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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1933-08-25 · 34 (25.8.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
9 (1933)
Issue
34 (25.8.1933)
Date
1933-08-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Auflage 4500 Stück (Bemcinö eblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGE-M&IN DE- ZU I AMTLICHES NACHRICHTENBLATT LLIl^l V DER GEMEINDEVERWALTUNG« Schrif tleitung: Ocmeinderabbiner Qustav Cohn Leipzig. Walter BIQmel-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangabe und alt Oenebmigung des Verfassen gestattet. Nummer 34 ■ Jahrgang 9 25. August 1933 Anzeigenannahme: E. Ooldfreund, Leipzig O 5, Cichoriusstraße 2a, Fernsprecher Nr. 607 71. Druck : Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C 1. Statistische Feststellungen. Altersgliederung der jüdischen Bevölkerung. Die statistische Abteilung des „Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau" ist der Tatsache der Überalterung der Juden in Deutschland /ahlenmäßig nachgegangen und knüpft daran bemerkenswerte Folgerungen, denen wir folgendes entnehmen: Es ist bekannt, daß das Durchschnittsalter der deutschen Juden über dem der deutschen Oesamtbevölkerung liegt; daß aber der jugendliche Unterbau der jüdischen Bevölkerung ein so schmaler ist, wie es tatsächlich der Fall ist, ist bisher nicht in ausreichendem Umfange unterstrichen worden; es erscheint uns daher angebracht, die Altersgliederung der gesamten deutschen Juden einer näheren Untersuchung /u unterziehen. Diese Untersuchung führt zu dem Ergebnis, daß die Überalterung der jüdischen Bevölkerung tatsächlich eine besondere Zuspit/ung erfahren hat, die in wenigen Zahlen exakt statistisch nachgewiesen werden kann. Zwar muß hierfür wiederum auf die Zahlen des Jahres 1Q25 zurückgegriffen werden, aber gerade bei der Altersgliederung wird das Argument, daß es sich hierbei um überhöhe Werte handelt, am allerwenigsten ernsthaft geltend gemacht werden können. Die Altersgruppierung der Oesamtbevölkerung und der Juden — für diese letzteren liegt sie jetzt erstmals für das Reichsgebiet vor—, nach dem Stande von Mitte 1925 veranschaulicht die hier folgende Obersicht. Von 100 Person. Zahl der derOesamtbcvöl- Altersgruppen Oesamtbevölkerung Zahl der Juden kerung jeder Altersgrup. waren absolut v. H. absolut v. H. Juden 1 2 3 4 5 6 Bis 5 Jahre 5871517 0.41 38827 b,88 O.W) über 5 Jahre 3986 512 6,30 23 723 4,2» 0,60 über 1(1- 15 Jahre 6213829 9,96 38651 6,85 0,62 über 15 20 Jahre 6 543101 10,48 13808 7,76 0,67 über 20-30 Jahre 11457815 18,35 95244 16,88 0,83 über 30 40 Jahre 8863091 14,20 92117 16,32 1,04 über 40 50 Jahre 7754071 12,42 90035 15,95 1.16 über 50-60 Jahre 5961 114 9,55 69 987 12,40 1,17 über 60 -70 Jahre 3782002 6,06 46307 8,20 1,22 über 70 Jahre 1977567 3,18 25693 4,55 1,30 zusammen 62 410619 100 564 392 100 0,90 Wie die Übersicht zeigt, ist von der Gesamtbevölkenmg der Anteil der Jugend (die Altersgruppen bis zu 15 Jahren) mit mehr als einem Viertel von der Gesamtbevölkerung vertreten (25,7" „). Bei den deutschen Juden dagegen ist der Anteil der Jugend mit der entsprechenden Altersabgrenzung nur knapp 18" ,„ also nur wenig mehr als ein Sechstel der gesamten jüdischen Bevölkerung Deutschlands. Ebenso kraß wie es das erheblich kleinere Jugend-Fundament der jüdischen gegenüber der nicht-jüdischen Bevölkerimg zeigt, ergibt sich der Tatbestand der Überalterung aus dem Anteil, den bei den Juden und hei den Nichtjudcn die älteren Jahrgänge beanspruchen. Unter der Gesamtzahl der in Deutschland lebenden Juden sind über ein Viertel alter i!s 50 Jahre, innerhalb der Gesamtbevölkerung sind es dagegen nur 18%. Dieser überaus ungesunde Altersaufbau bei der jüdischen Bevölkerung muß wirtschafts- und sozialpolitisch fühlbar werden. In wirtschaftspolitischer Beziehung gilt es, die schwach besetzten jugendlichen Jahrgänge durch pflegliche Einordnung der Jugend in handwerkliche Berufe lebenstüchtig zu machen, in sozialpolitischer Richtung muß die hohe Zahl der alten, nicht mehr voll oder nur teilweise arbeitsfähigen jüdischen Personen eine besondere materielle Belastung darstellen. Aus diesem letzteren Grund, der Notwendigkeit der Versorgung vieler aHgewordcner Familienmitglieder und um der stärkeren Besetzung der im produktivsten Alter stehenden Jahrgänge willen, muß in einzelnen Wirtschaftszweigen bzw. in einzelnen höher entlohnten Berufen das prozentuale Ausmaß der Erwerbstätigkeit der Juden größer sein, als ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Andererseits muß mit Rücksicht auf die stärkere Häufung der älteren Jahrgänge auch die Zahl der Berufslosen und der Rentner unter den Juden stärker in Erscheinung treten. Die Altersgliederung, die in den Ländern noch eine gewisse Gleichartigkeit aufzeigt, unterliegt jedoch in ein/einen Großstädten Abweichungen. Diese erklären gerade in den größten Städten die stärkere Erwerbstätigkeit in solchen Wirtschaftszweigen, die für die Großstädte als solche charakteristisch sind, wie also den Handel, das Gast- und Schankwirtsgewerbc usw. Eine Übersicht für sämtliche deutschen Großstädte über den Anteil der Juden im Jahre 1925 in den drei Altersgruppen: der Jugendlichen, der im produktivsten Alter Stehenden bis zu 5(1 Jahren und der über 50 Jahre alten Personen, läßt für einzelne Städte besonders deutlich den schwachen Stamm des jugendlichen Nachwuchses erkennen, bei einzelnen die besondere Belastung durch ältere Personen, deren Anteil, gemessen an der Gesamtbevölkerung, oft um die Hälfte höher liegt, als es dem Durchschnitt des jüdischen Anteils in der betreffenden Stadt entspricht. Nur in wenigen Städten ist der jugendliche Unterbau etwas günstiger als bei der Gesamtheit der Juden, so insbesondere in den südwestdeutschen jüdischen Gemeinden, wie z. B. Karlsruhe und Ludwigshafen und in einigen mitteldeutschen kleineren jüdischen Gemeinden, wie Braunschweig und in den sächsischen Großstädten Dresden, Leipzig, Plauen und Chemnitz, hei denen der jüdische Nachwuchs zu der Hoffnung Anlaß gibt, daß sich dort die Zahl der Juden aus dem Rückgang der Geburten heraus nicht so stark vermindert, wie es leider für die Gesamtheit der deutschen Juden zutrifft. Insgesamt betrachtet glauben wir, daß die exakte Beweisführung der Überalterung der deutschen Juden einerseits und ihres geringen Geburtennachwuchses andererseits die besonders schwierige wirtschaftliche Lage der Juden neben anderen, diese Tatsache belegenden Symptomen erweisen: der Hinweis auf diese Altersgliederung kann nur dazu dienen, das Verständnis für die schwierige Lage der Juden in Deutschland überhaupt und die Notwendigkeiten ihres Schutzes der Jugend und der sozialen Betreuung ihrer nicht mehr arbeitsfähigen Alten zu stützen. Unsere Gemeinde. Offene Stellen für Philharmoniker. Unter dem Namen I he Palestine Itülharmoiüc Society Ltd. hat sich eine unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Dizengoff (Tel Aviv) stehende Gesellschaft gebildet, die ein Philharmonisches Orchester für den Herbst zusammenstellt. Für dieses Orchester weiden noch folgende Blaser gesucht: 2 Flöten, 1 Oboe (möglichst Englisch Horn), 1 Klarinette, 1 Fagotte, 3 Horner, 1 Trompete,, 3 Posaunen, 1 Tube (mit Streichbaß). Es sollen sich möglichst ledige jüdische Kräfte unter Beifügung von Zeugnisabschriften an die (ieschäftsstclle der Dreileiterleitung, Music-House F. Saphir, Tel-Aviv (Palestine), Allcnhvstr. 15, wenden, von wo sie die näheren Bedingungen erfahren. Mitteilung des C.-V.-Syndikats. Im Wei Senf eiser Tageblatt ist eine Notiz veröffentlicht worden, derzufolge christliehe Mädchen gewarnt werden, sich in Verkehr mit Juden einzulassen. Erst vor kurzer Zeit seien zwei deutsche Mädchen in Begleitung des Juden F. und eines Schlossers S. von der Reichsbahn getroffen worden. Die Kreisleitung der NSDAP, die diese Warnung veröffentlicht, wolle in diesem Falle noch einmal davon absehen, die Namen der betreffenden Mädchen zu veröffentlichen, warnen aber letztmalig und werden rücksichtslos gegen jedes christliche Mädchen vorgehen, wenn sie sie im Verkehr mit Juden antreffen. Im nationalsozialistischen Staate, der sich zum Ziel gesetzt hat, den semitischen Rasseneinschlag allmählich zu beseitigen und die arische Rasse wieder hoch/u/nchten, gehörten Mädchen, die der arischen Rasse angehören und trotzdem mit Angehörigen der semitischen Rasse verkehren, an den Pranger. Sie müssen bei unseren Inserenten kaufen!

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