Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 21 (22.5.1936)
- Date
- 1936-05-22
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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22. Mai 1936 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 5 Heren Kajemeth Mdisenleerung! Jim Sonntag, den 24. Mai 1936, l \Yumuug. Zwei am 1. Mai d. J. von der Jüdischen Buch-Vereinigung e. V. (JBV), Berlin W 15, Pariser Str. 7, entlassene Werber, namens Adalbert Burg und Sally Liberowitsch, die zuletzt in Frankfurt a. M. für die JBV tätig waren, sind nicht nach Berlin zurückgekehrt. Ihr Aufenthalt ist unbekannt. Da;ü- Gefahr besteht, ilr,'.'. die ober; Uenannten auf Grund ihnen früher gegebener Ausweise jüdische Organisationen aufsuchen zwecks Erlangung von Adressen oder zu anderen Zwecken, machen wir auf diesem Wege darauf aufmerksam, dal! den Genannten keinerlei Material zu übergeben ist und bitten, wo sie sich melden, ihnen Hie Ausweispapiere dci JBV abzunehmen und sich dann mit uns in Verbindung zu setzen. Bevorstehende Veranstaltungen Anmeldung von Veranstaltungen. Auf Grund einer zwischen den Vertretern der Vereine und Gr ganisationen vor etwa zwei Jahren getroffenen Vereinbarung soll es vermieden werden, daß mehrere Veranstaltungen auf den gleichen Termin angesetzt werden, um nicht gegenseitig Schädigung des Besuches hervorzurufen. Es muß deshalb vor endgültiger Ansetz ung einer Veranstaltung festgestellt werden, ob der beabsichtig* e Termin nicht für eine andere Veranstaltung vorgemerkt ist. Die Anfragen und Anmietungen cir.d künftighin au das Gemeindeamt der israelitischen Religionsgemeinde, Waltcr- Blüniel-Stralle 101, (nicht wie bisher an die Schriftleilung des Gemeindeblattes) zu richten. 23. Mai: Battenberg: Gesellschaftsabend mit Willy Roten, 25. Mai: Jüd. Kulturbund: Chentjo Winawer und seine 30 Säuger. 4. Juni: Jüd. Kulturbund: Bunter Abend: Max Ehrlich und sein En semble. Ü. Juni: Jüd. Kulturbund: Vortragsabend Jenny K, b Schaffer und Otto Bernstein. 14. Juni: „Der Ring" Bund jüd. Jugend: Bundessportfest auf dem Schild-Sportplatz Thekla. Neue Bücher. Agnons neue Werke. Band 6 „In Abkehr und Ruhe". (Schocken- Verlag, Berlin-Jerusalem.) Dieser letzte Band von Agnons neuen Werken enthält eine Anzahl von kleineren trzählungen und eine größere Erzählung „Im üci/.cu der Meere". Auch in diesem Buche erweist sich Agnon als der grolle epische Gestalter jüdischer Eolklore und Sage, den die heutige hebräische Literatur besitzt. Besonders „Im Herzen der Meere" ist voll von wunderbaren Reminiszenzen an die Reisen früherer PaiastinafalTi ei, wie wir solche im „Ozar Ha-Massaoth" von Eisenstein beschrieben finden. - Von den kleineren Erzählungen gruppiert sich ein Teil um den Sab bat Ii, eine weitere Gruppe von Erzählungen hat „Erez Israel" zum Mittelpunkt: und schließlich entstammt eine größere Zahl von Erzählungen chassidi scher Prägung. Zwei Geschichten betonen jüdischen Volksaberglauben, und zwei andere legen von Agnons Erinnerungen an Jugend und Elternhaus Zeugnis ab. Dieser sechste Band von Agnons Werken ist wie die vorangegangenen ausgezeichnet durch seinen einfach-schönen rabbinischen Stil. Dm Höhepunkt Buches bHctctdic wunderbar« Erzählung BHwaw-Jamim; ..1... 'Hirzen der Meete'-»Hie* kommt dieptiantasusche* Darsieliungsweise Agnons in besonderem Grade zum Aus druck. Die ganze Schilderung der Oberwanderung von Buckacz nach Erez Israel ist kulturhistorisch äußeret interessant, sie führt uns in üie ziert der chassidischen Einwanderung in die fünf heiligen Städte, eine Einwanderungswelle, die die erste Grundlage für den aschkenasischeu Jischuw im Lande gelegt hat. — Es geschieht selten, daß lebende Schriftsteller in die Reihe der „Klassiker" eingereiht werden. Einer dieser wenigen ist Sch. J. Agnon, der Schöpfer eines neuen Stiles in der neuhebräischen Literatur. Fritz Meir Fraenkel. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Heft 2, 1936. Von jüdischer Bibelwissenschaft. Es darf als ein sehr erfreuliches Zeichen der Zeit gelten, dali man heute in anderem "Mnne als etwa voi zehn Jahren von einer „jüdischen Bibelwissenschaft" sprechen kann, — also nicht nur Von den Leistungen, einzelner jüdischer Gelehrter, sondern von einer Forschung, die, mit dem gesamten Rüstzeug der neueren Wissenschaft ausgestattet, eigentümlich jüdische Gesichtspunkte zur Geltung bringt. Diese Wissenschaft fängt im besten Sinne des Wortes von vorn an, mit der uSWTSSi?!ROSEN Nachf. reiernieiniva« lO Rud. Goldstein Erklärung des ersten Buches der Schrift. Etwa gleichzeitig sind zwei hervorragende Forscher mit Erklärungen der Genesis hervorgetreten: Rabbiner Dr. Benno Jacob, der bereits seit über ureinig jähren tiefgreifende, methodisch und sachlich bedeutsame Arbeiten zur Erklärung der Thora veröffentlicht hat, und Umberto Cassuto, Ordinarius der semitischen Sprachen an der Universität Rom, zugleich ein ausgezeichneter Kenner und Erforscher der gesamten jüdischen Literaturgeschichte. Welch schwerwiegende Gründe beide gegen die noch heute weithin herrschende Quellenkritik erheben, wie erfolgreich sie das einseitige Urteil nichtjüdischer Kritiker bekämpfen, wieviel schärfer sie den Wert des einzelnen Bibelwortes erfassen lehren, zeigt Martin B u b e r in einem Aufsatz des Aprilheftes der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", der durchaus nicht nur über die seitherige Forschung berichtet, sondern sie an mehreren Punkten selbständig weiterführt. Das gleiche Heft bringt eine sehr lehrreiche Gegenüberstellunc der Lehren joritarher und christlicher Scholastiker vom Sinn des Weltgeschehens, ferner einige Briefe von Jacob Bernays, die in Ergänzung zu den seither bekannten, das Interesse der grollen Altphilologen für die Bibelforschung bekunden und einen sehr wertvollen Bericht über volkstümlich jüdische Literatur, insbesondere das sog. Massebuch, auf kulturvergleichender Grundlage. Man abonniert die „Monatsschrift", indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin wird und den jährlichen Mindestbeitrag von Mk. 10,— an die Gesellschaft (Postscheckkonto Berlin Nr. 7030) sendet. Der Morgen. Monatsschrift der deutschen Juden. Philo-Verlag, Berlin W 15. 12. Jahrgang. Das April-Heft des „Morgen" gibt dem neuen Jahrgang einen vielversprechenden Auftakt. Der Leitartikel nimmt den Jahrgangsbeginn zum Anlall, um die Probleme der Juden heit wie des Juden t u in s im In- und Ausland mit einem raschen, aber scharfsichtigen „Blick im Kreise" zu überschauen. Arthur Prinz' Darstellung der „Voraussetzungen jüdischer Auswanderungspolitik" gipfelt in der Forderung, die Zionisten müIlten Hi<» ihnen. nach Aiisioit des Verfassers allein eigene konstruktive Auswanderungsidee in Zukunft gerade auch in den Dienst der nichtpalästinensischen Wanderung stellen: ein temperamentvoller Vorstoll, der nicht ohne Widerhall bleiben wird. Fritz Bamberger untersucht Leistung und Versagen der „Wissenschaft vom Judentum" in ihrem Verhältnis zum jüdischen Leben, wobei die Schuld für dieses Versagen noch mehr dem jüdischen Leben als der jüdischen Wissenschaft zur Last fällt. Ilse Abramc/yk steuert in ihrer Arbeit über „Jüdische Gegenwart und hellenisches Erbe" auf eine neue Synthese zwischen Judentum und abendländischem Geist hin. Das Feuilleton dieses Heftes sprüht \on Geist. M. Y. ben Gavriels Novelle „Wunsch nach Tomaten" stellt einen Araber direkt aus der Wüste zum erstenmal der europäischen Kultur gegenüber: G u s t i Hecht unternimmt eine Ehrenrettung des jüdischen Heiratsvermittlers: I eo H jrcrh ruft in einem hesMinHenfn Dialog Im Hftrmtci.dfm P«v-he!en FHa.hrrbej, Wcfucr C a iiin in * n n..nimmt eine Besprechung der von Hans Bach herausgegebenen „Jüdischen Memoiren" zum Anlaß, die seelische Geographie der Juden in Deutschland näher zu beleuchten Der Leitartikel des „Morgen"-Maiheftes gibt den „Sorgen um Palästina" Ausdruck, die uns alle im Augenblick bewegen. Das Heft bevorzugt im übrigen eine Anordnung, die auch in früheren Nummern der -Zeitschrift sehr viel Beifall gefunden hat: eine Reihe von Mitarbeitern über ein bestimmtes Thema von verschiedenen Gesichtspunkten aus sprechen zu lassen. So wird die Frage „Seelsorge — heute" von Manfred Swarsensky, Max Eschelbacher und dem Jugendrabbiner Ulrich Steuer behandelt, mindestens so sehr nach der menschlichen wie nach der religiösen Seite des Problems hin. Zwei besondeis schöne Würdigungen gelten Sigmund Freud und der Psychoanalyse in ihrem Berührungs- und AbstolUinesverhältnis zum Judentum, und dem jüdischen in der Musik Gustav Mahlers, wobei Ludwig Landau sehr bemerkenswerte Anklänge an chassidische Erinnerungen entdeckt. Eine ähnliche, doch diesmal scharf absprechende Würdigung läßt Fritz Heinemann an Hand des philosophischen Nachlasses von Max Schelcr dessen Gestalt angedeihen. ^| ^7 j»^- g; J^gj^« VorschlulSrandenspiel um die Makkahl-Melsterschaft * ■ * — ■!DlT V* Sportplatz Dfibener LiandatraHH«» Straßenbahnlinien 14 und 16 16 Mir: im MCSlltl llüMM Har Kochba Frankfurt gegen Bar Kochba Leipzig