Sie können unsere Verbundenheit mit den Brüdern in Erez Jisrael und mit dem Werke des Aufbaus nur stärken und festigen. Das soll auch jetzt unsere Antwort sein. Wir wollen alle Kräfte zusammenfassen. Wir fordern jeden, der schon bisher mit seinem Beitrag zum Keren Hajessod der Verpflichtung gegen Frez Jisrael Ausdruck gegeben hat, auf, durch einen Sonderbeitrag von wenigstens einem Viertel seiner regelmäßigen Zeichnung mitzuhelfen, daß der friedliche, gegen niemand gerichtete Aufbau Palästinas, das Raum für Juden und Araber hat, gesichert und fortgesetzt werde. Die, welche sich bis jetzt unserem Werke ferngehalten Hatten, rufen wir in dieser Stunde auf, sich mit ihrem Opfer uns anzuschließen. Wir zählen auf alle. Die Juden Deutschlands sind mit dem Palästinawerk unlöslich verbunden. Ihre Gedanken weilen in Sorge und Liebe bei Brüdern und Schwestern, Litern und Kindern in Lrez Jisrael. Ihre Hoffnungen sind auf den l oitschritt unserer Arbeit gerichtet. Wir wissen, daß unser Ruf nicht ungehört verhallen wird. Das Präsidium des Kcrcn Hajessod.!. e o Ruuol] CJftlhuikiin,*Si«iö[frMoses, Michael raub Vizepräsidenten F. F. Ascher, Friedrich Brodnitz, Karl Goeritz, Max Grünewald, Lola Hahn-Warburg, Otto Hirsch, Jacob Hoff mann. Franz Meyer, Egon Rosenberg, Friedrieh A. Strauß. daher vor allem die Werke jüdischer Künstler aufgeführt werden; feiner müssen wir Darbietungen jüdischen Inhalts geben. Bei der weitgellenden Entjudung der deutschen Juden müssen wir ihnen jüdische Weite vermitteln, müssen wir z. B. Vorträge über jüdische Geschichte und jüdische Kunst veranstalten. Ich meine, daß diese Zeit leichter zu ertragen ist, wenn die Juden mehr von jüdischer Geschichte wissen und dadurch mehr in das Wesen der Judenfrage eindringen. Auch die Gefahr der Wirkung judenfeindlicher Propaganda d ic juueii selbsl wird (iuren eine größere Ifiitti unu ueiere puuvuu Kultur gebauul, da wir dann mehr von Judentum und seinem Gang durch die Jahrtausende wissen, und dadurch besser in der Lage sind, auch die Leiden dieser Zeit zu ertragen. In dieser Beziehung haben wir viel nachzuholen, natürlich mit der Voraussetzung eines gewissen Niveaus auch für dieses Gebiet. Diese selbblvcrttiändiiche Betonung des Jüdischen schließt aber nicht aus, daß wir alles Schöne der europäischen Kultur weiter pflegen. Das Leben hat uns zu Europäern gemacht, ge-